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27. April 2017


           
Magazin

 

 

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Onkel Tom Interview

Ein lauschiger Spätsommerabend, kaltes Bier für 2€, leckere Sachen vom Grill für nen schlanken Taler und ein Arschvoll Leute, die das Berliner Blackland bevölkerten, um Onkel Tom und seinen Mannen anlässlich der Veröffentlichung ihres neusten Albums „Nunc est bibendum“ (Es darf getrunken werden) die Ehre zu erweisen. Es sollte ein richtig geiler Abend werden, der in einem fast zweistündigen Gig des Ruhrpott-Originals gipfelte, bei dem alle Gassenhauer und neues Material in einer gesunden Mischung der partywütigen Volk serviert wurden. Das die Jungs sich vorher vorsätzlich kräftig die Lampen angeschaltet hatten, um erstmals richtig besoffen zu spielen (O-Ton Tom), war dann noch eine lustige Randnotiz. Der Mob tobte, die Jungs waren gut bei Laune und es wurde ein richtig geiler Auftritt.

 

Vor diesem Event hatte ich noch die Möglichkeit, mit Tom ein wenig zu plauschen. Also verzogen wir uns in eine ruhige Ecke auf der Blackland Terrasse und ließen unsere Gedanken über die neue Scheibe, Idole, deutsches Bier und Anekdoten kreisen. Vorneweg sei gesagt, dass es ein ausgesprochenes Vergnügen war, mit der deutschen Metal Ikone ein Schwätzchen zu halten.

Salve Tom. Warum „Nunc est bibendum“ und nicht Hodie proprie bibamus oder Vinum quod ultimo verdum?

 

(grinst) Wat heißt datt denn?

 

„Heute trinken wir richtig“ und „Schnapps, das war sein letztes Wort“.

 

Echt? Hahaha, ja, auch schöne Ideen. Nunc est bibendum habe ich mal auf ner Bierkiste stehen sehen und fragte mich, was das zu bedeuten hat. Ein Kumpel von mir kann Latein und übersetzte es mit „Es möge getrunken werden“ und da dachte ich: Dat isset! (lacht) Ob dat jetzt nu die korrekte Übersetzung oder Gramatik ist, weiß ich nicht. Ein paar Schreibfehler dürfen durchaus mal drin sein. Auf der DVD gibt es ja auch den Titel „Lieder, die das Leben schreibte“, da gab es bitterböse Briefe und E-Mails wegen, hahaha. Wir wollen einfach ein bisken schocken. (grinst)

 

Sodom, Die Knappen, Onkel Tom, DVDs…hast Du zuviel Freizeit oder wie kann man die Devin Townsend’sche Veröffentlichungsflut von Dir erklären?

 

Also Freizeit hab ich überhaupt keine, dat kannste schon mal knicken. Das Knappen Album, Sodom, die DVDs und nun war es nach 10 Jahren endlich mal wieder Zeit für Onkel Tom. Wichtig war für mich, dass ich eine Band aus meinem Umfeld und meiner Umgebung finde, denn diese elendige Hin- und Her Schickerei von Gitarrenriffs per Mail finde ich scheiße. Ich will und muss im Proberaum stehen und proben. So entstehen meine Songs und nicht anders. Die Jungs haben alle einen unterschiedlichen Background und jeder eine eigene Kapelle und Stil, daher konnten wir super arbeiten und die Scheibe ist so vielseitig geworden.

 

Also kann ich zwischen den Zeilen heraushören, dass Du vom Endprodukt restlos überzeugt bist…

 

Zufrieden ist man nie, man kann immer irgendetwas besser machen. Da eine Gesangslinie, da ein Riff, vielleicht zu leise gemischt. Es gibt Vieles, was man anders oder besser hätte machen können. Aber im Großen und Ganzen bin ich vollends zufrieden vor allem wenn man bedenkt, dass es immer weniger Geld für Produktionen gibt und man dadurch zwangsläufig Abstriche machen muss.

 

Gibt es eigentlich manchmal Terminkollisionen bei all Deinen Bands und Projekten?

