20. Januar 2018


           
Kuhle Open Air 2004

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 18.08. - 21.08.2004
Anlass: Kuhle Open Air in der Kuhle
Autoren:
Fraggle

Kuhle??? Wat ist Kuhle??? Kuhle ist ein Open-Air, ganz in der Nähe des WOA, zwei Wochenenden später. Eine illustre Ansammlung an Künstlern, Fans und Pferden sowie Hausschweinen und anderen Haustieren, die alle einem Hobby frönen: Underground Death Metal. Moment!! Pferde, Hausschweine und andere Haustiere???? Wieso das? Jaaaaaa. wenn man auf der Koppel neben einem Ponyhof ein Open Air macht, ist halt alles möglich. Obwohl die Ponys alle etwas seltsam guckten, als das Inferno über sie losbrach, störten sie sich nicht wirklich an der Musik, es schien ihnen zu gefallen. Mir gefiel als allererstes schon mal die Tatsache, das sich ENDLICH MAL JEMAND GEDANKEN GEMACHT HAT!!! Die erste Band spielte am Freitag um 19.00 Uhr. Extrem kompatibel mit der meist arbeitenden Bevölkerung. Kein Urlaub nehmen, um nicht die ersten Bands zu verpassen.

Als gestählter Festivalbesucher und Kenner der Gegend war es sehr einfach zu finden, etwas kurzfristig ausgeschildert, aber es erfüllte seinen Zweck gut, immerhin haben alle hingefunden und die Wegbeschreibung im Netz war mehr als gut! Die Argusaugen der Festivalgeübten zog es auf den frisch gemähten Rasen, ein toller Service! Es war schon 18.00 Uhr und sollte nun mehr knapp noch eine Stunde dauern bis die erste Band HUMAN DEBRIS auftreten sollte. Was tun?? Naja, erstmal mal einchecken, gab keine Probleme am Bauwagen, wo schon einige Herren und Damen ihre Stempel und Karten holten. Neben mir stand dann die Crew von PATH OF GOLCONDA , mit der man sofort ins Gespräch kam. Eine sehr nette Rasselbande!!! Statt der allseits beliebten Benzel gab es Stempel, die nicht minder lustig waren, so konnte man mit ein wenig Redegeschick ein ,Dringend', ,Franko' oder ,Päckchen' ergattern. Hätt ich das früher gewusst, hätte ich gern ein Dringend gehabt, so war ich nur der Franko. is ja auch egal!

HUMAN DEBRIS rockte als erste Band auch gut los mit ihrem groovigen Death, die knapp 100 Zuschauer wussten es zu schätzen und bedachten das Set mit viel Applaus. Der groovige Death, der geboten wurde, hatte eine erstaunliche Qualität, was songtechnisch aber auch und vor allem soundtechnisch, hatte auf so einem kleinen Open-Air nicht erwartet. Meine Vermutung ging einfach dahin, das es laut wäre, aber neee. es hatte zusätzlich nen richtig guten Sound. Weiterer Pluspunkt. Als die zweite Band namens Black Unicorn auf die Bretter, die die Welt bedeuten, stieg, hatte ich gedacht, die Gewinner des Tages sind schon da gewesen. Und das obwohl ich nicht der wirkliche Liebhaber von groovigen Death bin.

Black Unicorn trupften allerdings auf und spielten nicht nur ein sehr schönes Set, was in sich stimmig war, sondern einen quasi ein Kopfnicken und Mitwippen aufzwang. Der Mix aus Black, Death und Heavy, in ein ordentliches Tempo gesetzt, hat mich überzeugt, ganz von den Gestalten auf der Bühne, DAS waren Vorzeigemetaller, wie aus dem Bilderbuch. Könnte man sich als Puppenfiguren wie Metal-Barbie und Grind-Ken ins Zimmer stellen.

Ein kurzer Blick auf die Uhr verursacht Magengrummel: Kurz vor 9 isses schon - dat ging aber schnell! Also auf zum Dönerstand. Der über den Kanal eingeflogene Dönerschmied war kein unbekanntes Gesicht: Es war Murat aus Wacken (der am Edeka immer steht). Der gestählte Herr, der jeden Tag abermillionen Döner auf dem Wacken verkaufte, ist jetzt auch noch im Underground tätig, eine Attraktion für sich. man könnte ihn glatt als Singh (der mit dem Turban von Metalyssee der ist der jetzt auch schon bei NB??) des Döners nennen.

