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27. April 2018


           
Rock Hard Festival 2015

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 22.05 - 24.05.2015
Anlass: Rock Hard Festival im Amphitheater (Gelsenkirchen / NRW)
Autoren: Stefan [sj], Tino [ts] & Torsti [tr]

Epilog eines Debütanten

Manchmal hat man schon während des Vorglühens am Nachmittag das Gefühl, heute die Chance auf ein Abenteuer zu haben und irgendwie genau das einzig Richtige an richtigem Ort und Zeit zu tun. Genau so einem Abend verdanke ich es, dass ich in diesem Jahr mein Debüt als Gast auf dem Rock Hard Festival feiern durfte.

Damit beschäftigt einen weiteren Anschlag auf mein zentrales Nervensystem anzuführen, saß ich in irgendeiner heruntergekommenen Hamburger Hafenspielunke, als ich mit einem ähnlich durchsumpft dreinblickenden Typ ins Gespräch kam. Im Laufe einiger intensiven Debatten über Grundsätze und Grundsätzlichkeiten des Heavy Metal und seiner dazugehörigen Szene, führte es uns durch so einige Kneipen und Einrichtungen, bis sich schließlich raus stellte, dass es sich um Torsti von der Pommesgabel handelte der mir da gegenüber saß und mich irgendwann im Laufe des Abends, einigen Zeilen über mein Erleben der Unternehmung vorausgesetzt, einlud mit ihm zusammen das Rock Hard Festival zu besuchen. Gesagt, getan…

Bereits am Donnerstag noch vor der Abfahrt nach Gelsenkirchen wurde mir klar, dass es sich bei Torsti und seiner Truppe um eine völlig andere Liga von Festivalbesuchern handelte. Bisher war ich es gewohnt in verkehrt herum aufgebauten Zelten, auf schlecht bis gar nicht aufgepusteten Luftmatratzen im Schlafsack stammend aus dem Angebotsblatt irgendeiner Supermarktkette zu pennen und tagsüber vom günstigsten Anbieter hergestelltes, locker 47°C warmes Bier aus dem Kofferraum zu genießen. Der VW-Bus aus dem Fuhrpark der Pommesgabel.de- Chefetage hingegen, bot neben einem bezogenem Bett und einen durch Wahlweise mit Gas oder Strom betriebenen Kühlschrank auch noch geschätzte 400 USB-Anschlüsse um für die Dauer des Aufenthaltes neben Smartphone und Laptop verschiedenste Bluetooth Kinkerlitzchen am Leben zu erhalten. Abgerundet wurde die Innenausstattung durch einen irgendwie dekadent wirkenden, winzigen Mülleimer, welcher seitlich am Fahrersitz befestigt war und während der knapp 3,5 Stunden langen Fahrt von Hamburg nach Gelsenkirchen jedes Mal lautstark aus der Halterung riss und in unpassendster Weise seinen Inhalt über den Boden verteilte, wenn ich mich versuchte an ihm vorbei zuschieben, um mir ein neues Bier aus dem Kühlschrank zu holen.

Am frühen Abend erreichten wir schließlich das etwa 360 Km entfernte Gelsenkirchen und den Parkplatz des am Rhein-Herne-Kanal gelegenen Festivals. Freunde von Torsti hielten einen der Plätze neben sich, auf dem begehrten Hauptparkplatz, für uns frei. Wie ich später erfuhr, darf hier nur parken, wessen Frontscheibe durch einen entsprechenden Aufkleber verziert wird. Besagten Aufkleber bekommt man für wie ich finde, absolut annehmbare 10,- Euro zusätzlich. Die Limitierung auf geschätzet 500 Stück führt allerdings jedes Jahr dazu, dass er schon nach sehr kurzer Zeit vergriffen ist.

Nach erfolgreich abgeschlossenem Einparkmanöver, sich alle bekannten Gesichter begrüßt und alle unbekannten vorgestellt hatten, begannen wir umgehend mit der Errichtung unseres Basis Camps, was dank der überlegenen Ausstattung in lächerlich kurzer Zeit erledigt werden konnte und sich, mal abgesehen vom Umklappen der hinteren Bank und dem Anbringen einiger Sonnenblenden im Cockpitbereich im Grunde auf das Öffnen der seitlichen Schiebetür beschränkte. Mit der darauf folgenden Bierrunde im Camp starteten wir in ein großartiges Wochenende. [sj]

Freitag, 22. Mai 2015

Die Eröffnung des Festivals ist dieses Jahr den Berliner Thrashern Space Chaser vergönnt. Das sympathische Quintett ist wie immer bester Laune und vor der Bühne tummeln sich trotz der frühen Tageszeit schon etliche Kuttenträger. Meiner Meinung nach ist es auch etwas Verschwendung diese grandiose Liveband so früh spielen zu lassen aber ok... Die Jungs um Fronter Siggi legen eine erstklassige Thrashshow auf die Bretter und heizen den Headbangern schon mal ordentlich ein. Mit Songs wie „Thrashold“, „Watch the skies“, „Predator“ und „Decapitron“ vom aktuellen Album Watch the skies kommen super an und als dann noch „Caught in the Mosh“ durch das Amphitheater donnert gibt es auch für den letzten kein Halten mehr. Als Abschluss wird noch „Skate Metal Punks“ zum besten gegeben und dann ist leider auch schon die Spielzeit um. Zufriedene, grinsende Mosher soweit das Auge reicht- Top!

