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29. Mai 2017


           
Magazin

 

 

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Path of golconda Interview

 

 

 

 

Gerade in den Rock Hard Poll als eine der Newcomer des Jahres gevotet, befinden sich die sympathischen Oberhausener Path of golconda mit ihrer aktuellen und megastarken Scheibe „Return“ auf dem aufsteigenden Ast und zeigen Langweilern, wie man eine innovative, interessante und abwechslungsreiche Mucke zimmert. Dazu kommt noch eine Homepage, die durch Witz und Charme (jaja, sowas gibt es) zu gefallen weiß. Da sich auch der erste Kontakt mit Drummer Roman als sehr freundlich und zuvorkommend erwies, war ein Interview geradezu vorprogrammiert. Hier das Ergebnis.

Habt Ihr irgendwann einmal vor, an Miss-Wahlen teilzunehmen? Wie sonst ist Eure Aussage „Schauen wir also, wer uns begleitet bei unserem Streben nach Freiheit, Frieden und freien Drinks“ zu verstehen *grins*?

 

Roman: Teilzunehmen?! Haha, nein, wir machen uns im Bezug auf Miss-Wahlen nicht allzu große Hoffnung für uns… aber wir lungern halt gern dort rum… eben weil wir nicht wissen, wer uns begleitet bei unserem Streben nach Freiheit, Frieden und freien Drinks!

 

Wenn man sich auf Eurer Homepage die Beschreibung Eures Bandnamens anguckt kommt mir bei der Passage „…und erwähnen es als die Stadt, die Vampire (und andere Penner, die nachts eine Sonnenbrille tragen)…“ unweigerlich der Gedanken, das neben aller Ernsthaftigkeit auch ein Menge vom Faktor Spaß in der Band steckt. Inwieweit stimmt das?

 

Natürlich, das stimmt absolut. Das heißt aber nicht, dass wir die Musik nicht hundertprozentig ernst nähmen oder das, was wir auszusagen versuchen. Wir gehören aber nicht zu dieser Sorte Menschen, die man zum Beispiel unter den Black Metal-Fans häufig trifft – also möglich true in der Gegend rumstehen, bloß niemals zeigen, dass man Spaß hat und so was… drauf geschissen. Wenn wir zu Konzerten unterwegs sind, ist das eher wie ein Karnevalszug als ein „highway to hell“.

Erkläre mir doch mal bitte in eigenen Worten die Bedeutung Eures Bandnamens.

Ehrlich gesagt steht dieser Name einfach für uns. Jeder darf drin lesen, was er meint – außer die Strategen, die sich immer verlesen, haha! Die Idee hinter dem Name war, „Golconda“ als Synonym zu sehen für ein unchristliches Paradies, also ein Ort, wo alles Abnorme, Verhasste und Verstoßene den eigenen, freakigen Frieden finden darf. Aber ich finde es eher blöd, das so genau zu erklären; für uns stand der Name eh immer in erster Linie für diese Band, und hoffentlich ist das für die Leute auch so und jeder kann sich sein eigenes „Golconda“ ausmalen.

 

 

Bei so viel musikalischem Müll, der in den letzten zwei Jahren an die Oberfläche gespült wurde verwundert es mich sehr, das Euch keins der größeren Labels unter Vertrag genommen haben. Woran ist das Deiner Meinung nach gescheitert?

 

Oh Mann, keine Ahnung. Vielleicht weil die Labels auf diesen Müll stehen?! Es wäre immerhin eine ziemlich konsequente Entwicklung, die man bei Pop-Musik ja ganz gut beobachten kann. Wir als Fans schätzen Originalität, sperrige Ideen und tiefe Gedanken, vielleicht ist sowas aus professioneller Sicht eher ein Problem, weil sowas nicht „platziert“ - oder wie man das im Jargon ausdrückt – bekommt? Dann lieber die hundertste Kopie der Kopie, dann kann man die mit den anderen Kopien auf große Copy-Shop-Tour schicken?

 

Sagt Euch eigentlich die Band Dark Millennium etwas? Die haben 1990 ein ähnlich abwechslungs- und facettenreiches Album namens „Ashore the Celestial Burden“ veröffentlicht, an welches ich beim Hören von „Return“ des Öfteren erinnert wurde.

 

Nee, kenne ich nicht, sorry. Du würdest übrigens erstaunt sein, wie wenig Musik einzelne von uns hören, besonders, wenn es ums Komponieren von eigenen Stücken geht. Wir werden ja recht oft nach Einflüssen gefragt, und Leute glauben, dies oder jenes rauszuhören. Für uns ist das voll aufregend, weil wir entweder nicht mit den Vergleichen gerechnet hätten (In der einen Woche heißt es, ein bestimmter Part sei ja doch eindeutig von Slayer inspiriert und in der nächsten Woche findet ein anderer, der Part klingt doch wohl wie Bolt Thrower… Seltsam…), oder – was noch etwas peinlicher ist – wir kennen die Band nicht mal! Das Gute ist wohl, dass wir Musik schreiben wollen, bei der die eigene Vorstellungskraft etwas zu rotieren anfängt, und das scheint zu klappen! Aber nochmal zu Dark Millenium: ich werde auf jeden Fall mal schauen, dass ich da reinhören kann…

 

Was mich an „Return“ begeistert, ist der Abwechslungsreichtum und die Vielfältigkeit Eures Repertoires. Wie kann man sich bei Euch den Entstehungsprozess eines Songs vorstellen?

