Olaf: Jonas, hat einer von Euch in der Band schon mal etwas von Truman Capote gelesen?
Jonas: (grinst durch’s Telefon) Nein, wieso?
O: In seinem letzten Roman „Kaltblütig“ geht es um einen bestialischen, vierfachen Mord an einer Kleinstadtfamilie in Kansas. Das Städtchen, in dem diese Tat verübt wurde, hieß Hokum…
J: Nein, davon habe ich bisher noch nichts gehört. Ist aber eine interessante Geschichte…
O: Was bedeutet eigentlich der Bandname HOKUM?
J: Na ja, zuerst habe ich den Namen in einem Buch über die Fliegerei entdeckt in Zusammenhang mit einem Hubschrauber. Schreib jetzt aber bitte nicht, dass wir uns nach einem Hubschrauber benannt haben (lacht). Als ich dann ein wenig recherchierte dachte ich, etwas im Zusammenhang mit Werwölfen gefunden zu haben, was sich aber auch als Ente erwies. Zu guter Letzt fanden wir aber heraus, dass HOKUM ein Theater- oder Musikstück ohne Wert ist. Ein bisschen Selbstironie schadet nie (lacht).
O: Das ist allerdings richtig, denn „No escape“ ist ein richtig geiles Scheibchen technischen Death Metals geworden. Hast Du eigentlich schon mal was von Roger Patterson gehört?(Leider bereits seit fast 12 Jahren tot…)
J: Oh Mann, ein Gott!!! ATHEIST haben mit „Piece of time“ und „Unquestionable presence“ zwei Meisterwerke in Sachen progressiven Death Metal veröffentlicht und Rogers Bassspiel war und ist Inspiration und Antrieb zugleich. Es ehrt mich ungemein, in einem Atemzug mit dieser Legende genannt zu werden.
O: Was allerdings völlig in Ordnung ist, denn Dein Spiel erinnert sehr an Band wie DEATH mit Steve DiGiorgio oder halt ATHEIST. Sind dies denn auch so Deine Vorbilder?
J: Vielen Dank. Ja, auch ein Steve DiGiorgio hat mich sehr beeinflusst, wie auch Cliff Burton oder Alex Webster. Alles Meister ihres Fachs.
O: Ich finde es sehr erstaunlich und klasse, dass Du in Deinem Alter (19) schon solche Meister als Vorbilder nennst. Ich habe mal mit einem 20 jährigen (wohlgemerkt ich bin gerade mal 34!!!) über Metal im Allgemeinen philosophiert und der Junge kannte Bands wie KREATOR, DESTRUCTION oder SODOM überhaupt nicht. Stattdessen nannte er mir Combos, von denen ich noch so gut wie gar nichts gehört hatte. An diesem Tag kam ich mir alt vor…Wie kommst Du denn zu solchen Vorbildern? Als ATHEIST ihre letze CD veröffentlichten, warst Du gerade mal 5 Jahre alt…
J: Ich habe halt mit anderen Bands angefangen, habe dann auf Konzerten andere Leute getroffen, die mir dann diese oder jene Band ans Herz gelegt haben. So kam dann mein jetziger Musikgeschmack zustande. Unser Gitarrist zum Beispiel hört viel Prog-Metal wie DREAM THEATER oder THRESHOLD, wo hingegen unser Schlagzeuger mehr aus der New Metal Ecke kommt…
O: Was man ihm auf dem Bandfoto auch gar nicht ansieht…
J: (lacht) Allerdings, das kann man so stehen lassen, obwohl er mehr Metal ist, als wir. Er hat zumindest schon ein Tattoo. Na ja, wir sind ja noch jung (lacht).
O: Wie ist eigentlich „No escape“ entstanden?
J: Wir haben auf einem regionalen Bandwettbewerb den ersten Platz belegt und somit einen Tag Aufnahmen in den Farmland Studios gewonnen. Da wir sowieso was aufnehmen wollten, haben wir dann auf unsere Kosten einfach noch 6 Tage drangehängt. Mit dem Endergebnis sind wir sehr zufrieden.
O:…und wollt jetzt natürlich mit diesem wirklich exquisit aufgemachten Teil ran an den großen Plattendeal…
J: Nein, überhaupt nicht. HOKUM ist für uns in erster Linie ein großes Hobby, welches wir für uns und unsere Fans machen…
O: Moment mal, ein Hobby??? Und dann solch große Investitionen, ohne an einen Deal zu denken???
J: Ein Mensch, der eine Modelleisenbahnanlage betreibt, gibt auch Unmengen an Geld dafür aus, diese Anlage immer mehr zu vergrößern und professioneller zu machen. So ähnlich ist es auch bei uns. Wenn später was dabei herauskommt ist das prima, doch momentan machen wir das ausschließlich für uns und die Fans. Wir spielen halt unheimlich gerne live…
O: Sehr guter Vergleich. Wie seit Ihr eigentlich als Band zusammengekommen?
J: HOKUM war eine reine Schülerband, die dann auch hauptsächlich anfangs METALLICA Coverversionen gespielt hat…
O: Das tun sie ja alle, ich spreche da aus Erfahrung…
J: (lacht) Ja, so ist das halt. Der Vorteil hier war allerdings, dass wir alle schon zusammen in einer Klasse in unserer Schule in Moosburg waren und somit uns von Grund auf kannten. Unsere ersten Auftritte haben dann dementsprechend dort stattgefunden, da allerdings noch mit Coversongs. War schon der Hit, das erste mal auf den Brettern, die die Welt bedeuten(lacht).
O: Und der Beruf, Ausbildung etc. kollidiert nicht mit der Musik?
J: Noch stehen wir alle gar nicht voll im Berufsleben, wir haben ja erst letztes Jahr alle zusammen das Abitur gemacht und Benjamin (Geppert, Sänger und Gitarrist-der Verf.) und ich machen momentan Zivildienst. Dann schauen wir mal.
O: Du wirst dann sicher irgendwas mit Kunst oder Grafik studieren, schätze ich mal, denn Euer Logo und die Symbole auf dem CD Cover und dem Booklet hast Du ja selbst designed…
J: Das HOKUM–Logo ist in einer völlig langweiligen Lateinstunde entstanden (lacht). Ja, ein Studium in diesem Bereich kommt sicherlich in Frage, doch festgelegt habe ich mich noch nicht. Ich schaue einfach mal, was auf mich Zukunft und werde mich voll und ganz auf unsere Band konzentrieren. Mal sehen, was daraus wird.
In diesem Sinne wünsche ich den Jungs alles erdenklich Gute und hoffen inständig, daß sich eine Plattenfirma finden wird, die diese wirklich geniale Band unter Vertrag nimmt und somit die Welt mehr von HOKUM erfährt.