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16. Januar 2018


           
Wacken Open Air 2015

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 30.07. - 01.08.2015
Anlass: Wacken Open Air in Wacken (Schleswig-Holstein)
Autoren: Tino [ts] & Torsti [tr]
Band-Bilder:
Toni B. Gunner (www.mondkringel-photography.de)

Donnerstag, 30.07.2015

Der Morgen beginnt, wie der Abend endete: Ziemlich feucht. Wachwerden von Regentropfen auf dem Autodach trägt nicht zur Steigerung der Vorfreude auf den Tag bei. Nützt ja nichts, also rein in die noch klamme Hose und die feuchten Schuhe. Als ich dann vor dem Auto stehe, bin ich schnell froh, dass wir uns gestern noch durchgerungen haben das Vorzelt aufzubauen. Zumindest diese paar Quadratmeter sind von oben trocken. OK, der Boden ist nicht besser als auf dem Rest des Campgrounds. Frühstücken ist erst mal die beste Alternative. Kaffee kochen und damit dann zu der Schlammstrecke, die den Campingplatz der Länge nach durchzieht. Der Traktorfahrer hat alle Hände voll zu tun. Im Minutentakt werden Autos und Wohnmobile vom Platz runter und auch auf den Platz rauf gezogen. Die wenigsten versuchen durch die Schlammmassen auf eigene Faust zu gelangen und wenn, ist fast immer nach wenigen Metern Schluss und der Traktorfahrer freut sich über neue Arbeit. Das ist Entertainment pur.
Die Anfahrtssituation ist mittlerweile wohl der reinste Horror und stündlich gibt es neue Verkehrsnews über die Wacken App. Die Besucher werden schon an der ersten Autobahnabfahrt Itzehoe raus geleitet und auf Ausweichparkplätze in den Ort geleitet. Weiter geht es für die Metalheads von dort dann mit einem kostenlosen Shuttlebus Richtung Festivalgelände.

Wenn man so etwas liest und mitbekommt, hat man eigentlich schon gar keine Lust mehr auf das Festivalgelände zu kommen. Aus diesem Grund trinken wir uns erst mal etwas Mut an und kürzen schnell unsere persönliche Running Order auf ein Minimum zusammen. Die Platzverhältnisse auf dem Infield kennen wir bis dato nur vom Hörensagen und wir brauchen wohl eine Menge Mut an diesem Tag. Zumindest fährt heute wieder der Pendelbus. Also ein Wegbier in die Hand und los geht die Abenteuertour.
Etwas verwirrt registriere ich, dass der Bus an allen Backstage Eingängen vorbeifährt. Mir schwant böses und um es vorweg zu nehmen: Ich soll Recht behalten. Der Shuttlebus erreicht problemlos den Busparkplatz, auf dem ein reges Treiben herrscht. Die Ortsdurchfahrt Wacken ist von der Polizei abgeriegelt und nur für Busse, Mitarbeiter und Anwohner passierbar.

