Donnerstag, der 09. September 2010
 
 

Konzertbericht: Overkill | Suicidal angels | Cripper | Savage messiah

 

Bands: Overkill | Suicidal angels | Cripper | Savage messiah
Datum:
12.02.2010
Location / Ort: SO 36 Berlin
Redakteure vor Ort: Olaf
Autor: Olaf
Bilder ©: pommesgabel.de

Es gibt Bands, die man als Metal- und insbesondere Thrash Metal Fan mindestens einmal im Leben aufgrund deren Bedeutung für dieses spezielle Musikgenre gesehen haben muss. Metallica, Slayer, Megadeth und natürlich Overkill, die ich 1985 bei meinem allerersten Metalkonzert überhaupt zusammen mit Agent Steel und Anthrax, ebenfalls eine Band in dieser „Hall of fame“, im Berliner Quartier Latin (R.I.P. schluchz…) erleben durfte. Die war die Geburtsstunde meiner Liebe und Zuneigung zu dieser einzigartigen Combo, die seit ihrer Gründung 1980 und dem legendären Debüt „Feel the fire“ von 1985 weitere 15 Alben veröffentlicht haben und sich, gerade auf dem Livesektor, einen Ruf wie Donnerhall erspielt hat. Darum stand es schon früh für mich fest, den Jungs aus New York am heutigen Abend meine Aufwartung zu machen und mit den zahlreich anwesenden Gleichgesinnten mächtig abzuzappeln.

 

Beim Einlass gegen 19 Uhr war ich dann aber doch erst einmal etwas verwundert, tummelten sich zu diesem Zeitpunkt doch höchstens 100 Nasen im berühmt / berüchtigten Kreuzberger Szene Club und als die Briten Savage Messiah zum Tanz aufspielten, hätte man in der doch recht großen Halle bequem Fußball spielen können. Daher waren die Reaktionen auf die Jungspunde aus der Region rund um Birmingham etwas verhalten. Schade, denn die Mischung aus traditionellem Metal der Marke Omen und Metal Church, gepaart mit einigen satten Bay Area Anleihen wusste durchaus zu gefallen. Einzig beim Stageacting zeigten sich die Insulaner etwas hüftsteif, was aber auch dem geringen Platzangebot auf der Bühne geschuldet sein könnte. Checkt die Jungs mal unter ihrer mypsace Seite an. Lohnt sich wirklich.

 

 

So langsam wurde es voller und meine Vorahnung wurde bestätigt. Der Altersdurchschnitt war beachtlich und man sah so viele Banger, die Overkill seit ihrem Beginn beleitet haben könnte, das es eine Freude war. Ausnahmsweise keine wild umher springenden oder ungelenkt um sich schlagenden Kids, die den Geist des Metal nicht verinnerlichen können. Klasse.

 

Nun hieß es Bühne frei für die Hannoveraner Cripper, die neben ihrem beinharten Thrash der Marke Hatesphere mit Frontfrau Britta einen echten Hingucker in ihren Reihen haben. Nicht nur, dass der schlanke Zappelphillip ein echt geiles (Stimm) Organ vorzuweisen hat, auch die Bühnenpräsenz und der Aktionsradius der sympathischen Schwarzhaarigen zeigte den Anwesenden, wo der Elch die Locken hat. Bei Cripper haben Frickeleien oder überzogene Melodien keine Chance, hier wird gebolzt, was das Zeug hält. Sehr zur Freude der nun etwas zahlreicher anwesenden Zuschauer, die der Band mehr als nur den üblichen Höflichkeitsapplaus spendeten. Die dankte es mit einem energiegeladenen Gig, bei dem Bass-T (was der Junge wohl für ein Instrument spielt???) mit seinen Chris Barnes mäßigen Dreadlocks, die  er vor dem Gig mit einer echten (!!!) Banane zu bändigen versuchte, und seinem fast meterlang erscheinenden Kinnbart alle Blicke auf sich zog. Auch bei dem darauffolgenden Interview entpuppten sich die Niedersachsen als äußerst angenehme und lustige Zeitgenossen. Machte Spaß und Lust auf mehr…

 

       

 

Die griechischen Selbstmordengel sind ein Phänomen. Noch relativ neu im großen Haifischbecken haben sich die Helenen bereits ordentlich freigeschwommen, was das Publikum ebenso sieht und die Jungs mächtig abfeiert. Ansonsten gibt es keine großen Unterschiede zum Gig knapp zwei Wochen zuvor im Vorprogramm von Kataklysm und somit nutze ich die Zeit, zerre Cripper und Savage messiah vors Mikro und schwatze etwas…

 

Da die Plauderstunde etwas aus dem Ruder läuft erreichen wir die Halle erst wieder beim abklingen des Openers „The green and black“ vom neuen Album „Ironbound  doch schon da steht fest und ist klar zu erkennen: Die Leute, die das SO36 jetzt kräftig füllen, sind wegen der Thrash Veteranen gekommen und fressen Blitz und seinen Mannen aus der Hand. Overkill kicken, sind agil, haben einen fetten Sound und in Bobby Ellsworth einen der charismatischsten Frontmänner überhaupt im Metal Business. Egal welcher Song angestimmt wird, die Halle steht kopf und flippt völlig aus. Die Klassiker werden natürlich bevorzugt und so kocht die Stimmung bei „Rotten to the core“, „Powersurge“, dem steinalten „Feel the fire“ und dem noch viel älteren „Overkill“ total über. Blitz ist nur am grinsen und wehrt sich tapfer gegen den kaum endenden Bierschauer, der sich ekstatische Zuckungen der ersten Reihen in Richtung Bühne ergießt. Es ist eine riesige Party, die nicht enden will. Was mir am meisten auffällt, ist das sich die neuen Songs wie das geniale „Ironbound“ oder das absolut auskreisende „Bring me the night“ völlig nahtlos in den überragenden Backkatalog des Fünfers einfügt. Selbst ein Song wie „Necroshine“, der ja nun eigentlich kein Glanzlicht in der Karriere von Overkill darstellt, killt an diesem Abend aufs gröbste. Gänsehautfaktor 10 bei „In union we stand“, ausgerenkte Nackenwirbel bei „Hello from the gutter“, grinsende Erwachsende, die sich wie Kleinkinder benehmen bei „Oldschool“, Moshpits bei „Gasoline dreams“ und natürlich die obligatorische Fingerparade bei „Fuck you“, in den die New Yorker noch „Sonic reducer“ einparken, um dann zum finalen „Fuck you“ anzustimmen. Nach viel zu kurzen 90 Minuten sind alle Protagonisten ebenso nass geschwitzt wie die völlig ausgepowerte Gefolgschaft vor der Bühne. Fazit: ENDGEIL, OBERGEIL, EINFACH IRRE und ein Konzerthighlight sondergleichen. Bittebittebitte…schnell wiederkommen. Scheiße, war das genial!!!

 

Setlist:

The green and black

Rotten to the core

The battle

Powersurge

Hello from the gutter

Overkill

Ironbound

In union we stand

Bare bones

Feel the fire

Gasoline dreams

Bring me the night

Elimination

Necroshine

Oldschool

Fuck you

Sonic reducer

by: olaf@pommesgabel.de

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