 

Am besten gar nicht, haha! Wenn Du es doch willst: stell Dir 5 leicht angetrunkene, unsympathische Typen vor, die sich kontinuierlich anranzen, niemals konstruktiv sind aber stattdessen latent aggressiv, denn gerade werden Songs geschrieben und das Herzblut von uns fünfen ist ne ganze Menge Blut, das auch mal hochkochen kann. Also wird sich um Ideen gestritten bis vier heiser sind und der fünfte zufrieden… um beim nächsten Mal geht es wieder los! Im Ernst: Es ist wirklich anstrengend und langwierig, weil wir nicht zu den Bands gehören, die einen Songwriter haben, der dann zu Hause Ideen hat und die im Proberaum präsentiert. Wir möchten, dass jeder zu jeder Zeit am Song beteiligt ist, schreiben daher alles komplett zusammen… nun ja, das ist manchmal eben auch etwas anstrengend, vor allem kurz vor dem Studio, wenn die Panik steigt, dass man nicht alles perfekt hinbekommen wird… aber man Ende sind wir doch wieder glücklich, es so gemacht zu haben, weil es wirklich gleichermaßen die Songs von uns allen sind.

 

Inwieweit zieht sich ein roter Faden durch Eure auf „Return“ befindlichen Songs?

Wir haben diesmal wieder, ähnlich wie bei „Destination:Downfall“, vor dem eigentlichen Songwriting bereits an einer Art Story gebastelt. Die haben wir dann ausgefeilt während die Songs entstanden sind, mal hat also die Musik die Story beeinflusst, mal war es andersherum. Grob gesagt beginnt die Geschichte mit eher historischem Zeugs… es geht um Johanna von Orleans und Gilles de Rais… um diese Liebesgeschichte, die dann aber ganz schnell zum Albtraum wird. Von da an haben wir unserer Phantasie freien Lauf gelassen. Das gleiche ist schon einmal passiert: Nachdem vor hunderten von Jahren die Morde de Rais´ ans Licht kamen, hat die einfache Bevölkerung angefangen, die Person mit den Erzählungen von Blaubart zu verbinden… obwohl die beiden Stories nichts gemeinsam haben. Aber das war wohl besser, als sich so etwas Schreckliches im wahren Leben vorstellen zu müssen. Wir haben mit dieser Idee gespielt, dass man Sachen, die einfach zu furchtbar sind, in Fiktion drängt, um damit umzugehen. Und auch damit, dass solche Geschichten dann aber die Zeit überdauern und, wie Märchengestalten, Teil unserer Unbewussten werden und eben so immer wiederkommen. Daher endet die Platte mit dem Fluch des zum Tode verurteilten Blaubart: „I will return!“ Was er dann auch tut – der erste Song der Platte ist gleichzeitig sowohl der Opener als auch die Fortsetzung des letzten Tracks… somit ist die Platte, ganz genau wie unser Held, ein Wiederkehrer, ein endloser Kreislauf aus Angst und Albträumen… Und der musikalische rote Faden ist, dass es grandiose Stücke sind, haha!

 

 

Ihr habt Eure 3 Alben alle im Stage One mit Andy Classen aufgenommen. Werdet Ihr demnächst adoptiert? Ist die Zusammenarbeit mit ihm wirklich so gut, wie alle behaupten?

 

Ja, irgendwann hat Andy seinen schwarzen, komischen Helm abgezogen und gestanden „Ich bin Dein Vater“! Ich weiß ja nicht, was andere über die Zusammenarbeit sagen, aber wir sind mehr als zufrieden. Andy ist einfach ein sehr relaxter Mensch, so dass die Zeit im Studio angenehm ist. Finde ich sehr wichtig, denn man arbeitet recht hart, muss sich konzentrieren und kontinuierlich gegen den Studiokoller kämpfen… was seine Arbeit angeht finde ich Andy eh über jeden Zweifel erhaben, die Platten klingen einfach alle saugeil! Mir gefällt sehr, dass er immer genau weiß, wie wir uns den Sound vorstellen; „The Threshold Diaries“ klingt ja ganz anders als „Return“, und das ist ja kein Zufall, sondern Teil unserer und auch seiner Vorstellungen gewesen. Und Andy weiß zudem auch, wie er das Beste aus einem rauskitzelt, was bei den besagten 5 angetrunkenen Unsympathischen eine ganz wichtige Sache ist…

 

Bitte kommentiere mal meine Favoriten auf dem Album. Beginnen wir mit „Sharpen the saw“.

