17. April 2024


           
Party.San Open Air 2014

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 07.08. - 09.08.2014
Anlass: Party.San Open Air in Schlotheim (Thüringen)
Autoren:
Chris [ct], Langhammer [tl], Tino [ts] & Torsti [tr]
Die Fotos schossen: Chris, Tino & Torsti

Freitag, 08.08.2014

Auf geht’s am ersten Tage mit Hentai-Porngrind aus Tschechien. Bei herrlichstem Sonnenschein und ein paar kleinen technischen Problemen gehen die drei Obersickos von Jig-Al leicht verspätet und dennoch sichtlich motiviert zu Werke und machen klar, dass es auf dem Party San 2014 keine Aufwärmphase gibt. Die musikalischen Gewaltphantasien über verstümmelte Hentai-Mädelz zeigen auch schnell Wirkung und so gibt es schon nach wenigen äh „Songs“ einen amtlichen Doppel-Circlepit. Besser kann kaum ein Festivaleinstand sein!

Völlig anders dagegen, nämlich musikalisch durchaus versiert und in ganz anderen Fahrwassern gehen nun Havok aus den USA zu Wege. Thrash Metal der guten 90er Schule wird geboten. An diesen Klangkontrast muss man sich erst einmal gewöhnen und so dauert es ein wenig, bis sich der Platz vor der Bühne wieder füllt. Die Männer aus Denver machen jedoch alles richtig und zeigen dass Bay Area Holz auf allen Wassern schwimmt. Qualitativ hochwertige Thashgranaten aus der bisher 3 Studioalben umfassenden Diskographie schlagen immer mehr durch und wissen zumindest die eingesessenen Thasher zu begeistern.

Und noch einmal Thrash Metal... und noch einmal absolut oldschool. Dabei ist aber irgendwie doch alles ein bisschen frischer. Das mag daran liegen, das Lost Society Gitarrist und Sänger Samy Elbanna, der gerade mal 18 Lenzen auf´m Buckel hat, abgeht wie ein Frettchen auf LSD. Absolut herzerfrischend. Seine drei Kollegen stehen seiner Energie jedoch kaum nach und brettern was das Zeug hält. Ein bisschen zwischen Forbidden, Testament und Death Angel. Und das, obwohl die Jungs aus Finnland kommen, wo man eigentlich tiefere Oktaven gewohnt ist. Egal, der Gig ist richtig geil und begeistert sicher auch den ein oder anderen Tieftonliebhaber.

Ok, nach drei Mal ordentlich auf die Mütze kommt nun die große Handbremse. Nautic Funeral Doom – so lautet eine der Beschreibungen des ganz speziellen Stils der deutschen Slomo Metaller. „Nautic“, da sich AHAB textlich immer im Bereich der Seefahrt bewegen und „Funeral Doom“ da mit einer musikalisch überwältigenden Schwere von Düsternis und Tod aus Romanen wie „Moby Dick“ (von Herman Melvilles - Anm.d.Verf.) oder „Der Bericht des Athur Gordon Pym“ (von E.A. Poe - Anm.d.Verf.) erzählt wird.

Im Genre sind sie schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Dass sieht man auch an dem beachtlichen Pulk, welcher sich noch zu den Introtönen vor der Bühne anstaut. Mir ist das ganze ein wenig zu schwer und ich schaue es mir vom schattigen Brutz und Brakel Stand an. Fünf Songs passen in das etwa 35minütige Set und in einem davon covern AHAB ihre Würzburger Genrekollegen und Freunde von Omega Massiv mit dem Titel „Wölfe“, welcher irgendwie auch der flotteste Song bleibt.

AHAB auf dem Party.San Open Air 2014
AHAB

Mal wieder starker Kontrast: Die Beats, welche AHAB zuvor im ganzen Set gespielt haben, werden bei Inquisition im ersten halben Song verbraten. Der Black-Thrash Metal der amerikanisch – kolumbianischen Zwei-Mann-Kombo im guten alten Dissection bis Satyricon Stil verprügelt brutal die Nachmittagssonne und holt einen zurück aufs Party San. Blastbeats im Wechsel mit mächtig stampfenden Midtempi stehen bei Inquisition auf der Flagge. Sänger Dagon nutzt dabei weniger das genretypische Gekreische sondern einen wirklich fiesen Sprechgesang, welcher an die knarzenden Sargdeckel aus den guten alten Nosferatu-Filmen erinnert. Das es dabei durchweg nur um pro satanische Bekundungen geht, steht außer Frage. Inquisition sind zudem auch die erste Band mit Corpsepaint in diesem Jahr. Also, geht doch! [ct]

Aborted sind ja schon eine ziemlich anstrengende Truppe. Die Geschwindigkeit der Songs und die wenig eingängigen Strukturen wissen nicht jeden zu überzeugen. Als einer der ersten Death-Core Bands haben die Belgier sicher Ihre Daseinsberechtigung, dennoch können Sie das eher konservative Party.San Publikum nur vereinzelt vor die Bühne locken. Durch immer wieder auftretende Mikrofon Probleme wird die Darbietung nicht besser.
Die eben angesprochenen Alt-Metaller lassen sich von Benediction schon zahlreicher animieren. Das britische Urgestein hat es ziemlich leicht und erntet mit Songs der 90er Jahre die meisten Früchte. Die Performance passt, wie es sich für alte Hasen gehört. Nicht spektakulär aber grundsolide, so kann man den Auftritt alles in allem zusammenfassen.

