28. Juli 2017


           
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Akrea Interview

Die beste Dusche der Tour…das Akrea-Glück???

 

Jeder Mensch mag Überraschungen…gut, ich relativiere…positive Überraschungen. Im musikalischen Bereich, speziell im Metal, sind diese zumeist recht limitiert, da es irgendwie immer vorher alles schon gegeben hat. Innovation ist teilweise ein Fremdwort und wird dann, wenn sie mal in Reinkultur angewandt wird, zu Unrecht verrissen. Wie sonst ist es zu erklären, warum der Metal Hammer seinerzeit das Cover zum überragenden Akrea Zweitling „Lügenkabinett“ zum hässlichsten des Jahres kürte? Vielleicht ist es da ein kleiner Trost, dass dieses wirklich innovative Stück deutscher Hartwurst Kultur in meinen persönlichen Jahres Top-Ten einen mehr als respektablen neunten Platz belegte…und 2010 war voll mit guten Scheiben.

 

Die Überraschung? Ach ja, ich bin abgeschweift…mea culpa. Aufgrund des Veröffentlichungswusts jeden Monat, bleiben teilweise Scheiben liegen, die mir nicht auf Anhieb ins Auge springen, dann aber zu einem gewaltigen Audioerlebnis werden können. So ging es mir nämlich mit dem oben bereits angesprochenen Werk der Jungs aus dem Oberpfälzer Land, die mich neben ihrer im Melodic Death Metal Bereich angesiedelten Mucke auch noch mit hochlyrischen und deutschen Texten begeistern konnten. Somit war es mir ein innerer Parteitag, mit Drummer Jonas und Gitarrist Fabian Panzer ein gemütliches Pils nach ihrem Auftritt im Berliner Huxleys im Rahmen der „Moral & Wahnsinn“-Tour der Apokalyptischen Reiter zu konsumieren, um über Akrea, die Tour, zukünftiges und dem „vermeidlichen“ Bruder der Panzer Brüder „Paul“ zu sprechen. Ihr wisst schon…Panzer, ich begrüße Sie…

Fabian: Hahaha, nee, der hat mit Sebi (Sebastian, Sänger –Olaf) und mir nichts zu tun. Geil, hat mich echt noch nie jemand gefragt…

 

Ich starte gerne mit so einem Blödsinn…

 

Fabian: Wobei Sebi auch ganz lustig sein kann. Das Legacy hatte mal eine geile Überschrift für uns: A Kreative Panzerdivision…Klasse Wortspiel mit unserem Bandnamen drin.

 

Ich kenne neben Euch eigentlich nur noch Abrogation als Death Metal Band mit deutschen Texten. Wie kam den der Imagewechsel zustande? Wobei man ja anmerken muss, dass Ihr vorher als Inner aggression mit „Beginning of an inner war“ eine englischsprachige DM Scheibe veröffentlicht habt…

 

Jonas: Wir haben einfach festgestellt, dass sich Sebi auf deutsch um ein Vielfaches besser ausdrücken kann. Er spricht sehr gut englisch, doch da er sehr viel mit symbolischen Sachen und Metaphern arbeitet, lag dieser Sprachenwechsel einfach nahe.

 

Fabian: Die Kantigkeit der deutschen Sprache hat in unseren Ohren einfach besser geklungen und mehr zu unserem Sound gepasst, wie Englisch. Außerdem können wir so einfach viel mehr transportieren…

 

Wobei es ja gerade im DM ziemlich schwierig ist, Eure Texte zu verstehen, gerade live…

 

Jonas: Ja stimmt. (Pause)

 

Fabian: Richtig. Stimmt (Pause) (beide lachen)

 

Kurz vor Ende Eurer Tournee…ein Resümee?

 

Fabian. Wir sind sooooo happy, dass kannst Du Dir gar nicht vorstellen. Wir spielen vor Leuten, die so nie zu einem Konzert von uns gekommen wären. Die Reaktionen nach den Gigs sind meist dann auch so: „Ey, ich hab Euch noch nieeeee gesehen, Wahnsinn. Cool, ja passt. Danke für den schönen Abend“. (lacht) Wir erreichen ein großes Publikum und sehen unglaublich viele schöne Sachen. Wir kommen in Städte, wo wir sonst gar nicht hingefahren wären. Wir versuchen immer, uns an jedem Ort wo wir Station machen ein wenig Sightseeing zu machen. Budapest war toll, Wien…es ist einfach eine supergeile Erfahrung.

 

Was habt Ihr von Berlin gesehen?

 

Fabian: Wir haben richtig Sightseeing gemacht, mit Reichstag, Brandenburger Tor, unter den Linden. Da war eine Menge dabei. Wir wollten noch in dem Dom, der war aber leider zu. Trotz des NATO Gipfels konnten wir eine Menge mitnehmen.