 

Ja, absolut. Mit Sodom auf Tour, Onkel Tom bei Auftritten…mit den Knappen machen wir da nix, das war mehr ein lokal begrenztes Projekt, aber wer weiß, was die Zukunft da bringt. Es ist schon manchmal extrem belastend wenn ich versuche, alles unter einen Hut zu bringen. Viel Freizeit bleibt da wahrlich nicht. Aber ganz klar bleibt Sodom mein Hauptaugenmerk Nummer 1, auch wenn ich mal Freitag mit Onkel Tom und Samstag mit Sodom spiele. Dat is schon Maloche. Aber ich beschwer mich nicht, ich muss das machen. Ich kann einfach nicht still sitzen bleiben.

Zum neuen Album…die Abbey Road ist das ja nicht auf dem Cover?

 

Nee, dat is in Duisburg. Wir waren im ganzen Ruhrgebiet unterwegs, um einen Zebrastreifen zu finden, der dem Foto gerecht wird. Es war unglaublich, hahaha. Weißt Du, wo hier in Berlin der nächste Zebrastreifen so mit Allee und so was ist? Siehste, wussten wir bei uns auch nicht. Ein Kumpel von mir ist Polizist und den fragte ich dann. Na ja, da standen wir dann Sonntagmorgen, haben uns andauernd positioniert und permanent kamen Autos…am Sonntagmorgen? Unfassbar, hahaha. Aber es war ein cooles Shooting. Wir haben ne Kiste Bier leer gemacht und sind mit dem Ergebnis super zufrieden. Wir wollten einfach mal was anderes machen.

 

Was sagen eigentlich deine Kids dazu, wenn der Papa mit Songs wie „Schade, dass man Bier nicht ficken kann“ um die Ecke kommt?

 

Ach weißt du, mit dem Wort „Ficken“ kannste doch keinen mehr schocken. Meine Kinder sind ja 18 und 14 und denen ist das Wurst. Die sagen immer: Lass den Alten mal machen. Für die ist es ja eh nix Besonderes, die sind ja damit aufgewachsen. Außerdem sind sie auch keine Metalfans oder Fans von mir, hahaha. Dennoch musste ich für ein paar Schulkameraden schon ein paar Autogramkarten locker machen, dass macht sie dann schon etwas stolz…sie zeigens nur nicht, hahaha.

 

Wie war es eigentlich, mit Roberto Blanco zusammen zu arbeiten?

 

Das war ja mit Sodom und eine ziemlich einmalige Aktion. Wir hatten mit ihm ja zusammen kostenlos diesen Werbeclip für die deutsche Alzheimer Gesellschaft gemacht und daher bestand schon Kontakt. Als wir dann im Rahmen der Masters of comedy in Wacken gespielt haben, kam er dazu. Das ist echt ein toller Typ, da is nix mit Starallüren oder so. Ich hatte ihn ja wegen ner Performance mit Onkel Tom gefragt, auch weil das irgendwie besser passen würde, doch er meinte nur: Nee, Sodom…das sind meine Jungs, hahaha. Jetzt ist aber auch gut, ich will das nicht mehr an die große Glocke hängen…

 

Also ist eine Performance mit Heino, dessen Song „In Junkers Kneipe“ ihr auf dem Album habt, nicht geplant?

 

Nein, nein, nein. Manchmal ist das dann zu albern. Wir hatten auch erst überlegt, mit dem Roberto ne Single zu machen, haben es dann aber ad acta gelegt.

 

Ist „Format C“ für Dich eine Lösung?

 

Auja, manchmal schon. Das rührt auch von solchen alten Sprüchen aus den Anfängen des Computerzeitalters her, wo man einfach mal sagte: Los, wir putzen mal die Platte, womit eigentlich was ganz anderes gemeint war (grinst). Aber wie verpackt man das in einen Text, so dass es auch jeder versteht? Das war eine echte Herausforderung.

 

Wie begegnest Du denn den Vorwürfen, mit Onkel Tom immer nur Platten zu machen, die vom Saufen handeln?

 

Gar nicht, weil es so nicht stimmt. Ich propagandiere ja auch nicht das zügellose Saufen. Wenn man unterwegs ist, feiert, Spaß hat, dann ist es doch völlig ok, mal einen zu heben. Kritisch wird es allerdings, wenn Du alleine Zuhause sitzt und dir ne Pulle Schnaps einfährst. Wir wollten einfach eine gesellige Platte aufnehmen, was uns auch ganz gut gelungen ist.

