Wann: 09.05. - 11.05.2008
Wo: Amphitheater / Gelsenkirchen (NRW)
Autor: Torsti
Anwesende Redakteure: Torsti & Andy
Freitag, 09.05.2008
Endlich wieder Festival! Das Warten hat ein Ende, also geschwind die Sachen ins Auto geladen und schon kann's los gehen. Das packen der Sachen an sich war in diesem Jahr eher weniger ein Problem. Vielmehr hat der Pfingstverkehr den Reibungslosen Ablauf leider arg gebremst, vor allem wenn man wie ich, seine Reise von Hamburg aus startet. Eineinhalb Stunden brauchte ich bis ich endlich auf der A1 freie Fahrt hatte, von da an rollte es sich glücklicherweise relativ relaxt.
Als (mittlerweile) Ortskundiger in Gelsenkirchen kennt man ja vorab die Parksituation, so konnte ich um 18:20 Uhr Ortszeit mein KFZ im nah gelegenen Wohngebiet abstellen.
Es war etwas Eile angebracht da ich pünktlich zu Die Apokalyptischen Reiter auf dem Platz sein wollte. Der Einlass funktioniert problemlos so das ich mir die Show der Reiter genüsslich zusammen mit leckerem Pilsbier anschauen konnte.
Das Hauptaugenmerk lag heute auf der neuen Gitarristin, Lady Cat-Man, die eine ihrer ersten Shows absolvierte. Das gut gefüllte Amphitheater machte von Beginn an Party und hatte sichtlichen Spaß am Weimarer Fünfer. Der tobsüchtige Fuchs sprang von einer Ecke in die andere und wusste das Publikum mitzureißen. Und wer dachte, er könne bequem auf den Rängen ausharren, der sah sich flugs mit der Aufforderung aufzustehen konfrontiert. Der Mob pöbelte und die Ränge gehorchten.
In puncto Stage-Acting ein schöner Beginn. Lady Cat-Man wurde des Öfteren von Fuchs und Bassist Volk-Man zur Seite genommen. Sehr liebevoll und fürsorglich, die Herren Musiker!

Nach der 30 Minütigen Umbaupause war es dann auch schon Zeit für den Headliner des Freitags. Da die eigentlich angedachten Celtic Frost im Vorfelde des Festivals mit Auflösungserscheinungen zu kämpfen hatten durfte nun die Thrash Legende Testament ran. Ein ungewohntes Gefühl bei helllichtem Tage den Headliner zu sehen, aber aufgrund von Auflagen der Stadt Gelsenkirchen mussten die Konzerte bis um 23 Uhr durch sein. Mit hohem Tempo zockten Testament schon zu Beginn ein geniales Feuerwerk ab. Ihr neuestes Langeisen hat sicher auch beim Publikum für einen gewaltigen Emotionsschub gesorgt, dies spürte man deutlich. Band und Publikum hatten sichtlich Spaß an diesem Gig. Gerade drei Songs blieben mir jedoch bis mich der Anruf von Kollege Andy vors Gelände zitierte um ihn in Empfang zu nehmen. Aufgrund von diversen Wiedersehens Feierlichkeiten bei dem ein-oder anderem Kaltgetränk war der Auftritt dann auch schon vorbei und man kehrte uns vom Gelände.
Trinkfest wie wir sind, schlugen wir uns dann am Auto noch ein paar Bier in den Kopf und wurden erst am nächsten Tag wieder stehend gesichtet.
Samstag, 10.05.2008
Die guten Erfahrungen die wir vor 2 Jahren mit dem nah gelegenen Bistro gemacht hatten wollten wir gern wiederholen und fielen, ohne uns lange mit aufgestellten Werbetafeln aufzuhalten, im Lokal ein. Man Begrüßte uns mit einem freundlichen „Guten Morgen. Frühstück?“, dem wir etwas verdutzt „Ja.“ entgegneten. Man wies uns den Weg in die Raucherkammer und stellte uns 'ne Kanne Kaffee hin. Spätestens da realisierten wir das hier definitiv nichts mehr Schnitzel Diabolo zum Frühstück ist. Es war tatsächlich nur Buffet für 8,50 €uro. Besser als nichts und ordentliche Toiletten gab es auch noch, also aßen wir mehr oder weniger enttäuscht ein paar Brötchen. [Anm. Andy: Kollege, nicht vergessen zu erwähnen, dass man auch unwilligen Frühstückern wie mir pauschal die knappen 9€ abknöpfen wollte. Für’s reine rumsitzen!!!]
Die Ösis The Sorrow hatten an diesem Tag den ersten Slot ergattert und versuchten um 12:45 Uhr die Fans aus dem Schlaf zu reißen. Das Pommesgabel Team fand sich währen des Gigs auf den Rängen ein und hatte stets, neben dem Bier auch die Sonnencreme stehen. Der moderne Sound der Band verzückt gerade das jüngere Publikum und animiert es zum Frühsport in Form eines amtlichen Circle Pit. Ein ganz klarer Fall von kommen, spielen und siegen. Im Laufe des Gigs gesellten sich immer mehr Leute dazu und begannen zu feiern. Ein gelungener Auftakt, so geht das! [tr]

