Naja, solange das Amon-Amarth-Syndrom nicht bei Euch Einzug hält…
(beide lachen) Wieso?
Naja, Fredrik Andersson (Drummer) sagte mir mal „Amon Amarth play on every Gas-Station“..
(großes Gelächter) Benny: Da kommen wir auch noch hin…
Ich habe mir mal von jedem Eurer vier Alben meine persönlichen Favoriten herausgesucht und würde Euch bitten, diese zu kommentieren: „Walls instead of bridges“..
Benny: Oh, einer unserer absolut ersten Songs. Darf in keiner Setlist fehlen. Wir waren anfangs von diesem Song überhaupt nicht überzeugt, doch unsere Plattenfirma wollte dieses Stück unbedingt mit auf der Platte haben.
Sebastian: Der Songs wurde auf einen Sampler gepackt, da waren wir gar nicht glücklich drüber, weil wir ihn wirklich als einen unserer schwächeren hielten, doch wenn wir den heutzutage mal nicht live spielen, gibt es gleich Mecker, hahaha.
„Mechanisms of standstill“…
Benny: Opener von „Let the tempest come” und ist in letzter Zeit etwas untergegangen, muss ich sagen.
Sebastian: Den haben wir aber früher oft live gleich als Erstes gespielt, da er sich als Einstieg für einen schnellen Set wirklich prima eignet.
Benny: Der Songs war aber schon Richtungweisend, da er klar gemacht hat, das es von nun an noch mehr nach vorne gehen würde. Daher war er schon sehr wichtig.
Da Du schon sagtest, er würde mehr nach vorne gehen bin ich gespannt, was Du zu „Harbinger“ vom Stapel lässt…
Sebastian: Ooooh, der groovigste Songs schlechthin…
Als ich den das erste Mal hörte, fiel mir sofort Bolt thrower ein…
Benny: Ja, da kann man so sehen lassen.
Sebastian: Wir haben am Anfang bei diesem Songs echt überlegt, wie man ihn noch besser und brutaler machen könnte, haben aber dann sehr schnell gemerkt, das der so bleiben muss, wie er ist.
Benny: Nun muss man zu „Harbinger“ aber auch sagen, das es ein wirklich spezieller Song ist. Der eine Teil unserer Fans will ihn immer hören, wo hingegen andere aber auch sagen: Oh je, muss echt nicht sein, hahaha. Der spaltet die Leute etwas. (lacht)
Euer Opener vom neuen Album „I loathe“…
Benny: Ich verachte…hehehe. Haben wir damals im Studio gleich gemerkt, dass das Teil richtig brutal ist und uns sofort entschlossen, ihn als Opener zu verwenden.
Sebastian: Dazu sei angemerkt, dass „I loathe“ erst als vorletzter Song entstand und von der Chronologie her war es schon eine Überraschung, dass wir ausgerechnet diesen Songs als Opener auswählten.
Sebastian: Wir waren ja in der Situation, als Einzige die Platte bereits zu kennen, hehe, und daher konnte wir es uns aus dem Aspekt des Abwechslungsreichen einfach erlauben, dieses Stück gleich zu Beginn zu bringen.
Benny: Als wir den bei MySpace hochgeladen haben, war an Kommentaren wirklich alles dabei. So krass hatten wir es vorher noch nie erlebt. Das ging von „Klasse Jungs, konsequente Weiterentwicklung…“ bis hin zu „Ach du scheiße, was ist denn aus Euch geworden“, hahaha.
Ich verrate Euch nun auch, warum ich mir ausgerechnet diese Songs ausgesucht habe. 1. Scheibe Metalcore, obwohl ich diesen Begriff verachte, zweites Album mit diversen Black / Death Anleihen, drittes Album purer Death Metal, viertes Album von jedem etwas. Geht Ihr damit konform?
Benny: Wir sind ja, Gott sei Dank, nicht in der Situation, unseren Sound selber charakterisieren zu müssen. Wir spielen einfach nur das, was uns selber in den Sinn kommt und uns Spaß macht.
Sebastian: Man merkt es vor allem bei den Reviewern die versuchen, unsere Musik in irgendeine Schublade zu packen. Klar hätten die das gerne einfacher, aber warum, hehehe.
Kotzt Euch dieses Schubladendenken an?
Benny: Ganz zum Anfang ja, da viele Leute gleich die Ohren zu gemacht haben und nicht richtig hingehört haben, was wir eigentlich machen. Das wurde ja auch von der Plattenfirma etwas lanciert, da der Begriff „Metalcore“ zu dem Zeitpunkt noch gar nicht so abgegriffen war.
Sebastian: Wir selber warum uns da noch gar nicht sicher, was für Musik wir eigentlich spielen (lacht), doch durch das viele Touren mit anderen, wie sage ich es…traditionellen Metal Bands, sind die Leute dann etwas von diesem Begriff abgerückt.
