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17. Juli 2018


           
Metal Bash 2005

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 30.07.2005
Anlass: Metal Bash auf der Schiesssportanlage Neu Wulmstorf (Niedersachsen)
Autoren:
Tyrwyn

Samstag, 30.07.2005

Trotz Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes und einem arg lädierten Fuß meinerseits machten Reinhard (für diesen Tag als Pommesgabel-Praktikant, Fotograf und „Zivi“ zwangsverpflichtet – irgendjemand muß ja das Bier holen, wenn ich nicht laufen kann...) und ich uns auf den Weg in den hohen Norden zum Metal Bash-Festival. Gegen neun Uhr ging die Reise im beschaulichen Städtchen Delmenhorst los, die Vollsperrung der A1 wurde großzügig umfahren und so kamen wir trotz Stau fast pünktlich in Neu Wulmstorf an. Auf dem kurzen Weg vom Parkplatz zum Festival-Gelände konnten wir schon die ersten Klänge von Saeko hören. So weit nicht schlecht und was die unkomplizierte Handhabung was Einlaß, Taschenkontrolle und Erwerb der Getränkebons anging, ließ auf ein großartiges Festival hoffen. Wir ließen uns nicht weiter aufhalten und suchten uns einen Platz vor der Bühne. Die attraktive Japanerin Saeko gab auf den Metal Bash ihr Europa-Debut und die Präsentation ihres Albums Above Heaven – Below Heaven darf durchaus als Erfolg bezeichnet werden. Der eingängige Metalsound und die schöne, getragene Stimme der quirligen Sängerin kam beim Publikum gut an. Ebenfalls erwähnt werden sollte die Spielfreude und das Können der beiden Gitarristinen, der Bassistin und des Drummers, die Saeko auf der Bühne unterstützten. Als Saeko dann gegen viertel vor zwölf die Bühne verließ, waren alle Anwesenden auf ein gutes Festival eingestimmt und Reinhard ließ sich zu folgendem Kommentar hinreißen: „Wie? Die können doch jetzt nicht einfach gehen! Die waren lustig.“ - womit dann alles gesagt sein dürfte...

Saeko auf dem Metal Bash 2005
Saeko

In der Zwischenzeit hatte dann auch der vorhergesagte Regen sein Ziel gefunden und so machten wir uns auf, ein trockenes Plätzchen am Bierstand zu finden. Die Getränkepreise, 1,50€ für 0,3 Pils und 1,-€ für Softdrinks, versöhnten uns dann auch fast mit dem Regen und wir inspizierten auch den Händlerstand. Es wurden T-Shirts und diverse CD´s feilgeboten. Nicht sonderlich viel, aber durchaus angemessen für das eher beschauliche Metal Bash.
Mit einem tierisch lauten „Metaaaaaal Baaaash!!!“ stürmten Not Fragile auf die Bühne. Die vier Hamburger lieferten eine routinierte Show und guten, wenn auch unspektakulären Heavy Metal. Es wird am Bindfaden-Regen gelegen haben, dass Not Fragile nicht besonders abgefeiert wurden – die Wiese hatte sich mittlerweile in ein riesige Pfütze verwandelt und alle, die sich keine abenteuerlichen Regengewandungen aus Müllsäcken, Tüten und ähnlichem gebastelt hatten, scharrten sich um die Bier- und Pommesbuden – ein sinnloser Versuch, trocken zu bleiben.

Als Black Destiny gegen 13:00 Uhr mit ihrem Power Metal loslegten, zeigte sich das Wetter einsichtig – Regen verwandelte sich in Niesel. Black Destinys trashige Riffs, die mit komplizierten Soli überlagert wurden, wütende Blast Beats und die gelungene Mischung aus hohen Vokals und tiefem Gesang rissen die nassen Metal Heads aus ihrer Lethargie und die Party begann. Die Befürchtung von Sänger Michael, daß die Band etwas zu abgehetzt sein könnten, da ein Stau die Ankunft der Osnabrücker verzögert hatte, bestätigte sich nicht. Black Destiny lieferten eine gute Bühnenshow und ihre musikalische Mischung aus dem Old School Metal der Großen Alten und den Einflüssen der neuen Generation machte einfach Spaß.

