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27. Juni 2017


           
Magazin

 

 

 
 
 

 Apokalypse

> Guten Tag! Schön, daß Sie zu Hause sind.  Ich komme von der Firma „Da-oben-irgendwo“. Unsere Archivare haben mir mitgeteilt, daß auch Sie einige Unterlagen über die Apokalypse besitzen. Weltuntergangstheorien, die Bibel, Endzeitprophezeiungen und ähnliche Sachen, Sie wissen schon.

Leider bin ich gezwungen, sämtliche solcher Dokumente einzusammeln. Aber keine Angst – in ca. 1666 Tagen werden Sie alles überarbeitet und aktualisiert zurück bekommen. Wenn Sie jetzt also so freundlich...

Was? Warum ich ihre Sachen mitnehmen muß? Und warum ich Ihre Bibel überarbeiten muß? Also: ich denke nicht, daß Sie das irgendwas angeht! Geben Sie mir endlich den Kram, damit ich meine Arbeit machen kann.

... Oh, entschuldigen Sie – ich bin ausfallend geworden. Sie können ja nichts dafür, daß Sie fehlerhafte Weltuntergangsdaten haben. Und Sie sind ja auch nicht für die Fehler verantwortlich, die ich gemacht habe. Sie wollen also die Geschichte meiner Misere erfahren? Nun gut, aber es ist eine lange Geschichte...

 

Wohl an: der Tag des Unglücks begann als ganz normaler Samstag. Endlich war ich mit meiner Arbeit fertig und wollte schauen, wie sich meine Zöglinge auf der Erde entwickelt hatten.

Wissen Sie, in der Firma „Da-oben-irgendwo“ bin ich gewissermaßen als Event-Manager tätig. Mein wichtigstes und liebstes Projekt ist die Apokalypse. In den letzten Jahrzehnten war ich damit beschäftigt, die Reiter für die Apokalypse zu züchten und auszubilden. Gar nicht so einfach, wenn man dafür Menschen benutzen muß und die auch bis zur letzten Sekunde nichts davon ahnen dürfen! Aber meine Vorgehensweise schien sehr erfolgversprechend zu sein.

Meine Zöglinge hatte ich allerdings seit ihrem Erwachsenwerden nicht mehr gesehen und so beschloß ich, sie einfach mal zu besuchen.

Ein Blick in ihren Terminplan sagte mir, daß sie am Abend ein Konzert in Deutschland geben würden. Ja – es war der beste Einfall, den ich je hatte, Die Apokalyptischen Reiter als Heavy-Metal-Band zu tarnen. Jeder glaubt doch, daß im Metal das Böse lauert, aber keiner rechnet damit, daß es tatsächlich so sein könnte!

 

Wie auch immer, ich stand in erster Reihe bei meiner ersten Reitermania und war sehr gespannt auf meine Jungs...

Dr. Pest kam auf die Bühne. Genau wie ich´s gehofft hatte: Mit Maske und Peitsche, und wenn man genau hinsah, konnte man schon unterschwellig das Böse wahrnehmen... Nun, da hatte sich die Arbeit doch wirklich gelohnt!

Die nächsten Drei fand ich dann auch ganz gelungen und als Fuchs die Bühne betrat, war ich von seiner Feuerspuckerei mehr als angetan! Ja, er würde sich auf dem weißen Pferd gut machen, wenn dann in Kürze das erste Siegel brechen würde...

 

Auch die Reitermaniacs flößten mir einen gewissen Stolz ein: immerhin hatte ich diese Schar auserkoren, die Reiter während der Apokalypse nach besten Kräften zu unterstützen. Auch sie würden ihre Sache gut machen!

 

Perfekt! Ich war fast ein wenig stolz auf meine Arbeit, wenn ich auch ein leichtes Unbehagen nicht leugnen konnte. Irgendwas stimmte noch nicht so ganz mit den Reitern. Aber der Sound ihrer Musik machte es unmöglich, näher darüber nachzudenken. Verstehen Sie, Head-bangen und Probleme wälzen paßt einfach nicht zusammen...

 

Nach dem Auftritt saß ich noch mit den Fünfen zusammen und hatte Gelegenheit, sie aus nächster Nähe zu beobachten. Sie harmonierten bestens, kümmerten sich um die Manics und besaßen genug Macht, um die Apokalypse störungsfrei durchzuführen.

Fast traten mir Freudentränen in die Augen, als ich daran dachte, daß ich in wenigen Tagen die apokalyptischen Pferde nach Thüringen bringen würde. Dann würden meine Jungs endlich den wahren Zweck ihrer Existenz erfahren und begreifen, daß ihr Band-Name nicht nur irgendein Name sondern schönste Realität ist.

 

Meine kurzen Bedenken wischte ich beiseite. Was sollte denn schief gehen? Die Pferde waren bestellt und die Reiter waren bereit. Das Lamm wurde derzeit noch einer Hirnwäsche unterzogen, da es die ganze Zeit Argumente gegen das Öffnen der sieben Siegel verlauten ließ. Immer diese Güte! Einerseits ja bewundernswert, aber meine Apokalypse würde ich mir dadurch nicht kaputt machen lassen...

