27. April 2017


           
Magazin

 

 

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Killswitch engage Interview

Fünf Alben, enthusiastische Fans weltweit, einen charismatischen Frontmann und ein Gitarrist, der neben seiner musikalischen und produktionstechnischen Genialität auch einen gesunden Sockenschuss hat und mit seiner daraus resultierenden Liverperformance des Öfteren für gesunde Lacher sorgt…das sind die fünf Jungs aus Massachusetts, namentlich als Killswitch engage bekannt. Welch Stellenwert die Modern Hardcoreler mit Thrash Einschlag haben, konnte beim legendären Wacken Auftritt anno 2007 beobachten, den mein Gesprächspartner, Basser und Gründer der Band Mike D’Antonio immer noch als „awesome and totally incredible“ bezeichnet. Jedenfalls war mein gegenüber bestens gelaunt und nachdem wir uns über die Vorzüge Morbid Angels, bezugnehmend auf mein Sweatshirt, ausgetauscht hatten, stand einem mehr als vergnüglichen Schlagabtausch nichts mehr im Wege…

Mike, was sagt dir: Akte X, Staffel Fünf, Episode 11?

 

Hahaha, ist das tatsächlich diese spezielle Episode? Jaja, ich weiß schon: Die Folge Kill switch…

 

Stimmt es tatsächlich, dass Du den Bandnamen von der Serie abgeleitet hast?

 

Ja. Ich hatte damals mein Notebook dabei und suchte einem coolen Namen und schrieb alles akribisch auf. Doch irgendwie kam mir keine zündende Idee. Irgendwie schaute ich nebenbei Akte X und Scully sagte zu Mulder: Do you have the kill switch? Und ich dachte: Wow, da ist das Wort, nachdem ich gesucht habe. Und das so ganz nebenbei, hahaha.

 

Bist Du heute immer noch Fan der Serie und der Filme?

 

Die alten Folgen mit David Duchovny sehe ich heute noch gerne, aber als dann ab Staffel Sieben Jason Patric den Part Mulders übernahm, verlor ich das Interesse. Da fehlte dann einfach was. Auch die Filme fand ich nicht besonders inspirierend, da hätte man mehr draus machen können und müssen.

 

Ist es für Dich als Gründer der Band eigentlich nicht nervig, das überall Adam Dutkievicz im Mittelpunkt steht? Sei es bei Konzerten, bei Interviews, bei Pressekonferenzen. Der Mann ist ja omnipräsent…

 

(lacht) Nö, ganz und gar nicht, so muss ich wenigstens weniger Interviews geben, hahaha. Adam hat damals sehr viel Promotion für seine alte Band gemacht und ich für meine. Mittlerweile teilen wir uns die Aufgaben und fahren dabei mehr als gut. Es ist ja nun nicht so, dass wir die einzigen Bandmitglieder sind, die Pressearbeit betreiben, aber wir sind die treibenden Kräfte im Bereich Promotion. Außerdem kann ich es ja nachvollziehen, das alle mit dem „Klassenclown“ sprechen wollen, das bringt die Natur halt so mit sich und ich kann damit prima leben, hahaha.

 

Wie läuft die Tour?

 

Großartig, gerade weil wir mit unseren alten Freunden In Flames unterwegs sind. Mit Everytime I die sind wir seit langem befreundet und mit Maylene the sons of desaster waren wir Zuhause schon auf Tour. Allerdings ist es gerade in Deutschland immer ein kleines Wagnis, mit Bands verschiedener Spielarten aufzutreten, das ist bei uns Zuhause viel einfacher. Eure Presseleute und auch die Fans fragen immer  wieder nach, warum ausgerechnet eine Band wie wir mit In Flames auf Tour gehen? Mein Gott, warum denn nicht? In den USA haben wie mit Behemoth oder The black dahlia murder gespielt, das ist völlig normal, da fragt niemand.

 

Und hältst Du von den Lokalmatadoren Heaven shall burn? Die hast Du gerade etwas ausgeklammert?

 

Grundgütiger, das war nicht meine Absicht (lacht). Ich mag sie und ihre Musik sehr, außerdem habe ich in der Vergangenheit einige ihrer T-Shirts designt. Die passen prima zur „Taste of chaos“-Tour.

 

Wenn ich Euch live sehe habe ich immer das Gefühl, da steht eine Einheit aus guten Freunden auf der Bühne. Ist das nur Show oder seid Ihr tatsächlich so etwas wie eine eingeschworene Gesamtheit?

 

Wir sind totale Freunde, die gemeinsam durch Dick und Dünn gehen. Wir lachen sehr viel zusammen und wie in jeder Familie streiten wir auch manchmal. Aber zwischen uns passt kein Blatt Papier. Ich glaube, das macht auch den Reiz von Killswitch Engage aus, das wir als Einheit agieren und auch das Publikum merkt, das wir an dem was wir tun eine verdammt große Menge Spaß haben.

 

Warum habt Ihr eigentlich, analog zu Eurem Debüt 2000, die neue Scheibe einfach nur „Killswitch engage“ betitelt? Ist Euch nichts Besseres eingefallen?

