17. April 2024


           
Party.San Open Air 2015

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 06.08. - 08.08.2015
Anlass: Party.San Open Air in Schlotheim (Thüringen)
Autoren:
Tino [ts] & Torsti [tr]
Die Fotos schossen: Tino & Torsti

Samstag, 08.08.2015

Die Sonne lacht und nun geht’s weiter mit dem dritten Festivaltag! Was macht man, wenn man müde Knochen auf einem Festival wieder munter machen will??? Na klar, Grindcore und das in mehrfacher Ausführung!! Holocausto Cannibal und Hemdale! Einfach nur Aua für meine Ohren an diesem Samstag Mittag. Die Evil Invaders geniessen bei den Fans schon einen gewissen Kultstatus, wie man an der Anzahl der T-Shirts sehen kann….gelle, Torsti! Speed Metal alter Schule. Nicht wirklich meine Baustelle, also weiter mit einer längeren Trinkpause. Die Band Zemial habe ich mir dann komplett erspart, bis ich dann bei den Briten Winterfylleth wieder vor der Bühne war. Das Quartett zelebriert ihren progressiven Black Metal. Mich erinnert die Band sehr an die deutsche Kombo Der Weg einer Freiheit. Die Band zieht ihr Ding gnadenlos. Für mich Durchschnitt.
Das brasilianische Frickel-Death Kommando Krisiun ist auch ein stetiger Gast auf dem Party.San. Die Bühne füllen Sie mit Präsenz und aus den Lautsprechern dröhnt ihr filigraner Sound. Die Höhen sind heute ein wenig vom Winde verweht. Dennoch machen „The will to potency“ und Konsorten wieder Spaß bis zum geht nicht mehr. Nach drei Tagen wenig Schlaf und viel Hitze bin ich noch nicht bereit zu kapitulieren, damit bin ich nicht allein, wie man an den vielen Anhängern vor der Bühne erkennen kann. Mit „Ways of barbarism“ gab es einen Song vom Tags zuvor releasten Album, dass nach dem Auftritt ein Pflichtkauf war.

Krisiun auf dem Party.San 2015
Krisiun

Jetzt wurde die Party-Rackete gezündet. Toxic Holocaust verwandeln das Publikum in einen riesigen Party Kreisel mit hüpfen, tanzen und Surfen. Der Death Punk fetzt aber auch unnachgiebig und anders als in Wacken, weiß hier jeder, das diese Band weder etwas mit Nazis noch sonst welchem Scheiß zu tun hat. Wer auf die großen Songs „Nuke the cross“ und „Bitch“ wartet, der muss bis zum Ende ausharren, was sich dank der starken Spielperformance und dem großen Fun-Faktor recht kurzweilig gestaltet. So macht das abbiegen auf die Zielgerade dieses Wochenendes Spaß.

Es ist schon erstaunlich, dass Rotting Christ noch nie einen Fuß auf die Party.San Bühne gesetzt. Doch das ist nun vorbei und mit ihrem breit gefächertem Black Metal kommen die Griechen sehr gut an, können sich jedoch nicht an so großem Publikumsandrang wie Ihre Vorgänger erfreuen. Trotzdem legen sich die vier mächtig ins Zeug und erspielen sich weitere Symphatien.

Ghost Brigade passen auf den ersten Blick nicht wirklich ins Party.San Billing und auch spielerisch sind die Finnen eher der Weichspüler im Waschmittelregal. Für alle beteiligten Die Gelegenheit für eine Verschnaufpause, entweder vor der Bühne, den besinnlichen Klängen lauschend oder am Camp. Wer vor der Bühne verweilte wurde belohnt mit einem starken Auftritt. Sänger Manne Ikonen ist zwar nicht der Typ Beach Club Animateur, weiß aber durch seinen wechselhaften und tief gängigen Gesang zu überzeugen. Gerade die weiblichen PartySan Gäste danken für Songs wie „Aurora“ oder „Into the black light“. Ein gewohnt, mit bedacht gewählter Farbtupfer im Line up. Schön! [tr]

Kanadischer Death Metal in Form von Kataklysm steht als nächstes an. Vor Neun Jahren war das Quartett zum letzten Mal zu Gast und bis heute warte ich auf die damals versprochenen Old School Show der Knüppelfraktion. Mal sehen, was heute so dargeboten wird. Los geht es mit grachialer Power mit „To reign again“. Was für ein Sound- eine Wand aus Riffs überrollt die Menge. Den Headbangern gefallen Songs wie „As I slither“, „At the end of the world“ und „Push the venom“, wie man an den wehenden Matten erkennen kann, gut. Frontröhre Maurizio hat sichtlich Spaß und das Publikum gut im Griff. Mit „The black sheep“ und „Thy serpents tongue“ gibt es auch zwei Songs vom gerade veröffentlichten neuesten Output Of Ghosts and Gods. Nach „In shadows & dust“ und „Crippled & broken“ ist dann auch schon alles vorbei. Eine dreiviertel Stunde brachialer Death Metal. Die melodischen Kataklysm Scheiben kommen seit Jahren gut an bei den Fans. Dennoch vermisse ich die alten Auf-die-Fresse Zeiten und warte weiter auf eine Old School Show.

