18. Juli 2026


           
Review

 

 
     
 
Ministry - Rio grande blood
 

Interpret: Ministry
Albumtitel: Rio grande blood
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Industrial
Tracklist:
01. Rio Grande blood
02. Senor Peligro
03. Gangreen
04. Fear (is big businses)
05. Lieslieslies
06. The great Satan
07. Yellow cake
08. Palestina
09. Ass clown
10. Khyber pass

Homepage:
www.ministrymusic.org


Ich erinnere mich noch gerne an ein MINISTRY Konzert anno 1992 in Berlin. Al Jourgensen hat nicht weniger als drei Rhythmus Gitarristen auf der Bühne, die den Anwesenden mit brachialer Urgewalt das Riff von „NWO“ in Hirn prügelten. „Psalm 69“ oder das legendäre „A mind is a terrible thing to taste“ waren Höllenscheiben, die MINISTRY in den Industrial Olymp hievten. Die darauf folgenden Alben wie beispielsweise „Filth pig“ allerdings konnten in meinen Augen nur auf den schweren Drogenkonsum des Herrn Jourgensen zurückzuführen sein, denn da kickte gar nichts. Nun kommen MINISTRY zurück, zwar mittlerweile ohne den ehemaligen kongenialen Partner Paul Barker, dafür mit einem cleanen Al und einer All-Star Truppe, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Killing Jokes Paul Raven und der ehemalige PRONG Mastermind Tommy Victor bilden das Rückgrat für die wohl beste Platte nach „Psalm…

 

Auf „Rio grande blood“, dem nunmehr 13. regulären Studioalbum der Texaner, bekommt jeder sein Fett weg, George W. ebenso wie Condoleeza R., die Marines oder das Heimatschutzministerium, die so genannte Homeland security. Mister Jourgensen tobt sich so richtig aus und kotzt auf das System. Eine dermaßen hasserfüllte und zum nachdenken anregende Platte tut gut, ist gut, bleibt gut. Der Drumcomputer ist gut geölt, die Riffmaschinerie funktioniert wieder tadellos, die Songs haben ein klares, teilweise politisches Statement und gehen mächtig ins Bein.

 

„I’m a brutal dictator“ haucht uns Georgi-Boy sanft ins Ohr, ehe der Titeltrack das industrielle Inferno eröffnet. Ebenso wie beim darauf folgenden „Senor peligro“ stehen hier Maschinengewehr-artige Riffgewitter im Vordergrund, die alles niedermähen, was sich ihnen in den Weg stellt. Das im Midtempobereich angesiedelte „Gangreen“ steht im krassen Gegensatz zum anschließenden „Fear (is big business)“, welches doomig beginnt und sich zu einem rasenden Nackenbrecher entwickelt und die ganze Vielfalt widerspiegelt, die MINISTRY hier zu bieten haben. Das Jourgensen-typische „Lies lies lies“ bildet die Steilvorlage für das Grammy nominierte „The great satan“, welches auch hier mit den urtypischen MINISTRY Trademarks aufwartet. Leider sind die restlichen vier Songs, bis auf das rasende „Ass clown“, welches mit DEAD KENNEDY’S Urpunk Jello Biaffra verdelt wurde, nur noch Mittelmaß und entsprechen nicht der auf den vorherigen Songs recht hoch gelegten Meßlatte. Schade, denn dies schmälert den ansonsten sehr guten Gesamteindruck, den die Scheibe bei mir hinterließ.

 

Das Fazit ist dennoch eindeutig. MINISTRY haben sich eindrucksvoll zurückgemeldet und ihre Pole Position im Industrial Bereich zementiert. Trotz der genannten Ausfälle ist „Rio grande blood  eine spannende, interessante und musikalisch sehr anspruchsvolle Reminiszenz an die frühen Werke geworden und daher gute 8 Gabeln wert.

Bewertung:


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