 

Hm, das war schon etwas merkwürdig. Wir hatten verschiedene Ideen, die uns im Kopf rumspukten, doch irgendwie konnten wir uns auf nichts Gescheites einigen. Doch plötzlich war die Scheibe fertig, das Cover stand und so mussten wir quasi aus der Hüfte entscheiden, welchen Namen das Kind bekommen sollte. Nun hatte unser Management zum Ende der Aufnahme hin schon einmal vorgeschlagen, das Album einfach „Killswitch engage“ zu taufen, was mir persönlich allerdings etwas suspekt war. Doch die anderen Jungs konnten sich mit dem Gedanken recht schnell anfreunden und so stand der Titel fest. Im Nachhinein bin ich damit ganz glücklich, denn diese Platte markiert einen Wendepunkt. Wir haben mit einem anderen Produzenten gearbeitet, haben am Sound Einiges ausprobiert, an den Vocals experimentiert und einiges mehr und somit ist unser fünftes Album irgendwie auch eine Wiedergeburt oder ein weiteres Debüt.

 

Du hast gerade den Produzenten angesprochen. Wie war die Arbeit mit solch einer Legende wie Brendan O’Brian (AC/DC, Rage against the machine)?

 

Absolut cool, wobei ich sagen muss, das ich einzig bei den Rhythmus Aufnahmen mit ihm wirklich zusammengesessen habe. Er hat eine sehr entspannte Art zu arbeiten. Meist kam er zu unseren Proben, hat beobachtet und eine Unmenge an Informationen und Ideen in seinen Laptop gehämmert. Er hat an zwei oder drei Songs ein klein wenig herumgedoktert, ansonsten hatten wir freie Hand. Kritik kam bei ihm immer sehr differenziert und meist in entspannter Atmosphäre bei einem Bier. Howard (Jones) hat sehr viel mit ihm gearbeitet und war ebenso begeistert wie wir. Allerdings war ich der etwas Ausgestoßene (lacht), da die Tracks hauptsächlich in Atlanta aufgenommen wurden, ich hingegen in Massachusetts darauf wartete, meine Parts einzuspielen.

 

Als ich das erste Mal „The return“ hörte dachte ich, da singt doch tatsächlich der kleine Bruder von Bono von U2…

 

Hahaha, ehrlich? Das ist mir noch gar nicht aufgefallen…(kann sich kaum halten vor lachen) das muss ich mir wirklich noch einmal ganz in Ruhe reinziehen. (Selbst der Angesprochene, der kurz um die Ecke guckt, muss laut lachen)

 

Erzähl mir mal ein bisschen was zu den Songs auf dem Album, angefangen mit meinem Lieblingsstück „This is goodbye“.

 

Adam hat den kompletten Song im Alleingang geschrieben und zu Beginn sollte er eigentlich der Opener sein, doch als wir die Texte fertig hatten stellten wir fest, das schon aufgrund des Titels dieses recht unpassend sein würde, hahaha. Momentan spielen wir den Song noch nicht live, frag mich aber bitte nicht, warum. Ich finde ihn selber bärenstark.

 

„The forgotten“

 

Unglücklicherweise ebenfalls ein Song, den wir noch nicht live performen, weiß der Geier warum. Den hat auch wieder Adam im Alleingang verzapft…und zwar unter der Dusch, hahaha.

 

Wahrscheinlich auch mit einer eingestöpselten E-Gitarre um dem Hals. Das würde zumindest seine Bühnenperformance erklären…

 

Buahahaha, das wäre auf jeden Fall eine plausible Erklärung. Ich weiß auch nicht, wo der Mann seinen kreativen Input hernimmt. Der hat seine Klampfe sogar beim kacken dabei (lacht). Der Song selbst ist Adams Huldigung an Metallica. Bei Adam fließen die Songs nur so aus ihm heraus und es ist schwer, ihn darin zu bändigen.

 

„I would do anything“, der Favorit meiner Frau.

 

Sag ihr ganz herzlicher Dank dafür (lacht). Das macht mich deshalb umso stolzer, da dies der absolut erste Song ist, den ich ganz alleine für die Band geschrieben habe. Meist habe ich mal ein oder zwei Riffs dazu gesteuert, welche dann von den anderen eingearbeitet, verhunzt oder geklaut wurde, hahaha. Doch diesmal habe ich einen Song völlig auf mich gestellt geschrieben. Ist natürlich auch wichtig für die Credits (lacht). Der ursprüngliche Titel war eigentlich „Wild Bill“ und handelte von einem Typen, der sich am Piano sitzend immer Benzin über die Hände gekippt und dann gespielt hat. Das war völlig abgedreht und unfassbar (lacht).

 

Ihr habt ja gerade Eure erste Südamerika Tour gespielt. Wie war’s?

 

Es war unfassbar und unglaublich und ich ärgere mich darüber, dass wir nicht schon viel früher dort aufgetreten sind. Die Leute haben jeden Song von Anfang bis Ende mitgesungen, sind völlig durchgedreht und haben jeden Gig in ein Happening verwandelt. Die Hingabe und der Enthusiasmus der Leute dort ist kaum erklärbar. Wir werden schnellstmöglich wieder dorthin zurückkehren, vor allem auch weil dort das Wetter geringfügig besser ist, als bei uns Zuhause (lacht). Außerdem war das Essen fantastisch, das beste Essen aller Zeiten. An einem Abend haben die Fleischfresser, ich bin ja Vegetarier, einen Wettbewerb veranstaltet, wie viele verschiedene Tiersorten verfressen werden könnten. Bei elf haben wir aufgehört zu zählen, hahaha.

 

(Ich schiebe ihm ein Foto von Howard Jones aus den Achtzigern rüber. Das war der, der Pop machte)…Kennst Du den?

 

Hahaha, ja das ist Howard Jones. Unser ist aber ein wenig anders. Im Gegensatz zu dem war unserer etwas länger in der Sonne, hahaha. Danke für das klasse Interview.

 

Mehr als gerne geschehen, Mike.

by olaf

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