Damit jedoch nicht genug Sorrow, die symbolische Fackel des Schwermetalls wurde an die finnische Schlachtplatte Moonsorrow weitergereicht. Jedoch fiel die Stimmung nun erst einmal etwas ab. Es ist einfach nichts, bei Sauna-Temperaturen düsteren, finnischen Viking-Black zu hören. Erst dem Aufruf von Sänger Ville Sorvali „Now you can bang, if you want it.“ folgten die vor der Bühne versammelten Fans. So gelangte das Stimmungsbarometer auch langsam wieder in Spähren wo sich das Thermometer schon lange aufhielt. [tr]
Die Norweger Enslaved waren leider nur mäßig erfolgsverwöhnt, an diesem sonnigen Tag. So richtig wollte der Funke nicht überspringen, was womöglich an den teils recht eigensinnigen Kompositionen gelegen haben mag. Aber vermutlich war es einfach nur zu hell?!
Exciter konnten ebenfalls nicht so recht überzeugen. Und schon gar nicht mit dem Sound, der doch recht lasch herüber kam. Naja, man will ja nicht undankbar sein, wenn ein Rudel Amis schon mal „rübermacht“ und so erfreute man sich dann doch an Songs der Sorte „Heavy Metal maniac“… mehr aber auch nicht.
Amorphis, so sehr ich diese Band auch schätze, verkamen streckenweise leider zu ihrer eigenen Coverband. Die neueren Stücke kamen und gelangen ohne Frage auf den Punkt. Die Finnen machten ihren Job außerordentlich gut, spielfreudig und verbreiteten so eine recht gute Stimmung. Mir stieß nur sauer auf, dass beispielsweise ein Gassenhauer der Marke „Black winter day“ unmöglich von „Irgendwem“ gesungen werden kann. Wenigstens für diese Nummer hätte man dem Fronter ruhig mal Zeit geben können seine Rastas zu lüften, um Tomi eben ans Mikro zu lassen… Wunschtraum. Dafür konnte man Songs wie „Better unborn“ bedingungslos und mit Freude verfolgen. [ah]

Autsch! Das Exodus Thrash-Metal zelebrieren war mir bewusst, dass es aber so unverdauliche Kost sein würde schwebte mir bei weitem nicht vor. Während das Publikum vor der Bühne total aus rastete suchten wir das weite und bummelten durch die Verkaufsstände, aßen etwas und suchten nach Shirts. Währenddessen verpassten wir wohl eine mörderisch geile Show und auch die Wall of Death entging meinen Augen. Wie man mir weiter zu trug wurde dann wohl auch schlag 21 Uhr, mitten im Song der Saft abgedreht, was zur Folge hatte, dass Sänger Rob Dukes Wut schnaufend hinter der Bühne verschwand.
Zum Glück war der Dämmerungsprozess an diesem Abend relativ weit fortgeschritten als Immortal auf die Bühne durften. So konnte sich eine faszinierende Atmosphäre über das gefüllte Amphitheater legen. Ich erwartete nicht viel und war wirklich fasziniert von der Show. Musikalisch hab ich noch nicht vieles von den Norwegischen Schwarzmalern wahrgenommen, heute Abend war jedoch genau der richtige Zeitpunkt sich näher damit zu befassen. Anstatt des stumpfen geholze, dass ich erwartet hatte, gab es groovigen, schwer düsteren Black-Metal. Angereichert mit einigen Pyro Effekten und Feuerspuck-Nummern war der Auftritt in einen klasse Rahmen gebettet. Ich bin entzückt und gehe mit einem zufriedenen Lächeln zu Bett. [tr]