Benny: Vorher haben die Leute teilweise bei der bloßen Erwähnung unserer Band die Ohren zu gemacht, hahaha.
Nun mal was persönliches: Wo hast Du Benny, verdammt noch mal, das Shirt der Austrian Death machine her? Da könnte ich glatt für töten…
Benny: Irre, da wurde ich gestern mindestens 5-6 Mal darauf angesprochen, hahaha. Der Tim vom As I lay dying (Der Initiator dieser großartigen Band-der Verf.) hat mir mal zwei davon geschenkt. Ich muss ihm glatt mal eine Mail schicken und hm sagen, wie groß der Markt hier für seine Shirts ist (lacht).
Zurück zum eigentlichen Thema: Welche Gründe waren denn dafür ausschlaggebend, das „Omnicide-creation unleashed“ erst mit einer Woche Verspätung in die Läden kam?
Benny: Alter, das war so ätzend, ich könnte kotzen. Alles war auf den 22.05. ausgelegt und jeder fragte: Wann kommt denn nun die Scheibe? Können wir sie heute schon kaufen?
Sebastian: Es lag hauptsächlich an der limited Edition zum Album. Die reguläre Version wäre rechtzeitig fertig geworden, aber beim Druck des Hardcovers traten wohl Probleme auf. Doch für uns war klar, dass nur beide Versionen gleichzeitig veröffentlicht werden können.
Stichwort „Abwechslungsreichtum“. Mein Lieblingswort….
Benny: Sehe ich genauso, klar (lacht). Die Songs müssen schon ein paar Mal gehört werden, so dass sie sich einem erschließen. So ging es mir jedenfalls, als ich das fertige Werk dann zum ersten Mal in Gänze hörte.
Ihr habt ja das Studio gewechselt…
Benny: Naja, so halb. Oder doch ganz? (lacht) Bei der „Armamentarium“ haben wir die Vocals bereits im Rape of harmonies Studio aufgenommen, während die Band mit Jacob Hansen aufnahmen. Nun haben wir komplett mit dem Ali von Heaven shall burn im Studio aufgenommen. Das war auch ein bisschen eine Kostenfrage, da wir das Album auf jeden Fall von Zeus (u.a. Hatebreed) abmischen lassen wollten und so haben wir mit Ali einen Schlachtplan entworfen, wie wir das am besten realisieren können.
Sebastian: Da wir mit Ali unglaublich gut können, war es ein ehr als entspanntes arbeiten.
Da verbirgt sich aber auch ein kleiner Kritikpunkt: Ich finde den Sound auf Eurer neuen Platte etwas glattgebügelt…
Sebastian: Für war diesmal ein Tapetenwechsel wichtig. Die letzten Platten wurden von Jacob gemacht und wir waren auch immer mit zufrieden.
Benny: Wir waren uns schon darüber im Klaren, das der Sound etwas roher ausfallen würde, da eigentlich in unseren Augen der Sound auf „Armamentarium“ ziemlich sauber war, deshalb kann ich Dir da nicht so ganz zustimmen. Geschmäcker sind ja bekanntlicherweise verschieden…
Sebastian: Wir wollten halt unbedingt mit Zeus arbeiten und sind im Endeffekt mehr als zufrieden mit dem Endergebnis.
Euer Coverartwork ist ein bildgewordener Alptraum für mich. Ich kann mir kaum etwas Schlimmeres vorstellen, als alleine in einer menschenleeren Stadt zu stehen…
Benny: Es geht bei der Idee zum Cover um den Mensch verursachten Mord an allem. Da gab es halt zwei Möglichkeiten: Entweder richtig schön plakativ Leichen oder organische Verwüstungen mit Natur gepaart, oder halt alles weglässt. Das war eine Idee von unserem Artworker Terje, der die Idee klasse umgesetzt hat. Auch das Blut in den Straßen und an den Wänden was signalisiert, dass irgendetwas vorher dagewesen sein muss.
Sebastian: Es war eine gute Idee, den Faktor Mensch komplett wegzulassen, um so das Grauen greifbarer zu machen.
Vielleicht etwas beeinflusst durch Filme wie „I am legend“?
Sebastian: Kam mir auch gerade in den Sinn, aber da musst Du wirklich Terje fragen, ob da ein gewisser Einfluss bei war. Die Idee zum Cover kam ja von uns. Man hätte ja, wie bereits erwähnt, auch alle Leichen auf einen Berg schmeißen können, dann hätte das ausgesehen wie bei Cannibal Corpse und wir wären bei Einigen ganz unter durch gewesen, hahaha. Der künstlerische Aspekt der dahinter steckt, ist einfach klasse. Und solltest Du mal das komplette Booklet in der hand haben, wirst Du noch eine ganze Menge anderer Illustrationen zu diesem Thema finden.
Ein paar Infos zu meinen 3 Favoriten auf „Omnicide“: „Grave new world“. Wer ist denn auf dieses eloquente Wortspiel gekommen?
