06. August 2020


           
Legacy Fest 2009

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 21.05. - 23.05.2009
Anlass: Legacy Fest auf dem Flugplatz in Dessau (Sachsen-Anhalt)
Autoren:
Langhammer [tl], Olaf [od] & Torsti [tr]

Epilog

Willkommen im Konzert der großen Festivals…dachte ich so bei mir, als ich Wochen vorher das Billing zum Legacy Fest, welches eigentlich als Fete zum 10jährigen Jubiläum eben besagten Fanzines gedacht war, vor Augen führte. Geile Headliner und viele kleine Juwelen sollten uns 3 Tage prächtig unterhalten. Die Vorfreude wurde allerdings ziemlich getrübt, als uns mitgeteilt wurde, dass wir als Berichterstatter den kompletten Eintrittspreis bezahlen sollten. Nicht einmal bei den großen 3 wie Breeze, Force oder Wacken ist uns so etwas je untergekommen. Ich wollte eigentlich daraufhin das Legacy boykottieren, wurde von Langhammer aber überredet.

Als ich auf der gut einstündigen Hinfahrt auch noch einen apokalyptischen Wolkenbruch mit Weltuntergangs-Szenarien über mich ergehen lassen musste, war meine Stimmung noch weiter im Arsch und da sich das Personal vor Ort als völlig inkompetent erwies und uns 3x von einem Ende des Geländes zum anderen scheuchte, hatte ich eigentlich jetzt schon keine Böcke mehr.

Doch urplötzlich klappte alles, die Sonne war da, der Zeltplatz war schön leer, unsere Bändchen waren umgemacht…es konnte losgehen. Im Übrigen habe ich meine gesehenen Newcomer mit einem Link auf deren MySpace Seite versehen, zu erkennen an der roten Markierung. [od]

Donnerstag, 21.05.2009

Nachdem ich mir vom Zeltplatz-eigenen-Grill 3 Nackensteaks genehmigt hatte, begann für mich der Arbeitstag. Den verbrachte ich zuerst in der Halle vor der Stardust Stage, auf der Nocturnal Opera aus dem Saarland mit seinem Mix aus Black und Goth Metal die wenigen Nasen zu beeindrucken versuchte. Hier wurde schnell klar, dass wenn wenige Besucher den Gigs beiwohnen, der Sound ebenfalls ziemlich dürftig herüberkam. Darunter hatten die Jungs auch zu leiden, die allerdings mit einer engagierten Leistung zu punkten wussten und eben diejenigen zu begeistern wussten, die sich vor der Bühne einfanden. Ich selbst fand es ebenfalls recht passabel und wenn die Jungs es schaffen sollten, ihren Sound, den sie live darboten, auch auf Rundling zu bannen, sollte bald ein Deal herausspringen. Klickt einfach mal rein… da gibt es auch das Demo „Opus postumum

Ich gebe es ungern zu, aber aufgrund gepflegter und ausgiebiger Nahrungsaufnahme verpasste ich Perish Sanity, doch was ich vom Zeltplatz hörte, klang recht vielversprechend. Werde ich in Zukunft im Auge behalten. Wichtig waren für mich unsere Zeltplatznachbarn und Finsterheimer Hellsaw, die zu früher Stunde die Anwesenden mit ihrem diabolischen Black Metal ordentlich verarzteten. Der Wehsel zu Napalm Records scheint sich für die Österreicher bezahlt zu machen, präsentierten sie sich weitaus zielsicherer und eingespielter als in früheren Tagen. Ging mächtig ins Ohr, blieb haften, war geil. Hatred hingegen zündeten bei mir gar nicht, dafür Illnath umso mehr. Die Dänen fuhren eine brachiale Soundwand auf und ballerten der Meute mächtig einen vor den Latz. Der Black/Thrash der Jungs aus dem Smörebröd Land kam bei der Menge gut an, die bereits Biergeschwängert mächtig mitging und die Jungs grandios abfeierten. Die Thüringer Metalcoreler Without words konnten mich vom ersten Takt begeistern und sorgten für Bewegung bei den vereinzelt Anwesenden. Musiktechnisch haben die Jungspunde das Rad natürlich nicht neu erfunden, können aber aufgrund ihrer technischen Fähigkeiten durchaus überzeugen. Mir hat es gefallen und da war ich nicht der Einzige...