Sonntag, 11.05.2008
Enemy of the Sun thrashten zur undankbaren Opener-Zeit los und hatten eingangs etwas Mühe, das Völkchen in Wallung zu bringen. Doch nach-und nach legte sich die Situation und es ergab sich ein recht vergnügliches Schauspiel.
Sieges Even war an dem sonnigen Sonntag wohl die Band, auf die ich am liebsten verzichtet hätte. Möchte gar nicht groß spekulieren, in welche Genre-Schublade die Musik passt (ist mit auch völlig egal), denn das war einfach nicht unsere Baustelle. Musiker spielen ca. vier verschiedene Songs gleichzeitig und verpassen darüberhinaus die Länge ihrer Spielzeit. Besten Dank auch.
Die Hölländer Asphyx trieben einem auch nicht gerade die Freudentränen in die Augen. Der gar furchtbare Gesang war schier unerträglich und von einem gelungenen Auftritt hat Backstage sicher auch niemand gesprochen. Das konnte selbst „The rack“ nicht wett machen.

Angekündigt wurde Jorn als einer der besten Hard Rock Sänger der letzten Jahre. Bei seinem ersten Auftritt mit seinem Solo-Projekt in Deutschland konnte mich die Darbietung musikalisch nicht vom Hocker reißen, zu statisch kam der ganze Akt herüber. So schön breit gefächert das Line Up auf dem RockHard auch immer ist, man hat immer ein oder zwei Bands die einem gar nicht zusagen, bei mir war das am heutigen Tage Jorn, die zwar nicht weh taten, aber mich auch nicht aus dem Schatten locken konnten.
Anders war das schon beim Britischen Kampfgeschwader Napalm Death. Ohne Rücksicht auf Verluste tobte sich das Quartett durch sein Set. Das wohl brutalste was dem Publikum in diesem Jahr serviert wurde. Irgendwo zwischen Grindcore, Punk und Death-Metal haben Napalm Death ihr Zelt aufgeschlagen und sind mittlerweile doch schon eine recht große Nummer. In den teilweise sehr kurzen Songs hat das Publikum Gelegenheit die Sau raus zulassen. Vorturner Mark Greenway schwitze innerhalb kürzester Zeit sein Shirt durch, ein weiterer Beweis für die enorme Energie die von den Birminghamern ausgeht. Roh, unverfälscht und einfach nur gut, wer jetzt nicht unter Strom stand hatte etwas falsch gemacht. [tr]
Endlich: Volbeat! Kann mich nicht entsinnen, das Theater jemals (zumindest dieses Pfingsten) voller erlebt zu haben. Die lustigen Dänen packten gleich von Anfang an das ganz große Rock’n’Roll-Paket aus und tobten wie die Berserker über die Bühne, dass es nur so eine Freude war. Dass auch die Band dabei großen Spaß entwickelte, konnte man ihr mit Leichtigkeit anmerken und übertrug diesen an das komplette Publikum. Spätestens mit „Sad man’s tongue“ stand für mich der eigentliche Headliner fest: Volbeat! Eigentlich erstaunlich, hätte ich das den Nordlichtern noch vor wenigen Jahren überhaupt nicht zugetraut. Respekt!

Paradise Lost, auf die ich mich eigentlich sehr freute, konnten mir leider kein Lächeln entlocken. Viele sogenannte Evergreens hatten kaum Wiedererkennungswert („True belief“) und so entstand ein teils wirres Rätselraten zwischen uns und unseren Sitznachbarn (es ging unentschieden aus). Die Band selbst kam mir auch recht lustlos vor und so machte das Ganze auch ganz schnell keinen Spaß mehr. Sehr schade. Nächstes Mal vielleicht, denn so schnell geb ich die Band nicht auf, denn ich weiß ja, dass es besser geht.
Und dann kam, was nicht sein musste: Torsti’s Erkrankung verschlimmerte sich zunehmend und ein paar Missverständnisse kreuzten unseren Weg, die letztendlich zur verfrühten Abreise beitrugen. Sehr schade eigentlich, war es doch erneut ein großartiges Festival, dass Seinesgleichen sucht und nicht finden kann! Wir fassen zusammen: Super Wetter! Großartige Stimmung! Nette Menschen (zumindest in unserem Umfeld)! Und darüber hinaus waren sogar ein paar spitzen Bands vor Ort! *g*
Tja, ich glaube fast, Gelsenkirchen sieht uns nächstes Jahr wieder…
Rock Hard rockt!!!
Beste Grüße gehen an: Lady Cat-Man (wird schon), Jassie, Volbeat, Dirk, Hans, Paul, die Jungs vom Berg (Stichwort: „Whisky“)… [ah]
by torsti@pommesgabel.de
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