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11. Dezember 2018


           
Magazin

 

 

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Susperia Interview

Einer der sichersten Anwärter auf eine höhere Platzierung in meinen Jahrescharts sind die Norweger Susperia, die mit „Attitude“ ein Ausrufungszeichen im Bereich des Thrash Metals gesetzt haben. Diese Scheibe ist so dermaßen geil, das es fast wehtut. Daher freute ich mich umso mehr, dass mein Ruf nach einem Interview mit den Jungs erhört wurde und ich mich mit Basser Mamnock auf einen längeren Plausch zusammentat. Doch nicht nur das famose Album, sondern auch die schwere Erkrankung von Fronter Athera sollte Thema in diesem mehr als aufschlussreichen Gespräch sein.

Memnock, herzlichen Glückwunsch zu diesem Thrash Metal Meilenstein. Erzähl mir doch etwas über „Attitude“ aus Deiner Sicht.

 

Danke Mann. Aus meiner Sicht ist das Album das Ergebnis dessen, was wir aus den vorangegangenen Alben gelernt haben. Nach einer gewissen Zeit weiß man einfach, was geht und was nicht, doch dafür braucht man schon einige Jahre. Jeder bei Susperia hat seinen Teil zu dem Album beizutragen und es war eine tolle gemeinsame Arbeit und Bemühung, das Beste aus uns herauszuholen. Cyrus kam mit den meisten Ideen für die Musik an und der Rest von uns packte seine Ideen dazu, wie man die Songs noch ausarbeiten und verfeinern könnte. Wir haben viele verschiedene Dinge ausprobiert und hatten diesmal eine veränderte Herangehensweise. Wir haben die gesammelten Ideen wieder und wieder ausgearbeitet und sind alles durchgegangen, bevor wir dann endgültig das Studio enterten. Richtig geprobt haben wir vorher nicht, das war schon eine recht neue Erfahrung für uns. Dennoch haben wir schnell gemerkt, dass die Songs dadurch viel frischer waren, als wenn wir sie tausendmal durchgekaut hätten. Das Adrenalin knallte richtig rein. Ein bisschen Risiko war schon dabei und es hätte vieles schief gehen können…ist es aber nicht, hahaha.

 

Ihr habt ja mit Chuck Billy bei „Live my dreams“ und Shagrath bei “Sick bastard” hochkarätige Unterstützung gehabt. Wie kam denn diese Kollaboration?

 

Wir sind vor ein paar Jahren mit Testament getourt und saßen eines Abends zusammen backstage und haben einen gehoben. Irgendwann habe ich mich zu Chuck umgedreht und ihn gefragt, ob er nicht auf unserem nächsten Album ein paar Gastvocals beisteuern möchte. Als er dann sofort zusagte, war ich völlig baff, hahaha. Wir haben schon für unser letztes Album „Cut from stone“ versucht, ihn unterzubringen, was allerdings an seinen zahlreichen Terminen gescheitert ist. Doch diesmal hat alles gepasst und da ist er! Shagrath ist ein guter Freund von uns und daher war sein Gastspiel überhaupt kein Problem. Er hat während Athera seine Vocals in Cyrus Studio eingesungen hat sowieso die ganze Zeit bei uns abgehangen und da war ein Gastspiel die einzige Konsequenz, hehehe.

 

Ist es eigentlich schwierig für Euch, solche Ohrwürmer wie „The urge“ zu schreiben oder ist das eher ein Zufallsprodukt?

 

„Urge“ war tatsächlich ein ziemlich hart einzuspielender Song. Naja, wie eigentlich alle Susperia Songs, die definitiv KEIN Zufallsprodukt sind, das kann ich Dir sagen, hehe. Wir arbeiten halt nur sehr hart an unseren Songs, um es jedem in der Band wirklich recht zu machen, was uns auf unseren vorangegangenen Alben geglückt ist. Dennoch benötigt eine solche Arbeitsweise viel Zeit. Wir lassen nichts raus, mit dem wir nicht 100%og glücklich sind und werden uns da niemals mitreißen lassen. Ich glaube wir wissen genau, wann wir mit einem Song aufhören müssen, bevor wir zu sehr herum improvisieren. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo man einfach und klar sagen muss: Leute, der Song ist nicht gut genug für uns…sonst wird da was aufpoliert, mit dem wir nicht leben können und wollen.