Fröhliches Zelten im Wacken-Schlamm
Ohne Worte

Nun geht es durch den Haupteingang auf den ersten Campingplatz auf dem Weg zum Festivalgelände. Was wir hier zu sehen bekommen ist unglaublich und eine Zumutung. Der gesamte Campingplatz hat sich dank des Regens der letzten Tage in ein Wattenmeer verwandelt. Überall Festivalbesucher, die in Gummistiefeln und Mülltüten um die Füße durch den Schlamm waten. Der Untergrund ist rutschig und sehr anhänglich. Für die Querung des ersten Platzes brauchen wir über eine halbe Stunde und es liegt noch einiges an Strecke vor uns. Meine Füße sind jetzt schon komplett nass und kalt. Super, das kann ja lustig werden. Das einzig positive ist in dieser Situation der Zusammenhalt untereinander. Jeder hilft jedem und seit Jahren habe ich das Gefühl, wieder auf einem Metalfestival zu sein. Unsere erste Verschnaufpause ist dann nach über einer Stunde Weg vom Haupteingang der Metal Markt. Zum ersten Mal wieder festen und trockenen Boden unter den Füßen. Selten in meinem Leben hab ich mich so über einen verdreckten Holzboden gefreut. Anschließend gilt es dann die nächste Etappe bis zum Backstage Eingang zu bewältigen. Wieder streicht eine halbe Stunde ins Land. Auf dem Weg hab ich dann noch die Möglichkeit In Extremo zu sehen und hören, die gerade dabei sind die Metaller vor der Bühne musikalisch etwas von der Gesamtsituation abzulenken und aufzubauen. Da kommt ein Song wie „Nur ihr allein“ natürlich gut an. Bei „Unsichtbar“ und „Sängerkrieg“ behalte ich meinen eingeschlagenen Weg bei und kämpfe mich durch die gutgelaunten Fans und “nur noch“ Knietiefen Morast. Bei dem Song „Küss mich“ habe ich endlich mein Ziel erreicht. Mein persönliches Fazit dieser Strecke ist kurz und knapp: Springerstiefel sind nicht unkaputtbar und bei solchen Wetterverhältnissen auch nicht mehr dicht. Im Backstagebereich haben wir uns dann ein kühles Blondes mehr als verdient. Tisch und Stuhl sind jetzt erst mal meine besten Freunde und ich stelle fest, dass der Matsch nichts für eine künstliche Hüfte ist. Somit bleibt in dieser Situation nur die Leinwand, um mir Rob Zombie anzusehen.

Schade, denn den durchgeknallten Horrofreak, Robert Bartleh Cummings, wie der Bandkopf mit bürgerlichen Namen heißt, hätte ich gerne mal live gesehen.

Los geht es mit „Teenage Nosferatu Pussy“ vom letzten Album Venomous Rat Regeneration Vendor. Die Stimmung ist gut und der Matsch scheint schon vergessen. Vor der Bühne geht es richtig ab und die Amis werden gefeiert. „Super-Charger Heaven“ ist dann die erste Reise in die White Zombie Vergangenheit. Geil und echt schade, dass mein Körper gerade nicht in der Lage ist auch nur einen Meter auf den Platz zu machen. Den Start in die Cover Ecke machte dann der James Brown Klassiker „Get up (I feel like being a) Sex machine“. Der nächste Höhepunkt ist dann nach einem Drum Solo der zweite White Zombie Hit „More human than human“- fast so geil, wie damals auf der Astro-creep Tour im Jahre 1995. „Sick Bubble-Gum“ und „Meet the Creeper“ rocken ordentlich. Den Schluss des Sets bildet eine Coverparade, beginnend mit „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones, gefolgt von einer Hälfte „Enter Sandman“ von Metallica und endet in „Thunder Kiss '65“ mit einem Gitarrensolo und Parts von Alice Cooper`s „Schools`s out“. Als Zugabe wird schließlich noch „Dragula“ vom Hillbilly Deluxe Album in die Massen gefeuert. Ganz starker Auftritt ohne Schnörkel. [ts]

Rob Zombie auf dem Wacken Open Air 2015
Rob Zombie

Während Rob Zombie durch sein Set pflügte, begab ich mich auf den waghalsigen Weg zu den Zeltbühnen. Wie schon im gesamten Umland war auf diesem Wege so etwas wie Wiese nicht mehr zu sehen, nur am abgesperrten Bereich, wo das große Zelt gesichert wurde, lachte einen sattes grün an. Im Zelt wurden glücklicherweise Kunststoffplatten ausgelegt, die einem zumindest ein gutes vorankommen sicherten, vor Pfützen in See-Ausmaße schützte das leider trotzdem nicht.