 

Wer grunzt denn da so vortrefflich auf „Bier“?

 

Na ich…

 

Ehrlich? Jetzt bin ich aber überrascht…

 

Jaja, ich kann auch anders, hahaha. Ich singe ja so gut wie alles und bei „Bier“ passte halt dieses Death Metal Gegrunze. Jeder weiß ja, dass Bier trinken nicht immer Spaß macht, sondern auch mal tierisch in die Hose gehen kann, hahaha. Aber ernsthaft, es können viele Dinge passieren, wie auch damals bei Witchhunter…Was die Musik betrifft so sind wir nicht festgelegt, sei es Rock’n’Roll, Thrash, Death…wir können bei Onkel Tom alles machen, wie eben auch mit dem Gesang. Diese Freiheit ist einfach klasse. Wir machen, was wir wollen.

 

Wo gräbt denn der Angelripper immer solche Perlen aus wie den Chanson Petra Pascals „Das Glas in meiner Hand“ von 1971 aus?

 

Youtube macht’s möglich. Ich kannte den Song ja auch und die Möglichkeit, sich dort jeden Song anzuhören, ist klasse. Ich empfinde es als Segen und kann das Gejammer anderer Musiker darüber in keinster Weise nachvollziehen. Der Rhythmus ist klasse und erinnert mich an alte Zigeuner Musik und natürlich auch der Text. Das Teil war auf jeden Fall eine Herausforderung für uns.

 

Du bezeichnest Lemmy auf dem Album als lebende Legende…bist Du nicht selber eine?

 

(schaut etwas verschämt) Ach nee…jedenfalls fühl ich mich als solche und mit Lemmy sollte sich niemand vergleichen. Für solch eine „Ehrung“ habe ich noch ein bisschen Zeit. Nächstes Jahr haben wir ja mit Sodom 30jähriges Jubiläum, womit ich mich allerdings nicht brüsten will und auch keinen besonderen Stolz empfinde. Es ist halt so. Wir hatten einfach Glück, haben Vieles richtig, manches aber auch falsch gemacht, sind aber dennoch immer gut gefahren. Der Text zum Lemmy Song entstand auch wieder aus so nem Spruch heraus: Der trinkt ja gerne mal am Tag seine zwei Flaschen Jack…da sagte nen Kumpel zu mir: Der Lemmy macht mir Mut. Ich fragte ihn warum…seine Antwort: Naja…er lebt noch (lacht). Ohne Lemmy wären wir wahrscheinlich alle gar nicht hier.

Mit „1516“ hast Du dem deutschen Reinheitsgebot ein kleines Denkmal gesetzt. Wie wichtig ist Dir ein gutes, reines Bier?

 

(gerät in absolute Begeisterung) Ganz, ganz wichtig. Ich bin ja oft im Ausland unterwegs, Süd- und Nordamerika. Was du da teilweise vorgesetzt bekommst, hat mit Bier im weitesten Sinne überhaupt nichts mehr zu tun. Ich bin dann immer froh, wenn wir nach einer Tour wieder in Deutschland sind. Das zelebrieren wir dann richtig. Gleich am Flughafen ein echtes, schönes, deutsches Bier. Das Reinheitsgebot ist was schönes, richtig ehrliches und es ist toll, dass es das noch gibt. Du kannst doch heutzutage eigentlich gar keine Lebensmittel mehr essen, bei dem Dreck, der da teilweise drinsteckt. Unser Lieblingsgetränk hat diese Huldigung einfach verdient und es war wichtig, dass das mal gesacht wurde, hahaha.

 

Dann muss ja die Metalcruise mit Sodom bei 5$ für eine amerikanisches Bier ja die Hölle gewesen sein?

 

Hör bloß auf (lacht). Ein Kumpel hat es echt geschafft, vier Flaschen deutsches Bier reinzuschmuggeln, dass war mal ne Abwechslung. Wir hatten zwar ein paar Freibiere, hielten uns dann aber lieber an Caipirinha und Jack/Cola.

 

2010 lief ja bereits „Auf nach Wacken“ bei gleichnamigen Festival in Konkurrenz zum Doro Song „We are the metalheads“. Kamen die Macher da eigentlich auf dich zu?

