10. Juli 2026


           
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Tyr Interview

Bevor ich mich in irgendwelchen Floskeln über Schafpopulationen, Exotenbonus oder ähnliches verliere eines vorweg: Ich mag Tyr und damit stehe ich nicht alleine da, wie der triumphale Auftritt beim diesjährigen Ragnarök Festival in Lichtenfels eindrucksvoll unter Beweis stellte. Die Färinger haben dann sogleich zusammen mit Alestorm und Heidevolk die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und eine kleine Tour hinten dran gepackt, die sich in Anlehnung an den Headliner „Black sails over Europe“ nennt. Dieser Umstand und die Tatsache, dass am 29. Mai das nunmehr fünfte Werk „Under the light of the northern star“ in die Läden kommt waren Anlass genug, um Tyr Frontmann und Frohnatur Heri Joensen etwas auf den Zahn zu fühlen.

Heri, erinnerst Du Dich an den 12.September 1990?

 

Hmm, da muss ich echt grübeln. Ach ja (lächelt verzückt) unser Sieg gegen Österreich mit 1:0. Ein stolzer Tag für die Faröer Inseln. Klasse Frage, hahaha. Ich bin zwar kein großer Fußball Fan, aber das war schon eine ganz geile Geschichte.

 

Gibt es unter diesen Umständen keine Probleme mit Eurem österreichischen Plattenlabel Napalm Records?

 

Hahaha, nein, bisher noch nicht. Wir ziehen sie zwar ab und zu damit auf, aber die Jungs haben anscheinend damit kein Problem.

 

Ist eine Tour zu einem solchen Zeitpunkt nicht etwas verfrüht? Euer letztes Album war Anfang 2008, Euer Neues kommt erst am 29. Mai…

 

Früh ja, aber es hat sich einfach so ergeben. Außerdem schieben wir im Herbst eine weitere Tour hinterher, so dass dieser Umstand dann ausgeglichen wird. Außerdem haben wir speziell für diese Tour eine EP aufgelegt, die zwei nagelneue Songs beinhaltet. (Anm.d.Verf. diese EP beinhaltete ebenso neue Songs von Alestorm, Heidevolk und dem in Berlin leider nicht spielenden Support Adorned brood und kostete Fan-freundliche 6 Euro) Für uns ist es eine super Gelegenheit, die neuen Songs live vorzustellen und anzutesten, wie sie aufgenommen werden.

 

Was können wir denn von Eurem fünften Album erwarten? Anhand der bereits bekannten Track, u.a. „Hold the heathen hammer high“, erwarte ich eine deutliche Steigerung in Punkto Härte und Geschwindigkeit. Ist das vielleicht auch eine Folge der Touren mit Bands wie Amon Amarth?

 

Vielleicht, wobei ich sagen muss, das vor unserer ersten Tour mit Amon Amarth 2006 noch nie was von der Band zu Gehör bekommen habe, ebenso wenig wie von Wintersun, dem anderen Support damals. Doch diese ganzen Tourneen haben mich viel tiefer in diese ganze Pagan / Viking Metal Szene eintauchen lassen und ich habe mich oft geärgert, warum ich mich nicht viel früher mit dieser Art des Metal auseinandergesetzt habe. Ja, ich wurde wirklich von diesen Bands beeinflusst…

 

Dein Bart kommt ja auch langsam in die Dimensionen eines Johan Hegg…

 

Hahaha, nein, noch lange nicht. Zumindest habe ich beim Essen mit ihm noch keine solch großen Probleme wie er, hahaha.

 

Wenn Du allerdings sagst, dass Du mit dem Begriff „Viking metal“ nichts anfangen konntest, wie beschreibst Du dann Eure Musik im Allgemeinen?

 

Versteh mich nicht falsch, eine bessere Kategorisierung für unsere Musik gibt es nicht, wobei ich auch gerne die Begriffe „Folk“ und „Progressive“ für unsere Musik höre. Dennoch werden Fans von Amon Amarth, Bathory oder Enslaved trotz der teilweise gleichen Bezeichnung der Musikstile niemals so auf Tyr abfahren.

 

Zurück zur Frage: Was können wir erwarten?

 

Härter, schneller, mehr Chöre, mehr Melodie, von allem ein bisschen mehr. Wir sind äußerst zufrieden mit dem Album, weil es alles in sich vereint, was uns ausmacht. Es ist von der Struktur her eingängiger und etwas leichter zu verdauen, sprich etwas weniger progressiv als unsere Vorgänger. Ich habe beim Soundwriting verstärkt darauf geachtet, die Songs etwas griffiger zu machen, um dadurch auch die breitere Masse etwas mehr anzusprechen.

