07. August 2020


           
Metal Fest 2010

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 13.05. - 15.05.2010
Anlass: Legacy Fest auf dem Flugplatz in Dessau (Sachsen-Anhalt)
Autoren:
Langhammer [tl], Olaf [od] & Torsti [tr]

Epilog

Was für eine Tortur dieses Festival werden würde, war uns im Vorfeld noch nicht so ganz klar. Fakt war, das es an diesem Himmelfahrts- und 1.Mai Wochenende räudig kalt werden sollte und wir aufgrund dieser Sachlage jeden Tag die 120 Kilometer nach Hause fuhren, um dem nächtlichen Kältetod zu entgehen. Jaja, ich weiß, nicht besonders true, aber drauf geschissen. 3 Mann, 3 Autos, 3 Fahrten…das passte. Doch das das Wetter dermaßen Kapriolen schlagen würde, konnte ich mir in meinem kühnsten Träumen nicht vorstellen.

Bei wolkenverhangenem Himmel starteten Langhammer, Christian und meine Wenigkeit am Donnerstag früh unseren Ausflug nach Dessau, einzig mit unserem niegelnagelneuen Faltpavillon (69,95€) und einigen Stiegen Bier ausgestattet. Ich war nach Ankunft allerdings heilfroh, dass ich im Kofferraum meines Autos noch eine Jacke fand, denn schon jetzt an diesem ersten Festivaltag war es saukalt. Nachdem wir uns mit Torsti und seiner besseren Hälfte Jessy getroffen hatten, stellten wir beim Aufbau unseres niegelnagelneuen Faltpavillons (69,95€) fest, das eine Querstange durchgebrochen war. Doch Goatlob hielt das Teil und wir hatten zumindest einen kleinen Windschutz. Nach einer kleinen Geländebegehung bei der wir feststellten, dass sich im Gegensatz zum letzten Jahr nichts verändert hatte, fanden wir den bereits vorbereiteten Verkaufspavillon für das langersehnte Bolt Thrower Merchandise, welcher bereits Stunden vor der Öffnung bereits von einigen Verwegenen belagert wurde, zu denen wir uns etwas später hinzugesellten, um für sagenhafte 10€ pro Shirt mächtig einzukaufen. Doch lange Rede, kurzer Unsinn, es ward Zeit, sich der Mucke zu widmen… [od]

Kalt, nass und Metal
Kalt, nass und ordentlich Metal!

Donnerstag, 13.05.2010

Frühschicht für Olaf hieß es nun, der sich mit leicht knurrenden Magen und vor Kälte schlotternd aufmachte, um die ersten Bands des Tages abzuchecken. Der denkbar undankbarste Job der Festivaleröffnung lag um 12:00 Uhr auf der Hauptbühne in den Händen der Bajuwaren von Legio Mortis, die in ihrer nunmehr 13jährigen Bandgeschichte auf 3 Alben und diverse Liveaktivitäten zurückblicken können. Dennoch schien der etwas krude Mix aus Black und Death Metal kaum jemand bekannt zu sein, denn die Hauptaktivitäten der spärlich anwesenden Headbanger beschränkte sich auf die Pizzabude und den danebenliegenden Frittenstand, der mit einem Kurs von 3,50€ für die frittierte Köstlichkeit aus Belgien den Sinn des Kapitalismus mehr als verstanden zu haben schien. Jedenfalls war der 30minütige Auftritt des Sextetts aus dem Bayenrländle keine großartige Eigenwerbung und blieb nicht lange haften.

Zu den eben erwähnten Ständen zur fettarmen Nahrungsaufnahme sei noch negativ zu erwähnen, dass es nirgends einen einfachen Bratwurst und Nackensteak Stand gab, sprich eine einfache Grillhütte, um sich mit angekohlten Säugetierresten zu versorgen. Dafür wurde man mit ziemlich pampigen Nudeltöpfen, die mit dem „Asiatischen“ nur die Herkunft des Bedienpersonals was gemeinsam hatten, oder fetten Pizzabrocken, die mehr als Kuchen durchgegangen wären und so scharf waren das man genötigt wurde, sich ein weiteres Bier hinter den Knorpel zu schütten. Das war allerdings exzellent, obwohl mir die Marke „Brauschluck“ so auch noch nicht bekannt war.