 

Das war genau anders herum. Den Song hatten wir ausschließlich für uns gemacht und nicht, weil uns irgendjemand danach gefragt hatte. Ich bin schon fast seit Anbeginn in Wacken dabei gewesen und daher wollte ich einfach mal nen Song darüber schreiben. Die Veranstalter fanden das Teil dann wohl so gut, dass es permanent über alle Boxen lief, doch angelegt hatten wir es nicht darauf. Das war wirklich nur ein Song, wie jeder andere auch für uns.

 

„Bon Scott hab ich noch live gesehen“ kam ja schon 2004 raus. Warum nun wieder?

 

Das Stück kam damals bei ner Plattenfirma raus, die eigentlich gar keine richtige war. Außerdem wollten alle Leute den Song noch mal in einer vernünftigen Qualität haben…und daher haben wir ihn einfach noch mal neu aufgenommen. Das Teil ist ein absolutes Highlight auf dem Album, weil es einfach ein geiler Titel ist. Außerdem ist der Song ein Manifest, denn ich hab ihn wirklich noch live gesehen, dass kann mir niemand mehr nehmen. Seine Idole zu treffen, sei es nu Lemmy oder halt damals Bon Scott…das ist das Größte, dafür lebe ich. Ich brauche keine Statussymbole oder irgendeinen vergänglichen Schnickschnack. Von solchen Momenten lebe ich. Ich habe die Jungs 1979 erstmals live gesehen, so was vergisst man einfach nicht.

 

Auch wenn wir hauptsächlich über Onkel Tom reden möchte ich gerne wissen, ob es für Dich eine Ehre ist, mit Deiner „Zweitband“ Sodom auf dem Metal Hammer Sampler zu Ehren des schwarzen Metallica Albums mit „Struggle within“ vertreten zu sein?

 

Nö, nicht unbedingt. Wir wollten ja eigentlich „Enter sandman“ machen, doch da war die Vorgabe, Mille (Kreator) und Schmier (Destruction) mit ins Boot zu holen, doch Mille hatte da überhaupt keinen Bock drauf. Er ist halt etwas anders als ich. Da sagte dann der Chef vom Hammer: Ja, dann bleibt halt nur „The struggle within“. Ist halt ne härtere Nummer und etwas schwieriger zu spielen, doch das Ergebnis war ganz o.k.

 

Außerdem könnt Ihr Euch damit brüsten, die erste Band zu sein, die diesen Song jemals gecovert hat…

 

Richtig und auch Metallica haben den noch nie live gespielt, da habe ich extra lange für recherchiert, hahaha. Die können den selbst gar nicht live spielen, genauso wie ich, dazu ist das Teil echt zu kompliziert. Makka (Markus Freiwald) hat echt lange an dem Stück gebrütet, doch da er ein hervorragender Drummer ist, hat er das klasse umgesetzt. Wir haben dem Song insgesamt einen eigenen Sodom-Stempel aufgedrückt. Mich würde auf jeden Fall interessieren, was Metallica darüber denken…

 

Nige Rocket von Onslaught hat sich ebenfalls sehr löblich über Deine Mitarbeit an deren Version von Motörheads „Bomber“ geäußert...

 

Das war auch ne coole Aktion. Ich kenne den Manager von denen, die Version war unglaublich geil, also habe ich das gemacht, als ich gefragt wurde. Wenn ich Bock habe, mach ich alles mit, auch kostenlos. Es muss mir einfach Spaß machen und ich muss voll dahinter stehen können. Onslaught sind auch eine richtig gute Band.

 

Wie kommt es eigentlich, dass Ihr als Ruhrpöttler ausgerechnet Eure Releaseparty für „Nunc est bibendum“ im Berliner Blackland abhaltet? Es gab im Internet einige böse Stimmen aus der Heimat, die das ziemlich scheiße finden…

 

Das ist aus ner Bierlaune heraus entstanden. Ich kenne den Freddy vom Blackland ganz gut und er hat das eingefädelt. Ich sage immer schnell ja und Amen zu allem, doch der Laden ist klasse und Du siehst ja jetzt schon, was hier los ist. Das passt. Warum nun nicht in Essen oder so? Naja, werden wir mit Sicherheit auch noch machen. Wir wollten einfach in einem schönen Rahmen mit Freunden dieses Ereignis begehen, was wir mit Sicherheit auch heute tun werden.

by olaf

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