Nach dem diesjährigen fulminanten Wacken Auftritt stand für mich relativ schnell fest, dass ich mir die norwegischen Schwarzheimer Dimmu Borgir unbedingt noch einmal ansehen musste. Da man mit Amon Amarth auch noch einen gleichwertigen Support mit ins Boot holen konnte, war eine restlos ausverkaufte Columbiahalle garantiert. Dies konnten Langhammer, Günter und ich bereits 30 Minuten vor dem offiziellen Beginn vor der Halle feststellen, wo sich Schwarzgewandeten Anhänger schon in Scharen tummelten.
Leider konnte aufgrund der Entlassung von Jacob Bredahl der dänische Thrash Brocken Hatesphere nicht mit von der Partie sein. Stattdessen gab man den Neulingen Engel um den ehemaligen In Flames Gitarristen Nicolas Engelin den lukrativen Supportslot. Doch wie würden die Fans diesen aufnehmen?
Komplett in Einheitskleidung enterten die Schweden pünktlich um 20:00 Uhr die Bühne, um mit ihren leicht Industrial- angehauchten Thrash / Death die Leute auf ihre Seite zu ziehen. Musikalisch gab es Songs vom noch nicht erschienenden Debüt „Absolute design“, die allerdings live nicht so richtig zünden wollten. Musikalisch nicht schlecht, bangten sich der Fünfer durch die ihm Angedachte halbe Stunde und erntete den obligatorischen Höflichkeitsapplaus der noch nicht einmal zur Hälfte gefüllten Halle. Ich fand den Auftritt eher mittelmäßig, aber vielleicht lag es nur an dem relativ schlechten Sound, der mir entgegenschlug.
Nun hieß es (einmal mehr in diesem Jahr) „Raise the viking horns“, Amon Amarth hatten 50 Minuten Zeit, ihre mittlerweile recht platten Wikinger Geschichten ins Publikum zu hämmern. Doch ich muss Abbitte leisten und den Mannen um Johan Hegg einen fantastischen Auftritt attestieren. Das sahen die mittlerweile vollzählig in der Halle angekommenen Fans ebenso, die die Schweden nach allen Regeln der Kunst abfeierten. Die Stimmung war klasse, die Songs kamen riesig rüber, der Sound passte und es wurde gebangt, als ob es kein Morgen gäbe. Es ist schon selten, das ein Hauptact einen auf Augenhöhe stehenden Support mitnimmt immer mit der Gefahr, selbst von diesem an die Wand gezimmert zu werden. Amon Amarth boten eine Best-Off Setlist, die Halle brüllte ausnahmslos alle Songs mit und die Musiker genossen sichtlich ihre zugedachte Rolle. Großartig und erwähnenswert ist die Tatsache, dass mit „Bleed for ancient gods“ vom famosen „The avenger“-Album ein Song seinen Weg in die Setlist gefunden hat, der so im Vorfeld nicht geplant war. Nach dem obligatorischen Rausschmeißer „Persuit of vikings“ waren sich fast alle einig: Das war ein Hammerbrett und unglaublich geil. Danke, 1, setzen…
Setlist Amon Amarth:
Valhall awaits me
Runes to my memory
Death in fire
Cry of the blackbirds
Fate of norns
Bleed for ancient gods
Victorious march
Persuit of vikings
Die Spannung stieg und es lag ein Knistern in der Luft, denn auf der letzten Tour 2003 machten die Mannen um Dimmu Borgir Chef Silenoz einen Bogen um Berlin. Daher konnte man gespannt sein, was sich die Norweger für diesen Set alles ausgedacht hatten. Während der knapp 35minütigen Umbaupause konnte man allerdings schon erkennen, dass der Bühnenaufbau ziemlich minimalistisch ausfallen würde. Anscheinend wurde auch aus brandschutztechnischen Gründen auf ein Pyro-Feuerwerk verzichtet und somit flatterten ausschließlich 4 Elektrofackeln vor sich hin. Allerdings fuhr man für die an diesem Abend stattfindende DVD Produktion eine tolle Diashow auf, die auf Backdrophöhe das Publikum bestens unterhielt. Links oben thronte Mustiis hinter seinen zwei Keyboards, rechts von ihm hinter einem gigantischen Drumkit Aushilfs-Hellhammer Tony Laureano, der seine Sache erneut hervorragend gestaltete. Auf der Bühne selbst tobten sich Vortex, Silenoz, Galdar und der stetig vor sich hin knurrende Shagrath richtig aus. Positionswechsel, Rockstar-mäßiges Gepose, welches allerdings nie platt oder aufgesetzt wirkte, und eine exzellente Songauswahl lies eigentlich keine Wünsche offen. Eigentlich? Nunja, bei allem Respekt und der spielerischen Klasse, die Dimmu Borgir an den Tag legten, ist eine Spielzeit von gerade 75 Minuten eines Headliners unwürdig. Auch die Interaktion mit dem Publikum war nicht so dolle. Bis auf ein paar gelegentliche „How are you?“, „I can’t hear you“ oder „Louder!!!“ beschränkte sich Shagrath auf die Songs, zwischen denen er aber ab und zu in einem Ordner nachschlagen musste. Hat der Gutste eventuell Textprobleme??? Sei’s drum, die Songs, die gespielt wurden kamen tight und perfekt rüber, wobei einzig Vortex cleane Gesangspassagen etwas zu leise waren. Doch den Massen war es egal und wie vorher schon bei Amon Amarth wurden die Norweger pausenlos bejubelt und zu Höchstleistungen angespornt. Meine persönlichen Highlights waren „The serpentine offering“, das abschließende „Mourning palace“ und das schleppende „A succubus in rapture, der sich so langsam zu meinem absoluten Dimmu Borgir Lieblingssong mausert. Alles in allem eine runde Sache, die aber wie bereits erwähnt, viel zu schnell vorbei war. Das nicht nur mich dieser Umstand etwas verärgerte, konnte man an vielen enttäuschten Gesichtern ablesen. Trotzdem ein gelungener Konzertabend mit klasse Bands.
Setlist Dimmu Borgir:
Intro
Progenies of the great apocalypse
Vredesbyrd
Grotesquery conceiled
The serpentine offering
The chosen legacy
The sinister awakening
A succubus in rapture
Fear an wonder
Blessing upon the throne of tyranny
Spellbound (by the devil)
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The sacrilegious scorn
Puritania
Mourning palace
Outro
Zwei Sachen muss ich allerdings noch erwähnen, die mir tierisch sauer aufgestoßen sind. Zum einen ein Appell an alle Vollidioten und anscheinend rechts orientierten Glatzen die meinten, bei Dimmu Borgir mit Violent dancing wild um sich schlagend andere Besucher bewusst verletzen zu wollen. Fickt und verpisst Euch. Solch einen Abschaum will ich auf Metal Konzerten nicht mehr sehen. Ein Moshpit ist eine feine Sache, wenn man’s richtig angeht, aber nicht so…
Zum anderen bringen einige Wenige unsere Musikrichtung in Verruf, wenn vor der Halle wildfremde Passanten angepöbelt werden oder nach dem Konzert fremde Autos angepisst werden. Wäre es mein Auto gewesen, würde dieser Wichser jetzt sein Essen durch einen Strohhalm konsumieren. Verdammt, das musste ich noch loswerden…