Nicht nur die geografische Nähe zu unserem östlichen Nachbarn Polen war der Grund, weshalb auf dem Metalfest sehr oft die slawische Sprache zu hören war, denn neben den großen Bands wie Behemoth, Vader oder Decapitated kamen auch die etwas Kleineren zum Zug, wie im Falle von Trauma, die gegen 12:45 für eine halbe Stunde die Bühne ihr Eigen nennen durften. In Polen seit 20 Jahren aktiv, doch hierzulande relativ unbekannt, trat der Vierer allerdings ordentlich Arsch und konnte mit ihrem Todesblei akkurat Stimmen sammeln. Der Sound war allerdings, ähnlich wie bei Legio Mortis vorher, ein einziger Brei und viel zu leise. Dennoch eine ordentliche Darbietung des Vierers.

Nun war die erste Schwarzwurzelband am Start und Negator aus Hamburg schickten sich an, die vorhandene Kälte noch zu verstärken. Das sich die Band mit ihren zwei bereits veröffentlichten Alben „Old black“ und „Die eisernen Verse“ scheinbar eine respektable Fanbase erspielt haben, war vor der Bühne nun auch etwas mehr Bewegung. Diese wurde sogar noch verstärkt, als das Trio Songs ihres neuesten Werks „Panzer metal“ zum Besten gab und das Publikum prima mitging. Nachtgarm war mächtig am keifen und auch sonst gab es an der halbstündigen Präsentation wenig auszusetzen. Daumen hoch.

Die für mich letzte Band auf der Hauptbühne war heute die schwedische Power/Speed Metal Kombo Enforcer, die mich mit ihrem kürzlich veröffentlichen Album „Diamonds“ mächtig abnervten, live aber durchaus zu gefallen wussten. Der Fünfer aus Uppsala war agil, ständig in Bewegung und die Leute gingen mehr als gut mit. Musikalisch war es ein Trip weit zurück in die Achtziger, was durch die Bühnenklamotten (jede Menge Haarspray, knallenge Spandexhosen und Tonnen an bunten Tüchern) optisch noch aufgewertet wurde. Dennoch wurden die melodischen Speed Metal Granaten vom doch recht Thrash/Death/Black Metal orientierten Volk gut angenommen und es hagelten mehr als den üblichen Höflichkeitsapplaus. Die 40 Minuten vergingen echt wie im Flug und ich sah mich dazu genötigt, wohlwollend mit dem Kopf zu nicken. [od]

Arkona auf dem Metal Fest 2010
Bei der Kälte war das Fell eine gute Wahl: Arkona

Hätte man mir vorher gesagt das der Donnerstag noch der schönste Festivaltag werden sollte hätte ich den Weg nach Dessau wohl nicht angetreten. Aber wo wir dann schon mal vor Ort waren, unsere Zelte aufgeschlagen und mit der Verköstigung von Pils begonnen hatten war es auch bald an der Zeit das Gelände zu betreten.

Die aus Russland stammenden Arkona boten Heavy Metal. Die Frontfrau konnte mit Ihrer Vodka geschwängerten Stimme mein Gehör jedoch nicht sonderlich erfreuen. Das Publikum schien ebenfalls noch etwas träge zu sein. In eine ganz andere Kerbe schlugen da schon die Suicidal Angels. Das Griechenland nicht nur das Land des untergehenden Euros ist, sondern auch feine Thrash Bands hervorbringen kann bewies eben jene Combo. Präzise wie ein Maschinengewehr feuerten sie aus allen Rohren. Vor der Bühne starteten auch die ersten Helikopter in Form von kreisenden Schädeln.
Es machte sich zum ersten Mal an diesem Tage ein Gefühl der Wärme in meinem Körper breit, dieses sollte jedoch schnell wieder weichen als Leaves Eyes auf der Bühne standen. Für Fans des Genre sicher ein toller Act für mich heute absolut daneben. Allein schon für die Ansage: „Hey, Dessau! Haltet uns warm.“ verdient sich das Gothic-Metal Gespann schon den Mittelfinger. Wenn es die Band nicht schafft das Publikum anzuheizen verdienen sie sich auch nicht meinen Applaus.
Der vierte Act für mich am heutigen Tag bedeutete auch den vierten Genre Wechsel. Mit Saltatio Mortis tauchten wir ab ins Mittelalter. Die zur hälfte runderneuerte Band hatte ihre Stromgitarren dabei und sorgte mit Pyro Effekten in den ersten Reihen für etwas angenehme Wärme. In dem 45minütigen Set brachten sie alle wichtigen Songs unter. Die „neuen“ fügten sich nahtlos ein, qualitativ der beste Auftritt bis dato. [tr]

