28. Juli 2017


           
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Demonica Interview

Letzten Monat flatterte mir mit "Demonstrous" ein wirklich bemerkenswertes Debüt aus der Schmiede von Massacre Records ins Haus. Bemerkenswert zum Einen, weil auf diesem Scheibchen richtig satter, fett produzierter Thrash Metal geboten wird, zum Anderen weil sich hinter Demonica mit Hank Sherman, Craig Locicero und Mike Hernandez drei wirklich alte und ausgefuchste Recken des internationalen Heavy Metal verbergen, die einerseits neue Ufer erreichen, andererseits sich neue Motivation holen.

 

Nicht nur die Tatsache, das hier wirklich tolle Musiker und Persönlichkeiten am Werk sind, sondern auch die Musik auf „Demonstrous“ mächtig kickt, kam mir die Gelegenheit gerade recht, Hank und Craig zu Demonica, Mercyful Fate und Forbidden einige interessante Infos aus den Rippen zu leiern.

Hank, nachdem Du in der Vergangenheit mit Mercyful Fate traditionellen Heavy Metal und AOR mit Fate (Album „A matter of attitude“) gespielt hast, fügst Du Deinen Repertoire nun auch noch oldschool Thrash mit Demonica hinzu. Erzähl mir doch bitte mal die Gründe, warum die Fans so lange auf die harte Seite des Hank Sherman warten mussten?

 

H: Ich brauchte einfach mal eine Pause vom ganzen Metal Zirkus und habe mehr im Hintergrund gearbeitet, Produktionen geleitet oder Songs für andere geschrieben. Doch zum Ende des Jahres 2007 fühlte ich den Drang, mich wieder in den Sattel zu schwingen und neuen Metal zu machen. Ich habe dann darüber nachgedacht, wie ich dieses Ziel am besten erreichen könnte und hatte dann die zündende Idee, es aggressiver und heavier zu machen als alles, was ich vorher mit Mercyful Fate gemacht hatte. Für mich selbst war das eine riesige Herausforderung und machte es teilweise unberechenbar. Doch dann ging es auf einmal sauschnell…

 

Gab es einen bestimmten Grund, mit „Demonstrous“ ausgerechnet ein Thrash Album zu machen? Oder geschah das einfach aus Spaß an der Sache?

 

H: Ich mache generell nichts aus Spaß. Für mich ist jede Veröffentlichung eine ernste Angelegenheit obwohl man im Vorfeld nie genau sagen kann, wohin einen die Reise führt. Der Schritt zum Thrash Metal war ein natürlicher Prozess und eine logische Entwicklung zu der Art von Metal, wie ich ihn mit Mercyful Fate spiele. Die Musik ist einfach viel intensiver und brutaler und fordert meinen Stil viel mehr. Die Gefahr, hier zu versagen war also viel höher (lacht). Doch ich habe mir für mein Album einige meiner absoluten Faves zum Vorbild genommen: Megadeth, Slayer, Metallica oder Exodus. Es war auf jeden Fall eine tolle Herausforderung.

 

War es denn schwierig, die richtigen Musiker für die Band zu rekrutieren?

 

H: Unseren Sänger Klaus Hyr ist ein alter Freund von mir, den ich seit den 90ern kenne. Er war gleich zu Beginn der Band voll involviert. Wir haben zusammen geprobt und Songs ausprobiert und haben sofort gemerkt, dass es super harmoniert. Dann haben wir uns gedacht: Wenn wir schon Thrash Metal spielen, sollten wir unbedingt einen Musiker aus der Bay Area mit an Bord haben und haben Craig Locicero von Forbidden kontaktiert, der auch sofort Feuer und Flamme war. Von ihm kam dann auch die Idee, dass Mike Hernandez, ebenfalls von Forbidden, an den Drums sitzen sollte, was sich ebenfalls als Volltreffer erwiesen hat. Unser Basser Marc Grabowski kommt von einer tollen Death Metal band aus Denver namens Corruption und als ich ihm den Posten an den vier Saiten anbot, hat er ebenfalls sofort zugesagt.

 

 

Craig, wie war es denn für Dich, als Dich plötzlich Hank Sherman kontaktierte, um Dich in seine Band zu holen?

 

C: Ich hätte nie im Leben daran gedacht, irgendwann einmal mit Hank zusammen eine Platte zu machen und war dementsprechend überrascht, als ich eines Tages eine Email von ihm bekam in der er mich fragte, ob ich ein paar Soli für seine neue Thrash Band einspielen wolle. Mein erster Gedanke war: Hank spielt Thrash Metal??? Mein zweiter war: Fuck yes! (lacht) Die Arbeit mit Hank und Klaus war großartig und ich habe es richtig genossen.

