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24. September 2017


           
Magazin

 

 

 
         
 

Leaves' eyes Interview

Es begab sich im Jahre 2003, als Theatre of Tragedy ihre norwegische Sängerin Liv Kristine aufgrund von unüberbrückbaren musikalischen Differenzen feuerte. Der Rest scheint Geschichte. Die Norweger brachten danach kein wirklich gutes Album mehr heraus und das ehemalige Aushängeschild tat sich mit den Atrocity Musikern zusammen, schnappte sich dann auch noch deren Sänger Alex Krull, schleppte diesen vor den Traualtar, setzte ein Kind in die Welt und fing an, mit Leaves’ eyes ein neues Erfolgskapitel in Goth Metal Bereich zu schreiben. Dazu drei massig erfolgreiche Tourneen in der Doppelfunktion Atrocity / Leaves’ eyes, Supportslots in Amerika für Blind Guardian und Paradise Lost und zwei erfolgreiche Alben mit „Lovelorn“ und „Vinland saga“. Das zum Jahresende 2009 veröffentlichte 3.Album „Njord“ sollte dann aufgrund seines musikalischen Potentials den bisherigen Schaffenshöhepunkt der Band darstellen, die neben hervorragenden Reviews auch noch in den deutschen Verkaufscharts auf 30 debütierten und somit zum größten Erfolg der noch jungen Bandvita avancieren.

 

Viel Stoff, um mit Gitarrist Matthias Röderer im Vorfeld des am Abend in Berlin stattfindenden Konzertes beider Bands einen netten Smalltalk zu veranstalten. Leider erreichte mich kurz vor Vollendung des Interviews die Nachricht, das Matthias aufgrund familiärer Verpflichtungen seinen Hut bei beiden Bands genommen hat, was dieses Gespräch anscheinend zu einem der letzten mit dem sympathischen Süddeutschen macht. Ich werde dazu demnächst mal Alex Krull befragen…

Schön Dich mal wieder zu sehen. Es ist lange her. Glaube so 1990, 91 rum. Da waren die Haare aber noch etwas länger…

 

Jaja, man wird halt nicht jünger (lacht). Es war damals auf jeden Fall eine tolle und interessante Zeit. Auch mit langen Haaren.

 

Aktuell läuft ja die „Beauty and the beast“-Tour. Wer “Beauty” ist, kann man sich lebhaft vorstellen, doch wer ist das Biest?

 

(lacht) Das ist, glaube ich, offensichtlich. Man könnte jetzt auch anfangen mit einer Dualität, dass in einem beides steckt, aber in dem Falle bleiben wir mal bei der Wahrheit, denn die Rollen sind klar verteilt. Dennoch finde ich das Motto der Tour sehr gut gewählt, weil es auf alle Bands zutrifft. Alle sind female fronted und haben noch irgendein Biest in der Band (lacht).

 

Moment, ist Alex jetzt weiblich?

 

Hahaha, nee. So war das jetzt natürlich nicht gemeint. Aber dafür haben wir bei Atrocity mit Sandra von Elis eine Gastsängerin mit auf der Bühne. Da lautet dann das Motto: „The beast and the beauty“ (lacht). Zumindest ist er jetzt nicht der Hahn im Korb, da es bei den Bands ja noch eine ganze Menge Testosteron gibt. Wobei ihm solch eine Konstellation sicher nicht unangenehm wäre, hehe.

 

 

Ist solch eine Festivaltournee zusammen mit Elis, Stream of passion und Sirenia nicht unglaublich anstrengend und vor allem, könnt Ihr Euch bei einer solchen Masse an Bands überhaupt angemessen präsentieren?

 

Gerade für die Roadies ist das eine recht anstrengende Sache, da es natürlich bei fünf Bands eine Menge in den Pausen zum umbauen gibt. Dazu kommt noch, dass die Schlagzeuger alle verschieden spielen, einer mit links, der andere mit rechts, so kann noch nicht einmal das Kit so bleiben. Es ist wirklich recht arbeitsintensiv. Die Präsentation der Bands ist meiner Ansicht nach in Ordnung. Es kann halt nicht jeder eine Stunde spielen, dafür kann sich der Fan aber sehr wohl einen ersten Eindruck der jeweiligen Gruppe machen. Bisher gab es aus dem verschiedenen Lagern aber keinen Grund zur Beanstandung und alle scheinen recht zufrieden mit der Tour zu sein.

 

In Deutschland seid Ihr ja zum zweiten Mal in der Doppelbelastung Leaves’ eyes und Atrocity unterwegs. Ist das nicht unglaublich anstrengend?

 

(seufzt) Ganz ehrlich? Ja, es ist anstrengend denn wenn man mal nachrechnet haben wir jetzt 16 Shows ohne Day-off, sprich 32 Auftritte in 16 Tagen, das zehrt schon ganz schön. Außerdem war da noch der Faktor, dass sich Liv kurz vor der Tour gegen Schweinegrippe hat impfen lassen und dadurch, kurioserweise, ihre Stimme angekratzt war…

 

 

Sie hat aber nicht angefangen zu grunzen?