Zur nachmittäglichen Schicht verschlug es mich dann in den Hangar, allerdings nicht bevor ich mich mit einigen Steaks proteintechnisch aufgepäppelt hatte, womit ich Blackjack und 12 years of silence verpasste und erst zur neuen deutschen Black Metal Hoffnung Thulcandra die muffige Halle betrat, was sich im Nachhinein aber als vortreffliche Entscheidung erwies. Mit den richtig geilen Songs ihres bei Veröffentlichung dieses Artikels bereits in den Regalen stehenden Debüts „Fallen angel’s dominion“ ballerte sich die Truppe umgehend in mein Herz, was auch an dem wirklich vernünftigen Sound lag. Zu Langhammers extremster Verzückung holten die Jungs dann mit „The somberlain“ auch noch ein olles Dissection Cover aus der Mottenkiste und sorgten bei meinem rothaarigen Mitstreiter für eine saftige Ejakulation ins eigene Beinkleid. Danach allerdings langweilten mich die Ungarn Virrasztok aufs schärfste und auch die griechische Apokalypse Maschine Rotting christ prügelte sich durch ihre 45 Minuten, die mir bereits nach 2 Songs wie 2 Stunden vorkamen. Fürchterlich, doch den Leuten schien es zu gefallen. [od]

Nevermore aus den USA waren nun mit ihrem Auftritt an der Reihe. Warrel Dane betrat mit seltsamen Rockstargehabe die Bühne und versuchte somit die Massen in Bewegung zu bringen. Ganz schlimm. Nach anfänglichen Soundproblemen steigerte sich die Band in ihren Set, obwohl der weinerliche Gesang von Warrel nun gar nicht mein Geschmack ist. Auf CD klingt die Band wesentlicher druckvoller. So war der Auftritt für mich nur ein laues Lüftchen. Aber kein Problem...die Highlights kommen ja erst noch.

Warrel Dane (Nevermore) auf dem Metal Fest 2010
Für die einen ein Lüftchen, für die anderen die längste Praline der Welt: Nevermore

(Anmerkung von Olaf: Laues Lüftchen? Wohl eher ein Furz, der dir quer saß, mein Lieber. Nevermore waren tight wie Sau und Warrel Dane gut bei Stimme, wenn sein Mikro mal mitgemacht hätte. Die besch…eidene Bühnentechnik machte da leider nicht ganz mit. Ansonsten eines meiner großen persönlichen Highlights des (meteorologisch) beschissenen Wochenendes.

Die Finnen Korpiklaani sind mittlerweile auch auf ''jedem'' Festival zugegen, um mit ihrem ''Party-Metal'' müde Geister zum Leben zu erwecken. Die Partygemeinde ist aber willig und die ersten Crowdsurfer sind zu sehen. Mir war es relativ wurscht, was da abging. Ich freute mich mehr auf das frisch erworbene Bolt Thrower Merchandise (was bei mir natürlich viiiiel besser aussieht, als bei Dir-Olaf) und zog für ein kleines Päuschen Richtung Zeltplatz von dannen, um dann gleich für Legion Of the Damned gewappnet zu sein.

