
Disbelief sind eine der Bands der Stunde. Mit ihrem achten Album "Protected hell", den überragenden Reviews in der einschlägigen Presse (u.a. 9,5 Punkte im Rock Hard) und der jetzt gerade stattfindenden Wochenend-Mini-Tour setzt der Slow-Death-Fünfer zum finalen Rundumschlag an. Dementsprechend heiß war ich auf ein Interview mit der Rasselbande, bei dem mir Fronter und Ober-Grunzmaschine Jagger gegenübersaß, der im Gesicht allerdings etwas an Haaren verloren hatte, welche ja eigentlich immer zu seinem Markenzeichen gehörten…
Hat Dir Gillette ähnlich wie damals bei ZZ Top 1 Million versprochen, oder warum hast Du Dir Dein Markenzeichen absäbeln lassen?
Nee, hahaha. Das ist während des Mixing Prozesses in Frankfurt passiert. Ich habe einfach angefangen, was abzuschneiden, dann kam mehr dazu…immer mehr…naja, dann war er halt ab. Das passte aber auch ganz gut, denn als der Mix beendet war, fühlte ich mich richtig gereinigt und brauchte mich nicht verstecken, obwohl ich sowieso nicht nötig hätte. Unser Kumpel Singh war völlig entsetzt. Er sagte nur „Nein!!! Was hast Du getan? Das ist doch kein Schmuck, den man einfach so ablegt?“, hahaha. Bei meinen Haaren wäre das was völlig anderes gewesen. Mein Bart wächst in einem dreiviertel Jahr wieder zu normaler Größe heran, das passt schon...
Vor exakt 2 Tagen war das offizielle Release Datum Eurer neuen Platte „Protected hell“ und dann gleich eine kleine Tour. Ist das nicht etwas arg früh?
Nö, warum? Ab jetzt geht es halt los und die Fans hatten vorab ja die Möglichkeit, über MySpace schon einmal in die Songs reinzuhören. Jetzt ist halt der Startschuss gefallen und was würde das besser passen, als einige Release Shows zu spielen und die neue Platte dementsprechend zu promoten. Einen festen Support wollten wir nicht mitnehmen, da es sich lediglich um Shows am Wochenende handelt und die Bands, die stilistisch zu uns passen würden, lassen sich heutzutage schon kaum mehr auf einen Supportslot ein. Ich wäre sehr gerne mit Dew-Scented auf Tour, aber das geht halt momentan nicht. Daher ist es doch eine willkommene Angelegenheit, lokalen Bands eine Plattform zu bieten, wie heute Abend auch Respawn. Bei Grantig spielen wir dann auf deren Record Release Party in München, das ist dann ein Geben und Nehmen, wo beide Bands von profitieren und wir uns natürlich auch eine Menge Publikum erwarten.
Euer achtes Album. Man sagt ja immer, das Neuste ist das Beste…
Die Scheibe zeigt und repräsentiert uns so, wie wir momentan drauf sind. Wir haben uns neue Ziele gesteckt und bereits vor Beginn der Aufnahmen, beim Songwriting ganz genau gewusst, wohin die Reise gehen wird. Wir waren vollkommen vorbereitet und hatten während der Aufnahmen mit keinen Überraschungen zu rechnen. Ich habe mich im Vorfeld super vorbereitet, hatte meine Texte bereits im Kasten und habe dann im Studio lediglich die Vocals noch ausgearbeitet. Es war wirklich perfekt. Die Platte ist auf jeden Fall die am besten Vorbereitete gewesen und das hört man auch.
Erzähl mir mal etwas über Deine Texte auf „Protected hell“.
Ich wollte auf jeden Fall einen Titel haben, bei dem das Wort „Hell“ enthalten ist, da dieses Wort an sich schon eine Menge Härte transportiert. Gerade bei den Klassikern wie Venom (grunzt genüsslich: „Seven gates of hell…“) oder Slayer bei „Hell awaits“, dieses Wort ist einfach Metal. Bei einem Interview mit Slayer hat Kerry King mal die ganze Zeit im Hintergrund gesessen und kein Sterbenswörtchen herausgebracht. Und plötzlich, so nach 10 Minuten, steht er auf und brüllt: Heeeeeeellll, hahaha. Irgendwann bin ich dann noch auf das Wörtchen „Protected“ gestoßen und habe halt beides zusammengefügt. Gerade aufgrund der Tatsache, dass diese beiden Worte eigentlich gar nicht zusammen passen, fand ich die Kombination großartig. Jeder hat so seine eigenen Interpretationsmöglichkeiten.