Hellsaw auf dem Legacy Fest 2009
Hellsaw

Nun begann für mich die Rennerei, denn neben der Stardust Stage musste ich nun auch parallel von der großen Legacy Bühne berichten, auf der sich nun die schottischen Piraten Metaller tummelten. Aufgrund der Massen, die zu diesem Gig erschienen waren, konnte man ein Feuerwerk der guten Laune erwarten. Das Publikum ging auch gut mit und wurde gleich zu Beginn mit „Over the seas“ auch fachgerecht geföhnt. Leider hatten Alestorm den absolut identischen Gig wie auf der Tour und daher blieben Überraschungen weitestgehend aus. „Leviathan“, das lautstark mitgesungene „Nancy, the tavern wench“ oder auch neue Stücke der Marke „That famous ol’ spiced“ gingen zwar gut ab, konnten mich aber heute nicht so recht aus der Reserve locken. Überraschend geil hingegen fand ich den Aachener Siebener Tornapart, der aufgrund der Bühnengröße eigentlich keine Probleme beim Stageacting gehabt hätte, dennoch recht lethargisch blieb. Dies konnte man allerdings nicht von der Mucke behaupten, die ziemlich straight aus den Boxen quoll und vor allem durch den Wechselgesang der beiden Shouter glänzte. Oft wurden auch Samples eingesetzt, die die Wucht des modernen Thrash-Cores um einige Nuancen erhöhte. Gefallen hat mir am besten der Track „Medusa“. Die Jungs behalte ich auf jeden Fall im Auge.

Auf die Death / Black Metaller Nebukadnezar aus meiner alten Heimat Celle hatte ich mich schon im Vorfeld gefreut, da mir der Sound der Band vorab auf deren MySpace Seite mächtig imponiert hatte. Und da standen nun die vier Jungs, spielten sich den Arsch ab…und kaum Reaktion. Das kann echt nicht sein, denn die Songs killen ohne Ende und ich verwette mein linkes Eis, das Nebukadnezar schon bald in gepresster Form in meinem Player rotieren wird. Klasse Auftritt!

Da ich in der Halle aufgehalten wurde, sah ich nur noch den Rest des Gigs der Norweger Keep of Kalessin, die allerdings, laut Aussage des Langhammers, wie immer souverän und abgeklärt ihren bereits liveerprobten Set in die Menge hämmerte. Ich bin zwar ein Fan von Thebon und seinen Mannen und liebe deren letzte Scheibe „Kolossus“, dennoch habe ich mir die Jungs jetzt etwas über gesehen und warte sehnsüchtig auf ein neues Scheibchen dieser innovativen Combo.

Um es kurz zu machen, ich bin kein großer Freund des Tralala Power Metals der 6 Schweden Sabaton, was allerdings die Legacy Community anders sah. Die feierten die Truppe um den doch recht charismatischen Fronter Joakim Broden, der mit seinem Brustpanzer in gleißender Sonne etwas wie ein Silberfisch anmutete, tierisch ab, brüllte nach jedem Song nach mehr Bier und sorgten für ein umjubeltes Gastspiel. Was nun folgte kann man getrost als sichere Punktlandung Kataklysms betrachten. Die Franko Kanadier traten mit dem wohl besten Sound des gesamten Festivals auf die Bretter und hinterließen allenorten heruntergeklappte Kauleisten. Besser kann man Death Metal live nicht darbieten. Sah das Publikum ebenso und rastete völlig aus. Jeder Refrain wurde mitgesungen, welches bei „Crippled and broken“ ihren Höhepunkt fand. Maruzio und seine Gesellen hatten diesmal, im Gegensatz zum letztjährigen Breeze, ihr eigenes Equipment am Start, obwohl auch hier wieder die Belgier Aborted, die den Kanadiern ihre Ausrüstung überließen, ebenso am Start waren. Witzige kleine Anekdote, die Maurizio backstage mit einem tiefen kehligen Lachen quittierte. Kataklysm waren für mich am ersten Tag das absolute Highlight. [od]