Die nachfolgende Band Reviver konnte mit ihrem Old School Metal nicht so recht an die Begeisterung, die Black Destiny auslöste, anknüpfen. Die Holländer brachten ihre Songs zwar qualitativ gut rüber, aber nichts klang wirklich interessant. Sogar der Regen zeigte sich von Reviver gelangweilt und verzog sich. Ja tatsächlich: ab 14:10 Uhr gab es endlich Sonne... Zwischenzeitlich hatten wir nette Menschen kennengelernt und so war es auch relativ egal, ob Reviver nun Stimmung verbreiteten oder nicht - es ist ja nun nicht so, daß man ausschließlich wegen der Musik zu einem Festival geht.

Reviver auf dem Metal Bash 2005
Reviver

Während wir also rumalberten kam dann die wohl meistumstrittenste Band auf die Bühne: Tuatha De Danann . Wie der irische Name verrät, haben sich die Brasilianer dem Folk-Metal verschrieben. Genauer gesagt dem Folk-Power-Metal. Die keltisch-lastigen Melodien, durch Akustikgitarre und Querflöte ins rechte Licht gerückt, waren soweit ganz gut. Der Gesang war anfangs allerdings sehr schlecht. Nach einigen Songs hatte sich der Frontman aber zurecht gefunden und je besser der Gesang wurde, um so mehr fleißige Head Banger fanden sich vor der Bühne ein. Mit ihrem fröhlichen Spiel und der guten Laune, die Tuatha De Danann verbreitete, mag es für den einen oder anderen Death Metaller ein Gräuel gewesen sein, aber für Metaller, die auf ungewöhnliches und melodisches abfahren, eine gute Wahl.

Nun, kurz darauf machte ich zum ersten mal Erfahrung mit dem Genre Doom Metal. Nachdem „mein Zivi“ und ich einen einigermaßen trockenen Sitzplatz gefunden hatten, und die Ludwigsburger Doomshine spielten, fragte ich nach etlichen Minuten: „Reinhard, warum haben die denn so ein langes Intro?“ „Ähm, das ist kein Intro. Das ist Melodic Doomed Metal und das muß so klingen! Das ist sogar ziemlich gut, was die da machen.“ Na gut, wieder was gelernt. Doomshine versammelten auch eine nicht unbeachtliche Anhängerschar vor der Bühne und bevor ich darüber nachdenken konnte, wie man zu so langsamer Musik überhaupt headbangen kann, liefen mir einige wohlbekannte Reitermaniacs über den Weg...

Und endlich war es soweit: nach dem Suidakra ihre Teilnahme am Metal Bash kurzfristig absagen mußten, gab es nur eine Band als persönlichen Headliner: Soul Demise ! So sicherte ich mir einen Platz an vorderster Front um mich ganz dem melodischen Death Metal hinzugeben. Auch wenn man es als Norddeutsche vielleicht nicht sagen darf: aber Bayern hat doch gute Seiten... Was die fünf Jungs leisteten, war nach anfänglichen Soundproblemen, Metal vom Feinsten! Aggressive Riffs, wütende Drums und eine mitreißende Bühnenpräsenz von Sänger Roman. Da sieht man auf den ersten Blick, wie nah der Wahnsinn sein kann... Die begeisterten Fans dankten es ihnen mit dem vollen Programm: Headbanging, Stage diving und Pogo. In erster Linie boten Soul Demise Songs von ihrer aktuellen Scheibe Blind , aber auch die älteren Stücke kamen nicht zu kurz. Dem Dank der Band an ihre neue Plattenfirma Remedy Records kann man sich nur anschließen – mit dem jetzigen Deal sollte es den Deathern gelingen, den Durchbruch zu erzielen.

Soul Demise auf dem Metal Bash 2005
Soul Demise

Nach viel zu kurzen 45 Minuten mussten Soul Demise dann leider die Bühne verlassen und für den Umbau von Motörment Platz zu machen. Die überwiegend jungen Hüpfer vor der Bühne machten erschöpft für älteres Publikum Platz, die die Motörhead -Covershow von Torment nicht verpassen wollten. Mit einem kräftigen „Wir sind Motörment und treten Arsch!“ wurde die Show eröffnet und wir erwarteten viel: der Frontman sah aus wie Lemmy, er bewegte sich wie Lemmy, sprach wie Lemmy... Also konnte doch eigentlich nichts schief gehen. Doch, konnte: er sang leider nicht wie Lemmy. Wir zogen uns also auf unseren Stammplatz in Nähe der Bierbude zurück und unser lustiger Haufen von vorhin war wieder komplett. Sechs Leute, sechs gleiche Meinungen: „Wenn Lemmy das hören würde, würde er sich im Grab umdrehen!!“ „Hä? Der ist doch noch gar nicht tot!“ „Nein, aber wenn er wäre, würde er!“...! Das Publikum feierte Motörment allerdings ab und die Begeisterung, mit sich Motörment an die Motörhead -Klassiker machte, war schon okay.

