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23. November 2017


           
Magazin

 

 

 
         
 

Frei.Wild Interview

Unweigerlich beginnt eine Einleitung über Frei.Wild immer irgendwie mit einem Verweis auf die Onkelz, doch als die Frankfurter anno 2005 mit einem lauten Knall ihre Karriere beendeten, entstand im Bereich deutschsprachiger Rotz-Rock ein Vakuum, welches allerdings ziemlich schnell durch das Südtiroler Quartett gefüllt wurde. Die Belohnung: Gigantische Chartplatzierung, eine ständig größer werdende Fanschar, ausverkaufte Tourneen und qualitativ mehr als hochwertige Alben, mit denen sich der sympathische Vierer rasant von seinen Idolen abnabelte.

 

Nun also hielten Frei.Wild in Berlin Hof und veranstalteten bereits zum zweiten Mal nach dem K17 im C-Club eine Ladies night, bei der ausschließlich das zarte Geschlecht zum Pogen und moshen aufgefordert war. Dies hatte zur Folge, dass ich zwar mit den Jungs vorher ein wenig plauschen konnte, danach allerdings aufgrund fehlender weiblicher Ausstattungsmerkmale der  Halle verwiesen wurde. Selbst mein Angebot, unentgeltlich als Brezelverkäufer zu arbeiten, wurde lächelnd aber entschieden abgelehnt. So kam ich leider nicht in den Genuss einer rasenden Show und einer wilden Prügelei, bei der zwei Mädels sogar der Halle verwiesen und mit Hausverbot belegt wurden. Jaja…wenn die Wölfe unter sich sind.

 

Habt Ihr Freundinnen oder seid Ihr solo? Oder wie erklärt man einem Unwissenden, warum eine so angesagte Band wie Frei.Wild unbedingt eine Lady’s night abhalten muss?

 

(großes Gelächter) Zegga: Wir haben Frauen…

 

Philipp: Wir lieben Frauen, ganz einfach. Die Idee einer Ladies night kursierte schon seit 2 Jahren und letztes Jahr haben wir es dann einfach mal gewagt und im K17 das Vorhaben realisiert. Das machte unglaublich viel Spaß, obwohl im Vorfeld nicht damit zu rechnen war, dass es ein Erfolg werden würde, da lediglich 80 Tickets im Vorverkauf abgesetzt wurden. Letztendlich kamen dann so ungefähr 150 Mädels, die den Abend zu einem tollen Erlebnis gemacht haben. Also beschlossen wir, dieses Ereignis zu wiederholen allein auch schon deshalb, weil wir keine andere Band kennen, die so eine Aktion jemals gefahren hat. Verdienen tun wir daran absolut gar nichts, allein schon wegen dem Anfahrtsweg. Wir machen das wirklich just for fun.

 

Föhre: Und außerdem haben so die Mädels dann einmal im Jahr ihren Tag…. (brüllendes Gelächter)

 

Zegga: Einmal im Monat, hahaha…nein, es ist wirklich eine tolle Sache, wenn die Girls mal ohne ihre Kerle die Sau raus lassen können. Heute werden knapp 450 wohl da sein.

 

Es liegt also nicht daran, dass Eure „Freunde“ auf Facebook größtenteils weiblichen Geschlechts sind?

 

Philipp: (lacht) Nein. Wir haben in vielen Gesprächen erfahren, dass Frauen solche Aktionen klasse finden, wo sie selbst mal ihre „Frau“ stehen, pogen können ohne gleich umgeboxt zu werden.

 

Föhre: So ein Pogo mit 100 Frauen ist einfach klasse und sieht genial aus. Mal sehen, was in dieser Hinsicht heute Abend abgeht. (siehe dazu das Livereview meiner Freundin Jette…-Olaf)

 

In der Vergangenheit musstest Ihr Euch permanent einer teils grotesken politischen Diskussion aussetzen. Ist man da nicht irgendwann mal zermürbt, immer und immer wieder die gleichen Statements vom Stapel zu lassen? Wenn Du die Möglichkeit hättest, mit einem Wort diese Debatten für immer zum verstummen zu bringen, welches Wort wäre das?