(beide lachen) Benny: das war unser anderer Gitarrist Stefan Erler. Manchmal hat er halt solche Ideen, hahaha. Es ist auf jeden Fall sehr metaphorisch. Der Arbeitstitel war ja „I love the world“, hahaha. War halt ein cooles Wortspiel in Anlehnung von Maiden’s „Brave new world“ oder dem Roman „Schöne neue Welt“.
„I am the rape“. Wer ist der Raub und was stiehlt er?
Sebastian: In diesem Song geht es um Kolonialismus im 19.Jahrhundert, speziell in Afrika. Der weiße Mensch startet ja quasi die Vergewaltigung dieses Kontinents. dadurch wurde die Entwicklung dieses Kontinents auch entscheidend gehemmt. Dazu muss ich sagen, das Stefan einen starken Bezug hat zu Afrika…
Benny: Er hat damals ein Praktikum als Lehrer in Uganda gemacht und hat unter anderem auch andere Texte dazu geschrieben wie „Age of hunger“.
Was ist die „Nothing doctrine“?
Benny: Da geht es konkret um die Scientology Sekte, geschrieben von unserem Basser Benny…alles voller Benny’s hier, hahaha. Man kann diesen Text aber auch auf alle anderen Sekten anwenden, die mit ihren ideologischen Verblendungen einfach nur Geld machen wollen.
Sebastian: Ich muss mal kurz pissen…(alle lachen)
Benny und ich unterhielten uns in der Zwischenzeit über anstehende Autogramstunden, mein Faible für Biohazard und die zu erwartende Zuschauerreaktion auf die New Yorker Crossover Helden, als dann Sebastian nach einer Rekordverdächtigen Zeit wieder um die Ecke geschossen kam.

Mit „Armamentarium“ seid ihr ja seinerzeit auf Platz 65 der deutschen Verkaufscharts eingestiegen. Werdet Ihr das toppen können?
Benny: Ganz ehrlich, das wird schwierig. Auch schon aufgrund der eingetretenen Verzögerung, die mit Sicherheit einige Leute verwirrt hat.
Sebastian: Wenn Du einmal Blut geleckt hast, willst du das natürlich um jeden Preis überbieten. Doch das hängt von so vielen Faktoren ab: Was kommt in der Woche noch alles raus? Was kam die Woche vorher? Der Mai war sowieso ein sehr veröffentlichungsstarker Monat. Dennoch hoffen wir natürlich auch auf die Leute, die noch Vinyl kaufen, was in der normalen Popularmusik ja gar nicht mehr vorkommt (lacht)
Ich schließe hiermit eine Wette ab, das Ihr den Chartentry locker schafft und sogar noch besser, als bei Eurem Vorgänger…
Benny: Das kannst Du hier gerne dokumentieren und dann, mein Freund, hast Du Dir ein dickes Bier verdient, hahaha.
Sebastian: Als wir bei „Armamentarium“ die Trendcharts sahen, konnten wir im höchsten Fall erahnen, das wir in die Charts kommen würden. Und wenn überhaupt, haben wir mit einem Platz spekuliert zwischen 90 und 100. Nun halt Dich fest wo wir waren, als die Charts veröffentlicht wurden: In Lloret de Mar!!!
Benny: Gibt es einen geileren Ort auf der Welt um zu erfahren, dass du in den deutschen Charts bist? (lacht) Wir haben da den ganzen Tag in irgendwelchen Spielhallen rumgehangen und Münzen in solche Automaten gefeuert. Viel gesehen haben wir da eh nicht.(beide lachen) Vorher haben wir noch auf einer Kirmes vor ca.50 Leuten gespielt. Hauptsächlich Familie und dann bist Du plötzlich in den Charts. Unglaublich…Solche Kirmes-Konzerte sind eh geil, danach sind wir tierisch viel gefahren, mussten aber leider alles selbst bezahlen…
Dann solltet Ihr Trivium heißen, aus Orlando kommen und aufgrund Ihrer Popularität eine lebenslängliche Freikarte für’s Disney World bekommen…
Sebastian total ungläubig: Ehrlich??? Scheiße, dass wir nicht aus Soltau kommen. Wir waren Beide letztes Jahr im Heide Park und sind da total auf Desert race abgefahren, die dich von 0 auf 100 in den ersten Looping katapultiert. Auf die Hallo Spencer Runde mussten wir danach verzichten, hahaha. Wie wir da so rein sind dachte ich noch bei mir wie geil es wäre, wenn irgendeiner Benny erkennen würde. Als Sänger wird er in Münster schon ab und an erkannt, aber hier? Wir also rein, es regnete, kaum Leute da und wir sind zu diesem Freefall-Tower „Scream“ gegangen. Und was passiert? Fünf Leute erkennen Benny und wir haben uns total weggeschmissen. Das war ein wirklich cooles Erlebnis.