17. April 2024


           
Party.San Open Air 2018

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 09.08. - 11.08.2018
Anlass: Party.San Open Air in Schlotheim (Thüringen)
Autoren:
Tino [ts] & Torsti [tr]
Die Fotos schossen: Tino, Torsti

Samstag, 11.08.2018

Die Temperaturen lassen es zu, sich bis zum morgendlichen Knall von Esmiralda (ihres Zeichens Flakgeschütz neben der Ehrwürdigen Mainstage) in den Federn zu wälzen. Heute ist dieses nicht nur die Ankündigung für das Öffnen des Geländes, sondern auch der Beginn, des Samstäglich Frühschoppens in der Zeltbühne. Anders als in den vergangenen Jahren gibt es dieses Jahr mit Gorilla Monsoon einen Act, der nicht nur Coversongs quer Beet spielt, sondern mit seinem Death'n'Roll mit Stoner Einflüssen genau meinen Nerv trifft. Die Dresdener liefern den perfekten Soundtrack um die Nackenmuskulatur geschmeidig für den letzten Tag aufzuwärmen. Das die Band inmitten der Nacht aufbrach, nur um pünktlich aufzulaufen ist ein zusätzliches Lob wert!

Gorilla Monsoon auf dem Party.San Open Air 2018
Gorilla Monsoon

Genug mit gemütlich und aufwärmen und so. Die Rosa Spandex gehört an die Beine und das Zepter in Form einer Klobürste in die Hand. Razorrape aus Schweden kennen das Party.San schon seit Jahren aus der Fansicht und schnuppern heute das erste mal Bühnenluft. Ein Hauch von Porn-Grind durchzieht den sonst eher soliden Death Metal, dieses ändert jedoch nichts am mittlerweile standardmäßigen Ritual des Circle Pits mit Gummitieren und sonstigen Sensationen. In Puncto Songtitel räumt das Duo aber schon mal grandios den Kreativpreis ab, der Titel „Hey whore, let's gore“ sorgt jedenfalls für anhaltende Lachen in unserer kleinen Reisegruppe.

Den ersten, richtigen Death Metal Beitrag des Tages leisten anschließend die Spanier von Graveyard. Bei Ihrem dritten Auftritt in Schlotheim dürfte die Verwechslungsgefahr mit den Berliner Retro Rockern auch mittlerweile ausgeräumt sein. Die Fünf liefern nach wie vor klassischer Knäckebrot Death garniert mit ein paar Tapas, ohne dabei zu experimentell zu werden. In Sachen Live Präsenz haben die Südländer mittlerweile ein paar Schippen drauf gelegt, daher dauert es nicht lang bis die ersten Matten mächtig kreisen.

Normalerweise ist melodic Death aus Schweden meine absolute Baustelle, doch in all den ganzen Jahren haben es Wolfheart noch nicht geschafft bis zu mir vorzudringen. Eine neue Chance dazu gibt es heute. Böse Zungen hätten nach der Begrüßung „Hello RockHarz!“ dem muskelbepackten Frontmann Toumas Saukkonen gehässig etwas mit Hirn und Muskelmasse in der Relation unterstellt, aber lassen wir das. Musikalisch kommt das ganz nett daher und warum im Publikum ein recht großer Frauenanteil auszumachen ist, lässt sich beim Blick auf den entblößten Oberköroper des Sängers schnell erklären. Die Musik hingegen hält dieses, im Auge des Betrachters liegende, Niveau nicht sehr hoch. Als dann auch noch die Verabschiedung „Bye Summer Breeze“ folgt, kann man nicht sicher sein, ob es Spaß oder tatsächliches Desorientierung des Fronters gewesen ist.