Ihr habt auf Eurem neuen Album zwei absolute Ohrwürmer drauf: „Hell goes on“ und „The dark soundscapes“. Inwieweit ist da ein Video zu geplant?
Wir haben zu unserem Opener „A place to hide“ ein Videoclip mit Maurice Swinkels von Legion of the damned produziert, mit dem wir sehr zufrieden sind. Er hat ja auch die Videos zu "Rewind it all" und "Sick" gemacht, die uns ziemlich weit gebracht haben. Er gibt sich immer die größte Mühe und arbeitet verdammt schnell, ohne jemals Qualitätsverluste in Kauf zu nehmen. Bei unserem neuen Video hatten wir uns schon auf eine Nachtschicht eingestellt und plötzlich heißt es: So, fertig. Wir waren etwas verdutzt, hahaha.
Ihr habt ja erneut mit Michael Mainx zusammengearbeitet, quasi dem fünften Onkel (er produzierte die Böhse Onkelz CD’s), der für Euch eine Ausnahme gemacht hat und Euch bereits auf „Navigator“ produziert hat. Wie ist die Arbeit mit ihm?
Er produziert ja nicht nur uns. Er hat ein eigenes Label, bei dem er die Bands natürlich auch aufnimmt und bearbeitet. Mit ihm zusammenzuarbeiten ist eine Wonne. Er kann immer noch etwas mehr aus einem herausholen, ohne dabei permanent mahnend den Finger zu erheben. Wir hatten mit ihm bei „Navigator“ sehr gute Erfahrungswerte gesammelt, die wir nun bei „Protected hell“ wieder voll nutzen konnten. Er ist ein richtiger Goldschatz für uns, hehehe Er kitzelt immer wieder eine Nuance heraus, und das obwohl unser Vorgängeralbum auch schon ein ziemliches Brett war.
Und das Mastering mit Tue Madsen erfolgte auch nach dem Motto: Never change a winning Team? Die „66sick“ hat er ja auch gemacht…
Wenn man Tue etwas Spielraum gibt, holt er beim mastering oder Mix immer noch ein paar Nuancen mehr raus. Wenn wir da ankommen und denken: Hey, die Aufnahme ist perfekt, müssen wir uns meistens eines Besseren belehren lassen, denn Tue optimiert das Alles immer noch etwas mehr. Das ist echt extrem und immer für uns noch das Tüpfelchen auf dem I.
Mit Alex habt Ihr ja einen neuen Gitarristen in der Band. Wie kommt es aber, das Jemand aus Spanien den vakanten Posten an der Klampfe bekommen hat?(Das der Junge in die Band passt wie Arsch auf Eimer, konnte ich am gleichen Abend erleben...)
In Zeiten von eMail, Internet und MySpace ist das doch gar kein Problem mehr. Wir hatten jemand ganz anderen zur Audition eingeladen, sagten Alex aber gleich im Vorfeld, er solle am Ball bleiben. Der Kontakt blieb immer vorhanden, da ich es auch als ziemlich cool empfand, das er gleich nach Deutschland ziehen wollte, um in unserer band zu spielen. Das ist kein einfacher Schritt, doch bei ihm steckte eine ganze Menge Enthusiasmus und Mut dahinter. Als es dann soweit war, kam er mit Sack und Pack zu uns und hat sich prima integriert.
Auf der bald erscheinenden neuen Graveworm CD „Diabolical figures“ singst Du ja beim Track „Forlon hope“ mit. Wie kam das denn zustande und vor allem, können wir eine gemeinsame Performance beim Legacy Fest erwarten?
Ich wurde gefragt und habe es gemacht, hahaha. Wir werden den Song definitiv live zusammen performen. Wir spielen am gleichen Tag, wir allerdings im Hangar auf der Stardust Bühne und Graveworm auf der Mainstage. Da sie nach uns spielen kann ich noch etwas vorglühen, sag dann „Servus“ und ab geht’s, hahaha.
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