Was für eine Zeitreise die heute anstehen sollte. Doro Pesch und dann auch noch im Berliner Huxleys. Die kleine Düsseldorferin sah ich letztmalig in der Halle Anfang 1990 und da sich zwischenzeitlich mein Musikgeschmack eher in die weitaus härtere Ecke gedreht hat war ich gespannt, wie meine Synopsen auf den True Metallischen Angriff reagieren würden.
Gleich zu Beginn fiel mir das sehr gemischte Publikum auf. Vom Anzugträger über die Bürodame, die mittlerweile in Ehren ergraute Platin Blondine der späten Achtziger bis hin zu den mittlerweile Bierbäuchigen Poser Rockern der frühen Neunziger war alles vertreten, um dem lütten Energiebündel ihren Tribut zu zollen. Das dieser heute zahlreich werden würde belegte schon im Vorfeld die Tatsache, das aufgrund der regen Nachfrage der Gig vom gemütlichen Postbahnhof in das weitaus größere Huxleys verlegt wurde, welches auch mächtig gut gefüllt war. Der Bierpreis ging auch und so bezogen wir eine tolle Tribüne, von der wir gemütlich und ohne jegliche Erwartungshaltung der Dinge harren konnten.
Als erste Vorband erklommen die Italiener von Merendine atomiche die Bühne von denen ich a) noch nie etwas gehört habe und b) völlig unbeeindruckt blieb. Ziemlich fetter, stampfender Metalcore waberte aus den Boxen, der so gar nicht zu diesem Abend passen wollte. Der Sänger, der vom körperlichen Umfang her als Bruder von Tankards Gerre herhalten könnte, brüllte unverständliche Textfragmente ins Publikum, welches sich mit den auf den Brettern stehenden Südeuropäern zu keiner Zeit anfreunden konnte. Dennoch sollte zumindest ein Höflichkeitsapplaus drin sein, doch zwischen den Songs herrschte eisiges Schweigen…
Ganz anders bei den Aachenern Krypteria, die durch diverse Festivalauftritte in diesem Jahr sichtlich motiviert losrockten. Beim Opener „Shoot me“ kam Front-Blickfang Ji-In im Brautkleid, welches dann im Laufe des Songs einem sehr knappen Lederoutfit wich. Nicht nur ich war davon höchst erfreut *hüstel*. Dennoch richteten sich meine Blicke während des gut 40minütigen Gigs zunehmend auf Drummer Kuschi, der mit gekonnten Jongliereinlagen und seiner recht unorthodoxen Spielweise (mal links, mal rechts) meine Aufmerksamkeit erlangte. Leider kränkelte der Sound ein wenig und die Gitarre von Chris Siemons war zu leise, doch selbst diese Umstände hielten das Quartett nicht davon ab, einen tollen Gig hinzulegen. Leider war aber auch hier die Publikumsreaktion ziemlich mau und das obwohl Krypteria mit „Ignition“, „Somebody save me“, „For you I bring the devil down“ und „My fatal kiss“ richtige Kracher im Set zu bieten hatten. Aber was soll man von einem völlig fachunkundigen Publikum halten, die scheinbar mit Scheuklappen durch die Welt laufen und mit Bemerkungen wie „Huch, die spricht ja prima deutsch…“ ihre eigene Ignoranz und Dümmlichkeit zur Schau stellen? Richtig, nüscht. Ich fand den Gig klasse, allerdings nicht so begeisternd wie beim diesjährigen Summerbreeze, wo Krypteria richtig abräumten und die Fans was mit der Band anzufangen wussten. Immer wieder gerne…
Im mittlerweile richtig gut gefüllten Huxleys kamen so langsam „Doro-Doro“-Sprechchöre auf, doch die Metalqueen ließ sich etwas bitten und überließ einem fleißigen Bühnentroll, der sämtliche Instrumente stimmen musste, das Feld. Als dann aber nach einer schier endlos dauernden Umbaupause endlich zum Sturm geblasen wurde, gab es kein Halten mehr und mit „Eartshaker rock“ wurde ein klasse Einstieg gewählt. Nachdem das agile Fräuleinwunder auch noch mit „I rule the ruins“ und „Burning the witches“ zwei weitere Kracher präsentierte wurde mir klar, das dies tatsächlich eine Reise in die Vergangenheit werden würde. Der Sound war klasse, das Publikum ging (endlich) mit und Frau Pesch peitschte die Reihen immer wieder an und animierte diese, teilweise etwas im Robinson-Club-Stil, zum mitmachen. Einziger Wehrmutstropfen für mich war, das mit „I lay my head upon my sword“ und dem mir ewig verhassten „Für immer“ zwei absoluten Gurken den Weg in den Set gefunden hatten. Doch der Masse war das egal und die feierte den kleinen Derwisch nach allen Regeln der Kunst ab. Als dann nach „All we are“ Schluss war blieb die Erkenntnis, das Doro es immer noch drauf hat und solch ein Nostalgieabend durchaus seinen Reiz hat.
Setlist:
Earthshaker rock
I rule the ruins
Burning the witches
The night of the Warlock
True as steel
Above the ashes
Metal racer
I lay my head upon my sword
My haunted heart
Fight for rock
When east meets west
Burning my fire
We are the metalheads
Breaking the law
All we are