 

Eure Musik und Texte hatten seit jeher einen großen Bezug zu Eurer Kultur und Eurer Vergangenheit und basierte zumeist auf traditioneller Musik und Lyrik der Faröer Inseln. Da es sich bei Deiner Heimat ja nun nicht um ein großes Land handelt besteht da nicht die Gefahr, dass irgendwann einmal alles erzählt ist?

 

Nein, da ich nicht nur die Balladen meines Landes, sondern auch isländische, norwegische oder dänische mit verarbeite. Ich könnte 10 Alben veröffentlichen und hätte noch nicht einmal an der Oberfläche gekratzt. In diesem Leben werde ich definitiv kein Ende finden.

 

Ist diese Tradition wichtig für Dich?

 

Ja, auf jeden Fall, da diese Balladen einen tiefen Einblick in die Geschichte unserer Inseln darstellen. Wir hatten knapp 600 Jahre keine eigene geschriebene Sprache, da alles in Dänisch verfasst wurde und so waren die Balladen der einzige Fundus für unsere Linguistik. Sie erzählen alles über die damalige Lebensweise und sind somit tief verwurzelt in unserer Geschichte.

 

Ein Punkt, der mir bei vielen der von mir bereits gesehenen Tyr Gigs aufgefallen ist, ist die Reaktion des Publikums. Teilweise totales Desinteresse, doch die Leute, die Euch zuhören, stehen am Ende eines jeden Gigs mit einem seligen Lächeln im Gesicht da. Ursachenforschung, bitte…

 

Du bist der Erste, der das anspricht und Nein, es ist mir so noch nicht aufgefallen. Aber vielleicht liegt diese Reaktion auch am extrovertierten Auftreten unseres Bassers Gunnar, hahaha. Ich glaube, das wir bei vielen Leuten, die zu unseren Shows kommen, einfach etwas anderes treffen, als wenn sie sich den ganzen Tag Geknüppel reintun, hahaha. Ich werde auf jeden Fall die Reaktionen mal im Auge behalten.

Dieses momentane Tour-Package ist musikalisch recht weit auseinander. Gibt es da irgendwelche Probleme? Wie wichtig ist für Dich die Livepräsenz?

 

Ja, wir hassen uns und werden uns am Ende der Tour alle gegenseitig umbringen, hahaha. Nein, alles ist schick und wir verstehen uns hervorragend. Da sind schon einige Freundschaften draus entstanden. Live zu spielen ist für mich sehr wichtig. Klar, Du musst natürlich auch Platten veröffentlichen, doch auf der Bühne fühlen wir uns am wohlsten. Ich liebe es, Songs zu schrieben, doch die Aufnahmen und der Studioaufenthalt an sich ist nicht so mein Ding.

 

Als ich einmal mit einem Tyr Shirt einkaufen war, wurde ich von einem älteren Ehepaar als „Nazi“ beschimpft. Selbst ein von mir eingeleiteter Erklärungsversuch und der Hinweis auf die Färinger Flagge auf dem Backprint wurde ignoriert. Dazu dann noch die letztjährigen Hetzschriften im Internet und der Boykott-Aufruf des Berliner Konzertes, bei dem Ihr als Nazis von den Farör Inseln verunglimpft wurdet…kratzt so etwas am Selbstwertgefühl?

 

Nicht unbedingt, da sich die Problematik wirklich ausschließlich auf Deutschland bezieht. Aber es nervt gewaltig, vor allem wenn diese merkwürdige Organisation um Peter Kratz (der als alleinige Person mit an den Haaren herbeigezogenen „Fakten“ Bands in die rechte Ecke drängen will – der Verf.) uns so in den Dreck zieht. Der Typ ist absolut unnormal. Wir haben ihn mehrfach versucht, nach seinen völlig haltlosen Anschuldigungen zu kontaktieren, doch keine unserer Anfragen wurde beantwortet. Ich war aufgrund dieser Vorwürfe völlig schockiert. Als wir die Band starteten war uns die Tragweite der Symbole gerade in Deutschland überhaupt nicht bewusst. Auch unserem Drummer Kari, der die Runen am Unterarm tätowiert hat, war der Fakt unbekannt. Dennoch könnt Ihr mir glauben, das wir diesem Scheißdreck nicht das Geringste zu tun haben. 

by olaf

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