Space Chaser  auf dem RockHard Festival 2015
Space Chaser

Die Running Order zeigt mir, dass eine Band namens Architects of Chaoz als nächstes an der Reihe sind. Hmm grübel, ja da war irgendwas mit einem bekannten großen Musiker, der eine neue Band hat... *blätter*...ah ok, Paul Di'Anno war es. Na dann... Als ein Tisch und Stuhl auf der Bühne plaziert werden, mache ich mir dann doch schon etwas Gedanken. Nach einer kurzen Ansage dann die Erklärung: Paul hat ein kaputtes Knie und wird mit dem Rollstuhl auf die Bühne gekarrt und mit etwas Hilfe nimmt er Platz auf dem bereitstehenden Stuhl. Powervoller Heavy Metal mit der unverkennbaren Stimme Pauls, der in den Pausen noch selbstironisch über sich selber schmunzeln kann. Echt gut, auch wenn ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum das Debütalbum League of shadows Album des Monats geworden ist.

Weiter geht es mit einer weiteren Legende des Metals. Genauer gesagt mit der US Power/Thrash Metal Institution Flotsam and Jetsam, die als Ersatz für While Heaven Wept geholt wurde. Und was für ein Ersatz: Los geht es mit dem Klassiker „No place for disgrace“ und mit „Dreams of death“ und „I live you die“ gibt es noch zwei Kracher vom '88er Erfolgsalbum. Auch das '86er Erstlingswerk Doomsday for the deceiver wird in Form von „Desecrator“, „She took an axe“, „Hammerhead“ und „Iron Tears“ gehuldigt. Wow, echt der Hammer, was die Jungs da abliefern und die zwei Neuzugänge Schlagzeuger Jason Bittner und Gitarrist Steve Conley haben sich super integriert. Auch bei dem Ami Quintett ist die dreiviertel Stunde viel zu kurz und wie im Fluge um. [ts]

Ob es nun am Übermaß alkoholhaltiger Erfrischungen lag oder nicht, blieb ungeklärt. Irgendwas führte jedenfalls dazu, dass ich deutlich länger im Bett blieb als der Rest im Camp. Erst gegen 16 Uhr folgte ich dem nun schon fast flehenden, Xten Weckversuch und stolperte endlich aus dem Bus. Befand den Versuch mein Gesicht wieder einzurenken als zwecklos und überprüfte nur schnell richtigen Sitz und Halt des immer noch von Gestern angelegten Patronengürtels. Nach zwei Konter-Bieren konnte ich bereits wieder akute Feierlaune vermelden und so stiefelten wir los in Richtung Festivalgelände. Dem Frontscheibensticker dankend, erreichten wir selbiges auch schon nach etwa 5 Gehminuten. Auf dem Gelände angekommen, durchquerten wir zunächst einen Bereich in dem sich neben den üblichen Fressbuden, Bierständen und zahlreichen Nonfoodhändlern, welche ihre erlesene Auswahl an Shirts, Patches, Nieten und allerhand anderen erstehenswerten Unrat anbieten, auch der Rock Hard- Merch Stand, welcher das hauseigene Sortiment mit dem entsprechenden Logo versehen feilbot. Selbst der Stand eines namenhaften Gitarrenherstellers, der die neusten Signature Modelle allseits bekannter Griffbrettakrobaten präsentierte, wartete hier darauf bestaunt zu werden. Ein wenig weiter schlendernd kamen wir dann zur eigentlichen Besonderheit dieses Festivals und betraten nach der obligatorischen Bändchen Kontrolle das Infield des Festivals. Der Aufbau der Bühne und der des Zuschauerraumes wird durch ein direkt am Ufer des Rhein-Herne-Kanal gelegenes Amphitheater mit Platz für etwa 6000 Menschen vorgegeben und erlaubt durch seine markante Form, auf den Stufen der im Halbkreis um die Bühne angeordneten Ränge, eine Show im Sitzen zu verfolgen und dennoch stets einen ausgezeichneten Blick auf das Geschehen zu haben. Wer die Zeit während einer Show lieber eskalierend verbringt, kann sich selbstverständlich auch blaue Flecken im Pit auf der dafür vorgesehenen großzügigen Fläche im Bereich direkt vor der Bühne holen.