 

Philipp: Fickt Euch…

 

Das sind zwei Worte (Gelächter)

 

Philipp: Fuck

 

Zegga: Vollidioten

 

 

Jonas, stehst du eigentlich in irgendeinem Verwandschaftsverhältnis zum Brixener Michael Notdurfter, der als marxistischer Guerillero 1990 den bolivianischen Coca Cola Chef entführte und daraufhin erschossen wurde? Würde ja nicht gerade in Eure Bandpolitik passen…

 

Jonas: Was? Wie? Das ist ja ne geile Geschichte. Der kommt wirklich aus Brixen und heißt wie ich? Nee, der ist mir so nicht bekannt, hahaha.

 

Philipp: Fantastisch recherchiert, wirklich.

 

Zur Musik…Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Euch erst 2009 mit „Hart am Wind“ richtig wahr genommen habe und damals dachte, es handelt sich bei Euch um eine neue Band, obwohl Ihr vorher bereits 5 Alben veröffentlicht habt. Meinst Du, dass diese Wahrnehmung dadurch beeinflusst wurde, dass Ihr erst mit diesem Album so richtig kommerziell durchgestartet seid?

 

Philipp: natürlich auch das. „Hart am Wind“ war in vielerlei Hinsicht professioneller. Der Sound, die Songs, die Promotion…all das hat natürlich dazu beigetragen, uns bekannter zu machen. Wir hatten die Songs bereits 8 Jahre im Petto und haben uns gesagt, dass es langsam Zeit wird, die Welt daran teilhaben zu lassen. Dementsprechend haben wir Vollgas gegeben, was sich letztendlich auch ausgezahlt hat. Wir sind ja unser eigener Chef, haben unser eigenes Label und daher ist das alles natürlich viel arbeitsintensiver geworden. Früher haben wir für Bier, Wodka und Spaß gespielt, hahaha. Wobei der Spaß schon mal darunter litt, dass ich aufgrund meiner Montagearbeiten in ganz Italien unterwegs war und somit manchmal 2.000 Kilometer für Gigs oder Proben fahren durfte. Wir wollten einfach durchstarten und haben die alten Songs mit ein paar neuen vermischt und losgelegt. Wenn man bedenkt, dass wir absolut kein Radio Airplay hatten oder eine finanzkräftige Plattenfirma im Rücken, haben wir das ganz gut hingekriegt. Wir sind durch unsere Fanbase gewachsen, dass macht uns stolz.

 

Also erklärt Ihr Euren Erfolg nicht damit, dass Ihr nach der Onkelz Auflösung 2005 quasi als einzige eigenständige Band ohne Onkelz Coverversionen in die Bresche gesprungen seid und somit die Onkelz Fans „eingesammelt“ habt?

 

Föhre: Nein, nicht wirklich, obwohl wir alle selber beinharte Onkelz Fans waren und sind und somit natürlich auch maßgeblich von ihnen beinflußt wurden.

 

Philip: Das war einfach die Band, mit der du in der Woche deinen Frust rausschreien und am Wochenende feiern konntest. Für uns war es ebenfalls ein Schock, als sie sich auflösten. Ich erzähl Dir aber mal eine Geschichte, die unser Verhältnis zu den Onkelz am besten charakterisiert: Wir haben zu deren Abschiedsshow am Lausitzring nachgefragt, ob wir dort nicht spielen könnten. Erst kam ne Zusage vom Onkelz Supporters Club, dann eine Absage, doch da wir eh Tickets hatten sind wir hingefahren, haben unseren Hänger und den Proberaum aufgebaut und einfach selber auf dem Campingplatz gespielt…um drei Uhr morgens. Viele Leute wollten uns umboxen, viele sind da geblieben und haben uns zugehört. Das hat sonst niemand dort gemacht und wir hatten die Hoffnung, dass wir damit einige Leute erreichen, was uns ja auch gelungen ist. Das war eine völlig geile Aktion…

 

Zegga: …nach der unsere Taschen völlig leer waren. (Gelächter)

 

Beim Onkelz Abschiedskonzert auf dem Campingplatz

 

Sieben Alben in neun Jahren, ein irres Pensum, dazu Tourneen, Festivals. Ist dieser Turnus überhaupt noch zukünftig realisierbar und aufrechtzuerhalten?