Mayhem auf dem Party.San Open Air 2015
Mayhem

Eine Kultband des norwegischen Black Metals ist als nächstes an der Reihe. Das erste und letzte Mal, dass ich Mayhem live gesehen habe ist schon etliche Jahre her und hat bei mir nur wenig positive Erinnerungen hinterlassen. Auch habe ich mittlerweile die Releases der Skandinavier aus den Augen verloren. Egal, zumindest kann ich heute endlich mal Fronter Attila Csihar live bewundern. Dieser fühlt sich hinter seinem Schädelaltar ziemlich wohl und preist etwas abwesend wirkend den Gehörnten. Mit dem Klassiker „Deathcrush“ geht es los, aber irgendwie klingen Mayhem anno 2015 ziemlich steril und diese alte rotzig, rumpelnde Attitüde von früher fehlt gänzlich. Über „My death“ vom Chimera Album und „To Daimonion“ geht es schließlich zu zwei weiteren All-time Klassikern: „Freezing Moon“ und „Pure fucking Armageddon“, die natürlich jeder Fan gebührend abfeiert. Starker Auftritt mit viel Feuer, welches für Gitarristen Charles Hedger meistens ebenso überraschend hochschoss wie für die Fotografen im Fotograben.

Die Zielgerade ist erreicht. Zum ersten Mal in meinem Leben werde ich jetzt My Dying Bride live zu Gesicht bekommen. Eine Band, die ich ebenfalls schon vor etlichen Jahren aus den Augen verloren habe. Mit einer großartigen Old School lastigen Setlist wissen die Engländer bei den Fans zu punkten. Bei Songs wie „Your river“, „A Kiss to remember“, dem grandiosen „Turn loose the swans“ und „She is the dark“ stirbt Sänger Aaron Stainthorpe von Song zu Song theatralischer. Was für eine großartige Show. Nie hätte ich gedacht, dass eine Band wie My Dying Bride auf dem Party San Open Air so gut ankommen würden, heute werde ich eines besseren belehrt, denn der Platz ist voll wie selten. Zum Schluss dieses depressiven, dunklen und vor allem intensiven Auftrittes werden die Fans dann mit „The cry of mankind“ vom 95er Album The Angel and the dark River in den Rest des Abends entlassen.

Das absolute Kontrastprogramm entert jetzt die Bühne. Den Headlinerslot des letzten Tages hat das Schweizer Metal-Chamäleon Samael inne. Seit fast deißig Jahren bereichert diese Band den Metal Bereich, wie kaum eine andere. Von stumpfem Black Metal über Death Metal hin zu Avantgarde/Industrial hat diese Combo schon mehr Genres durchstreift, als jede andere Band ihres Heimatlandes und sind sich dabei stets treu geblieben. Im vergangenen Jahr jährte sich das zwanzigste Erscheinungsjahr ihres Meilensteins Ceremony of Opposites. Grund genug sich in das Fahrwasser vieler anderer Bands zu begeben und das komplette Album am Stück zu spielen. Schon in der vergangenen Woche durfte ich auf dem Kirmesgelände in einem Norddeutschen Dorf diesem Highlight bereits beiwohnen. Heute bin ich pünktlich vor der Bühne und los geht es. Songs wie „Black trip“, „Son of earth“, „Baphomet's Throne“ und „To our martyrs“ klingen heute noch kraftvoller und dynamischer als damals. Schlagzeuger und Keyborder Xy verdrischt seine Instrumente, als gäbe es kein morgen. Der anfänglich etwas zu leise Vorphalac ist ebenfalls bester Laune. Wahnsinn, wie viel Power diese Jungs auch nach so vielen noch rüber bringen. Das Publikum, mittlerweile leider etwas ausgedünnt, nimmt die Herausforderung dankbar an und mobilisiert noch ein letztes Mal die verbliebenen Kraftreserven. Den zweiten Teil des Sets bildet ein Best-of der nach der Ceremony veröffentlichten Rundlinge. Schwerpunkt ist dabei das Nachfolgewerk Passage, welche gleich mit vier Songs gehuldigt wird: „Jupiterian Vibe“, „Rain“, „Shining kingdom“ und als krönenden Abschluss das treibende „My savior“. Was für ein furioser Auftritt! Samael sind ein mehr als würdiger Headliner für einen klasse Tag und schon ist auch die 2015er Ausgabe des Party San Open Air vorbei.

Samael auf dem Party.San 2015
Samael

Als Fazit des Wochenendes bleibt ein im Nachhinein doch interessantes Billing, viele gute Freunde, noch viel mehr Alkohol, viel zu heißes Wetter für ein Festival und die Gewissheit: Auch im kommenden Jahr sind wir wieder am Start. [ts]

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