In meinen Gummistiefeln ließ es sich einigermaßen aushalten und bei Dark Tranquillity hoffte ich auf ein bisschen inneren Frieden ob der schönen Musik. Bei der Witterung war ich tatsächlich gerade froh das man die Schweden auf die Headbangers Stage verfrachtet hat, nachvollziehbar ist es für mich aber keinesfalls. „The science of noise“ dröhnte als erstes aus den Lautsprechern, wo wir dann auch schon den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Dröhnen! Nicht anders kann man den Lärm bezeichnen der aus der PA schallte. Der Wiedererkennungswert von schon oft gehörten Songs wie „The lesser faith“, „ThereIn“ oder „Terminus (Where death is most alive)“ hielt sich stark in Grenzen. Wo ich anfangs noch hoffte das es im Laufe der Show besser werden würde, stand am Ende nur noch pure Enttäuschung über ein so schlechtes Sounderlebnis. Kurz vor Ende ergriff ich wieder die Flucht in Richtung Hauptbühnen. [tr]

Die Ein-stündige Umbaupause vertreiben wir uns mit ein paar lecker Bierchen und einem klasse Fischbrötchen. Auf der Running Order steht jetzt der Headliner, den keiner kennt- zumindest, wenn man einem großen deutschen Tagesblatt mit Vier Buchstaben glauben schenken darf. Für die Anwesenden, wird es ein Stück Musikgeschichte- so viel steht fest, schon bevor der Bühnenaufbau beendet ist. Das erste Mal in der 26 jährigen Wacken Open Air Geschichte wird es zwei Headliner gleichzeitig nebeneinander geben. Die wieder reformierten Savatage auf der Black Metal Stage und das Trans-Siberian Orchester (TSO) auf der True Metal Stage. Zu Beginn eine tolle Videoanimation mit dem From the Gutter to the stage Cover, die bildlich nochmal die Wiedergeburt darstellt. Als dann die ersten Klaviertöne von „Gutter Ballet“ erklingen, gibt es auch kein Halten mehr und sofort ist klar, dass den Headliner hier wohl jeder Metalhead kennt! Tastengott Jon Oliva wirkt fit wie selten. Ahhh, wie großartig. Hit an Hit in Form von „24 hours ago“, „Edge of thorns“, „Jesus saves“ und „The storm“ sind schon absolut großartig und was für eine Energie diese Band ausstrahlt. Sänger Zak Stevens ist wohl in der Form seines Lebens. Trotzdem schaffen Savatage es noch mit „Dead winter dead“, „Hall of the Mountain King“ und „The Hourglass“ einen drauf zu setzten. Zak liefert sich dabei ein Gesangsduett mit TSO Kollegen Andrew Ross- Gänsehaut pur. Damit ist auch die Savatage Reunion komplettiert, erstmal. Weiter geht es auf der rechten Bühne mit „The mountain“, TSO und Savatage zusammen schreiben in diesem Moment Geschichte. Bombastisch was hier mit „Madness of men“ und „Another way you can die“ dargeboten wird. „Turns to me“ ist der nächste Savatage Gänsehaut Moment. Zak dieses Mal im Duett mit Russel Allen. Weiter geht es mit einem Teil der „Carmina Burana“ und „Another way“, dem nächsten Wake of Magellan Track. Langsam verliere ich den Überblick, wer auf welcher Bühne spielt... „Mozart and memories“, gefolgt von Savatage's „Morphine child“ und TSO's „Beethoven“, „King Rurick“ zum ersten Mal live dargeboten und nun gibt es noch „Believe“ und „Chance“, womit Savatage dem Abend die Krone aufsetzen. Das Trans-Siberian Orchester rundet die Show noch mit „Christmas Eve“ und „Requiem“ ab. Das war mal ganz großes Kino, fast zweieinhalb Stunden Power auf zwei Bühnen. Ein gigantisches optischen und akustisches Feuerwerk der Extraklasse, da fehlen mir einfach die Worte dazu noch was zu sagen, außer WAHNSINN und alle Mühen des Tages wert.

Savatage auf dem Wacken Open Air 2015
Savatage

Den Weg zurück zum Camp legen wir dieses Mal zu Fuß zurück. Was für ein Tag. Die Knochen tun zwar noch etwas weh, aber mit innerer Betäubung ist das schnell vergessen und wir lassen den Abend ruhig ausklingen und wissen alle, wir haben heute etwas ganz großes erlebt. [ts]


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