Donnerstag, der 09. September 2010
 
 

Interview: Heidevolk

 

Nicht viele Bands können von sich behaupten, nach gerade mal zwei Veröffentlichungen mit einem Meer an Ohrwürmern aufwarten zu können. Doch im Falle von Heidevolk ist die Sachlage anders, beglückt man sein Publikum seit der letzten Veröffentlichung „Walhalla wacht“ und den daraus resultierenden Tourneen und Festivalauftritten mit Krachern der Marke „Saksenland“, „Vulgaris magistralis“ oder „Koning radboud“ und zeigt dabei auf der Bühne eine ansteckende Freude und Spaß an der Sache.

 

Dies konnte ich auch am 29.08. in der wunderschönen Location des Bürgerparks Pankow in Berlin miterleben, in dem die Niederländer im Rahmen des 1. Berliner Wikingerfestes bereits um 15:30 Uhr die Bühne enterten, um die Anwesenden mit ihren Weisen zu erfreuen. Und obwohl bis auf vereinzelte Anwesende Niemand so richtig mit dem Material der Band vertraut war und es zum Schluss anfing, wie auf Kübeln zu pissen, konnte man den Gig als Erfolg und gute Werbung in eigener Sache werten.

 

Dank tätiger Mithilfe von Napalm Ben (J) schnappte ich mir Gitarrist Reamon, der mit seinem massiven Körperbau selbst einen Joey Majonaise Konkurrenz machen würde, und Basser Rowan, die mir bereitwillig meine Fragen beantworteten. Einen kleinen Gag konnte ich mir aber nicht verkneifen, als ich den Jungs einen Ananas Quark der Firma Sachsenland (!!!) unter die Nase hielt…

   

(Beide müssen lauthals loslachen und zeigen das Teil dem Rest der Band) Rowan: Müssten wir glatt einen Endorsement Deal aushandeln. Großartig…

 

Mich wundert es, wie Ihr als Niederländer die ganze Zeit Jever in Euch reinkippt, wo doch der Lokalpatriot eigentlich Heinecken konsumieren müsste…

 

Reamon: Wir verachten Heinecken (lacht). Das ist ein Bier für die Oberschicht und schmeckt einfach nur scheiße.

 

Rowan: Only for the rich and famous…

 

Seid Ihr das nicht?

 

Rowan: hahaha, wir arbeiten daran. Nee, aber diese Plörre trinken meist die Leute aus Utrecht, Amsterdam oder Rotterdam. Ein echter Niederländer sucht sich Alternativen.

 

Ist das nicht ziemlich stressig, für nur einen Auftritt extra aus Holland hierher zu reisen?

 

Reamon: das kannst Du aber glauben. Als wir gestern angekommen sind, haben wir noch einen Pub unsicher gemacht und dementsprechend nur 2 Stunden geschlafen. Dafür war unser Gig aber recht vernünftig und hat Spaß gemacht.

 

Rowan: Ich habe etwas gebraucht, um in die Songs reinzukommen, da ich ebenfalls noch ziemlich zerschlagen bin, was aber auch an unseren Wrestling Einlagen von gestern Abend liegen könnte, hahaha. Wir haben uns etwas ausgetobt und ich habe den Kürzeren gezogen.

 

Nun waren ja heute nicht die Masse an Leuten da, um Euch zu bewundern. Was bevorzugt Ihr? Clubshows oder Festivals?

 

Rowan: Das ist völlig unterschiedlich und es ist uns auch ziemlich wurscht, wie viele Leute da sind. Die, die vor der Bühne stehen, wollen etwas geboten bekommen, und das versuchen wir ihnen zu bieten. Bei einem Clubgig hast du die Leute besser im Blick, wo hingegen bei Festivals überall Gestallten rumlungern, die du gar nicht greifen kannst.

 

Reamon: Bei Open Airs bekomme ich besser Luft (im Hintergrund lacht sich der Rest der Band einen ab…) Nee, ehrlich. Da kriegst Du nicht den ganzen Mief und Qualm ab (steckt sich aber, während er das sagt, einen Zigarillo zwischen die Lippen…)

 

 

Allerdings scheint Ihr den Wettergott erzürnt zu haben. Beim Breeze 2008 hat’s geschifft, hier heute wieder. Heidevolk, die Band des Regens…

 

(beide lachen) Reamon: Ja, scheint fast so. Passt aber auch besser zu unserer Musik.

 

Wobei wir beim Thema sind. Wie waren Eure Erfahrungen auf der Tyr / Alestorm Tour, auf der Ihr mitgefahren seid?

 

Rowan: Die Tour war von vorn bis hinten professionell und super organisiert und mit den Bands haben wir uns auf Anhieb verstanden und einige lustige Stunden verbracht. Mit Tyr waren wir vorher ja schon mal unterwegs, daher wussten wir eh, was auf uns zukommt, hahaha.

 

Reamon: Aber auch die Alestorm Jungs waren fantastisch, wir hatten eine Menge Spaß.

 

Zurück zur Musik. Anfang 2008 kam „Wallhalla wacht“ raus. Auf der Bühne habt Ihr vorhin erwähnt, Ihr würdet bald wieder ins Studio gehen. Wann kann man denn mit neuem Material rechnen?