Sabaton auf dem Legacy Fest 2009
Sabaton

Hui. Da fliegt frisch gestärkt und 5 Minuten vor der Zeit auf dem Festival Gelände ein und stellt fest: Varg kündigen bereits Ihren letzten Song des Tages an. Hmpf! Die Anhängerschaft der Schwarzwurzeln scheint das mitbekommen zu haben und feiert frenetisch mit. Entweder ging meine Uhr nun falsch oder da war tatsächlich ein deftiger Zeitunterschied. Naja, abwarten und Bier trinken. Nachdem ich freundlich über das (beschissene) Bon System aufgeklärt wurde klappte es dann auch mit dem schönsten Reinheitsgebot der Welt. Aber ganz ehrlich, geschmacklich war das Zeug nur bedingt genießbar, was aber mit Sicherheit an den blöden Plastikbechern lag, aus denen selbst mein Holsten am Zelt nicht so gut schmeckte. Genug übers Bier, widmen wir uns lieber Wein, Weib und Gesang. Die schottischen Metaller Alestorm treten gleich zu Beginn Ihres Sets 'ne ordentliche Party los. Das Publikum geht gut mit und die Band überzeugt durch eine gute Live Performance. Zeit auch mal einen Blick ins den Hangar zur Stardust Stage zu werfen. Die Rheinländischen Tornapart präsentieren vor ziemlich leerem Haus ihre Mixtur aus Metal und derben Techno Beats. Der fies grunzige Wechselgesang ergibt mit dem brachialen Moder-Metal ein stimmiges Gesamtpaket das sich unterm Strich als positive Überraschung entpuppt. Düster wurde es nun wieder auf der Hauptbühne. Keep of Kalessin prügeln sich durch Ihr Set und bereiten mir den Weg für Sabaton. Ihr Auftritt als Vorband auf der letzten HammerFall Tour überzeugte mich vollends. Auch heute steigen die Schweden als absolutes Schwergewicht in den Ring. Es dauerte nicht lange bis die Menge standesgemäß „Noch ein Bier“ skandiert. Vortuner Joakim Brodén beherzigt alles was einen charismatischen und mitreißenden Frontmannes ausmacht. Ihm gelingt es mit wenigen Worten das Publikum in seinen Bann zu ziehen, keine Kleinigkeit ist so unwichtig das man nicht eine kleine Show machen kann. So kann man hier und da schmunzeln während man den bombastischen Metal genießt. Großartig! [tr]

Nachdem Kataklysm, meiner Meinung nach, den besten Gig des ersten Tages abgeliefert haben, war erstmal Verschnaufen angesagt. Die Apokalyptischen Reiter konnten anschließend nahezu ein Heimspiel feiern. Nach langem Intro und einer in weiß ausgeräucherten Bühne (''Es werde Licht'') traten Fuchs und seine Mannen auf die Bretter, um sich eine Stunde lang abfeiern zu lassen. Mit neuem Mann an der Klampfe wurde neue Energie freigesetzt und Klassiker wie ''Riders on the Storm'' und ''Der Adler'' kamen super bei den anwesenden Fans an. Nach guten 20 Minuten hatte ich dann aber genug. Die Reiter habe ich inzwischen so oft gesehen, also machte ich mich auf in den Hangar. Und was sich da entwickelte, war der Hammer!!! Aborted aus Belgien are in da House!!! Mit ultrafettem Sound wurde hier gemetzelt, was das Zeug hält. Auf CD ist die Band nicht durchgängig eine Stunde ''auszuhalten'', aber live ist die Band ne Macht und überzeugt mit ihren technischen Fähigkeiten. Das haben sie schon auf der Tour mit Heaven Shall Burn gezeigt. Besonders der kleine Milchbubi hinter dem Drumkit war einfach unglaublich!! 45 Minuten feinste Ware!!! Nun aber schnell wieder zurück zur Legacy Stage.

Satyricon auf dem Legacy Fest 2009
Satyricon

Der erste Headliner des Festivals, die Norweger Satyricon, sind jetzt angesagt. Nachdem ich die Band in Berlin und Halle auf Tour gesehen habe, nun hier auf dem Legacy. Und was soll man sagen!? 75 Minuten business as usual. Keine Überraschungen in der Setlist, routiniertes Stageacting und ein guter Sound wurde der Menge geboten. ''Black Crow on the Tombstone'' ist der Hit der Neuzeit von Satyricon, ''Sign of the Trident'' überzeugt mit dem massiven Doublebass-Geballer von Drummer Frost und ''Mother North'' hat die Band abschließend schon eine Million Mal gespielt...lach. Guter Auftritt, der dennoch keine Jubelstürme bei mir ausgelöst hat. Parallel knüppelten sich Callejon im Hangar nebenan durch ihren Gig. Ich habe nicht einen Song gesehen und gehört. Kein Verlust, schließlich hat die Band dieses Jahr gefühlte 734 Festivalauftritte gebucht. Also ging es dann Richtung Zelt, um ein gepflegtes Grunzerchen hinzulegen. Auf dem ''Heimweg'' warf ich dann noch einen kurzen Blick in den Hangar, um die Tokio Hotel des Metals zu begutachten. Sonic Syndicate aus Schweden spülten alles weich. Naja, nach einem Song hatte ich dann auch schon wieder genug. Der Schmalz lief mir nur so den Schultern runter. Eine Schnulze nach der anderen. Ich dachte schon, ich bin auf der falschen Veranstaltung!!! Also hieß es für mich....Gute Nacht und jut Grunz!! [tl]

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