Nach verputzten Döner, der dank des Preises ein wenig ans Wacken erinnerte, ging so gestärkt direkt wieder vor die Bühne um die Band - Imbecile - des Veranstalters zu bewundern. Der Death vom Kanal wummerte ganz gehörig: ein wenig aus Schweden, ein wenig aus USA, ein wenig hier ein wenig da. Zwischen kleineren Pitszenen und Bangen, was das Genick hält, einige kleinere Soundpannen will ich mal übersehen, es war keine Band wirklich davon befreit, aber genau das machte den Charme des Kleinen aus. Man war halt auf Du und Du mit den Künstlern und allen anderen. Die kleine elitäre Truppe an Zuhörern wuchs dennoch ein wenig. Angesichts des bis dahin gezeigten aber erstaunlich langsam, die Bands, die bis jetzt spielten waren echt gut!

Dann kamen Cities of Sleep , eine passende Beschreibung der Band. Ich fand sie, Øach gar nicht unähnlich, etwas sehr ermattend und einschläfernd, es wurde halt nichts wirklich interessantes geboten, also legte ich mich hin und beobachte im Zelt von der Seite aus, war ja genug Platz.

Als ich mich grad aufraffte, fing Tollwut an ihren Black mit Death Einflüssen in die Welt zu schreien. In dem Moment war ich hellwach: BLACK METAL??? COOOOOOOOOOOOOOOL!!!!!! Und das war die Musik wirklich, ein sehr schönes Brett wurde geboten, sägend, mit Melodie, nicht allzu old-school. Allerdings hatte die Sache natürlich einen Hacken: Ein Bass. Wenn man sich das dumpfe Baum-Baum-Baum wegdachte, war es echt wieder mal eine sehr schöne Band. Gedanken, die im Kopf kreisten und Fragen wie ,Warum nur 15 Euro?' verschob ich auf das Schreiben des Reviews.

So letzter Auftritt: Bonns ekligste Band Jack Slater waren dran, uns ein Ständchen zu geben. Einer der Herren musste aufgrund von Urlaub allerdings passen, also wurd ein Ersatzmann von Guerrilla genommen. Der Aushilfsarazene leistete ganze Arbeit, Horn von Jack Slater gab dem Tontechniker elementare Fragen als der Sound sich abseilte. Sehr lustig! Er schaffte es tatsächlich mit (fast) philosophischen Sätzen, eine sehr schöne Atmosphäre aus Grinsen, Bangen und ein wenig Pogo. DAS wird garantiert nicht das letzte mal gewesen sein, das ich die Jungs gesehen hab. Ein würdiger Abschluss für einen sehr gelungenen Abend! Anschliessend stand noch das Interview mit Jack Slater-Frontbartträger Horn an. Nach diversen Lichtentzügen (Zitat: Oh. eigentlich sollte jetzt hier noch Licht sein) und Wechsel der Location, war das Ding im Kasten und ich war sehr imponiert von Horn, er ist echt ein supernetter Mensch, der Chef der ,ekligsten Band Bonns'.

Der zweite Tag begann mit einem gescheiterten Interviewversuch (wind im Mikro, Batterien alle usw) mit Meatknife, dadurch konnte ich den Opener , UNS ' leider nicht sehen. Dafür aber dann wieder Ex- Tü-Tü , jetzt Roughland , der Punk, den sie spielten passt in die Zeit, etwas zurückhaltend, technisch ein anspruchsvoller als so einige Ergüsse aus den frühen 90ern und lyrisch ein wenig gehobener.

Dann wurde es schwarzu die Augen und Ohre des Redakteurs, ich verfiel auf dem Zeltplatz in so einige Diskussionen über Physiker, Gott, gesprengte Schweine und antiphysician Black Metal inklusive Schnitzelgirlanden, die gesamte Crew von Path of Golconda und Teile von Black Unicorn fesselten mich mit wirren Theorien und sehr unterhaltsamer Kreativität, die eigentlich nicht wirklich Sinn hatte.

Die ersten nach der Unterhaltung, die ich wild auf der Bühne toben sah, waren Guerrilla. Und die tobten wirklich, eigentlich eher vor der Bühne als auf, aber sehr genialer Death, der eigentlich wieder einmal eine größere Menschenmasse hätte begeistern können, traf mein Ohr und ich wurde spontan von der Energie auf und vor der Bühne mitgerissen. GEILE Show! GEILE MUSIK!!! Und ab jetzt haben sich all die Bands, die ich schon gesehen hatte für mindestens das doppelte an Eintritt bezahlt gemacht. der Abend begann aber erst!

Die Bühne betrat der Ostfrieslandfünfer von Meatknife : BRUTAL PORN GRIND!!! Und ab gings durch die Mitte!! Meatknife haben alles kaputt gemacht!! Der Gitarrero hatte die ganze Zeit den Technikkram zum Kaputt machen, alle anderen beschränkten sich auf zahllose Nackenmuskulaturen. Der Tribute-Hit für Mortician ,slaughterhouse' kam nicht unerwartet, wenn man weiss, das ein Meatknife -Song auf der Live-CD der Ammis gelandet ist. Lieder wie Super Double Dong und Revenge of the China Man wurden umjubelt gefeiert.