 

Reamon: Bald. Ende Oktober gehen wir ins Studio und werden das neue Album in Angriff nehmen. Auf jeden Fall werden wir uns etwas mehr Zeit nehmen, als für „Walhalla“ und rechnen mit einer Veröffentlichung so im Frühjahr 2010, sprich März oder April. Definitiv werden wir diesmal die Scheibe etwas rougher gestalten. Das bedeutet, wir wollen heavier werden. Versteh mich nicht falsch, unsere letzte Platte war klasse, hatte aber mehr einen rockigen Sound und das wollen wir ändern.

 

Rowan: Es war ja auch so, das wir das Album quasi zweimal aufgenommen haben. Als wir die Songs aufnahmen, waren diese ursprünglich zur eigenen Veröffentlichung gedacht, doch als Napalm Records uns gefunden hat baten sie uns, die Scheibe noch mal einzuspielen. Die Stücke sind daher auch nicht mehr ganz taufrisch, da sie alle 2006 entstanden sind. Nun sind ja auch neue Bandmitglieder hinzugekommen, die noch mehr Einfluss mitbringen und sich in das Songwriting integrieren, so dass das neue Album eine richtig spannende Geschichte wird. 95% der Songs sind bereits fertig und es fehlt eigentlich nur noch der Feinschliff.

 

Und alles wieder auf Holländisch? Habt Ihr kein Problem damit, das 90 Prozent Eurer Zuhörer kein Wort verstehen

 

Rowan: Nein, hahaha. Es ist aber schon lustig, wenn Leute aufgrund deiner Lieder anfangen, Holländisch zu lernen um ein bisschen zu verstehen, was wir singen. Wir tragen also sehr zum Bildungsniveau bei, hahaha. Obwohl hier in Deutschland die Leute schon wissen was wir meinen wenn wir „Het Bier zal weer vloeien“ singen, hahaha. Unsere Sprachen liegen ja nun nicht ganz so weit auseinander.

 

Reamon: Lustig ist es in Italien, wenn die Leute in ihrem Akzent Songs wie „Koning Radboud“ intonieren, das klingt schon verdammt lustig, macht uns aber auch stolz.

 

Wann kam Euch denn die Idee, mit zwei Sängern zu arbeiten?

 

Reamon: Am Anfang waren wir sogar zu viert, der Fighting choir. Rowan ist auf dem ersten Album „De Strijdlust is geboren“ auf dem Cover nur als Background Sänger  dabei, hat dann aber später unseren alten Bassisten abgelöst. Wir wollten einfach einen außergewöhnlichen Gesang haben, der mit Mark Splintervuyscht und Joris Boghtdrincker einfach blendend funktioniert. Wir wollten uns damit auch ein bisschen von all den anderen Bands etwas abheben…

 

 

Was beim Breeze 2008 nicht ganz funktioniert hat, spielten doch 3 inches of blood, ebenfalls mit 2 Sängern, direkt nach Euch…

 

Rowan: Stimmt, hahaha. Da war ja was. Blöder Zufall.

 

Wie wichtig ist die heidnische Mythologie für Eure Band?

 

Reamon: Für unsere Musik und die Texte sehr. Wie es für die einzelnen Bandmitglieder ist, musst Du mit ihnen klären.

 

Rowan: Die Mythologie des Heidnischen ist der Eckpfeiler unserer ganzen Heidevolk Idee. Gerade Sebas (Gitarre) steht da zu 100% hinter und ist total in der Materie verankert. Ich selber schreibe die Songs aus der geschichtlichen Sicht wo hingegen er mehr für das Mystische verantwortlich ist.

 

Erklär mir doch bitte mal die Bedeutung Eurer Flagge, die auf Euren Gigs immer als Backdrop dient.

 

Rowan: Das ist die Flagge unserer Heimatprovinz Gelderland, zu der wir uns, da wir dort alle leben, sehr verbunden fühlen. Es ist zum einen die größte Provinz des Landes und vor allem die grünste. Es gibt Unmengen an Wälder und viel Grün. Es ist einfach schön, dort zu leben und das wollen wir auch zeigen.

 

Ist es eigentlich ein schönes Gefühl, so einen „Smash-Hit“ wie „Saksenland“ im Programm zu haben?

 

Reamon: Ja (lacht). Alles andere wäre gelogen. Allerdings haben wir während der Aufnahmen nicht daran gedacht, einen solchen Hit zu produzieren. Wir hatten keinen Favoriten und haben jedes Stück gleich behandelt. Doch „Saksenland“ hat sich dann zu eben jenem entwickelt…

 

Rowan: Und wird auch von Napalm Records immer wieder für Sampler verwendet…

 

Reamon: Dennoch haben wir ja beispielsweise mit „Vulgaris magistralis“ einen ebensolchen Hit im Programm, bei dem die Leute auch immer kräftig mitsingen. Es ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl, wenn wir „Saksenland“ ankündigen, das die meisten der Leute zusammen mit Marc den Chor anstimmen…ja, das ist in der tat ein sehr erhebendes Gefühl.

 

by  olaf@pommesgabel.de

 
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