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24. Juni 2017


           
Protzen Open Air

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 24.06. - 25.06.2016
Anlass: Protzen Open Air in Protzen (Brandenburg)
Autoren: Langhammer [tl], Tino [ts] & Torsti [tr]

Samstag 25.06.2016

Es ist schon manchmal verrückt. Am Vorabend fuhren wir noch durch den schlimmsten Regenschauer in Hamburg bei 19° und kaum 200 Kilometer weiter östlich bruzelt einen morgens um 7:30 die Sonne mit 25° aus dem Bett. Wie in Fisch außerhalb des Wassers nach Luft japsend plumpst unser eins vor den Van und wegetiert die nächsten Stündchen irgendwie vor sich hin.
Goregonzola vermochten noch nicht mich aus dem Schatten zu locken, erst zu Soul Demise wurde der Hangar geentert. Das sollte sich auch als gute Entscheidung erweisen, denn während die Bayern durch ihr Set spielen gibt es einen ersehnten und kräftigen Regenschauer. Die Dachkonstruktion des Gebäudes ist alles andere als dicht und so bekommen alle etwas von dem Regen ab. Die Melodic Deather beeindruckt das wenig, Sänger Roman (im coolen Vita Malz Shirt) keifbrüllt die Songs in die Masse das es eine wahre Freude ist. Das nenne ich einen gelugenen Tageseinstand.

Die Spanier Avulsed knüpfen nahtlos an die vorherige Darbietung an, allerdings knüppeln und röcheln die fünf noch eine ganze Ecke gnadenloser. Allmählich kommt auch das Festival Publikum in Schwung und füllt die Reihen vor der Bühne mit Leben. Da mir das Soundgerüst für den Moment nicht so richtig zusagt, ziehe ich vor wieder luftigen Schatten aufzusuchen. Der Erfrischungseffekt des Schauers ist binnen Minuten wieder verflogen und die Sonne brennt wieder gnadenlos. [tr]

Mein Tag beginnt nach einem ordentlichen Frühstück, also Schokobrötchen und einer Gerstenkaltschale. Musikalisch beginnt der Samstag für mich so, wie der Freitag endetet- mit dem mittlerweile schwedischen Thrash Metal Quartett Protector. Da es mir leider arbeitstechnisch nicht möglich war, am Freitag zeitig nach Protzen zu reisen, nahm ich die Chance war, mir vorab Protector im Bambi Galore in Hamburg Billstedt zusammen mit Skulled aus Bremen und den großartigen Pripjat aus Köln um die Ohren ballern zu lassen. Einziger Nachteil an diesem Plan: Die Setlist bietet keine Neuerungen. Macht aber absolut nichts und Martin und Co haben ebenso Spaß, wie die anwesenden am heutigen, wie auch schon am vergangenen Tag. Thrash Metal Juwelen wie „A shedding of skin“, „Urm the mad“, „Golem“, „Agoraphobia“ und „Kain and Abel“ werden der Meute vorgeworfen. Wie immer ein starker Auftritt, der keine Wünsche offen lässt. [ts]

Protector auf dem Protzen Open Air 2016
Protector

Von der Wärme eigentlich unfähig sich zu bewegen, verdanken Chapel of Disease meine Anwesenheit der Nähe unseres Camps zur Bühne. Schon zu Beginn wippte mein Fuß auf und ab, als dann noch die ersten Riffs von „The mysterious ways...“ ertönten gab es für mich kein Halten mehr. Ab vor die Bühne, hier muss Death Metal zelebriert werden. Erstaunlich leer war es im Hangar, die Kölner störte das jedoch mal so gar nicht. Ihre beiden Alben kamen zu ähnlichen Teilen zum Zuge und trotz der frühen Stunde schaffte es die Band Atmosphäre aufkommen zu lassen, genau davon lebt ein Act wie dieser und wenn das so gute gelingt, wie hier, dann kann man von einem gelungenen Kaffeekränzchen sprechen. [tr]

