Der Abend der MASTERS OF DEATH stand unter keinem guten Stern, denn ich plagte (und plage) mich seit 3 Wochen mit einer hartnäckigen Schnodderseuche herum, die schon dafür sorgte, dass ich Tags zuvor auf BEYOND FEAR und VICIOUS RUMORS verzichten musste. (Schnief) Dennoch, die MASTERS OF DEATH – Tour 2006 konnte und wollte ich nicht ausfallen lassen, sind die vier Protagonisten UNLEASHED, ENTOMBED, GRAVE und DISMEMBER seit Beginn ihrer Karrieren Anfang der 90er meine ständigen Wegbegleiter gewesen. Außerdem ist eine solch hohe Konzentration an tödlichem Schwedenblei ein unbedingtes Muss. Also, let’s death…
Im leider typischen Berliner Feierabendverkehr, in dem wir für eine 30 Minuten Strecke geschlagene 1½ Stunden brauchten, staunten wir nicht schlecht, als wir kurz vor dem eigentlichen Konzertbeginn an einer Kreuzung den Tourtross mit allen Beteiligten überholten. Unter kräftigen Hupen, Pommesgabeln in die Höhe reckend und NAPALM DEATH aus dem geöffneten Autofenster schallend, wurde vom Verfasser dieser Zeilen und seiner Begleitung den im Bus sitzenden Musiker gebührend Respekt gezollt, welcher mit mehreren Viking Horns auch erwidert wurde. Der Vorteil dieser Verzögerung: Man konnte noch gemütlich einen Dönerteller zwitschern. Der Nachteil: Der Support der schwedischen Stahlarbeiter, EXTERMINATOR, wurden kurzerhand gestrichen und ans Ende des Billings gesetzt, welcher wir aber aufgrund des späten Beginns und meines frühen Arbeitsbeginns strichen…
Mit den osmanischen Kostbarkeiten derart gestärkt, wurde das bereits mehr als gut gefüllte K17 geentert. Beim Merchandising gab es allerdings die erste große Ernüchterung: Ein Kapuzenshirt für 40,-- €, T-Shirt 20 und Longsleeve 30 sind ziemlich Fan-unfreundliche Kurse und dementsprechend wurde das eigentlich sehr ansprechende Sortiment mit Nichtachtung gestraft. Erst als man mit 5,-- € herunterging, wechselte auch bei mir ein neues UNLEASHED Longsleeve den Besitzer. Na also, geht doch, meine Herren…
Bei der MASTERS OF DEATH - Tour herrscht, wie bei den Bayern unter Ottmar Hitzfeld, das Rotationsprinzip was zur Folge hatte, das alle Anwesende in Bezug auf die Running Order ziemlich im Dunklen tappten.
Als dann aber ein blonder Hühne mit umgeschnallter Klampfe die Bretter bestieg wurde klar, GRAVE würden heute den metallischen Reigen eröffnen. Zu Alltime Klassikern der Marke „You will never see“ oder „Into the grave“ gesellten sich neue Kracher wie „Living the dead behind“ und „Burn“. Die anwesende Bangerschaft quittierte diesen tollen Gig mit allgemeinem Kopfschütteln. Da ließen sich die Jungs von der Insel Gotland nicht lumpen und zockten mit einer sichtbaren Spielfreude ihren famosen Gig herunter. Ein klasse Anfang.
Leider kam jetzt schon der für mich heimliche Headliner des Abends, UNLEASHED, allem voran der sympathische Fronthühne Johnny Hedlund. Mit „Before the creation of time“ vom legendären Debüt fand man auch einen fulminanten Einstieg und das mittlerweile knüppelvolle K17 fraß der Death Metal Dampfwalze aus der Hand. Die Schweden hatten mächtig Spaß inne Backen, posten wie KISS zu Glanzzeiten und feuerten nebenbei einen Hit nach dem anderen in die bangende Menge ab. Highlights waren die Superhits „Death metal victory“, „The immortals“, mit einen fast nicht endenden Mitsing Part, Gänsehaut pur, und „Never ending hate“, wobei die nun völlig tobende Masse, von Johnny fachmännisch angeleitet, jeden Refrain lautstark mitbrüllte. Ein gigantisches Hörerlebnis. Mit dem obligatorischen „Into glory ride“ und einer zünftigen Bierdusche aus Johnny Hedlund’s Trinkhorn für die erste Reihe wurde ein viel zu kurzer, fantastischer Auftritt abgerundet, bei dem drei Dinger besondere Erwähnung finden müssen: 1.) UNLEASHED hätten hier Headliner sein MÜSSEN, 2.) Die neuen Songs fügen sich nahtlos in die gigantische Diskographie der Stockholmer ein 3.) UNLEASHED für Wacken 2007, aber dalli!!!
Zu den folgenden ENTOMBED gibt es leider wenig Erbauliches zu berichten. Der ehemalige Grunzgott Lars Gören Petrov hatte vorher schon einige Schultheiß intus und stolperte recht unbeholfen umher und Alex Helid wäre mit seiner schwarzen Wollmütze, die ihm dummerweise immer bis zur Oberlippe herunter rutschte und ihm somit den Blick auf die Masse verwehrte (oder war das so gewollt???), bei jedem Hip Hop Event unentdeckt geblieben. Trotzdem quittierte er den Spruch eines Zuschauer „Ey Ice-Cube“ mit bitterbösen Blicken, soweit es seine Wollmütze zuließ. Egal, Fakt ist einfach, dass ENTOMBED anno 2005 nix mehr mit Früher zu tun haben. Der Rumpelrotzrock ist vielleicht für Songs wie „When in sodom“ ganz erquicklich, bei den dargebotenen Klassikern wie „Reveal in flesh“ oder „Left hand path“ zerstört diese Darbietung einfach die Magie besagter Songs. Nee, nee, nee, das gibt ganz dicke Abzüge in der B-Note.
DISMEMBER hatten also den Headliner Status für heute inne und obwohl ich eigentlich Fellverdrescher Fred Estby und seine Horde gar nicht auf dem Zettel hatte, entwickelte sich der Gig als wahrer Augen- und Ohrenschmaus, wurden doch solche Perlen wie „Pieces“, „Into the dark“, „Skin her alive“ oder „Bleed for me“ kredenzt, alles überstrahlend vom ewig vor sich hin grinsenden, charismatischen Drummer. Auch Hängebauch Matti Kärki war in Topform, trank nur Wasser (!!!) und ließ sich von der guten Laune seiner Mitstreiter anstecken. Ein sehr feines Stageacting in bester JUDAS PRIEST Manier, bei dem jeder Zentimeter der Bühne gnadenlos ausgenutzt wurde und ein messerscharfer Sound ließen DISMEMBER zur großen Überraschung des Abends werden, welche allerdings leider von nicht mehr ganz so vielen Anwesenden trotzdem frenetisch abgefeiert wurde.
Das MASTERS OF DEATH 2006 war wie ein Klassentreffen nach 15 Jahren mit vielen guten Freunden von damals und geiler Mucke. Hoffentlich erfährt diese gigantische Tour schnellstens eine Neuauflage. Um es mit den Worten von UNLEASHED zu sagen:
DEATH METAL – NO COMPROMISE