Benediction auf dem Party.San Open Air 2014
Benediction

Dem schlossen sich Misery Index nahtlos an. Den Preis für die beste Performance gewinnen die Amis heute nicht, aber die zahlreichen Headbanger in den vorderen Reihen lassen vermuten das neues wie altes Material genau den Nerv treffen.
Mit Repulsion bekommen Szene-Veteranen eine ordentliche Portion Death/Grind geliefert. Der Bekanntheitsgrad der Band ist nicht unbedingt hoch angesiedelt, was sich in stark ausgedünnten Publikumsreihen vor der Bühne zeigt. Kein Wunder wenn man sich so rar macht, aber besonders ausgefallen ist die Leistung nicht, auch wenn hier Wegebereiter des Genre am Werk sind. Bis auf das Venom Cover „Schizo“ klingt für mich ein Song wie der andere. Sorry. [tr]

Mit den Schweden The Haunted wird nach dem hohen Grindfaktor von Repulsion die Thrash Metal-Keule geschwungen. Für mich lichteten sich erwartungsgemäß die Reihen vor der Bühne. Das Quintett mühte sich redlich den Anwesenden ordentlich in den Hintern zu treten. Allerdings hatten es die Schweden mit der harten Fraktion wohl doch so seine Mühe. Dennoch sollte es für die Fans ein guter Auftritt werden. Die Aggresivitätsfaktor der Band war in Ordnung, aber dennoch nur ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem was kurz danach folgen sollte. Mein alten Helden von Suffocation sollten gleich die Bühne beackern. Zur Überbrückung gab es dann noch ein paar Minuten Thulcandra in der Zeltbühne für mich. Die deutschen Black Metaller, die unübersehbar eine Vorliebe für Dissection haben, knallten dem gut gefüllten Zelt ihre Songs vor dem Latz. Vor dem Auftritt wünschte sich Frontmann Steffen Kummerer noch ordentlich Hall auf den Vocals. Nach zwei coolen Songs wollte ich mir aber vor der Hauptbühne einen guten Platz sichern. Was war ich glücklich als ich im Laufe des Nachmittages Sänger Frank Mullen im Backstagebereich traf und er den letztjährigen, gecancelten Gig mit Suffocation nachholen sollte!! Yeah! Mein Fresse…mit „Catatonia“ und „Effigy of the Forgotten“ ging es dann gleich volle Pulle los. Der etwas schmächtig gewordene Frank Mullen grunzte wie ein Uhrvieh und die Gitarrenwand um Terrence Hobbs thronte. Dazu der markante Bass von Derek Bowyer und das kraftvolle Drumming von David Culross! Einer meiner Lieblingssongs „Pierced from Within“ riss dann alles ein, bis der Klassiker „Infecting the Crypts“ letzte Power an die ausrastenden Fans übertragen sollte. Der Sound war megafett. Für meinen Geschmack hätte es aber durchaus ein Tick lauter sein können. Nach 45 Minuten war dann leider schon Schicht im Schacht. Geil wars und Daumen hoch für Suffo!

The Haunted auf dem Party.San Open Air 2014
The Haunted

Nach der 20-minütigen Umbaupause wurde es dann ganz dunkel! Die Schweden Marduk gaben sich auf dem Party San Festival erneut die Ehre und es sollte eine zwiespältige Angelegenheit werden. Musikalisch war alles eigentlich wie immer! Sänger Mortuus ist abermals der Blickfang. Sein düsteres Auftreten und sein fieses Organ ist perfekt „Black Metal-like“. Der Sound war gut und die Lichteffekte klasse. Auch die Songsauswahl war absolut in Ordnung. „The Levelling Dust“, „Christraping Black Metal“, das schleppende „Temple of Decay“ oder der Klassiker „Those of the Unlight“ machten einen coolen Eindruck. Als dann aber der letzte Ton erklang, verschwand die Band so schnell von der Bühne, wie ich es noch nie gesehen habe. Mastermind Morgan Hakansson habe ich als netten Zeitgenossen kennengelernt, aber diese Aktion lässt am Charakter der Band arg zweifeln. Kein Danke, kein kurzes Abfeiern mit den Fans! Die Pfiffe der Leute waren absolut berechtigt! Guter Auftritt mit einem faden Beigeschmack zum Ende.

Satyricon als Freitagheadliner fuhren dann aber ein Monsterbrett auf! Riesengrosses Backdrop und das Schlagzeug von Frost sind ein echter Hingucker. Nach einem kurzen Schlagzeug-Intro trat ein sichtlich gut gelaunter Satyr auf die Bühne und haute mit „Now, Diabolical“ und „Black Crow on a Tombstone“ mal gleich zwei richtige Hits ins weite Rund. Die anwesenden Massen machten super mit und Satyr bescheinigte den Fans einen „good job“. Mit „Forhekset“ vom 96er Album Nemesis Divina wurde es dann richtig finster. Die alten Songs klingen im neuen Soundgewand einfach wahnsinnig geil. Beim diesjährigen Ragnarök Festival haben mich die Norweger bereits umgehauen und auch in Schlotheim zeigen Satyricon, wer die Hosen an hat. Mit „The Pentagram burns‘‘, „Fuel for Hatred“, dem göttlichen „Mother North“ und dem abschliessenden „K.I.N.G“ ging der einstündige Gig dann standesgemäß und auch wie erwartet zu Ende. Ein würdiger Headliner beendet den zweiten Festivaltag! Daumen hoch für Satyr und seine Mannschaft! [tl]

Satyricon auf dem Party.San Open Air 2014
Satyricon


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