Wolheart auf dem Party.San Open Air 2018
Wolfheart

Die nachfolgende Band hatte von vornherein einen schweren Stand bei mir. Der Bandname Harakiri for the Sky lässt schon etwas corelastiges Emogedöns vermuten, was bei mir schon eine schier unüberwindbare Hürde aufbaute. Unter dem Banner Post Black Metal war dann eigentlich alles vorbei. Doch dann kam die Ankündigung für den Auftritt hier, auf meinem Herzfestival. Mit dem Ansatz, dass generell scheiße finden zu wollen habe ich mich mit dem neuesten Auswurf Arson auseinander gesetzt und musste tatsächlich feststellen: Geiler Scheiß!!!
So geschah es, dass der Verfasser dieser Zeilen mit scharrenden Hufen vor der Bühne stand und endlich wissen wollte, wie die Österreichen denn nun Live sind.
Heroin waltz“ und „Tomb Omnia“ vom besagten Album waren dabei, die Bühnenpräsenz ist „gewöhnungsbedürftig“. Ein Sänger, der mit Beginn der ersten Passagen, dem Publikum den Rücken zuwendet, schafft es nicht, die Leute vor der Bühne mitzureißen, aber genau an der Stelle zeigt sich die Intensität der Musik, niemand wendet sich ab, alle hören gebannt zu. Nicht auszudenken, was möglich wäre, wenn die Musiker auf der Bühne noch eine Verbindung zum Publikum schaffen würde.

Außer einer EP in diesem Jahr haben Carpathian Forest seit 2006 nichts mehr auf den Markt gebracht, dennoch umgibt die Black Metal Kapelle um Nattefrost eine gewisse Aura. Außer bei richtigen Trve Metallern sorgt der kauziger Norweger jedoch eher für ein müdes Lächeln, wenn er an gepinselt wie ein schlecht gelaunter Panda mit seinem überdimensionierten, umgedrehten Kreuz über die Bühne stackst. Betrachtet man die Songs als Huldigung vor kernigem Rock'n'Roll, dann hat das ganze sogar beachtlich positive Tendenzen, dass sogar das Turonegro Cover „All my friends are dead“ positiv hängen bleibt. Jedoch zerstört dieses auferlegte böse Persönchen auf der Bühne einfach sämtliche Anflüge von positiven Gedanken an diesen Auftritt.

Die Entwicklung des Party.San Open Air ist beachtlich. Kein Festival hat es bisher geschafft, sich Genretechnisch zu öffnen, ohne dabei die Stammfans zu vergraulen. Mittlerweile verkauft sich das Event als Metal Open Air, das was es dazu macht sind solch präzise ausgesuchten Ausreißer wie Exciter zum Beispiel einer ist. Vor 10 Jahren undenkbar, heute jedoch akzeptiert und abgefeiert, das die Band dabei heute in Originalbesetzung aufläuft ist dabei noch berühmt Tüpfelchen auf dem i. Meine Baustelle sind die Kanadier nicht, für eine gesunde Einschätzung des Auftrittes fehlt es mir dazu an Referenzen. Die Meinungen unter dem Publikum driften von „Grottenschlecht“ bis hin zu „Grandios“, wobei der singende Drummer Dan Beehler im Zentrum der Kritiker steht. [tr]

Exciter auf dem Party.San Open Air 2018
Exciter

Nachdem die Kanadier Exciter gerade für weiche Knie gesorgt haben, darf sich daran jetzt bei mir Sadistic Intent versuchen. Wirklich unverständlich, warum diese Band jahrelang an mir vorbeigegangen ist. Erst vor einigen Jahren bin ich auf diese großartige Death Metal Band gestoßen. Die zum größten Teil aus ehemaligen Possessed Mitgliedern bestehende Band zockt sich reichlich abgeklärt und tight durch sein Set. Da merkt man einfach, dass die Jungs schon einige Tage im Geschäft sind. Super Auftritt mit starker Performance- Top. Auch das Publikum geht ordentlich mit, obwohl man merkt, dass es bereits der dritte Tag des Festivals ist und die Kräfte allmählich nachlassen.