 

Jonas: Und die Location ist heute der Hammer. Tolle Halle, klasse Akustik…

 

Fabian: Und die besten Duschen der Tour (beide lachen). Wir haben echt schon eine Menge an Provisorien erlebt, aber hier stimmte echt alles. Warmes Wasser, Druck auf dem Schlauch….(alles lacht). Das war eine absolute Wohltat heute.

 

 

Fabian in Dresden                                     ...und wo das wohl ist???

 

Und wie seid Ihr als Support behandelt worden?

 

Jonas: Da hatten wir einmal mehr das Akrea-Glück. (lacht) Wir waren ja schon 2009 mit den Reitern auf der „Schreinachten“-Tour und wussten daher von vornherein, was uns erwartet. Das passte damals wie heute einfach auch menschlich super zusammen und daher stand recht früh fest, dass wir auch die große Tour mitmachen würden.

 

Fabian: Wir arbeiten mit solch professionellen Leuten zusammen. Die Backline, das Mischen…dass sind alles klasse Leute, mit denen es sauviel Spaß macht, zu touren. Wir haben auch schon andere Horrorgeschichten von befreundeten Bands gehört, doch uns hat erneut das Glück geküsst. Als die Reiter angefragt haben, ob wir wieder Bock hätten, gab es absolut keine Bedenkzeit.

 

Und dann alle Bands zusammen in einem Bus?

 

Fabian: das Teil hat 24 Betten ist eigentlich recht kuschelig.

 

Turisas sind ja eigentlich als Partytiere bekannt…

 

Jonas: Das können wir so absolut nicht unterschreiben. Die sind so platt von ihrer Rundreise in Amerika, dazu dann noch einige Festivalauftritte, jetzt diese Tour. Wir verstehen uns mit den Jungs hervorragend…

 

Fabian: Doch Sex, Drugs and Rock’n’Roll findet nur äußerst eingeschränkt statt (beide lachen). Die Jungs gehen echt früh zu Bett, doch wenn wir am quatschen sind, dann ist es immer lustig. Gerade mit deren Gitarrist Jussi. Aber Turisas sind jetzt ein wenig platt, was ich bei der Masse an Shows auch verstehen kann. Dennoch machen sie jeden Abend eine verdammt professionelle Show.

 

Stilistisch hatte ich anfangs so meine Bedenken, denn die Reiter und Turisas sind ja nun ein ganz anderes Kaliber…gerade heute in Berlin ist das Publikum eher als reserviert anzusehen…

 

Jonas: Nein, das war klasse. Wir hatten immer Applaus und vorn ging auch gut was ab. Wir haben vorher ja bei Euch im K17 schon mal gespielt, da war auch eine hervorragende Stimmung. Berlin ist ein gutes Pflaster für uns.

 

Bei Facebook habt Ihr geschrieben, dass die Leute in Hannover total ausgerastet sind…

 

Fabian: Das war echt krass, da ging vom ersten Ton an die Post ab. Hannover war auf deutschem Boden der erste Gig, bei dem es keine Wellenbrecher gab und die Leute somit ungehindert ausrasten konnten. Die standen bis vorne an die Bühne und ich bin denen permanent auf die Finger gelatscht. Es war total geil, hahaha. Budapest war aber auch so eine Show…weltklasse! Die sind an beiden Orten abgegangen wie Schnitzel, hahaha.

 

Jonas: Stimmungstechnisch war es mit Abstand der beste Gig für uns. Der Moshpit tobte wirklich vom ersten bis zum letzten Song. Krass!!!

 

Was mir bei Eurem Gig heute sehr gut gefallen hat, warum die Drumriser, auf denen Ihr üben den Köpfen aller gespielt habt und Eure wirklich schöne Bühnenpräsenz. Vor allem das sehr harmonisch wirkende Synchron-Bangen…

 

Fabian: Ist uns so gar nicht aufgefallen, hahaha. Wir machen das absolut intuitiv.

 

Jonas: Wir nehmen unsere Gigs oft auf, einfach nur um zu sehen, wo wir uns verbessern können. Es kam auch schon vor, dass jeder, der etwas umzuhängen hatte, in die Mitte der Bühne rannte und dann zusammenknallte, hahaha. Die Drumriser haben wir selber gebaut und machen einen guten Effekt.