Als wir das Infield betraten, waren es God Dethroned die gerade ein derartiges Brett ihrer Mischung aus Black- und Death Metal in die Menge ballerten, dass uns selbst auf dem letzten Rang noch die Hose um die Knie flatterte: [sj]

God Dethroned auf dem RockHard Festival 2015
God Dethroned

Holländischer Death Metal steht jetzt als Kontrastprogramm auf dem Plan. God Dethroned sind zurück auf der Bildfläche. Die Band war in den späten 90ern und frühen 2000ern Stammgast auf gefühlt jeder größeren Tour durch Europa und wohl eine meiner meist gesehenen Bands in meinem Leben. Die letzten Jahre war es sehr ruhig um die beiden Köpfe Henri Sattler und Michiel van der Plicht geworden und God Dethroned wurde zu Grabe getragen. 2014 dann das Comeback und es wurden für das aktuelle Jahr einige ausgewählte Shows mit Sessionmusikern angekündigt. Eine davon also auf dem 2015er Rock Hard Festival. Die Setlist besteht leider überwiegend aus neuerem Material und die Erstlingswerke The Christhunt und The Grand Grimoire bleiben dabei auf der Strecke. Dennoch ist der Auftritt ein voller Erfolg und die aktuelle Besetzung strotzt von Energie- weiter so!

Wir laufen auf die Zielgerade des ersten Abends ein, mit einer Band die wie kaum eine andere den Namen Kultband verdient. Die Rede ist von der Amerikanischen Doom Metal Legende Pentagram. Die Band um den schrulligen Sänger Bobby Liebling gibt sich die Ehre und beglückt uns mit einem ihrer seltenen Auftritte. Der New Yorker ist ein Augenschmaus mit seiner pinken Hose und seinen Plateauschuhe. Eine großartige Persönlichkeit mit einer wahnsinnigen Bühnenpräsenz. Die Setlist ist ein schöner Querschnitt der Pentagram Discography, wobei hier besonders auf ältere Werke wert gelegt wird. So wird mit „Sign of the Wolf“, „The Ghoul“, „All your sins“, „Dying world“ und „Relentless“ beispielsweise DAS Pentagram Album schlechthin gehuldigt. Großartig diese Legende einmal live zu sehen und Bobby ist bester Laune. Erstaunlich was für eine kraftvolle Show eine Doomband abliefern kann. Da merkt man einfach die Erfahrung die ein Herr Liebling die letzten Vierzig Jahre gesammelt hat. Ein Auftritt für die Ewigkeit!

Pentagram  auf dem RockHard Festival 2015
Pentagram

Auch der Headliner an diesem ersten Abend verdient unbestritten das Prädikat Kultband. Ohne sie würde wohl die Extreme Metal Welt heute anders aussehen. Venom waren und sind Wegbereiter für ein ganzes Genre. Inzwischen ist nur noch Fronter Cronos von der Urbesetzung übrig. Vor zwei Jahren auf dem Party San Open Air, haben die Jungs alles in Grund und Boden gespielt. Umso gespannter bin ich was uns heute erwartet. Los geht es mit „Rise“ und mir schwant böses. „Hammerhead“ zählt auch nicht gerade zu meinen persönlichen Favoriten. „Die Hard“ ist dann ein erster Lichtblick. „Buried alive“ ist Song Nummer Sechs und die erste Perle des Abends. Leider fehlt es den Engländern immer noch an Energie. Mit „Welcome to hell“, „Countess Bathory“ und „Warhead“ werden noch einige Klassiker in die Runde geworfen. Leider auch mein verhasstes „Flight of the Hydra“. Zur Zugabe wird dann nochmal aufgedreht und Venom geben mit „Black Metal“ und „In league with Satan“ nochmal Gas bevor man mit „Fallen Angels“ wieder in die Bedeutungslosigkeit verfällt. Oh man, da bringt dann auch „Witching hour“ nichts mehr. Selten habe ich so eine kraftlose und uninspirierte Band gesehen. Bis dato hatte ich immer gedacht meine erste Venom Show im Jahre 2000 könnte nicht mehr unterboten werden. An diesem heutigen Tag haben sie mich eines besseren belehrt... [ts]

Venom  auf dem RockHard Festival 2015
Venom

Nach Gassenhauern wie „Welcome to Hell“ oder „Die Hard“, die in gewohnt pöbelnder Weise in die Gehörgänge der zahlreich zum Auftritt erschienen Festivalbesucher drangen, fand das Geschehen für mich persönlich ein wenig früh, etwa gegen 23:00 Uhr, auf der Bühne für heute sein Ende und wir zogen noch einmal den Pressebereich durchquerend, in das auf dem Vorplatz befindliche Partyzelt, wo wir auf zahlreiche ähnlich gesinnte Metalheads trafen und noch bis in die Morgenstunden zu den allseits bekannten „Metal-Schlagern“ weiter feiern durften. [sj]

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