18. Juli 2026


           
Review

 

 
     
 
Metallica - Death magnetic
 

Interpret: Metallica
Albumtitel: Death magnetic
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Thrash-Metal
Tracklist:
01. That was just your life
02. The end of the line
03. Broken, beat & scarred
04. The day that never comes
05. All nightmare long
06. Cyanide
07. The unforgiven III
08. The judas kiss
09. Suicide & redemption
10. My apocalypse

Homepage:
www.metallica.com


Ihr trefft eine schöne Frau, verliebt Euch in sie und verbringt 8 wundervolle Jahre mit ihr, in der sie Euch 5 zauberhafte Kinder schenkt. Doch plötzlich ist die Luft raus, die Frau fängt an, fremd zu gehen, bringt nur noch Mist zustande, den sie aber als Gold anpreist und irgendwann scheint eine wundervolle Beziehung vorbei zu sein. Gut, insgeheim hofft man immer noch, dass die Wunden verheilen, doch realistisch betrachtet ist der Ofen aus. Man trifft sich noch gelegentlich auf Konzerten, auf der sie so bezaubernd und liebreizend ist wie früher, doch es scheint endgültig aus und vorbei…

 

Dies ist, wirklich ganz kurz umrissen, mein Verhältnis zu meiner ehemaligen Lieblingsband Metallica, die nach dem 2003er Müll namens „St.Anger“ für mich mehr als tot waren. Meine Fresse, was habe ich dieser wirklich überragenden Gruppe zu verdanken, die mit „Kill em all“ allen später kommenden Bands zeigte, wie man zu klingen hat, mit „Ride the lightning“ schon früh einen eigenen Stil kreierte, um diesen dann mit dem Jahrhundertalbum „Master of puppets“ zu perfektionieren…doch was erzähle ich Euch, das wisst Ihr alle selber am Besten. Live waren und sind Hetfield und seine Mannen von je her eine Bank, was der furiosen und gottgleiche Auftritt beim diesjährigen Rock am Ring mal wieder eindrucksvoll unter Beweis stellte, rotzte man fast ausschließlich Klassiker ins weite Rund und der hier gerade diese salbungsvollen Worte einhämmernde Redakteur bangte sich am heimischen LCD Fernseher die Nackenwirbel wund. Dennoch wurde mir etwas flau, je näher der 12.09.2008 rückte, das Veröffentlichungsdatum des neuen, „Death magnetic“ betitelten, von Knöpfchendreher Rick Rubin produzierten Albums der Kalifornier, hatte ich doch das Debakel des letzten Albums im Hinterkopf. Was würden Metallica nun abliefern? Können die Jungs 22 Jahre nach ihrem letzten wirklichen Geniestreich an alte Erfolge anknüpfen? Wie hören sich die Songs an? Fragen über Fragen, ein zittriges Händchen und Schweißperlen auf der Stirn, als ich den Silberling seiner Hülle entnahm und langsam in den Schacht meines Players legte. Was würde mich erwarten?

 

Nach 3 Durchläufen stellte ich folgende Fakten fest: Erstens fiel mir der weitaus bessere Sound auf, zweitens scheint Master Hetfield seine Vorliebe für signifikante Riffs wiederentdeckt zu haben und drittens darf sich Kirk Hammet mal wieder mit seinen typisch quietschenden Soli austoben. Allerdings ist viertens wieder negativ, da Herr Ulrich seinen Snareteppich mittlerweile hörbar wieder festgezurrt hat, dennoch einen Sound fabriziert, der nach einer Weile echt wehtut. Ist aber egal. EGAL??? Ja, denn die Songs sind bis auf zwei Ausnahmen ein echtes Wunder. Keinen Scheiß a’la „Some kind of monster“ oder diesen ganzen „Load/Reload“-Dreck, nein, die Szenevetranen rotzen ein richtiges Thrash Gewitter in die Runde, die mein Herz höher schlagen lassen. Kompositorisch finde ich „Death magnetic“ auf einer Stufe mit „…and justice for all“, was gerade beim Opener „That was just your life“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird. Das darauf folgende „The end of the line“ setzt diesen Reigen fort und avanciert zum besten Track des Albums, da dieser alle positiven Eigenschaften Metallicas in sich vereint.  Satt produziert, viele Breaks, tolles Riffing, Soli wie früher. Wird live der Abräumer in der neuen Setlist. „Broken, beat and scarred“ dagegen ist leider der erste der insgesamt 2 Totalböcke, die der Vierer verzapft hat und daher auch kaum einer Erwähnung wert. Die erste Single „The day that never comes“ hingegen ist wieder ein Sahneschnittchen und als Reminiszenz an Übersongs wie „Welcome home“ oder „One“ gedacht. Gefühlvoll, hart, langsam, schnell, 7 ½ Minuten, DAS sind Metallica wie ich sie kenne und liebe. „All nightmare long“ erinnert äußerst wohltuend an „Disposable heroes“, wo hingegen das bereits live erprobte „Cyanide“ als mir etwas zu verschachtelter Midtempo Rocker daherkommt. Sehr zu meinem Verdruss zeigte dann aber die Leistungskurve etwas nach unten, denn „The unforgiven III“ ist schmalzig und langatmig, „The judas kiss“ kann ausschließlich mit einem Mörder-Refrain aufwarten und „Suicide & redemption“ ist trotz seiner exorbitanten Länge nie langweilig und tierisch abwechslungsreich.

 

Es ist doch sowieso schnurzpiepegal, was ich schreibe oder denke, jeder wird sich seine eigene Meinung über „Death magnetic“ bilden, da macht diese Besprechung nicht den Unterschied. Wichtig ist mir nur Euch mitzuteilen, das Metallica scheinbar aus ihrer Vergangenheit gelernt haben und den Ruf der Fans nach vernünftigen, eingängigen und den seit Jahren erwarteten Thrash Hymnen endlich erhörten. Das Album ist nun nicht die Quadratur des Kreises und auch nicht die Neuerfindung des Rades und niemand hat ernsthaft erwartet, ein „Master…Part 2“ zu Gehör zu bekommen. Dennoch haben Metallica ein für mich unerwartetes Album veröffentlicht, welches die Vormachtstellung des Metal Flagschiffes weiter manifestieren wird. Hut ab, die Herren.

Bewertung:


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