 

Föhre: Da wir nicht mehr arbeiten gehen müssen, ist das alles machbar. Früher war es natürlich schwieriger, wenn du von Montag bis Freitag auf der Baustelle und dann am Wochenende mit der Band unterwegs warst. Es ist mittlerweile ruhiger geworden was wir dazu nutzen, unter der Woche zu proben, zu produzieren, um dann am Samstag und Sonntag zu spielen.

 

Gegengift“ ist nun ein halbes Jahr draußen und hat in Deutschland mit Platz 2 eine riesige Chartplatzierung gehabt, in Dresden vor 5.500 Besuchern einen Headliner Gig gespielt, nun auch noch die Nominierung zum Echo 2011. Ist dieser kometenhafte Aufstieg eigentlich zu begreifen und noch zu toppen?

 

Zegga: Es ist manchmal wirklich wie ein Traum. Wir haben in den Anfangstagen kleine Stufen genommen. Heutzutage springen wir quasi die Treppe rauf.

 

Philipp: Der Echo ist natürlich ein Mordsding, wobei man da ja von vornherein weiß, wer da was gewinnt. Da geht es schon um die Verkaufszahlen…und da haben Unheilig ein wenig CDs mehr verkauft als wir, hahaha. Dennoch ist es unvorstellbar, dort überhaupt nominiert zu sein. Einen Preis erwarten wir nicht, wir freuen uns nur auf die geile Aftershow-Party, wo wir es richtig krachen lassen werden, hahaha. Und das alles einen Tag vor meinem 30.sten Geburtstag. Neben unserem zehnjährigen Bestehen in diesem Jahr ist dies ein weiteres Geschenk. Klar werden jetzt Einige mit dem „Kommerz“ Vorwurf kommen, doch was heißt Kommerz? Kommerz heißt, Erfolg zu haben und mehr zu verkaufen, als die Anderen.

 

Föhre: da zählt für uns wirklich nur der olympische Gedanke: Dabeisein ist alles!

 

Philipp: Aber auch die ausverkaufte Tour, der Gig in Dresden…all dies hat uns bestätigt, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, der richtige gewesen ist. All diese positiven Dinge motivieren uns ohne Ende, weiter geile Songs zu schreiben. Wir werden uns jedenfalls darauf nicht ausruhen.

 

Frei.Wild in Wacken

 

Ist „Weil du mich nur verarscht hast“ autobiographisch? Ich muss dazu sagen, dass ich zwei der von Euch vertonten Episoden am eigenen Leib erleben „durfte“.

 

Philipp: Absolut! Es ist einfach so, dass wenn Du Dich irgendwann mal in Deinem Leben scheiße benimmst, kommst es immer irgendwann zurück. Der Gott…wir sind ein wenig gläubig…ist gerecht. Auch der Rock’n’Roll Gott ist gerecht. Bands und Leute die versuchen, mit gezinkten Karten zu spielen, sind weg. Wir haben es erlebt, dass ein Schlagzeuger einer Band ohne Becken angereist ist, um dann zu sagen: Hach, ich habe mein Becken vergessen, spielt ihr doch erstmal, wir kommen dann später, wenn ich es geholt habe. Sprich, die bescheißen dich um deinen Slot. Doch die sind mittlerweile in ihren Proberäumen vergammelt und wir spielen jetzt da, wo die immer hinwollten. Auch bei Frauen…wir haben früher auch jedes…ähhm…kleine Löchlein mitgenommen (Gelächter), trotz Beziehung, es kommt alles zurück, irgendwann, aber es kommt. Das war einfach ein Song wert.

