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29. Mai 2017


           
Magazin

 

 

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Kam Lee Interview

 

 

 

 

 

Es gibt im Metalgenre wenige Unikate oder solche, die ein Musikgenre nachhaltig beeinflusst haben. Einer von diesen Protagonisten ist ohne Zweifel Kam Lee. Mitbegründer der allmächtigen Death, Sänger von Massacre, und in unzählige Bands  wie Denial fiend, Jungle rot, Bone gnawer oder auch aktuell The Grotesquery eingebunden. Einer, der mit seinem ohne Verzerrer tiefergelegte Stimme ganze Heerscharen von Kuttenträgern umnietete und den Death Metal revolutionierte.

 

Eher durch Zufall traf ich Kam kurz nach der Veröffentlichung des letzten Bone gnawer Albums bei Facebook, nahm ihn als mein Freund auf und so entstand ein reger Kontaktaustausch. Da er nun auch noch mit The grotesquery ein weiteres heißes Eisen im Feuer hat, war ein Interview nun unumgänglich geworden. Kam erwies sich dabei als äußerst angenehmer und auskunftsfreudiger Zeitgenosse.

Kam, erst einmal danke dafür, dass Du mir so kurzfristig ein Interview gibt’s. Es ist eine Ehre für mich, mit einem der Gründer des Death Metal zu schwatzen…

 

Hey Bruder, kein Thema. Ich freue mich, Dir ein Interview zu geben. Schieß los.

 

Hast Du eigentlich zuviel Freizeit oder wie ist es zu erklären, dass Du in so kurzer Zeit zum einen mit Bone Gnawer („Feast of flesh“) zum Anderen mit The grotesquery („Tales of the coffin born“) zwei völlig geniale Scheiben auf den Markt schmeißt?

 

Hahaha, nee, Freizeit habe ich nicht viel, dafür organisiere ich die freie Zeit die habe einfach besser. Ich habe einen fast militärischen Zeitplan der es mir mit vielen Bemühungen erlaubt, bei richtigem Einsatz, all das zu tun, was ich gerne machen möchte. Ich stehe quasi immer auf dem Sprung an Songs zu arbeiten, wenn andere Musiker mit dem gleichen Enthusiasmus an die Sachen rangehen wie ich.

 

(Bone Gnawer)

 

Es ist schon schlimm genug, das ich in der Vergangenheit nie die richtigen Leute für meine Art von Metal gefunden habe, die die gleichen Interessen wie ich verfolge. Ich bin so oft angeschissen worden in der Vergangenheit und musste mich mit Leuten rumschlagen, die faul waren und nicht den richtigen Drive mitbrachten, da wird man echt mürbe mit der Zeit. Die waren mehr damit beschäftigt, Drogen einzuwerfen und den Rockstar raushängen zu lassen, als sich um gute Mucke zu kümmern.

 

Mit Rogga (Johansson) haben sich diese Probleme endgültig erledigt. Er ist ein reines Kraftwerk an Ideen und genauso an gutem alten Death Metal interessiert wie ich. Permanent arbeitet er an neuen Songs und Riffs, sei es nun für unsere Bands oder die vielen andere Projekte, in die er involviert ist. Er ist in der Hinsicht genauso umtriebig wie ich. Ich weiß was ich will und will nie wieder in Selbstzweifeln versinken. Wenn ich etwas sehe was ich möchte tu ich alles, um es zu bekommen, das war frühern nicht so. Und Rogga ist ebenso drauf. Der andere Gegenpol dazu ist Rob Rieder, der als Recording engineer für die beiden von dir angesprochenen Alben für mich gearbeitet hat. Außerdem spielt er Bass in meiner Horrorpunk Band Cryptidz. Er hat dieselbe Passion für die Musik wie ich. Weitere ganz wichtige Personen sind natürlich Ronnie Björnstrom, der nicht nur bei Bone Gnawer Gitarre spielt, sondern auch beide Alben produziert hat. Er ist ebenfalls völlig fokussiert auf unsere Musik und ein prima Kerl. Auch meine anderen Musikerkollegen Morgen Lie, der bei Bone Gnawer Schlagzeug spielt oder Brynjar Helgetun und Johan Berglund, mit denen ich bei The grotesquery zocke sind ebensolche Charaktere mit einer Menge an Integrität und Passion, die einfach nur gute Musik machen wollen.

 

Genau diese Leute und die daraus resultierenden Begleiterscheinungen sind Grund dafür, dass alles momentan läuft wie geschmiert.

 

 

Wie kam denn überhaupt die Arbeit mit Rogga zustande? Die Entfernung zwischen Schweden und Florida erscheint mir da als größtes Problem. Wie sind überhaupt zwei Band zustande gekommen?

 

Wir begannen mit den Arbeiten an Bone Gnawer als mir die Idee kam, eine andere Band aufzumachen, die einen anderen Anspruch und Stil hat wie die erstgenannte. Jedenfalls sind wir schon fleißig dabei, neues Material für BG zu schreiben. The Grotesquery entstand mehr aus dem Willen heraus, den Sound, Stil, die Themen und vor allem das Feeling der frühen 90er neu zu interpretieren. Außerdem wollte ich eine „Audio-Horror-Story“ kreieren, die perfekt in dieses kultige Death Metal Zeitalter passte.