Wie geht es Athera eigentlich momentan, nachdem er ja im März dieses Jahres seinen Herzanfall hatte?

 

Er kommt gerade wieder richtig in Form, wobei…eigentlich ist er fitter als jemals zuvor. Seine Stimme klingt jedenfalls noch fantastischer als sonst. Der Doktor hatte ihm bereits vorher prophezeit, dass es ihm nach der Operation besser denn je gehen würde. Es ist jedenfalls mehr als überraschend, dass Atheras Probleme nie entdeckt wurden und er die ganze Zeit mit voller Power performed hat.

 

Gab es eigentlich viel Support aus der Szene?

 

Der Support war überwältigend! Athera hat Unterstützung und Genesungswünsche aus allen Ecken der Welt bekommen. Bands, Plattenfirmen, Fans, Magazine, Radio Stationen – Jeder hat ihm Nachrichten geschickt. Absolut irre war die Tatsache, das unglaublich viele Metal Fans, die mit unserer Musik überhaupt nichts anfangen können, ihm dennoch Mails und die besten Wünsche sandten. Das zeigt mal wieder den wahren Geist der Heavy Metal Gemeinde. Es war wirklich Wahnsinn.

 

Am kommenden Freitag spielt Ihr ja Euren ersten Gig nach Atheras Genesung beim Steinkjer Festival in Norwegen. Wie groß ist die Vorfreude, wieder als „komplette“ band auf der Bühne zu stehen?

 

Mann, wir können es kaum mehr erwarten, endlich wieder komplett aufzutreten, dieses Festival zu spielen und die Reaktion der Leute zu sehen. Hoffentlich werden die Fans abgehen und Athera zeigen, wie geil sie es finden, ihn wieder hinter dem Mikrofon stehen zu sehen. Wir haben ja die U.K. Tour mit einem Gastsänger absolviert, der auch einen fantastischen Job abgeliefert hat, aber es war doch merkwürdig, Athera nicht am Mikro zu sehen. Dieser Festivalauftritt wird sehr emotional für uns. Athera ist ein Glückspilz und wir sind mehr als glücklich, ihn in der Band zu haben und mit ihm wieder zu spielen.

 

War es eigentlich schwierig, einen Ersatzsänger zu finden? Und vor allem interessiert mich, wie sich Bernt Fjellestad (Guardians of time) geschlagen hat.

 

Da Athera einen sehr eigenen Gesangsstil hat war es schon schwierig, einen geeigneten Ersatz für die Tour zu finden. Da wir auch nicht sehr viel Zeit hatten, haben wir 3 verschiedene Sänger ausprobiert und da hat Bernt den besten Eindruck hinterlassen. Er hat einen tollen Job erledigt, da wir auch nur 3 Proben vor der Tour hatten. Doch er hat es echt geschafft und sich unsere Songs voll draufgepackt. Das Publikum hat ihn auf jeden Fall gut angenommen und voll akzeptiert. Es war dennoch eine merkwürdige Erfahrung, mit einem anderen Sänger auf der Bühne zu stehen. Trotz der Tatsache, dass das erste Mal in der Geschichte von Susperia ein anderer Sänger als Athera mit uns auf der Bühne stand…wir waren echt nervös…hat Bernt uns nicht im Stich gelassen. Wir hätten keinen besseren Ersatz für Athera finden können.

 

Wie erfolgreich war denn Eure U.K. Tour?

 

Es war ein gewaltiger Erfolg und die beste U.K. Tour, die wir je gemacht haben. Die Fans sind völlig ausgerastet, es war großartig. Auch die Bands untereinander, Breed 77, Illuminatus, Swron amongst – das waren alles coole Leute, die sich prima verstanden haben. Es war unglaublich, wie easy alles von statten ging. Das lag aber auch daran, dass die Crew einen unglaublichen Job gemacht hat. Die haben manchmal so hart gearbeitet…und wir haben das gar nicht richtig gemerkt, hahaha. Wir waren anfangs schon nervös, ohne Athera auf der Bühne zu stehen, aber nach den ersten vier Shows ging alles wie von selbst.