Weiter geht es mit der Reise in die Vergangenheit. Dieses Mal kommt die Band aus Holland und war Anfang und Mitte der 90er Jahre eine meiner absoluten Lieblingsbands. Pestilence haben im Laufe der Jahre eine umstrittene Wandlung durchgemacht, bis man sich mit dem aktuellen Longplayer Hadeon doch wieder etwas gefangen hat und sich auf alte Stärken besinnt.
Damals musste ich 18 Jahre warten, um diese Band das erste Mal live zu sehen und war auf dem Death Feast Open Air doch recht enttäuscht, da sie dort einen recht bescheidenen Sound hatten. Heute soll aber alles anders sein. Basser und Fronter Patrick Mameli hat die vergangene Zeit wohl einige Stunden im Fitness Studio verbracht und auch die blondgefärbten Haare lassen ihn böse und kraftvoll wirken. Die Setlist ist ein toller Querschnitt aus aktuellen Songs und vielen Klassikern aus den guten, alten Tagen. Mit „Chronic Infection“, „The Secrecies of Horror“, „Twisted Truth“, „Land of Tears“ und „Out of the body“ sind wohl auch alle relevanten Klassiker gespielt. Pestilence sind wieder zurück und in Hochform. Was für ein geiles Erlebnis und jetzt schon einer meiner Höhepunkte des diesjährigen Party Sans.

Dennoch zieht es mich jetzt zur Tentstage, wo eine weitere Band aus meiner Vergangenheit es wieder zurück auf die Bildfläche geschafft hat. Die Rede ist von Obscenity, die mich ebenfalls Mitte bis Ende der 90er in meinem Leben begleitet haben. Um diese Band kam man in der Zeit auch kaum herum und war für mich eine der wichtigsten deutschen Bands im Death Metal Bereich. Diverse Male durfte ich mich von deren Live Qualitäten überzeugen. Gitarrist und Gründungsmitglied Hendrik hat sich eine starke neue Truppe zusammen gestellt. Neuer Mann am Mikro ist Manuel Siewert, der bereits mit December Flower auf dem Party San gespielt hat. Klasse Auftritt und starkes Line Up der Oldenburger Deather. Mit „Eaten from inside“, „Human Barbecue“ und „Utter disgust“ zockt das Quartett dann auch gleich drei Songs von meiner Lieblingsscheibe Human Barbecue. Geil, so kann der Abend weiter gehen.

Damit habe ich dann auch den Anfang von Tribulation verpasst. Als Death / Thrash Metal Band im Jahr 2004 begonnen, hat man doch einen beachtlichen Wandel im Laufe der Zeit durchgemacht. Heute liegt man musikalisch irgendwo zwischen Heavy und Black Metal, das aber mit einer dezenten Gothik Schlagseite. Jedenfalls ist die Musik heutzutage von dem schwedischen Quartett schwer zu beschreiben. Düster und kunstvoll und erinnert aufgrund der wallend leichten Kostüme des Gitarristen und brennenden Kerzen eher an ein musikalisch untermaltes Theaterstück, als an ein Konzert. Echt klasse Auftritt irgendwie und absolut ungewöhnlich. Wie hier die Finsternis zur Dämmerung heraufbeschworen wird ist schon Gänsehaut pur- großes Lob dafür an den Verantwortlichen der Running Order. Nach diesem Auftritt muss ich mich wohl doch mal mit Tribulation auseinander setzen.

Tribulation auf dem Party.San Open Air 2018
Tribulation

Mit einiger Verspätung komme ich im Zelt an, in dem die Berliner Doom / Black Metaller Essenz aufspielen. Nach dem Auftritt der Schweden gerade auf der Hauptbühne, hat es das Berliner Trio schwer, mich noch vom Hocker zu reißen, aber da es doch eher selten einen Auftritt zu sehen gibt, lasse ich mir die Chance dennoch nicht entgehen. Eine düstere und unheilvolle Atmosphäre ist im Zelt zu spüren. Musikalisch pendelt man zwischen rasendem Black Metal gepaart mit tiefen, schweren Doompassagen. Cool, die Jungs mal gesehen zu haben, aber dennoch mache ich mich vorzeitig auf, um noch einen Platz im Fotograben an der Hauptbühne zu bekommen.

Bei der nächsten Band handelt es sich um meinen persönlichen Headliner des heutigen Tages. Brujeria aus Mexiko und den Vereinigten Staaten ist eine All Star Band mit namhaften Musikern wie Shane Embury (u.a. Napalm Death), der heute aber nicht auf der Bühne steht und Nick Barker (u.a. ex-Cradle Of Filth, ex-Dimmu Borgir). Die genauen Zusammenhänge dieser Band haben sich mir bis heute nicht erschlossen, macht aber auch nichts. Dafür machen diese Fünf einfach Spaß auf der Bühne, auch wenn die durchgängige Thematik mit Drogen- und Bandenkriegen in Mexiko ein durchaus ernstes Thema ist, was aber scheinbar unerschöpfliche Inspiration der Band bietet. Live bieten gerade die zwei Sänger Juan Brujo, mit seiner Machete am Gürtel und El Sangrón ein klasse Bild und ihre Gespräche, die als Ansage fungieren, sind unschlagbar. Grindcore Death Metal mit stampfenden Grooveparts bringen die immer noch aktive Meute vor der Bühne in Ekstase. Die 'Fuck Donald Trump' Ansage, in die das komplette Infield mit einstimmt, ist schon einzigartig.