Beim anschliessenden über den Festivalplatz schlendern, landete ich schliesslich beim Feuer, wo sich eine muntere Gruppe dem prasselnden Feuer hingab und der etwa 50m entfernten Musik von Noiseforrest lauschte. Aus der Ferne hörte sich der Tribalmetal irgendwo zwischen Sepultura, Ektomorph und Soulfly sehr überzeugend an und es zog mich wieder vor die Bühne. Nicht nur aus der Ferne war das Gebotene gut, sondern auch vom Nahen. Eine gute Show, nicht überragend oder begeisternd, aber gut.

Jedenfalls wenn man die Jungs von Path of Golconda auf der Bühne sieht: Mit einem Intro und viel Nebel betraten die Fünf die Bühne und preschten vorwärts. Auch wenn natürlich einige Sympathien mitspielten, muss ich sagen, das die Herren wohl die beste Show des Open Airs geboten haben, überzeugend von Musik, Show und Stimme machten sie einen sehr guten Eindruck, gute Lichteffekte, schnelle Tempowechsel, viel zum moshen, was will der metaller mehr? Gute Stimmung! Das schafften die Herren und so wuchs die vor der Bühne stehende Menge. Eine enorme Leistung, sie hatten es gschafft mich von ihrem Mix aus vielen Genres zu überzeugend, druckvoll, mit Supersound rübergebracht. Einfach Genial!

Genial war auch die letzte Band des Open Airs: Eine Band, erst ihr fünfter Auftritt, im Durchschnitt kaum über 18, durften also grad noch um diese Zeit draussen sein, zeigten allen, wo der Hammer hing. Es klappten allen, wirklich allen, vor allem dem Meatknife-Drummer Matze("Alter scheiss, das ist noch nicht mal getriggert!!! , die Unterkiefer nach unten, als sie das überschallartige Geballer des technischen Deathgrinds von Resection (DAS ist kein technischer Death!!!) hörten. Ein so unglaublich schnelles Snare-drumming hab ich . ehm. noch nie gesehen!!! Bass und Gitarre wurden ebenfalls bis auf Anschlag der Geschwindigkeitsnadel gespielt. Eine nichtverzerrte Stimme, die einem alles den Rücken runterjagt, komplettierte die Sache. Ich traue echt nicht vielen Leuten so eine Stimme zu und schon gar niemand, der kleiner als ich ist und dazu auch noch aussieht wie ein Lausbub! Aber nun ja. ich musste es wohl glauben, dass die Jungs von Resection wohl die größte Überraschung waren, die das Festival bot. Sowas ist mir echt noch nicht untergekommen. Wer also Musikliebhaber der Richtung mal ordentlich erschrecken will, holt sich diese Band ran.

Insgesamt kann man sagen, das für 15 Euro eine Menge geboten wurde, die es auf dem Wacken nicht gab: das Lagerfeuer für alle war ein gemütlicher Treffpunkt, Schweinchen Füttern und Pferde streicheln ein neuer Festivalhöhepunkt. Man zeltete quasi als Nachbarn von den ,Stars' des Festivals, man kam ihnen näher und sie ließen auch näher kommen. Neben der guten Soundqualität und ordentlich Interaktion der Bands mit dem Publikum. Spontane Weisheitsergüsse und teils technische Probleme wurden immer sehr schnell sympathisch. Es musste halt nicht perfekt sein, es war ein freundliches, wenn nicht freundschaftliches Miteinander Musik machen und hören. Klar, es konnte von den Bands und von den Menschenmassen großer Festivals nicht mithalten, aber es ist ein Open Air, wo man mich garantiert wiedersehen wird und ich kann echt nur jedem empfehlen, die Kuhle mal zu besuchen. Mein abschliessendes Erlebnis war, das ich am Bauwagen, an dem die Karten verkauft wurden, vorbeiging und die gesamte Crew der Kuhle, die sich über Schwellkörpersalbe unterhielt, mehr oder minder betrunken drin gesehen hab. Gute Organisation (vor allem auch gute Gedanken bei der Durchführung), nette Leute und der Grundgedanke des Wackens wurden hier zelebriert und gefeiert. Weiter so!!!!

Hier noch mal liebe Grüsse und ein herzliches Danke an:
Die Leute von Path of Golconda und Meatknife, Horn und den Rest der Jack Slater-Jungens, Sara, Annika (schuldest mir immer noch das Kippengeld; hab nen Kumpel schon beauftragt für deinen Grabstein ;P), Imbecile (als Orgas und als Band), Arne von Resection, Torso, dem lütten Hund, all die Verrückte, die das OA zu dem gemacht haben, was es war, und an alle die ich noch vergessen hab!

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