 

Kritikpunkt meinerseits wäre nur, dass Ihr meinen Lieblingssong „…so schön“ nicht gespielt habt…

 

Fabian: Der Song funktioniert live irgendwie nicht und außerdem müssen wir wirklich schauen, was am besten in 40 Minuten passt. Da bleiben oftmals Stücke hängen, die einfach in der kurzen Zeit nicht zünden wollen. „So schön“ ist ein toller Song, technisch aber recht anspruchsvoll und daher meist live für einen Durchhänger verantwortlich. Die Bridge in der Mitte zieht die Geschwindigkeit etwas raus und da wir den Leuten einfach eine gute Zeit bieten wollen, bleiben die etwas anspruchvolleren Sachen auf der Strecke.

 

Jonas: Es ist ein absoluter Supersong, der auch wahnsinnig viel Spaß macht, ihn zu spielen. Aber wie Fabian schon gesagt hat, live passt der nicht. Es verhält sich ähnlich mit „Sigmea“, der wahnsinnig oft gewünscht wird, live allerdings oft für lange Gesichter im Publikum sorgt.

 

Was macht Ihr als Ersten, wenn Ihr wieder Zuhause seid

 

Fabian: Ich fahr nach Tschechien, das ist ja nicht weit, tanke voll und kauf mir Kippen, hahaha. Ich habe schon angefangen, Tabak zu drehen, um Geld zu sparen und weniger zu rauchen. Ein glatter Misserfolg…

 

Jonas: So richtig ausschlafen.

 

Ich bin ein großer Fan von fotografierten CD Cover, wie Eurem oder auch den Reitern. Doch eine Frage muss erlaubt sein: Die Zähne Eures „Models“, die sind doch beileibe nicht echt, oder?

 

Fabian: Nee. (großes Gelächter)

 

Jonas: Das Geile ist, dass er in Wirklichkeit verdammt wenig Vorderzähne hat. Das waren echt zwei Extreme: Entweder, er hatte vorne gar nichts, oder das ganze Gesicht voller Zähne, hahaha. Wir wollten es ja etwas freakig und abgedreht haben und irgendjemand hat den Typen aufgespürt. Es hat wunderbar gepasst. Schon wieder das Akrea-Glück (lacht).

 

Fabian: Wir wollten es ja so hässlich haben. Der Metal Hammer beispielsweise hat das gar nicht verstanden, was wir mit dem Albumcover aussagen wollten und schrieb „…wir können uns den Blumentopf für das hässlichste Cover des Jahres ins Fenster stellen“.

 

Jonas: Wir konnten doch keinen schönen Menschen bei einem Albumtitel wie „Lügenkabinett“ abbilden, dass hätte doch niemals gepasst.

 

Fabian: Viele Journalisten sehen erst das Cover und klassifizieren und katalogisieren dann bereits im Vorfeld die Band, ohne jemals die Musik gehört zu haben. Da kann dann auch kommen was will, die Meinungen werden selten revidiert. Die Objektivität geht da zur Gänze verloren, doch wir stehen voll dahinter und zu dem, was wir gemacht haben. Das Cover ist klasse und den Fans gefällt’s.

 

Jonas: Das Fotoshooting war ebenfalls weltklasse, so mit Kostümverleih und allem drum und dran. Nein, es passt alles und da lassen wir uns auch von Nichts und Niemanden reinreden.

 

Bei Drakkar fühl Ihr Euch auch wohl? Die hatten ja in der Vergangenheit immer ein gutes Näschen für neue Bands…

 

Jonas: Absolut, dass war erneut das Akrea-Glück (lacht).

 

Fabian: Drakkar war eine der Firmen, an die wir was geschickt hatten nur um zu hören, warum sie uns nicht nehmen würden. Doch Drakkar war von den 26 Labels das Einzige, welches uns sofort genommen hat.

 

Produziert hat das Album ja Viktor Bullok, der Gemeinde besser bekannt als V.Santura (Dark Fortress, Celtic Frost, Triptykon). Habt Ihr bewusst auf die Nennung seines Pseudonyms verzichtet, um nicht mit seiner Bekanntheit zu kokettieren?

 

Fabian: Wir haben mit ihm gesprochen und er selber wollte mit seinem bürgerlichen Namen genannt werden. Das eine ist sein Künstlername, bei Triptykon heißt er ja nur Santura.

 

Jonas: Für uns ist es einfach der Viktor. Er ist so super, professionell, freundlich und alles. Es geht um die Musik und nicht um irgendeinen Star, der das Teil produziert hat…

 

Aber vielleicht hättet Ihr mit einem entsprechenden Vermerk ein paar CDs mehr verkauft…

 

Fabian: Was uns aber völlig egal ist, ehrlich. Das ist doch genauso blöd, wie als wenn eine Band auf ihren Fotos mit T-Shirts posiert wo draufsteht: „Ich finde Odin toll“. Da stehen dann auch 50 Nasen mehr vor der Bühne (lacht). Das müssen wir nicht haben. Wir möchten ausschließlich mit der Musik überzeugen.

 

 

by olaf

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