17. April 2024


           
Party.San Open Air 2017

 

 

 
         
 

Bericht

Am:10.08. - 12.08.2017
Anlass: Party.San Open Air in Schlotheim (Thüringen)
Autoren:
Jens [jw], Tino [ts] & Torsti [tr]
Die Fotos schossen: Tino & Torsti

Freitag, 11.08.2017

Zu einer vernünftigen Morgen Toilette gehört auf dem Party.San einfach eine Portion Grindcore. Fröhlich versammeln sich in spanndex und Tierkostümen gehüllte Metaller, mit Klobrille um den Hals und Schwimmtier im Schwitzkasten. Kunst erlaubt alles und so ist der kreisende Mob vor der Bühne ein spektakel, dass einem die Schwerkraft, die der blaue Planet heute auf den Körper auswirkt, gar nicht ganz so schmerzlich erscheinen lässt. Im Prinzip ist egal was hier aus den Lautsprechern schallt, gegurgel, geknarrze, was auch immer, da stört es auch nicht das Gut seit über 10 Jahren kein neues Album mehr raus gehauen haben.

Gänzlich ohne Jux und Dollerei kommen die Finnen Demilich daher. Ihre seltenen Live Auftritte, machen diesen Morgen zu einem Pflichtprogramm für alle Death Metaller. Das Geschrohte findet schnell Gehör. Trotz ihres kompromisslosen gehämmer kommen immer wieder melodiöse Riffs zum Einsatz, das der Veranstaltung eine gute dynamik verleiht und genau das richtige ist um den Kater-Kopfschmerz aus dem Schädel zu bangen.

Schon auf dem Keep it True haben Demolition Hammer keinen Stein auf dem anderen belassen, das die New Yorker aber zu einer derartigen Steigerung fähig sind, hätte nicht mal der kühnste Tagträumer erdenken können. Das Quartett sorgt jedenfalls für einen ordentlichen Moshpit und die Schar vor der Bühne wird mit jedem Song größer. Klassiker der Marke "Hydrophobia" oder "Infectious hospital waste" sind auch nach über 25 Jahren unkaputtbar, genau wie die Band selber. Hier passte einfach alles, Sound, Performance und trocken blieb es auch. Wem das immer noch nicht reicht, der sollte beim nächsten Auftritt von Demolition Hammer einfach ein Trinkspiel starten und für jedes "Fuck" in den Ansagen einen kurzen trinken, dann hat sich das mit der Nüchterheit auch flugs erledigt.

Demolition Hammer auf dem Party.San Open Air 2017
Demolition Hammer

Nach der für mich besten Band des Festivals auf die Bühne zu müssen ist wahrlich keine dankbare Aufgabe. Kalmah, mit Ihrem Sound irgendwo zwischen Amon Amarth und den Children of Bodom haben es da ohnehin nicht ganz so leicht. Dennoch mühen sich die Finnen redlich das Level zu halten, angesichts des starken Demolition Hammer Auftrittes jedoch wirkt das ganze etwas fad. Seit dem sehr guten The black waltz von 2006 ist die Band etwas aus meinem Fokus verschwunden und heute schaffen sie es nicht, den wieder auf sich zu lenken. Schade. [tr]

Zum ersten Mal sollte es am zweiten Tag des Festivals so richtig wild vor der Bühne werden. Vital Remains aus den USA sollte die verantwortliche Band sein. Besonders Frontmann Brian Werner sorgte mit seinen provokanten Gesten und Aussagen dafür, dass die anwesenden Massen in Rage kommen. Kaum auf der Bühne wurde erstmal die Bibel verbrannt und los ging die wilde Fahrt. Als es Brian nach 2-3 Songs zu ruhig ist, fordert er den ersten Circle Pit! Es dauerte nicht lange und die Leute rasteten aus. Mittlerweile war der Sänger mitten im Pit und heizte die Leute richtig an. Musikalisch gab es auch das volle Brett. Mit „World without God“ gab es sogar einen brandneuen Track, der Lust auf mehr macht. Besonders erwähnenswert waren auch die beiden Gitarristen Tony Lazaro und Dean Paul Arnold, die die anspruchsvollen Parts und Solis wie im Schlaf runterzockten. Beim abschließenden „Dechristianize“ brachen noch einmal alle Dämme. Alles in Allem ein sehr überzeugender Gig.