 

Wie fühlt es sich denn an, mit einer solchen Metal Legende in einer Band zu zocken?

 

C: Es fühlt sich prima an. Wir haben zwar einen unterschiedlichen Background und kommen aus zwei völlig verschiedenen Ära’s, aber ich glaube, wir sind und völlig einig in dem was wir erreichen wollen. Wir beide sind in unseren Hauptbands die Songwriter, mögen und bevorzugen es aber, mit den jeweiligen Protagonisten eng zusammenzuarbeiten. Auf jeden Fall war und bin ich ein riesiger Mercyful Fate Fan, seit ich mir 1983 die „Corpse without a soul“-EP gekauft habe. Das zeigt Dir, wie sehr ich in die Musik eingebunden bin und was es für mich bedeutete, mit Hank zusammen zu arbeiten. Dennoch würde Hank niemals seinen Status als Metal Legende heraushängen lassen oder uns permanent daran erinnern. Er ist einer der bescheidensten Musiker, die ich in diesem Business bisher kennengelernt habe.

 

Hank, hast Du eigentlich das Album gänzlich im Alleingang geschrieben oder waren die anderen Bandmitglieder daran beteiligt?

 

H: Für dieses Album habe ich alle Songs selber geschrieben, da die anderen Mitglieder erst später hinzu kamen und der Schreibprozess bereits abgeschlossen war. Normalerweise schreibe ich bei Mercyful Fate sämtliche Musik allein, aber beim nächsten Demonica Album werden Craig und Marc in das Songwriting mit eingebunden, denn sie sind beide hervorragende Komponisten. Ich glaube aufgrund dieser Zusammenstellung wird das Album ein noch viel größerer Killer.

 

Also kann man Demonica als vollwertige Band sehen. Wird es denn auch Liveshows geben?

 

H: Selbstverständlich ist es unser erklärtes Ziel, auch Liveshows zu spielen. Momentan checken wir die Möglichkeiten aus, ein paar Festivals und Clubshows in diesem Sommer zu spielen. Demonica ist eine Band, kein Projekt, aber man weiß ja nie, wohin es einen treiben wird. Wir werden einfach mal schauen, wo wir landen.

 

Kannst Du mir ein bisschen was über das textliche Konzept auf „Demonstrous“ erzählen?

 

H: Nee, eigentlich nicht, das ist eher Klaus’ Bereich. Die Texte handeln vom Leben, der Liebe und dem Tod, aufregend, was? (lacht) Für mich sind es einfach Thrash Lyrics der alten oldschool Sorte.

 

 

Hat Demonica denn bei Dir jetzt Priorität oder gibt es jetzt schon weitere Pläne für ein neues Werk aus dem Hause Mercyful Fate?

 

H: Demonica hat momentan natürlich oberste Priorität, aber es werden immer wieder Pausen dabei sein, um an anderem Material zu arbeiten. Ein neues Album von Mercyful Fate wird es mit Sicherheit in den nächsten Jahren auch wieder geben, doch erstmal werden wir dieses Jahr eine DVD rausbringen, die ganz viel Material aus den 80ern und 90ern enthalten wird.

 

Was für ein Gefühl ist es eigentlich, aufgrund Deiner Arbeiten mit Mercyful Fate als Metal-Legende genannt zu werden?

 

H: Ich selber sehe mich nicht als Legende, hört sich außerdem so alt an (lacht). Ich freue mich darüber, wenn andere Musiker mich oder meine Musik als Inspirationsquelle oder Grund für eine eigene Bandgründung nennen. Ich habe ja selber mal so angefangen. Als Musiker bin ich selbst immer noch in einer Lernphase, die scheinbar immer noch anhält (lacht).

 

Abschließend meine Frage noch an Craig: Sind Forbidden eigentlich immer noch aktiv? Ihr habt Euch ganz schön rar gemacht.

 

C: Oh ja, wir sind mehr als lebendig! Irgendetwas in mir ist erwacht und hat eine neue Form der Kreativität freigesetzt. Wir werden mit Forbidden demnächst ein neues Album nach 15 Jahren aufnehmen. Demonica hat mir sehr dabei geholfen, mich meiner Metal Vergangenheit zu erinnern und mich neu zu motivieren. Wir stehen also voll unter Dampf. Forbidden sind zurück, wie Demonica geboren sind. Besser geht’s nicht.

by olaf

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