 

Als ich wieder an meinem Schreibtisch saß und die ganze Weltuntergangsgeschichte noch mal theoretisch durchspielte –nicht, daß doch noch irgendwas schiefgehen würde- klingelte das Telefon: Luzifer persönlich. Der olle Pferdehändler. Er teilte mir mit, daß ich am nächsten Tag meine vier Pferde abholen könne und mich durchfuhr ein Gedankenblitz! Genau da lag der Fehler!!!

 

Vier Pferde, aber fünf Apokalyptische Reiter?!? Ja, hatte ich denn geschlafen? Weil mir die Reiterlein so gut gefielen, hatte ich wohl versehentlich einen zu viel gemacht... Oh je, oh je, oh je – und nun???

Hm, natürlich könnte ich einfach einen Reiter wieder wegnehmen. Aber welchen? Erst vor kurzem hatte ich den vier ursprünglichen Reitern den Pitrone zum Spielen gegeben und nun sollten sie wieder auf ihn verzichten? Nein, daß ging nun wirklich nicht. Ohne Fuchs und Dr. Pest würde was ganz entscheidendes fehlen und auf Volk-Man und Sir G. zu verzichten? Nein, da würde sicher ein Teil der Reitermaniacs abspringen und der schöne Zeitplan würde durcheinander geraten.  

 

Ha, ganz einfach: ich rief Luzifer an und orderte ein Pferd nach. Kein Problem! Dachte ich jedenfalls...

 

Was ich nun in der ganzen Aufregung vergessen hatte, war folgendes: Petrus kontrolliert in unserer Firma jede Bestellung und rennt sofort zum Chef, wenn ihm irgendwas seltsam vorkommt. (Olle Petze!)

 

Es verwunderte mich also nicht allzusehr, als der Chef mich um eine Unterredung bat. „Nun? Hast du was zu beichten?“ Hatte ich natürlich nicht – zumindest nichts, was den Chef was anging. *hüstel*

„Also, kommen wir zu deiner Arbeit. Du scheinst gut voran zu kommen, mit der Apokalypse und so. Aber sag´ mir: warum hast du fünf Pferde bestellt? Es dürfen definitiv nur vier sein. Und außerdem: weißt du eigentlich, wie viele reine Seelen Luzifer für ein Pferd verlangt?“ „Ähm, ja, also... Fünf ist so eine schöne Zahl und da dachte ich...“ „Da dachtest du? Was dachtest du?“ Der Chef sah plötzlich gar nicht mehr ganz so lieb aus und ich fühlte mich sehr unwohl... „Hm, naja... Zu fünft fühlen sich meine Reiter einfach wohler und wenn bei der Apokalypse dann einer laufen muß oder mit dem Auto fährt, wär´s doch irgendwie lächerlich, oder?“ „FÜNF Apokalyptische Reiter??? Bist du denn von allen guten Geistern verlassen? Hast du in der Schule nicht aufgepaßt? Es steht geschrieben, daß es vier Reiter sind. VIER! Mach´ also einen wieder weg!“ Oh, da regte sich der Zorn in mir! Aber mein Chef hatte die Reiter ja noch nie live gesehen und konnte nicht wissen, was es bedeuten würde. Ein Reiter weniger... Pah! Und genau das sagte ich ihm auch: „Pah! Ich behalte jawohl alle.“

 

Zum Glück ist mein Chef der liebe Chef und somit auch sehr geduldig. Er erklärte mir die haftungsrechtlichen Folgen meiner Weigerung nur vier Reiter für die Apokalypse zu benutzen und zeigte mir unzählige Verträge bezüglich meines favorisierten Events.

Irgendwie schien es wohl so zu sein, daß wir das Patent für die Apokalypse nur bekommen hatten, in dem wir uns im Gegenzug verpflichteten, die Menschheit vorab genauestens darüber zu informieren, was im Falle der Apokalypse so alles passieren würde. 

Sogar mir wurde klar, daß die Entschädigungsforderungen uns in den Ruin treiben würden, wenn die Apokalypse anders als vorhergesagt stattfinden würde.

Somit ist es schon verständlich, warum sich Cheffe so über einen zusätzlichen Reiter aufregt...

 

Naja, wir haben dann einen Kompromiß geschlossen. Ruin hin oder her – ich will meine fünf Reiterlein behalten... Die Apokalypse wird also verschoben und ich werde sämtliche Berichte über Apokalypse und Weltuntergang einsammeln, sie korrigieren und an die Besitzer zurückgeben. Auch wenn es ewig dauern wird.

 

Das einzig wirklich traurige an der Sache ist, daß ich –bedingt durch den unvorhersehbaren Zeitmangel- ein faszinierendes und lukratives Jobangebot aus Walhalla ablehnen muß: die suchen jemanden, der Ragnarök vorbereitet...

 

Aber: vielleicht haben Sie ja Interesse? <

 

by  Tyrwyn

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