Als nächstes steht Geballer auf der Running Order. Der sympathische Brutal Death Vierer aus Illinois, USA: Lividity. Auch schon einige Zeit her, dass ich diese Band gesehen habe. Also rein in die Sauna- äh in den Hangar. Mittlerweile hat sich der alte Wellblechhangar durch die brütende Hitze ordentlich aufgeheizt, was aber die wenigsten daran hindert, hinein zu strömen. Eine gute halbe Stunde gibt es einfach nur auf die Fresse. Ein Querschnitt durch mehr als zwanzig Jahre Bandgeschichte wird hier zum besten gegeben. Was für ein Schlachtfest- großartig. Super Sound, super Publikum und eine Band die sichtlich Spaß hat.
Sehr schade, dass die Jungs so früh am Nachmittag spielen müssen. Aber dieser Auftritt wir heute nicht der einzige sein. Am Abend stehen Lividity dann in meinem zweiten Wohnzimmer... na? Richtig, natürlich dem Bambi Galore auf der Bühne. Somit geht es dann zeitnah direkt nach dem Auftritt ab in den Transporter und auf die Bahn nach Hamburg. [ts]

Mein persönliches Highlight stand auf dem Plan. Bodyfarm aus den Niederlanden. Eine Band, die auch schon seit einigen Jahren aktiv ist. Mit Ihrem letzten Album Battle breed haben die vier für mich ein Album des Jahres raus gehauen, dementsprechend motiviert war ich für den Auftritt. Im Sound findet so ziemlich alles Beachtung was Death Metal ausmacht, Kompromisslosigkeit von Gorefest, Blastbeats von God Dethroned, stumpfer D-Beat der Marke Entombed oder Grave und moderne Einflüsse von Hypocrisy oder den ein oder anderen Amon Amarth. Das mag im ersten Moment komisch anmuten klingt aber einfach nur diebisch gut! Die Live Performance passt auf die kleine Bühne und das Quartett ist motiviert bis in die kaum vorhandenen Haarspitzen, das wir gleich beim Opener „The dark age“ klar. Was folgt ist ein vierzig minütiger Ritt durch alle drei Alben, einen qualitativen Ausfall konnte ich nicht ausmachen, so das der Backkatalog auf meiner to do Liste gelandet ist. [tr]

Bodyfarm auf dem Protzen Open Air 2016
Bodyfarm

Malignant Tumöur werden jetzt auf die Bühne und das Publikum losgelassen. Für mich einer der wichtigsten Bands dieses Jahres. Der Tschechische Vierer ist eine absolute Ausnahmeband und in unseren Gefilden nicht allzu öft zu sehen. Habe leider selber nur einige wenige der zahllosen Veröffentlichungen dieser Band, aber die haben es wirklich in sich. Musikalisch ist das Coyboyhuttragende Quartett zwischen allen Genren unterwegs- rockiger Crust/Punk/Grindcore/Heavy Metal. So genau kann man die Jungs einfach nicht einordnen und das ist auch gut so. Geiler Autritt um den charismatischen Fronter Bilos. Hier kommt wirklich jeder auf seine Kosten und die anwesenden Metaller geben alles. Top und ich kann nach dieser Show wieder einen Haken an eine Live Band machen. [ts]

Mit Disbelief absolvierte Gitarrist Alex Hagenauer heute seinen zweiten Auftritt. Zur Mittagsstunde riffte er schon für Soul Demise die Finger wund und quälte für Disbelief ein weiteres mal die Saiten. Tatsächlich war ich mal wieder ganz happy den Karsten „Jagger“ Jäger nicht mit Morgoth zu sehen. Für Disbelief quietschgrunzt er einfach noch mal eine Spur schöner. Insofern war meine Einstiegshürde schon vor dem ersten Ton genommen. Die fünf spielen souverän zusammen und lassen keinen Zweifel an der Professionalität aufkommen. Ob „Navigator“ oder „66sick“, hier gibt es nur Topniveau bis in die Haarspitzen.

Die Norweger Kampfar sind nun auch schon mehr als zwanzig Jahren eine Konstante in der harten Fraktion. Die Mischung aus Viking- und Black Metal finden eine Vielzahl an Anhänger. Überraschenderweise ging es mit der Bandhymne „Ravenheart“ los. Schon mal super. Blickfang war natürlich wieder Frontmann Dolk, der mit seinem Posing alle Blicke auf sich zog. Die Atmosphäre war düster, so muss es sein. Songs vom aktuellen Album „Profan“ gab es mit „Daimon“ und „Tornekratt“ auch. Unterm Strich ein cooler Auftritt des Quartetts aus Norwegen. [tl]