 

Dann solltet Ihr jetzt aber schleunigst den alten Kontinent bereisen…

 

Nach der Tour spielen wir erst einmal bereits erwähntes Festival und eins in England etwas später. Eine Europa Tour zum Ende des Jahres ist in Planung. Viele Fans fragen uns, warum wir nicht mehr Festivals spielen, doch aus irgendwelchen Gründen sagen die Veranstalter immer nein zu uns. Es ist eine merkwürdige Situation und meistens sind die Reaktionen der Organisatoren noch merkwürdiger. Du kannst mir aber glauben, dass wir so viele Festivals wie möglich spielen möchten.

 

War es für Euch eigentlich ein großer Sprung zu Candlelight Records?

 

Nicht wirklich. Wir kannten das Label, da sie bereits unsere früheren Alben in den USA vertrieben. Somit wussten wir also, wozu die Jungs da imstande sind. Unser altes Label Tabu besteht auch noch, doch die haben alles zurückgefahren. Die wurden von einem größeren Konzern geschluckt und wenn so etwas passiert, geht es meistens den Bach runter. Die haben auch viele von der Belegschaft gekündigt und viele andere Bands verließen daraufhin das Label. Von den Leuten, die uns damals unter vertrag nahmen, war plötzlich keiner mehr da. Candlelight sind fantastisch, da sie genau wissen, wie sie uns suporten müssen.

 

Ihr spielt seit 8 Jahren in derselben Besetzung. Dies ist nicht gerade üblich und äußerst bemerkenswert in unseren schnelllebigen Zeiten. Wie kommt das?

 

Wir sind alle seit ewiger Zeit gute Freunde, die auch in ihrer spärlichen Freizeit permanent zusammen abhängen. Ich glaube auch das es daran liegt, das wir bei Problemen immer zusammenhalten und diese ausarbeiten, statt irgendwelche neuen Mitglieder in die band zu holen. Das macht Freunde aus, immer den anderen zu unterstützen. Ich kann mir nicht vorstellen, das Susperia je ihr Line-Up ändern werden. We’re here to stay, man, hahaha.

 

Auf Eurer EP „Devil may care“ befindet sich mit „Wild child“ von W.A.S.P. einer meiner absoluten Alltime-Faves. Warum habt Ihr gerade diesen Hammer ausgesucht?

 

Wir sind seit Ewigkeiten W.A.S.P. Fans und wollten einfach mal was Neues ausprobieren. Wir haben bereits während der Proben fieberhaft nach den richtigen Songs gesucht und fanden ihn dann in „Wild child“. Die Version ist doch richtig cool, oder? Hahaha. Das war unser Weg zu zeigen, das Susperia an keine Grenzen gebunden sind…und außerdem ist das Ding ja wohl Hammer, hahaha.

 

Als Ihr Euren Stil vom epischen Black Metal hin zum hammerharten Thrash verändert habt, wer waren da Eure Haupteinflüsse?

 

Der Wechsel selbst war ja nie geplant, er hat sich einfach im Laufe der Zeit so ergeben. Es war einfach eine konsequente Weiterentwicklung und ein Erwachsenwerden in der Band. Richtige Einflüsse gab es da nicht. Ich weiß, das es da draußen eine Menge Leute gibt, die denken wir wären eine billige Kopie von Bands wie Testament, Overkill oder Pantera, doch das ist nicht wahr. Das sind alles Bands, mit denen wir aufgewachsen sind und wir haben uns nie hingesetzt und gesagt: Los, die kopieren wir jetzt. Wir spielen einfach die Musik, die wir lieben. Und wenn ich dann die dämlichen Kommentare einiger fauler Musikjournalisten höre, die uns als Kopie abtun, kann ich nur sagen, das die nie unsere Alben richtig gehört haben.

by olaf

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