 

Heutzutage ist aufgrund des Internets, mp³, wave files, pro Tool die Entfernung überhaupt kein Hinderungsgrund mehr. Wir komponieren einfach drauf los und schicken dem jeweilig anderen einfach die fertigen files. Ideen, Texte und ähnliches werden dann einfach per eMail, Chat oder anderen Kommunikationsmöglichkeiten geklärt. Es ist einfacher als man denkt, wenn man allerdings seinem Gegenüber blind vertrauen kann, das er auch seine Arbeit macht. Rogga kann ich blind vertrauen, ebenso wie meinen anderen Mitstreitern und auch Ronnie, der dann immer in seinem Studio den richtigen Sound findet und weiß, wie der Mist zu klingen hat (lacht). Ich fühle mich geehrt, mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen, da er der beste Produzent ist, mit dem ich je zusammenarbeiten durfte. Er hat meine Vocals besser gemixt als jeder andere vor ihm.

 

Da Du ja die modernen Medien angesprochen hast: Wie wichtig sind für Dich MySpace, YouTube oder Facebook?

 

Sie sind solange wichtig, wie ich sie brauche. Wir leben in einer Welt voller Computer und ich nutze sie ausschließlich für meine persönlichen Zwecke. Ich bräuchte sie nicht, doch so halte ich meine ganzen Bandaktivitäten zusammen.

 

Zurück zur Musik. Stimmst Du zu wenn ich behaupte, das Du mit beiden Bands die typischen oldschool Stile Floridas und Schwedens zusammenführst?

 

Auf jeden Fall. Das ist der Grund, weshalb beide Bands das Beste aus beiden Gegenden vereint. Rogga ist in meinen Augen einer der besten schwedischen Death Metal Musiker überhaupt, ich habe den Florida Death Metal erfunden. Passt doch prima, oder? Hahaha

 

Erzähl mir doch bitte ein bisschen was über das Konzept, welches hinter „Tales of the coffin born“ steht.

 

Das Album ist eine komplette Horror Story, die im viktorianischen Zeitalter spielt und Okkultes und Übersinnliches vereint. Es geht um dämonische dunkle Kräfte die für sich töten, um Leben zu erschaffen. Für alle, die mehr über die Story wissen wollen, sollten sich die Scheibe einfach zulegen (grinst hörbar). Auf jeden Fall ist die Story sehr beeinflusst von Autoren wie H.P.Lovecraft und Edgar Allen Poe und hat einen sehr großen Gothic-Horror-Vibe.

 

 

Jeder der Songs wird von einer gesprochenen Einleitung begleitet. Was gibt es dazu zu sagen?

 

Diese Einleitungen sind Eintragungen im Tagebuch des Haupcharakters Dr.Ward, der die Hauptperson der Geschichte ist. In dieser wird darüber erzählt, wie er langsam dem Wahnsinn verfällt. Dies geschieht aufgrund seiner falsch angewandten schwarzen Magie und der anderen Teufeleien, die ihn 20 Jahre lang in eine gespaltene Persönlichkeit verwandelt. Jetzt hast Du mich ja doch über die Story ausgequetscht? (lacht)

 

Jedes Intro wurde von mir selbst geschrieben und von Rob Reider gesprochen und vertont. Rob hat schon eine Menge Preise als Horrorfilm Sound designer gewonnen und arbeitet nebenbei an verschiedenen Independent Untergrund Horror Filmen. Eine perfekte Wahl und die Umsetzung ist wirklich fantastisch geworden.

 

Wie wichtig sind Horrorfilme in Deinem Leben?

 

Horror ist wichtig für mich, überall, nicht nur Filme, sondern auch Bücher, Videogames und viele andere mediale Straßen des Horrors (lacht). Horror ist mein Leben und kommt immer noch an erster Stelle für mich, danach kam erst die Karriere als Musiker. Ich könnte auch ohne Musik zu machen weiterleben, ebenso wie mit Horror, doch bevor ich dies aufgeben würde, käme die Musik doch als erstes, muss ich zugeben.

 

Was hältst Du von Zombiekomödien wie „Zombieland“ oder „Shaun of the dead“?

 

Ich mag beide Filme sehr gerne, wobei ich „Shaun“ als den besseren Film erachte…obwohl „Zombieland“ auch saukomisch war. Persönlich mag ich Horrorkomödien sehr gerne, wenn sie gut gemacht sind. Diese verschissenen „Scary movie“ Teile sind der allergrößte Müll. Da kriege ich das kotzen. Horrorcomedy wie „Tanz der Teufel“, „Shaun“ oder „Zombieland“ sind dagegen ganz nach meinem Geschmack.

 

Was sagen denn Deine Eltern zu Deinen extremen Vorlieben?

