17. April 2024


           
Party.San Open Air 2013

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 08.08. - 10.08.2013
Anlass: Party.San Open Air in Schlotheim (Thüringen)
Autoren:
Chris [ct], Jessi [jp], Langhammer [tl], Tino [ts] & Torsti [tr]
Die Fotos schossen: Chris, Tino & Torsti

Samstag, 10.08.2013

Nach dem gekreische und der dreimalig gespielten „Poison“-Cover Version von Bonsai Kitten im Zelt bin ich froh mit Skeletal Remains endlich richtig was auf die Ohren zu bekommen. Die US-Amerikaner haben definitiv sehr oft Asphyx und Konsorten gehört, denn nicht nur stimmlich kommt Sänger Chris Monroy den Niederländern nahe auch musikalisch bietet das Quartett viel Doom-Death der Holländischen Schule. Marc Grewe (Morgoth) kommt zum letzten Song auf die Bühne und verhilft den etwas schüchtern wirkenden vier zu etwas mehr Präsenz und heizt das Publikum noch mal ordentlich an.
Procession servieren an diesem Morgen für mich sehr zähe Kost. Kein Wunder für eine Doom Band eigentlich, aber die Kombination mit dem hohen Gesang sorgt bei mir eher für Ohrenbluten. Die Chilenen machen Ihren Job nicht schlecht, ich ziehe es aber vor am Camp lieber noch mal ein Bier einzuwerfen und selbst bis dahin ereilte mich das Jaulen von Felipe Plaza.

Skeletal Remains auf dem Party San 2013
Skeletal Remains

Hooded Menace treffen da schon besser in meine Kerbe. Zwar haben die Finnen den highspeed auch nicht erfunden aber die tiefen Growls sorgen schon für ein innerliches Grinsen. Die fünf Jungs haben Ihre Instrumente voll unter Kontrolle, können zwar aufgrund der musikalischen Ausrichtung kein Jubelsturm entfachen, aber finden unter den Leuten auf dem Platz dankbare Zuhörer.
Kommen wir nun zu meinem Tages-Highlight. Die Schwedischen Death-Metaller Demonical sind für meinen Geschmack zwar etwas früh dran, aber so kann ich wenigstens noch ein kühles Bierchen zischen während die vier Schlotheim zeigen was 'ne Kannte ist. Neben dem obligatorischen „Through hellfire“ gewähren Demonical mit „Darkness unbound“ auch einen Einblick in das kommenden, gleich betitelte neue Album. Der Song fügt sich nahtlos in das Soundgebilde ein und wer es mag, sollte sich schon mal das Release Datum 20. September notieren.
Mit Tsjuder war es Zeit für alle Black-Metaller aus den Camps nach vorn zu kommen. Wie es sich für ordentliche Schwarzwurzler gehört, gibt es 'nen ordentlichen Corpse Paint. Die Gitarren klirren kalt wie norwegische Winternächte und die Atmosphäre ist so düster das einem die Sonne an diesem Tage dunkler als sonst vorkommt. Neben diversen Sonnenbränden holten sich diverse Fans auch ein Stück Lebenselexier ab. Selbst für mich ein gelungener Auftritt. [tr]

Tsjunder auf dem Party San 2013
Tsjunder

Die Münchner Obscura sind inzwischen eine angesagte Nummer im Technical-Death Metal Sektor! Steffen Kummerer (mit neuer Friseur) und seine Mannen zauberten ein wahres Frickelbrett auf die Bühne. Schon Wahnsinn mit welcher technischen Selbstverständlichkeit Obscura ihre Instrumente beherrschen. Vom feinsten. Songs wie „Septuagint“ oder „Vortex omnivium“ zeigen die Fertigkeiten der Band besonders. Okay, die Fans rasteten bei der Mucke nicht wirklich aus, aber ein Augenschmaus war es allemal den Deutschen zuzuschauen.
Helrunar waren für mich dieses Mal ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bin ich ein grosser Fan der Band, aber ich hatte die Münsteraner in den letzten Jahren wirklich sehr oft live gesehen und das letzte Studioalbum Sol ist nun auch schon fast drei Jahre alt. Also mit welchen Überraschungen war zu rechnen??? Mit keinen! Unterm Strich fand ich aus dem Grund den Auftritt relativ langweilig, auch wenn Songs wie „Frostnacht“, „Unter dem Gletscher“ oder „Älter als das Kreuz“ natürlich Klasse sind. Aber eben schon 1000 mal gehört.
Desaster aus Koblenz sind dieses Jahr echt angesagt. Das Quartett schrotete ihren dreckigen Thrash Metal mit leicht schwarzen Einschlag in die Menge und die Fans frassen Desaster aus der Hand. „Tyrants of the
Netherworld“, „Phantom funeral“ oder das von Slayer gecoverte „Black magic“ passten an diesem Nachmittag mit tollem Sonnenschein wie die Faust aufs Auge.

