30. April 2017


           
Rock Hard Festival 2016

 

 

Werbung: With Full Force 2016

 
         
 

Bericht

Am: 13.05 - 15.05.2016
Anlass: Rock Hard Festival im Amphitheater (Gelsenkirchen / NRW)
Autoren: Roland [rw], Tino [ts] & Torsti [tr]

Sonntag, 15. Mai 2016

Warum zur Hölle als erstes immer Death Metal Bands aufspielen müssen entzieht sich meiner Kenntnis. Dieses Jahr sind es Discreation die den Opener des Abschlusstages geben und natürlich macht sich unser eins, noch etwas Schlaftrunken aber dennoch angestresst auf in das halbe Rund. Die Hessen haben bereits zu den Instrumenten gegriffen und spielen den Titelsong ihres aktuellen Album „Procreation of the wretched“ als ich auf den Genießermodus switchen kann. Sehr engagiert gehen die Jungs zu Werke und erspielen sich im Laufe der Zeit einige neue Interessierte. Mein persönliches Fave ist „Breeding terror“ vom 2010ner Werk Withstand temptation, dass auch unter dem neuen Sänger Marco nichts an Durschlagskraft einbüßt.

Black Trip sind nun im Anschluss mal das gesamte Gegenteil, mit ihrem Salonfähigen Retro-Rock ziehen die Schweden gänzlich anderes Publikum vor die Bühne, doch auch der ein oder andere Death Metaller bleibt vor der Bühne und schaut sich das Treiben an. Schon mit Ihrem ersten Album Goin' under heimsten die fünf durchweg gute Kritiken ein, seit dem jedoch letztes Jahr Shadowline auf den Markt kam, ist klar das Black Trip definitiv zur Speerspitze der Retro-Rock Bands gehören. Auf der Bühne ist immer ein buntes treiben, die Gitarristen posen sich die Seele aus dem Leib und Sänger Joseph Tholl macht auch als Frontmann eine gute Figur. Den Auftritt kann man gezielt als Start/Ziel-Sieg verbuchen.

Black Trip auf dem RockHard Festival 2016
Black Trip

Etwas holperig geht es stattdessen bei Nightingale zu. Das Auftritte der Band rar gesäht sind, sieht man den Swanö Brüdern gerade und in punkto Spielsicherheit an. Das ein oder andere danebengegangene Riff ist aber verschmerzbar wenn man stattdessen Song für Song Highlights geboten bekommt.Herausragend zu nennen sind „Chasing the storm away“ und das Edge of Sanity Cover „Black tears“ bei dem dann viele ausharrende froh gewesen sind gerade jetzt im weiten Rund zu sitzen.Alles in allem ein guter Auftritt, jedoch spielerisch mit viel Luft nach oben. [tr]

Gelsenkirchen, Amphitheater 16.30Uhr. Das Wetter hält! Und so kommen auch die zahlreich erschienenen Metalheads auf den nicht regengeschützten Treppen ganz entspannt in den Genuss des Gigs der Portugiesen Moonspell. Und es ist zweifellos ein besonderer Gig, denn die Truppe um Fernando Ribeiro feiert dieses Jahr das 20jährige Jubiläum ihres Klassikers Irreligious. Zunächst ist dieser Umstand nicht zu bemerken, denn hinter dem Drumkit prangt ein großes Banner mit dem Motiv der Deluxe Edition des aktuellen Werkes der Düsterheimer. Die beiden Bassdrums sind ebenfalls mit aktuellen Motiven bedruckt zwischen denen ein großer Tierschädel prangt, dessen gewundene Hörner das Drumkit quasi umrahmen. Auch die Keys sind mit einer Art Bambus-Orgelpfeifen gepimpt, und zusammen mit den stilvoll gekleideten Herren ergibt sich so ein stimmiges Ganzes auf der Bühne. Auch der musikalische Einstieg ins Set hält sich mit "Breathe" und "Extinct" an den neuesten Output. Doch danach können sich alteingesessene Fans den Allerwertesten abfreuen, denn mit dem nachfolgenden Hit "Opium" startet eine grandiose Reise in die Vergangenheit, und bis auf das zwischenzeitlich eingestreute "The last of us" gibt es noch sieben alte Kracher der ersten beiden Scheiben zu hören, wie zum Beispiel "Awake", "Mephisto", "Alma Mater" oder "Full moon madness". Was für ein Fest! Obendrein ist der Sound gut, die Herren an den Instrumenten lassen ordentlich die Matten kreisen, es wird oft und reichlich die Pommesgabel gereckt  und insgesamt ist die Stimmung auf und vor der Bühne klasse. Dazu führt Hr. Ribeiro sympathisch durchs Programm, auch wenn sein ständig wiederholtes "Thank you Gelsenkirchen Deutschland" im Laufe der Zeit etwas nervt. Für Schmunzler sorgt sein Auftritt im roten Umhang zu "Vampiria" der, statt düster bedrohlich zu wirken, einige ältere Zuschauer eher an Schlemihl aus der Sesamstrasse erinnert der dir ein E verkaufen will. Nichts desto trotz ein sehr gelungener Gig, der Moonspell auf meiner musikalischen Landkarte wieder ein gutes Stück zurück in den Fokus rückt.