 

Die haben sich eigentlich nie so Recht darum gekümmert. Allerdings hat mich mein Vater mit 6 Jahren erstmals zu einem Gruselfilm mitgenommen. Er schaute immer die alten Universal Monster Filme und als ich dann 10 war wurde mir erlaubt eine Serie namens „Creature feature“ zu schauen. Während andere Kinder um 7 ins Bett mussten, durfte ich bis 9 Gruselfilme am Samstagabend gucken. Mit 17 bin ich dann Zuhause ausgezogen, also haben meine Eltern meine Gore und Extremhorrorzeit gar nicht miterlebt.

 

Schwenk zurück. Trotz Deiner Sichtweise muss ich fragen, warum Du zwei Alben veröffentlichst, die einen ziemlich identischen Sound haben, unter zwei verschiedenen Bannern?

 

Oh, findest Du? Ich glaube, dass der Sound unterschiedlicher nicht hätte sein können. Bei BG ist alles mehr mit schwarzem Humor und einer Menge Gore versetzt und roher, mit mehr Groove, wo hingegen TG mehr emotional und grausam ist. Und wie bereits vorhin beschrieben sind die Texte völlig unterschiedlich. Beide Bands unterscheiden sich also schon extentiell voneinander. Das einzige was vielleicht identisch ist, ist der schwedische Gitarrensound, was allerdings Roggas eigener Spielweise geschuldet ist.

 

 

Du hast ja mehrmals betont, dass es sich bei beiden „Projekten“ um Bands handelt. Wie sieht es denn mit baldigen Liveaktivitäten aus?

 

Ich würde sofort mit beiden Bands losziehen, doch uns fehlt ein zuverlässiger Booker, da wir seitens der Plattenlabels keine großartige Unterstützung dafür bekommen. Hoffentlich finden wir in der Zukunft eine vernünftige Booking Agentur, dann werden wir auch auf Tour gehen. Durch viele Mails weiß ich, dass die Leute uns sehen wollen.

 

Welche Band hat Deine Priorität?

 

Beide sind gleich wichtig für mich wie auch jede andere Band, in die ich involviert bin. Ich gebe keiner Band mehr oder weniger Aufmerksamkeit als der anderen, denn jede ist gleichbedeutend. Ich versuche, mit meiner Integrität jeder Band alles zu geben, was ich zu geben vermag.

 

Kannst Du denn von all den Bands leben?

 

Hahaha, natürlich nicht. Hey, das ist Underground Death Metal, welcher von keinem großen Label vertrieben wird. Ich muss ganz normal arbeiten, um meinen Labensunterhalt zu verdienen. Diese Art von Musik macht kein Geld, das wollen wir auch gar nicht. Wir wollen „real true death metal“ spielen, nichts weiter. Wenn ich damit Geld verdienen möchte müsste ich anfangen, irgendsoeinen trendy fucking deathcore shit oder so einen poser technical death Metal zu spielen und ich würde Billionen an Scheiben verticken. Ich spiele lieber die Musik, die ich wirklich fühle und die ICH machen will für mich und für ein paar andere, die sie hören wollen.

 

Wacken 2008 Der Schreiber und das Opfer

 

Wie fühlt es sich an, wenn man als einer der Urväter des Death Metal bezeichnet wird?

 

Es ist schön die Anerkennung für seine Leistung über all die Jahre zu bekommen, doch außerhalb der Szene kennt einen kaum jemand, was nicht unbedingt das Schlechteste ist. Der normale Idiot auf der Straße hat keine Ahnung wer ich bin oder was ich für unsere Musikrichtung getan habe. Ich habe in all den Jahren soooo viele Bands gehört mit ihren Sängern, die so glutoral klingen wollen, so dass die normale Death Metal Stimme schon fast Standard geworden ist. Das kotzt mich an, weil es mit dem reellen Death Metal nichts gemeinsam hat. Also sag ich mir selber, dass diese Wichser ruhig rumbrüllen sollen, ich war der Erste! Punkt. Es ist ein zweischneidiges Schwert der Gefühle. Auf der einen Seite ist es natürlich geil, als „godfather of death metal vocals“ tituliert zu werden doch auf der anderen Seite gibt es halt die Leute, die es gar nicht wissen und glauben, sie sind jetzt die größten Helden.

 

Wie geht es in naher Zukunft für Dich weiter?

 

In Kürze erscheint eine Mini CD von Broken gravestones, ein Projekt, welches ich mit Noel Kemper von Altar of giallo ins Leben gerufen habe. It's very doom-death metal zombie worship band, hahaha. Dann habe ich mit den Brüdern Mark und Mike Riddick an ihrer Death/Grind Band Grave wax 7’ gearbeitet, die ihre Platte bei Relapse veröffentlichen werden. Dann gibt es bald die erste CD von Cryptidz und Bone gnawer arbeiten an neuen Tracks, wozu es bald ei Demo geben wird. Der nächste Longplayer ist schon in Planung. Ich habe jedenfalls einen Arsch voll zu tun und 2010? Ich sehe da noch mehr Arbeit auf mich zukommen.

 

by olaf

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