Uada, ebenfalls aus den USA, werden aktuell in der Black Metal-Szene als einer der hoffnungsvollsten Acts gefeiert. Mit ihrem Debütalbum Devoid of light startet das Quartett ordentlich durch und schon stehen sie auf der Mainstage des Party San Festivals 2017. Unter Kapuzen versteckt, zelebrierten die Amis ihren atmosphärischen Black Metal, der im Nachmittagslicht vielleicht nicht wirklich zur Geltung kam, aber musikalisch richtig Bock machte! Diese Band sollte man in den nächsten Jahren auf jeden Fall auf dem Zettel haben. Der Sound war in Ordnung und der Titeltrack hat eine sehr coole, einprägsame Melodie. Großartig. Summasummarum ein cooler Auftritt der Jungs.
Parallel gab es auf der Tentstage auch Schwarzmetall! Verheerer aus dem Norden Deutschlands kredenzten ihren Black Metal in vielversprechender Art und Weise. Archar heisst die Debüt EP, ein sehr gelungenes Scheibchen. Weiter so. Kosmokrator aus Belgien gehen auch sehr düster zur Sache. Wobei da doch einige Death Metal Anleihen und experimentelle Züge zu verzeichnen sind. Nicht unbedingt mein Ding in dem Fall. Kringa aus Österreich waren mir ehrlich gesagt zu abgedreht, so das sich nach einigen Augenblicken das Zelt wieder verlaß. Auf der Hauptbühne gaben sich die Finnen Moonsorrow die Ehre! 45 Minuten Spielzeit?! Okay, das macht 4 mal einen majestätischen Ritt in die epische Welt von Moonsorrow. Etwas schade, denn der Sound war wirklich ein wenig dünn. Die beiden Gitarren waren viel zu leise. Und das trägt natürlich den Gesamtsound von Moonsorrow. Ansonsten gab es meiner Meinung nach Business as Usual. Ich habe die Band schon besser gesehen, aber dennoch war der Auftritt in Ordnung. Aura Noir aus Norwegen kann ich objektiv nicht beurteilen, da das Gemurkel der Band überhaupt nicht meine Baustelle ist. Von daher springen wir einfach zum nächsten Künstler. Sorry dafür. [tl]

Moonsorrow auf dem Party.San Open Air 2017
Moonsorrow

Die polnische Death Metal Institution Vader haben sich die letzten Jahr live rar gemacht. Gab es in den 90ern und frühen 2000ern noch Vader satt zu bewundern, muss man heute schon länger warten, um den Vierer zu Gesicht zu bekommen. Von den letzten zwei Shows um Fronter Piotr war ich nicht sonderlich begeistert, obwohl diese Band lange zu meinen absoluten Favoriten gehörte.
Bei leichtem Nieselregen entern Vader die Bühne und überraschen mich mit einer abwechslungsreichen Setliste, die unter anderem meine persönlichen Lieblingssongs „Silent empire“, „Dark age“ und „Carnal“ beinhaltet. Das Quartett hat mich schnell wieder, wie schon in den 90ern, in seinen Bann gezogen. Viel Energie die das „neue“ Line up inzwischen rüber bringt. Ok, die jetzige Besetzung ist auch schon wieder sechs Jahre aktiv...
Nach diesem Auftritt muss ich eingestehen, dass Vader zu alten Stärken zurück gefunden haben und sich neu erfunden haben, auch ohne Doc und Mauser. Echt stark und ich werde die Jungs wohl im Auge behalten müssen.

Schnell rüber auf die Tentstage- steht auf meiner Liste. Hier zelebrieren Nailed to Obscurity ihren melodischen Death Metal. Das Quintett ist mittlerweile auch schon seit zwölf Jahren im Geschäft und haben bislang drei reguläre Alben veröffentlicht, womit sie sich im Underground eine respektable Fanbase erspielt haben. Gute Stimmung im Zelt, aber nach einigen Songs muss ich dann doch mal etwas Nahrung meinem Körper zufügen, ebenso muss ich was für meinen Flüssigkeitshaushalt tun...
Auch der folgende Act auf der Running Order hat sich die letzten Jahr eher selten blicken lassen in unseren Landen. Die Rede ist von den Ägytischen Mythologie Deathern von Nile. Kopf des Quartetts, Karl Sanders hat sich mit Brad Parris und Brian Kingsland neue Verstärkung in die Saitenfront geholt. Das Nile etwas besonderes sind, zeigt sich auch auf der aktuellen Tour, auf der sie auch ungewöhnliche Ziele wie Tel Aviv und Dubai ansteuerten.
Schon nach den ersten Songs werden die Süd Californier gebührend gefeiert. Die Neuzugänge haben sich gut integriert und Nile sind wieder eine geschlossene Einheit. Mit Songs wie „Sacrifice unto Sebek“, „In the name of Amun“, „Unas slayer of the Gods“ und dem Kracher „Black seeds of vengeance“ wissen die Jungs, wie sie die Massen vor der Bühne in Extase bringen können. Wirklich ein geiler Gig und zurück bleiben zufriedene Gesichter soweit das Auge reicht.