Moonspell auf dem RockHard Festival 2016
Moonspell

Ihr kennt das Phänomen des perfekten Festivalmoments, oder?! Der Moment, in dem einfach alles zusammenpasst. Der Moment, in dem man im Sonnenschein umgeben von Freunden mit einem Bier in der Hand vor der Bühne steht eine grandiose Liveband zockt, man ohnehin ein Dauergrinsen im Gesicht hat und dann bei einem superben Refrain eine meterdicke Gänsehaut bekommt. Nun, einen solchen Moment bescheren mir am heutigen Tag Riot V, die momentan eine absolute Bank im Livesektor sind. Die Amis bringen bei tollem Sound (der nur leider ab und an durch nerviges "Geskrischel" etwas getrübt wird) einen bunten Strauß Hits unters Bangervolk. Die Bühne ist mit einem fetten Backdrop und zwei großen Leinwänden rechts und links der Drums mit dem aktuellen Covermotiv nett gestaltet, gerät aber absolut zur Nebensache. Denn wie beeindruckend präzise, gleichzeitig aber mit viel Feeling und obendrein unverschämt locker leicht hier sämtliche Instrumentalisten in die Vollen gehen ist einmal mehr der Hammer. Gleiches gilt ebenso für die Vocals von Todd Michael Hall, der für mich spätestens seit dem KIT Auftritt im letzten Jahr komplett in der Band angekommen ist und zum Glück überhaupt nicht mehr so distanziert wirkt wie noch bei seinen ersten Gigs mit der Band. Und über seine Gesangsleistung braucht man wohl ohnehin nicht diskutieren. Dass bei einer solch großen Fülle an Hits die die Band zum Besten geben könnte nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen können ist logisch, aber die Setlist bietet eine schöne Mischung mit Songs wie "Fight or fall", "Fire down under", "Angel Eyes" oder "Bloodstreets". "Swords & Tequila" wird wie stets dem verstorbenen Mark Reale gewidmet, bevor mit dem obligatorischen "Thundersteel" der Sack zugemacht wird. Einmal mehr ein herausragender Gig, bei dem für mich neben "Take me back" (der perfekte Moment!) besonders auch "Road racin´" heraussticht.