Was soll ich noch groß schreiben, außer das Brujeria eine unglaublich geile Live Band ist und auch heute zu jedem Moment die Menge im Griff hat. Jeder, der das Quintett mal live gesehen hat, weiß wovon ich schreibe.

Noch mehr Spaß und gute Laune gibt ist bei der vorletzten Band des Festivals garantiert. Tankard aus der Main Metropole Frankfurt sind seit 35 Jahren aktiv und immer noch eine der coolsten Livebands aus unseren Landen. Nachdem der Panflötenklassiker „El Condor Pasa“ als Intro vorbei ist, geht es auch gleich mit dem aktuellen Titeltrack „One Foot in the Grave“ voran. Mit „The Morning After“ und „Zombie Attack“ legt man mit zwei wohl unverzichtbaren Klassikern nach. Mit „Rapid Fire“ und „A Girl called Cerveza“ gibt es zwei Songs vom 2012er Silberling. Gerre läuft von Bühnerand zu Bühnenrand, als wäre er Zwanzig. Ein unglaubliches Laufpensum, was der Kerl jedes Mal absolviert. Auch Tieftonbediener Frank legt etliche Meter auf der Bühne zurück. „Pay to pray“ ist der zweite Song des aktuellen Albums. Zwischendurch gucke ich mir die Show vom Whiskeyzelt aus an- das Leben kann schön sein. Mit „Chemical Invasion“ gibt es dann noch einen Track aus alten Tagen, der auch dankbar vom Publikum angenommen wird. Tankard sind eigentlich die perfekte Band zum Trinken und mit dem Rausschmeißer und Alltime Klassiker „Empty Tankard“ haben sie sich selbst ein Denkmal gesetzt. Unter dem Strich bleibt ein guter Geschmack im Mund und ein richtig guter Auftritt des Quartetts.

Tankard auf dem Party.San Open Air 2018
Tankard

An dieser Stelle sollte eigentlich noch etwas über den Hauptakt auf der Zeltbühne, Possession stehen. Aufgrund fallender Temperaturen, muss dies entfallen und dem Weg zum Camp weichen, um mir seit Wochen das erste Mal eine Jacke überzuziehen.

Zum Abschluss des 24. Party San Open Airs heißt es erst einmal warten, bevor der letzte Headliner auf die Bühne geht. Eine halbe Stunde dauert die Umbaupause und die Stagecrew hat alle Hände voll zu tun. Zu den normalen technischen Arbeiten kommt noch eine Menge düstere Deko auf die Bretter. Wie ein Kumpel sagte: „Flohmarkt für Gartenartikel“, was das ganze eigentlich ganz gut auf den Punkt bringt. Watain aus Schweden sind bekannt für eine große Bühnenshow, das soll heute nicht anders werden. Nach einer schwarzen Messe, die Fronter E. abhält, geht es mit „Stellarvore“ los. Black Metal in seiner dunkelsten Form, der hier geboten wird. „Devil's Blood“ und „Nuclear Alchemy“ lassen vor der Bühne nochmal die Köpfe kreisen und einige offene Münder zurück. Auf der Bühne wird das Flammenmeer immer größer. Ein knackiger Sound und dazu dieser Feuerschein machen das Quartett zu einem würdigen Headliner. E. kehrt immer wieder in den Pausen zu seiner satanischen Messe, die in der Mitte der Bühne aufgebaut ist, zurück. Mit den Tracks „Outlaw“ und „Sacred Damnation“ geht es furios auf die Zielgerade zu. Nach den letzten Takten von „Waters of Ain“ ist dann auch das diesjährige Party San Geschichte. [ts]

 

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