Die 4 Niederländen konnten nun mit 50 Minuten brachiale Gewalt aufwarten. Genau der richtige Appetithappen, um bei Bolt Thrower richtig steil zu gehen. Das Bühnenwild sah gewaltig aus. Ein nicht zu übersehenes Backdrop und Pyros wurden aufgefahren. Mit ''Legion of the Damned'' und ''Malevolent Rapture'' ging es dann fulminant los und schon nach den ersten 10 Minuten war klar...hier werden keine Gefangenen gemacht. Der Sound war gut, Sänger Maurice Swinkel war bester Laune und mit Hits wie ''Son of the Jackal'' und ''Bleed for me'' kann man einfach nichts falsch machen. Das ist ganz grosses Hitpotenzial. Die Meute vor der Bühne war voll bei der Sache. Das abschließende ''Werewolf Corpse'' reißt uns noch mal alle Gedärme aus dem Leib. Wir gönnen uns nun 20 Minuten Pause und dann kam der Headliner des Abends!!

Bolt Thrower kamen und wollten den Sieg!! Das Intro der Band erklang, die Bühne war in dunkelblauem Licht eingehüllt und die ersten Töne von ''The Fourth Crusade'' waren zu hören. Leider hatte die Band zum Anfang arge Soundprobleme. Die Gitarren waren zu leise und der Gesang von Karl Willets war nicht zu hören. Gott sei Dank wurde der Sound nach dem dritten, vierten Song besser...man konnte dann behaupten...die Wand stand!!! ''The Killchain'', ''For Victory'' und die Zusammenführung von ''World Eater'' und ''Cenotaph'' sind Alltime-Klassiker!! Keine Band auf diesem Planeten kann so viele Hits für sich verbuchen (Doch!!! Modern Talking *brüll*-Olaf). Sänger Karl strahlte nun wie ein Honigkuchenpferd, Drummer Martin trommelte wie ein Uhrwerk und das Gitarren/Bass-Trio um Barry Thompson, Gavin Ward und Jo Bench bangten synchron vom Feinsten. Nach 60 Minuten war der Headliner Slot zu Ende. Leider!!! Bolt Thrower sind und werden immer ein Erlebnis sein. Einfach einmalig!!! [tl]

Bolt Thrower auf dem Metal Fest 2010
Der Glöckner von Bolt Thrower

Nach diesem Trommelfeuer aus den Kanonen der Englischen Death Metal Pioniere war es an der Zeit „Lebewohl“ zu sagen und die knapp einstündige Heimreise ins warme Bettchen anzutreten. Christian pennte, die Langhammers (Günther war nur wegen Bolt Thrower nach Sachsen Anhalt gereist) schwiegen vor sich hin, es war sehr erholsam. Gegen dreiviertel Zwei sank mein Haupt auf mein dickes Schaumstoffkissen und Morpheus umschlang mich herzlich. [od]

Die Nordmänner sind los! Tyr machten in der kleinen Halle mächtig Stimmung und boten einen Siegeszug der seines gleichen suchte. Wenn die Färinger einen Song in ihrer Heimatsprache anstimmen klingt es zu beginn ein wenig als hätte man Eläkeläiset Gitarren in die Hand gegeben, zur besseren Völkerverständigung Triumphiert Quartett aber auch in Englisch und setzt sich mit Ihren Wikinger Gewandungen von den Schwedischen Blödeln ab.

Wer es gern strange und düster mag, der war für den Moment bei Dornenreich gut aufgehoben. Die Black-Metaller schafften eine Stimmung die passend zur Musik ein perfektes Feeling verströmten.

Wer in den letzten Wochen die Fachpresse unserer Szene aufschlug kam an den großflächigen Anzeigen von Steelwing kaum vorbei. Zumindest der Bandname hatte sich schon in mein Gedächtnis eingeprägt, hier war die beste Gelegenheit um mir ein musikalisches Bild zu machen. Die Schweden präsentierten Songs ihres frischen Albums Lord of the Wastelands, die irgendwo zwischen Hellacopters und HammerFall ihren Platz finden. Nicht überragend aber auch nicht verkehrt.

Den Rausschmeißer für den ersten Festivaltag gaben Cauldron. Mit tiefen Gitarren erhaschten sich die Kanadier schnell meine Aufmerksamkeit, der etwas lieblose Gesang und die subtile Songstruktur ließen den Auftritt schnell verzichtbar werden. Da ist definitiv noch Potential nach oben. [tr]

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