29. Mai 2024


           
Party.San Open Air 2018

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 09.08. - 11.08.2018
Anlass: Party.San Open Air in Schlotheim (Thüringen)
Autoren:
Tino [ts] & Torsti [tr]
Die Fotos schossen: Tino, Torsti

Freitag, 10.08.2018

Eine gewisse Tradition ist für jedes Metal-Festival wichtig, meiner Meinung nach. Beim Party San wird zur Mittagsstunde immer die Grindcore-Keule geschwungen. Guineapig aus Italien dürften heute als Erstes ran. Grind as it’s best, für mein Ohr aber etwas zu früh an diesem Tage. The Committee waren für mich eine der positiven Überraschungen dieses Wochenendes! Ich mag diese Art Black Metal sehr! Atmosphärisch, mal rasend, mal episch, sehr lange und abwechslungsreiche Songs. Ähnlich wie die Amis Uada verhüllt das Quartett seine Identität, die Gesichter der einzelnen Musiker sind nicht zu erkennen. Musikalisch allerdings über jeden Zweifel erhaben. Der Sound war ausgezeichnet. Alles in Allem waren The Committee sehr unterhaltsam, Daumen hoch dafür!

Mit den Franzosen Benighted wird das Tempo wieder merklich angezogen. Brutal Death Metal und Grindcore in seiner härtesten Form. Das Gebolze war unglaublich intensiv und hart. Die Circle-Pits wurden größer und größer. Benighted haben mittlerweile einen beachtlichen Backkatalog und konnten einen bunten Mix ihrer Schaffensperiode spielen, streuen aber dennoch den Motörhead Klassiker "Deaf forever" ein. Ich freute mich anschließend auf Pillorian. Das ist die neue Band von ex-Agalloch Mastermind John Haughm. Das Debütalbum „Obsidian Arc“ ist etwas roher und härter als das damalige Agalloch-Material. Der Gesang von John ist immer noch sehr markant, dennoch wird hier öfter das Gaspedal durchgetreten, und Songs wie „Forged Iron Crucible“ sind schon ziemlich gut gemacht. Das erste Mal konnte ich die Band vor einigen Wochen beim In Flammen Open Air sehen. Auch dort haben die Amerikaner überzeugt. Bleibt zu hoffen, dass das zweite Album nicht so lange auf sich warten lässt.

Benighted auf dem Party.San Open Air 2018
Benighted

Mit den Japanern Coffins kommt nun wieder für mich schwer verdauliche Kost auf die Bühne. Die Mischung aus Doom, Death und Sludge ist echt „puh“! Aber auch diese Band scheint seine Anhängerschar zu haben, ich gehöre in dem Fall leider nicht dazu. Den anwesenden Fans hat es sehr gut gefallen und das ist die Hauptsache. Das sich das Party San in den letzten Jahren auch anderen Stilrichtungen gegenüber geöffnet hat, zeigt die Verpflichtung der schwedischen Heavy Metal Band RAM! Hiermit werden auch die Fans der 80er Jahre Phase glücklich gemacht. Leder und Nietengürtel und purer Heavy Metal. Nach Coffins der nächste Farbtupfer in diesem Jahr! Im Festivalzelt war es parallel böse und dunkel. Zweimal Black/Death Metal mit der deutschen Band Goath und den Schweden Ultra Silvam. Nach einer etwas längeren Umbaupause gibt es dann nochmal ordentliche eine auf die Nuss! Rüde gespielter Death Metal von den Franzosen Skelethal. Ziemlich Oldschool das Ganze, aber für mich etwas zu „rumpelig“. [t]

RAM auf dem Party.San Open Air 2018
RAM

Das Wetter ist nach wie vor prächtig. Nach der kurzen Erfrischung mit nicht unbedingt Party.San typischen Heavy Metal Riffs geht es zumindest melodisch weiter, aber wieder mit gewohnten Death Grunts. Trevor Strnad, Sänger der Detroiter The Black Dahlia Murder, sieht auf der Bühne immer etwas nerdig aus, mit seiner Brille die einer gläsernen Hochhausfront alle Ehre macht. Im großen und ganzen gehen die Amis als eine härter Killswitch Engage Version durch. Die Jungs auf der Bühne haben Bock und hüpfen kreuz und quer über die Bretter. Zum Ende gibt es mit „Everything went black“ und „Deathmast divine“ die Klassiker im Set.

