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27. Juni 2017


           
Magazin

 

 

 
 
 

 Rockzanne

Endlich war es so weit: ich durfte die Nordener HardRock-Cover-Band Rockzanne in ihrem Proberaum besuchen. Über zwei Monate war es mittlerweile her, daß ich sie bei ihrem Gig auf dem Kreidler-Treffen in Norden gehört hatte und nun war es an der Zeit, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, warum sie mich damals so beeindruckt hatten. Frontman Max holte mich am Bahnhof ab und kurze Zeit später erreichten wir die Nordener Musikschule. Proberaum inner Musikschule - wenn das nicht true ist...

Keyboarder Ulle hatte mich bezüglich des Proberaumes schon vorgewarnt: "Es ist heiß und eng und sehr heiß" – ich erwartete also fast den Eingang zu Hölle zu finden, aber nichts da... Der zweigeteilte Kellerraum erinnerte auf den ersten Blick doch eher an des Metallers Himmel: der Putz bröckelte von phantasievoll bemalten Wänden, das Bier wurde stilecht im Maurerkübel gekühlt, Rock-Sound drang aus den Boxen der kleinen Anlage und die Herren Musiker die im Raum waren... Ja, okay, noch meilenweit davon entfernt "richtige Rockstars" zu sein – aber zumindest das Feeling brachten sie schon mal rüber. Für den Anfang machte ich es mir also auf der Couch bequem, Kippe in Hals, Oettinger abstauben und erstmal: beobachten und zuhören... Die Debatten über Musik, Fußball und sonstiges sind wohl obligatorisch, aber die Feststellung das pommesgabel.de live bei der "ersten Reunion Rockzannes" (O-Ton Max: "Schreib das!" – hiermit geschehen *grins*) dabei sein durfte, ist vielleicht doch erwähnenswert. Immerhin hatten die Jungs eine fünfwöchige Spielpause hinter sich und waren teilweise doch etwas nervös. Tzzz... Als ob Pommesgabel-Redakteure Musiker aufpieksen würden...

Die Probe begann dann mit Gotthards "Come together". "Sin City" von AC/DC und Rose Tattoos "Rock´n Roll Outlaw" folgten routiniert und verdammt gut. Musiker in ihrem Proberaum zu belauschen, bringt halt den enormen Vorteil, daß sie quasi in "ihrem natürlichen Lebensraum" sind. Die Anspannung, die Konzerte mit sich bringen fehlt, alle sind lockerer und somit werden automatisch weniger Fehler gemacht. Ich war jedenfalls schon nach wenigen Minuten wieder voll auf dem Rockzanne-Trip und fand den Sound wesentlich gelungener als während des Konzertes. Die Spielfreude, die sie dort an den Tag legten, schien im Proberaum noch verstärkt und die Ehrlichkeit, mit der sie hier und da mal kleinere Fehler eingestanden, tat dem Ganzen keinen Abbruch. Es waren auch eher Nebensächlichkeiten nach dem Motto: "Wann fängt eigentlich wer an und wenn ja, warum?" oder "Warum sind auf deinem Zettel andere Akkorde als auf meinem?"... Also nichts was sich nicht nach kurzer Diskussion und Neubeginn in den Griff kriegen ließ.

Nach der ersten Pause ging es mit "Are you gonna be my girl" von Jet weiter – meiner Meinung nach in der Rockzanne-Version der absolute Burner, aber die Band sieht das wohl anders... Nicht zu Unrecht behauptete Drummer Markus, daß Deep Purples "Perfect Stranger" der Rockzanne-Song schlechthin sei. Aus musikalischer Sicht einer der anspruchvollsten Songs im Programm und man kann mit Fug und Recht behaupten, daß die Nordener ihn perfekt hinbekommen.

Die größte Überraschung für mich war an diesem Abend aber die Cover-Version von Green Days "When september ends"... Ich hatte schon im Vorfeld erfahren, daß sich Rockzanne auch an dieses Lied machen wollten und hatte, ehrlich gesagt, arge Bedenken... Denn wenn man einen aktuellen Song, der im Radio rauf- und runter gespielt wird covern will, dann muß man a) verdammt gut sein und b) über ne gehörige Portion Selbstbewußtsein verfügen. Nun denn, verdammt gut sind Rockzanne – nicht umsonst gibt es Metaller, die deren Patch voller Stolz auf der Kutte tragen (okay, um der Ehrlichkeit willen: es handelt sich um einen leicht durchgeknallter Metaller, dessen Name der Redaktion bekannt ist... *flöt*), und gewaltiges Selbstbewußtsein hat der eine oder andere Musiker zweifelsohne, aber trotzdem... "When september ends"- mit Max´ Stimme? Eine geile Oldschool-taugliche Stimme , Screams vom Feinsten – das ist sein Ding. Und dann Green Day? Das sollte funktionieren? Jap, es funktionierte. Und wie! Zwar nicht im ersten, dafür im zweiten Anlauf – wenn ich nicht schon längst Fan von der Truppe wäre, bei diesem Song wäre ich es geworden...

Während der Pausen wurden die neuen Stücke, die ins Programm aufgenommen werden sollen, im Original gehört, die Feinheiten besprochen und die Professionalität, mit der gearbeitet wurde ist unbedingt erwähnenswert. Diskussionen um "wie, was, warum" und "das sollte eher so und nicht so gemacht werden" wurden nie um des lieben Friedens Willen abgebrochen, sondern relativ sachlich geführt bis zufriedenstellenden Lösungen und keine faulen Kompromisse gefunden wurden.

Unter diesen Voraussetzungen dürfte auch die Arbeit an der Demo-CD, die bald erstellt werden soll, zu hervorragenden Ergebnissen führen.

Der weitere Abend brachte dann unter anderem "Policy of truth" von Depeche Mode, Metallicas "Nothing else matters" und auch Whitesnakes "Here I go again". Tja, und natürlich gab es auch die wahrscheinlich leidenschaftlichste Version von "Heart of steel", bleibt nur die Frage "Who the fuck is Manowar???"

Nun denn, um der Objektivität genüge zu tun und nicht, daß irgendwann jemand sagt: "Pommesgabel hat geschrieben, daß Rockzanne so toll ist, aber mir hat´s gar nicht gefallen!": Wenn ich schreibe, daß Rockzanne perfekt ist, dann meine ich damit, daß es kaum eine Band gibt, die das Rock´n Roll-Feeling besser auf den interessierten Fan übertragen kann als diese. Musik für den Kopf machen Rockzanne sicher (noch) nicht und es wäre übertrieben, von technischer Perfektion oder innovativem Sound zu schreiben. Dazu spielen sie auch noch nicht lange genug zusammen. Aber Rockzanne machen Musik für "den Bauch"... Ja, man muß Musik nicht nur hören, sondern auch fühlen. In diesem Sinne: Rock´n Roll is Rock´n Roll is Rock´n Roll! Und Rockzanne ist Rock´n Roll.

Und wer sich selbst ein Bild von der Band machen möchte, guckt hier: www.rockzanne.de

 

by  Tyrwyn

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