 

Wenn der „Gig“ beim Onkelz Abschiedsfest so ein großes Ding war, war doch mit Sicherheit Euer Auftritt in Berlin bei der Fanmeile zur WM 2010 vor geschätzten 500.000 Leuten zum Achtelfinale Deutschland-England pillepalle…

 

(großes Gelächter) Föhre: Wir musste da echt vorher ein paar trinken, um locker auf die Bühne zu gehen. Ehrlich, wir haben uns bei der Masse an Menschen fast in die Hose geschissen. Dennoch haben wir gehofft, dass jeder der Anwesenden eine CD kauft (alle lachen).

 

Zegga: Das Lustige war ja, dass die Band vor uns auch drei Songs spielen sollte, aber nach einem bereits die Bühne verließ oder gegangen „wurde“, hahaha. Die Bandbetreuerin hat uns dann eindringlich gefragt, ob wir wirklich auch unsere drei Songs spielen wollen, oder es ebenfalls bei einem belassen würden. Doch wir haben das voll durchgezogen und es war ein irrer Erfolg und ein wahnsinniges Erlebnis.

 

Philipp: Oli Pocher hat danach gesagt: Ich will nicht mehr…(großes Gelächter) Schade nur, das Deutschland nicht ins Finale gekommen ist, dann hätte es wahrscheinlich einen Nachschlag gegeben. Die haben da fantastischen Fußball gespielt…

 

Auf der Berliner Fanmeile

 

Trotz Eurer Südtiroler Herkunft steht ihr zum deutschen Fußball? Ich hätte da eher an die Österreicher gedacht…

 

Philipp: Die haben aber keine Fanmeile. Außerdem spielen die scheiße.

 

Es folgte eine kurze Diskussion über Fußball im Allgemeinen und Armin Zoegerle, den Südtiroler Rennrodler, der scheinbar dort wie ein Nationalheld verehrt wird. Jedenfalls war die Band baff, dass ich ihn kenne…

 

Ich schmeiß Euch mal drei Südtiroler Brocken hin und Ihr kommentiert mir die mal kurz: FC Südtirol (Drittletzter der italienischen dritten Liga)

 

(betretendes Schweigen) Philipp: Nur soviel, deren Fansong wurde bei uns im Studio aufgenommen, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

 

Föhre: Die haben eine guten Hinrunde gespielt und sind in der Rückrunde völlig eingebrochen. Die waren aber schon mal oben dran.

 

Giorgio Moroder (Neffe von Louis Trenker, mit bürgerlichem Vornamen Hans-Jörg und hat Größen wie Elton John, David Bowie, Freddy Mercury produziert)

 

Föhre: Ein sehr, sehr großer Südtiroler. Das wissen nicht viele, dass der von hier kommt.

 

Philipp: Kann im Vergleich zu uns Noten lesen (Gelächter)

 

Zegga: …und spielen, können wir ja auch nicht so (alle lachen)

 

Philipp: Der hat ja eine Unmenge an Musiker produziert und sich dadurch eine Unmenge an Reputation verdient. Man denke nur an Rocky IV..dadadada…(lacht)

 

Zegga: Und jetzt kommt wahrscheinlich…

 

Reinhold Messner (in Brixen geboren, heute in Meran lebend und eigentlich, dachte ich immer, Deutscher)…Spielverderber…

 

Philipp: Der ist in dem Dorf geboren, in dem ich meine Lehre gemacht habe. Ebenfalls ein Großer, doch für meine Verhältnisse ein wenig zu grün. Dennoch hat er für Südtirol eine Menge geleistet. Hut ab.

 

Zegga: Dem hat eh der Yeti das Genick gebrochen und die Wahrnehmung geraubt (Gelächter)

 

Philipp: Und vergiss nicht die Kastelruther Spatzen (hey…wie konnte ich *grins*) Das sind ganz feine Burschen und wer 13 Echos gewinnt, kann so schlecht nicht sein. Die haben damals für uns kostenfrei unsere Verträge prüfen lassen. Tolle Jungs. Wir spielen dieses Jahr bei denen auf ihrem Festival. Die Kastelruther Spatzen, Frei.Wild und Graveworm, geil, was?

 

Da kann ja Wacken dieses Jahr getrost ausfallen…

by olaf

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