Als Headliner auf der Undergroundstage stehen keine Unbekannten und warum eine Band wie Dew-Scented auf der Zeltbühne spielen, erschließt sich mir nicht wirklich. Gewohnt souverän zocken sich die Braunschweiger durch ihre Setlist. Mit neuem Drumer und gewohn sympathischen Fronter Leif Jensen macht der Fünfer einfach immer Spaß. Geiler Sound und das Zelt ist zu fortgeschrittener Stunde gut gefüllt und die Stimmung ist klasse.
Jetzt wird es langsam, schwer und düster. Eine weitere Musiklegende besteigt die Bretter. Die Rede ist von keinem geringeren, als der schwedischen Doom Macht von Candlemass. Seit 34 Jahren ist die Band um Gründer und Bassisten Leif Edling aktiv und begeistern mit ihrem epischen Doom Metal. Das erste und bis dato letzte Mal hab ich das Quintett in Wacken vor einigen Jahren gesehen, damals noch mit Messiah Marcolin am Mikro, der mich absolut beeindruckt hat. Seit 2015 hat diese Position der 52jährige Mats Levén intus.

Candlemass auf dem Party.San Open Air 2017
Candlemass

Mit inzwischen elf regulären Studioalben und etlichen Singles können Candlemass auf einen umfassenden Backkatalog zurückgreifen. Kultalben wie die Epicus doomicus metallicus und die Nightfall! zählen zu den wichtigsten Doom Platten überhaupt. Die Schweden erschaffen eine ganz spezielle Atmosphäre mit Songs wie „The well of souls“, „At the gallows end“ und „Bewitched“. Sänger Mats ist ein erstklassiger Sänger, der wie die Faust aufs Auge passt. Wahnsinn, was hier für Gänsehaut Momente entstehen. In dieser Form wohl auch nur im Doom Metal möglich. Auch wenn dieses Genre nicht zu meinen bevorzugten gehört, ziehe ich meinen Hut vor diesen fünf Jungs.

Als Headliner stehen heute nach 2012 mal wieder die Kult Death Metal Legende Autopsy auf dem Zettel. Einen ihrer seltenen Live Offenbarungen bieten Mastermind Chris Reifert und seine Mannen heute zu fortgeschrittener Stunde. In Windeseile haben die Jungs den gut gefüllten Platz mit dem Mental funeral Klassiker „Twisted mass of burnt decay“ in ihren Bann gezogen. Hammer und jetzt schon ein mehr als würdiger Headliner, aber es soll noch besser kommen, denn weiter geht es mit „In the grip of winter“, vom selben Longplayer. Nach dem Titelsong vom 89er Album Severed survival gibt es jetzt zum ersten Mal einen neuen Song mit „Strung up and gutted“.

Nun geht es Schlag auf Schlag und mit „In the grip of winter“, „Fleshcrawl“, „Torn from the womb“ und „Destined to fester“ spielte man fast die halbe Mental funeral und auch der Meilenstein Severed survival kommt mit „Pagan saviour“, „Embalmed“, „Ridden with disease“, „Gasping for air“, „Service for a vacant coffin“ und „Charred remains“ definitiv nicht zu kurz. Gespickt mit einigen neueren Tracks eine Traum-Setliste. Mehr geht an diesem feuchten Abend nun wirklich nicht. Meine inzwischen gewechselte Oberbekleidung mit Lederjacke und Kutte, einem gesunden Pegel und diesem Old School Death Metal Brett aus den Boxen machen mich zu einem glücklichen Metaller in dieser Stunde. Autopsy haben gezeigt, dass sie absolut zu Recht als letztes an diesem Abend gesetzt sind.

Mehr als mit einem glücklichem Grinsen zurück zum Camp zu taumeln um den Pegel noch etwas in die Höhe zu schrauben, bleibt an diesem Abend nicht. Meine Fresse war das ein Tag. [ts]


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