 

Hahaha, nein, dann hätte Alex aber weniger zu tun gehabt. Aber sie musste wirklich nach den ersten Shows ins Krankenhaus, um sich fitspritzen zu lassen und nun geht es trotz einiger Erkältungen wieder besser. Die Krankheiten verfolgen uns etwas auf der Tour, doch eine Show deswegen zu canceln kam uns nie in den Sinn. Da hieß es: Augen zu und durch und das Publikum war auch immer dankbar dafür.

 

Erzähl mir mal was zum aktuellen Album „Njord“. Was steckt dahinter?

 

Njord ist eine nordische Gottheit, keiner von den großen, sondern eher einer aus der Seitenlinie. Der Titel passte einfach thematisch und stilistisch perfekt zum Album und spiegelt alles wieder, was die Scheibe ausmacht. Im Gegensatz zu „Vinland“ gibt es keine in sich geschlossene Geschichte. Wir erzählen die Geschichte der Wikinger, wer waren sie, wo gingen sie hin? Außerdem befassen wir uns mit Mythen, dem Pantheon und vielem, was die nordische Mythologie ausmacht. Es gibt also schon einen roten Faden, aber keine durchgehende Story. Interessant ist einfach, wo die Jungs alles waren. „Scarborough fair“ in England beispielsweise war ein berühmter Waren Umschlagplatz für die Nordmänner, oder die Normannen in Frankreich. Es gibt viele Plätze in Europa, die von den Wikingern beeinflusst wurden und das haben wir aufgegriffen.

 

 

Der Erfolg gibt Euch ja anscheinend recht. Chartentry auf Platz 30 ist ja wohl als großer Erfolg zu werten. Nimmt man so etwas automatisch mit?

 

Nein, auf keinen Fall. Das ist ein greifbarer Wert, der die Arbeit anerkennt, die wir mit der Platte hatten…und es war viel Arbeit. Von den Vorbereitungen bis zur Aufnahme, den orchestralen Arrangements, den Texten, den separaten Choraufnahmen. Es war nicht ganz einfach.

 

Alex hat ja produziert, macht zwei Bands als Fulltime Job. Bleibt da überhaupt noch Luft für andere Aktivitäten?

 

Ja klar, wir produzieren ja auch noch andere Bands. Bei den Aufnahmen an sich, sprich Gitarre, Schlagzeug oder Bass, muss er zwangsläufig gar nicht anwesend sein, das macht jeder in Eigenregie. Beim Gesang ist er natürlich anwesend und den Mix macht er dann. Aber Luft für andere Dinge bleibt immer noch.

 

Meine Lieblingsfragen zu meinen Favoriten auf dem Album. Beginnend mit „Ragnarök“.

 

Ist für mich neben „Njord“ das absolute Highlight der Platte. Das hast du gut getroffen (lacht). Vielleicht der härteste Song, den wir je mit Leaves’ eyes gemacht haben…vielleicht gefällt er mir daher so gut.

 

 „Froyas theme“

 

Ebenfalls ein Highlight für mich. Wir hatten sowieso schon lange vor, mal einen richtig epischen Song zu machen, keinen 3-4 Minuten Radiosong, sondern ein Stück, was in sich geschlossen eine ganze Geschichte erzählt. Im Falle „Froyas theme“ hoffe ich, das es uns gelungen ist, alle Stimmungen und Themen stimmungsvoll einzufangen.

 

Im letzten Jahr habt Ihr ja Eure komplette Rhythmus Sektion ausgewechselt. Inwieweit waren die beiden ins Songwriting involviert?

 

Gar nicht. Die Bassparts wurden sogar noch von Tosso eingespielt, wo hingegen die Alla nur die Liveparts übernimmt. Sevens erste Arbeit waren die Aufnahmen zu „Njord“, denen er mit seinem Spiel, seinen Breaks, seinen persönlichen Stempel aufgedrückt hat. (Live ist der Mann ein kaum zu bändigendes Tier – der Verf.). Beide sind natürlich auch Part bei Atrocity, das geht nur im Doppelpack. Man stelle sich mal eine Doppeltour vor mit der doppelten Anzahl an Musikern vor. Das würde unweigerlich im Chaos enden.

 

Welche Tour oder Festivalpläne gibt es für 2010?

 

Einiges. USA, eine zweite Europa Tour, die Metalfeste, das Metalcamp in Tolmin, das Orkus Festival und wir wollen mal schauen, was in Asien geht. Alles aber nur und ausschließlich mit Leaves’ eyes. Atrocity werden 2010 in Wacken ihr 25.Bandjubiläum feiern, das wird auch noch mal ein Spektakel.

 

by olaf

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