14. Juni 2024


           
Rock Harz Open Air 2017

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 05.07. - 08.07.2017
Anlass: Rock Harz Open Air in Ballenstedt (Sachsen-Anhalt)
Autor und Fotos:
Torsti [tr]

Donnerstag, der 06. Juli 2017

Der Wetterbericht sprach in den Tagen zuvor von wechselhaftem Wetter und durchwachsenen Temperaturen, scheinbar lag über Harz eine Käseglocke, schon um kurz nach acht war es zum Schlafen zu warm und die Sonne lockte ins Freie. Der Plan die Dusche aufzusuchen wurde vertagt, die Schlange war so lang, dass ich dachte, ich könnte die Zeit erst mal sinnvoller verbringen: Mit Bier trinken zum Beispiel. Nicht das es später leerer gewesen wäre, aber das Schlangestehen ist mit 'nem Bier im Kopf doch erträglicher. Durch die enorme Anzahl an Duschcontainern ging es allerdings recht schnell, 20 – 30 Minuten musste man jedoch nahezu immer einplanen.

Nachdem die Mittagssonne im Schatten ausgesessen wurde, spielten bei meinem Eintreffen auf dem Gelände die geschassten Sabaton Musiker, die mit Civil War ihr neues Glück suchen. Musikalisch ist der Unterschied der genannten Bands minimal. Mehr lässt sich nach einem gehörten Song von mir dazu nicht sagen. Mehr zu Papier kann ich da schon bei Mantar bringen. Nach dem mich kürzlich ein fetter Stau auf der Fahr nach Hannover um den gesamten Konzertabend gebracht hat, konnte ich hier all das nachholen. Die Sludge Kombo aus Bremen machen in Ihren Ansagen keinen Hehl daraus, nichts gelernt zu haben und darum Metal spielen zu müssen. Streckenweise merkt man das auch, musikalisch kommen zwischendurch immer mal sehr helle Momente zum Vorschein im Ganzen ist das ganz dann aufgrund der Instrumentalisierung mit Gitarre und Schlagzeug eher zweidimensional. Dem Ohrwurm „Era borealis“ kann ohnehin nichts den Rang ablaufen, da hätte eine halbe Stunde Spielzeit ausgereicht.
Rage schlagen da in eine ganz andere Kerbe. Seit dem letzten Line up Wechsel blüht Peavy auf der Bühne ganz neu auf und irgendwie macht ein Rage Auftritt viel mehr Freude als noch vor ein paar Jahren. Zu den Klassikern „From the cradle to the grave“, „Straight to Hell“, oder dem unvermeidlichen „Higher than the sky“ gesellte sich auch „Blackened karma“ vom kommenden Album Seasons of the black zur Setlist.

Rage auf dem RockHarz Open Air 2017
Rage

Die folgenden Death Angel und Haggard (aus der Ferne vernahm ich „Awaking the centuries“) fielen der Begrüßung und Einweisung unserer Campnachzügler zum Opfer.
Pünktlich zu Lacuna Coil zurück, wurde ich Zeuge eines sehr guten Auftrittes der Italiener(innen). Auffällig war schon mal das neue Bühnenoutfit, bei dem alle Bandmitglieder wie Zombies, entflohen aus einer Irrenanstalt herum turnten. Sicherlich nichts Neues, aber in diesem Fall ein gut eingesetztes Stilmittel, das gleich ein wenig Aufmerksamkeit bringt, zumal es nicht zu erwarten war. Am musikalischen gibt es nichts zu mäkeln. „Spellbound“, „Heavens a lie“ oder „Trip the darkness“ funktionieren ohnehin immer.
Das Kadavar so spät spielen durften überraschte mich, jedoch war ich recht schnell überzeugt. Aus der Konserve knallt das Berliner Trio bei weitem nicht so, wie Live. Die Songs haben ordentlich druck und die musikalische Finesse der Retro-Rocker kommt so klar zur Geltung das für mich keine weiteren Fragen offen bleiben. Sympathisch macht sie dann auch, dass trotz angekündigtem „Black sun“ etwas ganz anderes erklang, nach wenigen Takten war der Fehler bemerkt und es ging von neuem los, diesmal mit richtigem Riff. Zum Ende wurde noch das Beatles Cover „Helter skelter“ kredenzt und nicht nur deswegen dürften heute neue Fans dazu gekommen sein.

Lacuna Coil auf dem RockHarz Open Air 2017
Lacuna Coil

Die folgende Arch Enemy hatten trotz des Stilbruchs kein schweres Spiel. Das Publikum fraß Alissa White-Gluz und ihren Männern von der ersten Sekunde aus der Hand. Nach langer Zeit hatte ich mal wieder das Gefühl, das Arch Enemy nahbarer sind. Gerade der Gesang klang weniger künstlich verzerrt und wurde dadurch erdiger, was dem klinischen Sound gut tut. Schon lange habe ich nicht mehr so viel Freude bei „War eternal“, „My apocalypse“, „We will rise“ und „Nemesis“ gehabt. Der Aufforderung nach einem Circle Pit kamen die ersten Reihen ohne großes Zureden auf, gerade vorne im Pit verausgabten sich die meisten das erste Mal so richtig, nach dem die Sonne sich für heute verabschiedete.
Tatsächlich waren In Extremo schon bei meinem ersten Besuch auf dem RockHarz Open Air Headliner, damals auf dem kleinen Sportplatz bei Osterode. Die Band ist irgendwie mit dem Festival gewachsen, denn dass was die Spielleute heute auffahren ist um einiges eindrucksvoller als damals, genau wie das RockHarz selber. Die Band weiß wie Sie einen Spannungsbogen aufbauen und den Auftritt mit Highlights spicken kann. Die Songs des aktuellen Albums Quid pro quo dominieren die Setlist, nebst dem unweigerlich zum Klassiker mutierenden „Sternhagelvoll“ (mit sehr motiviertem Publikumschor). Dennoch kommen auch solch schöne, mittlerweile alt gewordene, Stücke wie der Tanzflächen Feger „Vollmond“, „Küss mich“, „Frei zu sein“ oder das aus irischer Folklore stammende „Liam“. Frontmann Michael Rein war schon immer ein charismatischer Frontmann, der mit seinem Publikum umgehen kann. Diverse Feuersalven und Knalleffekte vor eindrucksvoller Kulisse runden den gesamten Abend ab. Der „Spielmannsfluch“ ist das letzte, was über den Harz raunt, bevor die Lichter der zur Bühnendeko gehörenden Straßenlaternen erloschen.

In Extremo auf dem RockHarz Open Air 2017
In Extremo

Vor der linken Bühne sammelten sich kurz danach die Fans von Fiddler's Green, die bereits nach dem ersten Song lauthals nach mehr Lautstärke skandierten. Langsam wurde es Zeit den Rückzug anzutreten und den Abend mit letzten Bieren in geselliger Runde zu beschließen.

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