Die Zielfahne ist in Sicht. Die Hitze hat nachgelassen, aber um jetzt noch alkoholtechnisch anzugreifen ist es definitiv zu spät. Nachdem wir tagsüber fast nur Wasser (Ja wirklich...) in uns rein gekippt haben, gibt es nun noch einige wenige Bier für den Geschmack. Morgen will ich ja schließlich wieder nüchtern den Weg nach Hause antreten. Als vorletzte Band des Abends entert eine meiner Lieblingslivebands die Protzen Bühne. Impaled Nazarene, die durchgeknallten Finnen sind live eine absolute Macht und immer eine Reise wert. So stehe ich direkt im Eingang des Hangars, denn dieser ist wirklich gut gefüllt. Kreischfronter Mika Luttinen gibt ab der ersten Sekunde wie gewohnt Vollgas. Auch hier ist musikalisch kein klares Genre zu ermitteln eine dreckige Mischung aus Rock/Crust/Punk und Black Metal wird in die Meute gerotzt. Diese Energie ist jedes Mal wieder beeindruckend und in dieser Art absolut einzigartig. Die Setlist ist ein Querschnitt aus allen Schaffensphasen, diesmal aber mit Schwerpunkt auf alten Sachen. Dafür bleiben leider einige „Hits“ auf der Strecke, was aber niemanden hier stört. Impaled Nazarene sind auch an diesem Tag in gewohnter Bestform und zerstören einfach alles- Total War!!!

Impaled Nazarene auf dem Protzen open Air 2016
Impaled Nazarene

Nun schmerzt der Nacken, aber ein Highlight steht ja noch an. Auch eine eher selten in unseren Breiten zu sehende Band, bilden heute den Schlusspunkt eines super Festivals. Brujeria, eine Allstar Band, die inzwischen auch schon seit dem Jahr 1989 mehr oder weniger aktiv ist. Gerade einmal Vier!!! reguläre Alben hat diese Band in dieser Zeit veröffentlicht.

Allstars? Ja, denn an den Instrumenten stehen vermummt so bekannte Leute wie Jeff Walker (g), Tausendsasser Shane Embury (g) und Nicholas Barker (d). Was soll bei so einem Line Up schief gehen? Richtig! Nix. So geben die Jungs von Anfang an Gas und zocken sich durch ihr mexikanisches Set. Temperatur technisch dürften Brujeria sich heute wohl am wohlsten fühlen. Von Natur aus steht diese Band schon mit zwei Sängern auf der Bühne, um ihre meist politischen Statements in die Menge zu feuern. Zwischenzeitlich sogar noch mit weiblicher Unterstützung in Form von Pititis. Bewusst auch hier das erste Mal, dass ich diese Band live sehe. Absolut großartig, was diese Verrückten hier für ein Feuerwerk auf der Bühne entfesselt. Da mein mexikanisch nicht sonderlich gut ist, verstehe ich nichts von den singenden Duellen zwischen den Sängern. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist Brujeria zurecht der Headliner des Abends, die zurecht einen absoluten Kultstatus in der Szene haben. Selten habe ich so viele zufrieden grinsende Metaller nach einer Show gesehen. Wie im Fluge vergehen die fast Eineinhalb Stunden andauernde Show. Die Menge verlässt den Hangar, um sich am Merchstand in Form von Einkäufen für einen super Auftritt zu bedanken. Bereits als das Brujeria Merch am späten Nachmittag aufgebaut wurde, standen die ersten einkaufswilligen Schlange. Kein Wunder, hat man doch auf dem roten Tourshirt der Mexikaner das Cover der aktuellen EP Viva Presidente Trump! verewigt. Dieses zeigt den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump, der eine Machete im Kopf hat. Über den Augen ein Balken mit den Worten „F**k you Puto“, das ich an dieser Stelle mal nicht übersetze... [ts]

Damit ist dann auch schon das Neunzehnte Protzen Open Air Geschichte. Die letzten Getränke werden vernichtet, um die Marken nicht verfallen zu lassen. Auch in diesem Jahr hat sich die Reise ins nördliche Brandenburg gelohnt. Bereits jetzt stehen schon die ersten Bands für das kommende Jahr fest. Bestätigt sind beispielsweise: Ektomorf, Manos, Master, Haemorrhage, Harmony Dies, Facebreaker, Demonbreed und Cliteater.

Macht euch rechtzeitig dran, Tickets zu bestellen, bevor es wieder heißt: Ausverkauft!

 

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