Stilmäßig zu Motörment passend, aber auf einem Metal-Festival vielleicht etwas fehlplaziert wirkend, ging es mit den V8 Wankers weiter. Guter, klassischer Hard Rock, der vom Publikum gut angenommen wurde. Und wie Reinhard berichtete (er nahm seine Job ernst und stürzte sich ins Getümmel, während ich das Geschehen aus Rücksicht auf den frisch operierten Fuß aus sicherer Entfernung verfolgte), machten die Jungs wohl richtig Spaß. Getreu dem Motto „eine CD würd´ ich mir von denen nie kaufen, aber live sind sie ein echter Gewinn!“.

Gegen viertel nach acht ging es mit purem Metal weiter. Equilibrium leiteten ihre Show mit einer gehörigen Portion Nebel ein, nur der Sänger war zu sehen und ein dramatisches Intro zu hören. Der Epic-Vicing-Metal der sechs Münchener wusste durchaus zu gefallen und die große Fanschar war begeistert. Der Gesang von Helge Stang ging zwar manchmal etwas unter, aber dennoch wurden die Songs von Equilibrium s Album Turis Fratyr frenetisch bejubelt. Trotz erheblicher Parallelen zu Finntroll klingen Equilibrium sehr eigenständig und sind einfach gut. Was natürlich nicht unerwähnt bleiben darf: die Fannähe der Bayern. Für ihren letzten Song des Abends holten sie einen Fan auf die Bühne, der textsicher das ganz Lied alleine trällerte.

Equilibrium auf dem Metal Bash 2005
Equilibrium

Paragon brachten dann routiniert ihren Power-Metal dar. Auch sie nutzten die Chance, ihr neues Album Revenge zu präsentieren. Andreas Babuschkin, Martin Christian, „Gunman“ Kruse, Jan Büning und „Big M“ Corby wußten mit ihrem gewohnten headbang-freundlichen Stoff ohne viel Firlefanz durchaus zu überzeugen und es gelang Paragon ohne Schwierigkeiten, das Publikum auf den Headliner des Festivals Moonsorrow einzustimmen.

Die Finnen Moonsorrow betraten stilecht mit jeder Menge Kunstblut im Gesicht die Bühne. Dem Folk-Metal mit anständigen Black,- Death- und leichten Doom-Einflüssen konnte sich keiner entziehen und Moonsorrow bewiesen wieder einmal, daß Finnland mehr zu bieten hat, als Rennfahrer und Alkohol. Tiefe Growls, ohrenbetäubende Screams, symphonische Keyboardelemente, brutale Gitarrenriffs – nichts fehlte. Stage diven, pogen, headbangen – die jubelnde Masse ließ nichts aus, Metalfeeling pur! Der Stoff vom neuem Album Verisäkeet wurde von den Fans dankbar angenommen und wird sicher an den Erfolg von Kivenkantaja anknüpfen können.

Nach der guten Stunde „Nackenbrechen mit Moonsorrow “ hieß es dann aber leider Abschiednehmen von einem erstklassigen Festival, neuen Bekannten und einem perfekten Tag. Eine lange Rückfahrt stand noch bevor und so hörten wir Stormwarrior nur noch auf dem Weg zum Parkplatz (sie klangen verdammt gut sollen nach späteren Auskünften eine der besten Bands des Tages gewesen sein) und Nayled , die kurzfristig für Suidakra einsprangen, verpassten wir vollends.

Moonsorrow auf dem Metal Bash 2005
Moonsorrow

Abschließend bleibt nur zu sagen: geiles Festival!!! Hat echt Spaß gemacht und im nächsten Jahr sieht man sich wieder.

Gruß und Dank:
An die Veranstalter und Mitarbeiter des Metal Bash (weiter so!) , dass DLRG, alle Bands, Svenni, Bärbel, Biertante, Ramona, Bierneffe und an alle, die das Bash zu was ganz besonderem gemacht haben, insbseondere Tino (SLAYER – 24 Stunden täglich...), Anni (danke für ein bißchen mehr Zeit *grins*) , die beiden, deren Namen ich vergessen habe (merke: mit einem Pommesgabel-Aufkleber kann man jede Hose reparieren) und Reinhard (klasse Fotos!)

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