Klassich weiter geht es mit den Thürigern Deserted Fear. Ihr Old-School-Death im bombastischen Soundgewand hat in den letzten Jahren immer mehr Zuhörer gefunden. Das Trio versprüht bei jedem Auftritt so viel Charme und Freude an der Musik, das es kein Wunder ist, dass sich zu „Bury your dead“ und „Wrath on your wound“ immer mehr Banger vor die Bühne trauen. Mit Feuersalven heizen die drei den Schlotheimern noch mehr und fackeln dabei so wild um sich, dass plötzlich einer der Flammenwerfer ein wenig vor sich hin brennt. Kontrolliertes abbrennen ist angesagt und die Stage-Crew meistert die Situation mit Bravour.

Exhorder müssen sich dieses Jahr dem Vergleich zu Demolition Hammer gefallen lassen, die im letzten Jahr so ziemlich alles platt gemacht haben, was nicht bei drei auf dem Baum war. Nach dem Auftritt teilten sich die Meinungen in zwei Lager, entweder besser oder schlechter, in einem waren sich alle diskutierenden allerdings einig: Fett war es allemal!
Begonnen wird mit „Death in vain“ und endet in den unvermeidlichen „Slaughter in the Vatican“ und „Desecreator“. Mit so einer Darbietung dürfen sich die Thrasher aus New Orleans jederzeit wiedersehen lassen.

Exhorder auf dem Party.San Open Air 2018

Etliche Empfehlungen erreichten mich, ich solle mir doch The Spirit im Zelt ansehen. Gesagt, getan und nicht bereut. Die Band muss sich den direkten Vergleich zu Dissection gefallen lassen, was in diesem Fall eher ein riesiges Kompliment ist. Die Black/Death Kompositionen sind vertrackt aber auch griffig, als klassischer Mitbewerber dürften hier auch Slægt genannt werden. Pünktlich zum heutigen Auftritt wird das zuerst eigen veröffentlichte Debüt Sounds from the Vortex über Nuclear Blast neu auf den Markt gebracht. Die Band darf man sich getrost hinter die Ohren Schreiben.

Auf den Newcomer folgen die etablierten Schweden von Unleashed, die einen auf eine Reise von „Black horizon“, „Don't want to be born“, „The longships are coming“ bis hin zu „Into glory ride“ mit nehmen. Dabei hinterlassen die vier einen so guten Eindruck, dass es mir nicht mal an „Death Metal victory“ fehlt. Auf die Elchtöter kann man sich stets verlassen auch wenn sie sich auf Ihre alten Tage nicht mehr neu erfinden.

Mir ist es nach wie vor schleierhaft, wie man zu dritt eine so intensive Performance liefern kann, wie es Dying Fetus stets tun. Hier sitzt jedes Riff, jeder Base Drum Anschlag drückt einem die Matte aus dem Gesicht. Beginnend mit dem Titeltrack Ihres aktuellen Album Wrong one to fuck with arbeitet sich das Trio aus Annapolis an seinen Songs ab. Hassbolzen der Marke „From womb to waste“ bereiten den Weg zum finalen „Kill your mother, rape your dog“. Wer nach diesem Schnörkellosen Auftritt noch irgendwelche Fragen offen hat, kann diese anschließend bei Brutz & Brackel mit einem herrlichen „paar inne Fresse“ beantworten lassen.

Venom auf dem Party.San Open Air 2018
Venom

Die Nacht hat den Flugplatz Obermehler mittlerweile fest im Griff und eine Band steht heute noch auf dem Tagesprogramm. Hier ist es wieder eine Glaubensfrage Mantas oder Cronos, beides geht aber kaum. Heute spielt Cronos unter dem Venom Banner auf. Der zweite Party.San Auftritt der Briten bietet alles, was man von der Truppe hören will. Egal ob „Black Metal“, „Welcome to Hell“, „Buried alive“, „In nomine Satanas“ oder „In league with Satan“, hier wird Metal Geschichte gelebt. Ob man die Show nun gut findet oder nicht, dass muss jeder für sich entscheiden. Die Band bietet mit Pyros und effektvollen Posen alles, was man sich wünschen kann. Musikalisch ist der rumpelige Black Metal ohnehin nicht einzuordnen, insgesamt und nüchtern (???) betrachtet liefert die Band um Cronos und schafft es meines Erachtens sich nach Fehltritten der Vergangenheit wieder langsam ein wenig aufwärts zu bewegen. [tr]


zurück


Disclaimer | Impressum | Datenschutz © by pommesgabel.de 2003 - 2024