Desaster auf dem Party San 2013

Ohje...und nun kommen die finnischen Chaoten von Impaled Nazarene. Entweder man liebt sie oder man hasst sie! Dazwischen gibt es wohl nur wenig Spielraum! Die Mannen aus Oulo verspäteten sich um einige Minuten, da unterwegs der fahrbare Untersatz kaputtgegangen war und die Organisatoren ein anderes Fahrzeug besorgen mussten. Mit gut 30 Minuten ging es dann aber auf die Bretter und die Finnen ballerten so vor sich hin. Unsere Bekannten vom Metal Impetus nannten die Mucke einfach nur sinnloses Gerödel. Dem kann ich nichts weiter hinzufügen. Sorry, überhaupt nicht mein Fall. [tl]

Die Zeltbühne

Die für mich erste Band auf der Tentstage überraschte zunächst durch die volle Hütte. Der Nordrheinwestfälische Fünfer Erazor hat sich ganz dem 80er Jahre Thrash Metal verschrieben und zockt eine Keule nach der anderen in angenehmen Tempo herunter. Markante Leads und flotte Soli, ganz wie Sacred Reich, Testament oder Overkill es hätten vorgeben können. Feiner Gig!
Die nun gut aufgeheizte Stimmung konnten die Death Metaller von Deathronaton nahtlos fortführen. Kompromisslos bomben sie sich durch ihr 45 Minuten Set und liegen dabei musikalisch irgendwo zwischen alten Suffocation und Desaster.
Tonnenschwerer Death Metal, brachial wie wenn Immolation und Morbid Angel ein Kind gezeugt hätten, welches auf den Namen Sulphur Aeon hört. Das ist das Qualitätsprodukt aus dem Ruhrgebiet. Ich sehe die Jungs gerade zu ersten Mal und gestehe ein Highlight für mich entdeckt zu haben. Mastermind Thorsten ist auch kein unbeschriebenes Blatt und hat schon bei Through the Ashes und Symbiontic ein paar echte Warhammer komponiert. Sehr geiler Gig, sauber umgesetzt und die Menge brodelt. Höchstpunktzahl! [ct]

Bis zum RockHard Festival hatte ich Attic ja nicht auf dem Schirm, aber schon da gefielen mir die Metaller auf Anhieb. Hier passt alles zusammen, die Bühnenoptik, die Musik. Prima! Um so besser das heute die Zeltbühne heimgesucht wird, denn hier kommt auch die Show gut herüber. Zwar passt die Band mit Ihrer musikalischen Ausrichtung zu alten King Diamond und Konsorten eher weniger ins Party.San Billing, aber ein Farbtupfer ist jederzeit herzlich willkommen. Das Zelt ist gut gefüllt und die Band nimmt den Applaus dankbar an. Doch eine halbe Stunde ist schlichtweg zu kurz, der Auftritt hätte meinetwegen gern länger andauern können.
Die Hausband von War-Anthem Records, Purgatory, darf den Tag auf der Zeltbühne beschließen. Diesmal ist das Zelt nicht so voll wie zuvor bei Attic. Aber auch die deutschen Death Metaller haben bereits etliche Anhänger die wild Ihre Haare kreisen lassen. Der druckvolle Death mit Geschwindigkeit weiß zu überzeugen. Weiter so Jungs! [tr]