Das Rock Hard Festival zeichnet sich für mich neben der grandiosen Location und vielen anderen Dingen immer wieder besonders durch die sämtliche Spielarten des Rock und Metal umfassende Bandvielfalt aus. Und jedes Mal aufs Neue bin ich überrascht wie gut die Rechnung aufgeht. Denn selbst als zwischen Riot V und Blind Guardian die amerikanische Death Metal Urgesteine Cannibal Corpse die Bühne entern um das Amphietheater zu überrollen, bleiben erstaunlich viele Besucher im Rund und lassen sich die Haare glatt fönen. George Fisher alias "Corpsegrinder" kommt mit angesiffter Cargohose und löchrigem Aeon (aus Schweden) Shirt betont assi auf die Bühne gestampft, und ohne viel Schnickschnack gibt es gehörig auf die Lauscher. Die Bande braucht keine große Animationskunst oder Stageacting. Dafür bangt sich die gesamte Band von Beginn an die Seele aus dem Leib, und schon ab dem Opener "Evisceration" kommen die Crowdsurfer im Graben an. Unweigerlich erinnert mich der ständig propellerbangende Mr. Fisher mit seinem beeindruckenden Stiernacken an die Fußtruppen des "Brütal Legand" Games. Doch ob ich mich trauen würde ihm das so ins Gesicht zu sagen, wenn er angepisst den zweiten Song "The time to kill is now" ankündigt weiß ich nicht so genau. Wie auch immer. Der Fünfer lässt nichts anbrennen und holzt sich gnadenlos durchs Set, was insbesondere wenn man bedenkt dass die Herrschaften ja auch nicht mehr taufrisch sind, absoluten Respekt verdient. Da auch der Verfasser dieser Zeilen nicht mehr ganz frisch ist beschließt er sich bei "Kill or become" auszuklinken und passender Weise mit einer Portion Pulled Pork eine Verschnaufpause vor dem großen Festivalfinale einzulegen.

Blind Guardian auf dem RockHard Festival 2016
Blind Guardian

Spätestens zum Auftakt der Blind Guardian Show merkt man dass das Rock Hard Festival am heutigen Tag ausverkauft ist, denn das Rund ist sehr gut gefüllt, was vor dreizehn Jahren noch etwas anders aussah, als die Herrschaften Headliner des ersten RHF waren. Ich erinnere mich noch daran, seinerzeit gemütlich auf den Stufen gelegen (!) zu haben um bei Mondschein der Band zu lauschen. Trotzdem ist es auch heute nicht zu voll, denn zum Glück werden auf dem RHF nicht über die Kapazität der Location hinaus Tickets verkauft um noch ein paar schnelle Euro zu machen, und außerdem gibt es auch tatsächlich einige Besucher die der Gig nicht interessiert. So findet jeder Fan ein passendes Plätzchen um sich in den nächsten gut 100 Minuten die Vollbedienung in Sachen deutscher Fantasy Metal zu geben. Ein riesiges, fast die gesamte Bühnenbreite einnehmendes Backdrop bildet die Kulisse, vor der die in schlichte schwarze Klamotten gekleidete Band ihre Epen bei makellosem Sound präsentiert. Während die Mannen an Drums, Keys und Bass an festen Positionen im Hintergrund verbleiben und mit ihren Instrumenten und den Backingvocals für das Fundament sorgen, gehört der vordere Teil der Bühne den Herren Olbrich, Siepen und Kürsch. Doch auch hier gibt es außer an den Instrumenten wenig Action. Immer noch ganz die sympathischen netten Jungs von Nebenan liegt hier der Fokus ganz klar auf der Musik, und Hansi führt auf seine typische Art souverän durchs Programm. Und das bietet wohl für jeden etwas, denn bis auf A night at the opera werden am heutigen Abend alle Alben der Bandhistorie angeschnitten! Für Abwechslung ist also in jedem Fall gesorgt. Neben den neuen Songs "The ninth wave" (als prächtig funktionierender opulenter Opener) und "Prophecies" gibt es natürlich eine ganze Reihe unverzichtbare und für exzessive Singspielchen prädestinierte Standards wie "Mirror, mirror", "Valhalla", "The Bard's song". Für zusätzliche Begeisterung sorgen bei mir aber besonders die alten, gleichermaßen genialen wie flotten "The last candle" oder "Journey through the dark", oder das von wunderschönen Akustikgitarren getragene "Lord of the rings". Natürlich werden die meisten Songs lauthals von den Fans mitgesungen, und diese Leistung des Publikums wird von Hansi standesgemäß mit dem Prädikat weltspitzenklasse geadelt. Auf manche Sachen ist eben Verlass. Unterm Strich also ein absolut würdiger Headliner-Auftritt, der für die ein oder andere Gänsehaut sorgt und das Festival gekonnt beschließt. Bis zum nächsten Jahr! [rw]

zurück


Disclaimer | Impressum | FAQ © by pommesgabel.de 2003 - 2017