 

War der erste Song, den wir geschrieben haben. Wir hatten uns vorgenommen, eine ergreifende Ballade zu schreiben, die auch ein wenig poppig sein dürfte… das war wohl direkt nach dem Studio nicht die beste Idee, aber wir haben gejammt und nun ja… „Sharpen the Saw“ kam raus. Man merkt da ganz gut, wie wir manchmal Songs schreiben: am Anfang hatten wir einfach Spaß an diesem straighten Thrash-Gewichse und plötzlich sprudeln tausend Ideen heraus und der Song nimmt immer mehr Wendungen. Das passt auch ganz gut zum Inhalt, den hier werden quasi im Schnelldurchlauf die wichtigsten Elemente der Story klargemacht.

 

“Fuck and fiction”

 

Inhaltlich ist hier die Stelle, da Johanna tot ist und der Wahnsinn so richtig beginnt. Wo also von uns aus Fakt Fiktion wird, und wo es für unseren Helden eher um „Fucks“ als „Facts“ geht… Schwarze Magie und rituelle Opferungen und all das spielen eine Rolle hier; wir fanden es deswegen ganz angebracht, dem Song eine old-schoolige Note zu geben und ziemlich konsequent grooven zu lassen.

 

Meinem Lieblingssong „Iconoclast“. Da habt Ihr ja im Gegensatz zu Euren anderen Tracks mächtig aufs Gaspedal getreten.

 

Das stimmt, hier wird noch mal richtig ein Resümee gezogen und zum Abschluss alles aufgefahren, was da war, haha! Nachdem die Story immer verzwickter und komplexer wurde, wollten wir einfach mal klassisch auf die Fresse geben, also mit einem Donnerknall die Geschichte zum Ende bringen. Der Held der Geschichte rastet an dieser Stelle extrem aus, verhöhnt und verflucht Gott und den örtlichen Pfaffen und löst so eine Art Lynchjustiz aus, an deren Ende diese lange Ansprache steht, in der gesagt wird, dass jeder die eigene Schuld an den Gräueltaten in dieser Welt trägt… dieser Song ist live natürlich auch sehr geil, und ein würdiger Konzertabschluss! Ich persönlich liebe einfach, wie daraus, aus dem ganzen Höllischen, Verzweifelten, am Ende dieses schöne, ergreifende neue Stück wird… als wir im Studio das erste Mal die fertigen Takes gehört haben, hatten wir echt ne Gänsehaut.

 

Wie ist eigentlich der Wechsel vom alten, seltsamen Scheiß, sprich dem Black Metal lastigen Sound zu Eurem aktuellen vonstattengegangen?

 

Och, das war so eine natürliche Entwicklung. Irgendwann haben wir andere Riffs geschrieben und hatten andere Ideen im Kopf. Es war nicht so, dass wir uns hingesetzt und gesagt hätten: „So, Schluss damit, jetzt kommt was Neues“. Wie gesagt, die Songs wachsen bei uns ja immer sehr organisch, und man weiß am Anfang nie, wohin die Reise geht. Und es heißt auch nicht, dass dieses Kapitel völlig abgeschlossen ist: Wir haben letzte Woche wieder ein bisschen an neuen Songs gebastelt und das Erste was uns einfiel, war so ein völlig abgefahrener, extrem düsterer Part, der deutlich black-metal-lastiger ist als alles, was wir bisher gemacht haben. Man weiß also wirklich nie, was kommt…

 

Wenn ich mir die Rubrik „Tourette“ anschaue, sind Liveaktivitäten ja momentan nicht gerade Eure Stärke. Woran hapert’s? Ist denn noch eine Tour oder etwaige Festivalbesuche geplant?

 

Hmm, das hängt ein bisschen davon ab, wann man reinguckt, haha! Es gab auch Phasen, in denen wir mehr gespielt haben, aber ein ständig voller Tourkalender ist ohne finanziellen Support wirklich schwierig. Wir müssen schließlich alle noch arbeiten gehen. Wir planen trotzdem immer fleißig weiter und überlegen zurzeit, eine kleine Tour zu organisieren. Wenn es also nicht zu deprimierend ist: guck einfach öfter mal rein bei „tourette“ und abonnier unseren Newsletter, es gibt bestimmt regelmäßig neue Shows!

 

Wie geht es mit Euch in naher Zukunft weiter?

 

Na, wenn ich das wüsste! Wir werden schauen, dass wir noch einiges an Konzerten spielen, freuen uns darüber, dass den Leuten die Platte gefällt – wir mussten jetzt schon, so kurz nach Veröffentlichung, nachpressen lassen! – und hoffen, noch genug Geld einzuspielen um vielleicht sowas wie ein Video hinzubekommen. Mal sehen. Vielleicht scheißen wir aber auch auf ordentliche Promotion, haha. Wir haben vor Kurzem angefangen, an neuen Songs zu arbeiten und sind glücklicherweise schon wieder voller Ideen. Bis zur nächsten Platte wird es natürlich trotzdem tausend Jahre dauern, aber es ist gut, kreativ zu sein… Live zu spielen und Songs zu schreiben ist einfach das Größte für uns, der ganze „Business“-Mist, die Planung, die Werbung und so ist eher nicht unsere Stärke. It´s all about the music, haha!

 

by olaf

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