Die Headliner

Nachdem sich in den vergangenen Jahren nahezu das gesamte Who-is-who der deutschen Thrash Metal Szene auf dem Party San präsentiert hat, wird es Zeit für einen weiteren grossen Namen: Destruction. Sie haben es endlich geschafft. Los geht es gleich mit „Thrash 'til death" und „Nailed to the cross", passend dazu eine amtliche Feuershow. Für das Publikum ein Augenschmaus, für die Fotografen im Fotograben ein Graus. Trotz einer mittlerweile mehr als zwanzig minütigen Verspätung ist die Stimmung vor und auf der Bühne großartig. Die Songauswahl des Trios ist klasse und trifft mit Tracks wie „Eternal devastation", „The butcher strikes back" und „Bestial invasion" voll ins schwarze. Schmier und seine Mannen haben sichtlich Spaß an ihrem Auftritt. Stumpfer Thrash Metal in Reinkultur mit druckvollem Sound- Metallerherz was willst du mehr?
Dann ist auch schon wieder meine Laune auf einem neuen Tiefstand. Grund ist diese Humpa Band, namens Korpiklani. Eine breit gefächerte Musikauswahl ist ja gut, aber das geht mir echt zu weit. Für mich ist diese Band einfach fehl am Platz, besonders mit einem so später Slot. Glücklicherweise denke ich nicht alleine so und zack, fliegt auch schon ein Bierbecher. Nicht mein Ding und endlich mal Zeit, sich um das leibliche Wohl zu kümmern. Halber Hahn ich komme.

Carcass auf dem Party San 2013
Carcass

Gut gestärkt, geht es wieder Richtung Bühne. Da wird gerade ordentlich gewerkelt, denn nun steht eines meiner großen Highlights auf dem Plan- Carcass. Endlich, darauf haben wohl schon viele Metaller lange gewartet. Fronter Jeff Walker hat langsam eine Ausstrahlung wie Lemmy. Den zweiten Gitarrenpart erledigt jetzt Ben Ash, für den ausgestiegenen Michael Amott. In meinen Augen ein guter Ersatz. Die mächtige Soundwand weht Old School-Klassiker wie „"Symposium of sickness", „Inpropagation ", „Ruptured in Purulence" und natürlich das legendäre „Corporal Jigsore Quandary" über die Menge. Wie geil und dass sehen wohl die meisten hier so. Sehr viele haben sich ihre Kraft zum headbangen bis jetzt aufgehoben. Das Liverpooler Quartett liefern eine Hammershow ab und ich kann es kaum erwarten, sie im Winter auf Tour zu sehen. Als Rausschmeisser darf dann auch das grandiose „Heartwork" nicht fehlen. Ja, was soll man zu Carcass noch groß berichten, ausser dass es einfach nur geil ist???

Traurig aber wahr: Der letzte Act steht an. Auf diese Band haben wohl mindestens soviele Metalheads hingefiebert, wie auf den Co-Headliner. Venom aus dem englischen Newcastle. Nach meiner letzten Venom Show im Jahre 2000 bin ich doch etwas gespannt. Damals war ich ziemlich enttäuscht. Dieses Mal gibt es keinen riesigen Laufsteg, dafür von Beginn an mächtig auf die Fresse. „Witching Hour" und „Welcome to Hell"- Großartiger Einstieg und Cronos wirkt frisch und hochmotiviert. Mit seinen neuen Mitstreitern ist er mittlerweile auch schon einige Jahre aktiv und es scheint zu klappen. „Live like an angle", „1000 days in Sodom" und das schleppende „Buried alive" donnern aus den Boxen und blasen bis in die letzte Reihen alle Gehörgänge frei. Wahnsinn, was da für eine Power rüberkommt. Das hätte ich wirklich nicht für möglich gehalten. Aber wenn man nicht viel erwartet, kann man auch nicht enttäuscht werden. Dann geht es Schlag auf Schlag und ein Klassiker jagt den nächsten: „Countess Bathory", „Seven gates of hell", „Warhead" und schließlich die Überkracher „Black Metal" und „In league with Satan". Venom spielen sich an diesem Abend- äh, nunmehr Nacht, in Ekstase und das Metallermeer schwelgt in Erinnerungen. Einfach nur geil, da geraten die zeitweiligen Feuersäulen zur Nebensache. Um nicht mit einer Dauererektion zurück zu müssen spielt das Trio als Zugabe noch „Pedal to the Metal". Nach dieser Setlist doch eher etwas zum abkühlen. Dennoch spielen Venom eine grandiose Show und jeder verlässt wohl mit feuchten Augen oder feuchter Hose das Gelände. [ts]

Venom auf dem Party San 2013
Venom

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