23. September 2020


           
Metal Fest 2010

 

 

 
         
 

Bericht

Am: 13.05. - 15.05.2010
Anlass: Legacy Fest auf dem Flugplatz in Dessau (Sachsen-Anhalt)
Autoren:
Langhammer [tl], Olaf [od] & Torsti [tr]

Freitag, 14.05.2010

Keine Ente, eine saubere und funktionelle Dusche und ein Bongo mit Spülfunktion, ohne das einen aus der geöffneten Luke die Exkremente des Vorbenutzers anstarren. Herrlich!!! Geschlafen wie ein junger Gott, frische Brötchen auf dem Tisch und ein dampfender Kaffee. So muss das sein!!! Im Gegensatz zu Torsti und Jessy, die sich anscheinend nach einer längeren Eingewöhnungsphase erst an die arktischen Zelttemperaturen gewöhnen mussten. Shit happens. Nachdem ich gestern den Fahrdienst hatte, konnte ich also heute zünftig auf die Kacke hauen, was ich auch zu meinem Leidwesen tat, doch dazu später mehr. [od]

Die junge Bremer Kombo Deathtrip eröffnet den Festival-Freitag. Wie schon am Vortag, haben noch nicht viele Zuschauer um 12 Uhr mittags den Weg auf das Festival-Gelände gefunden. Zwar eignet sich die Musik der Death Metaller hervorragend, um in die Gänge zu kommen, doch das Publikum zeigt sich, wie gestern um dieselbe Zeit, eher zurückhaltend und geht auf die Animations-Versuche der Band gar nicht oder nur halbherzig ein. Auch bei mir können die Bremer leider nicht punkten.

Die Sachsen von Saxorior sind als nächstes am Zuge. Zwar können auch sie keine großen Publikums-Scharen vor die Mainstage locken, haben aber immerhin ihre eigene, eingeschworene Fan-Gemeinde dabei, die sich während der Umbau-Pause in den ersten Reihen staffelt und der Band schon beim Aufbauen zujubelt. Schnell können die vier Sachsen mit ihren rhythmischen und eingängigen Melodic Black Metal-Kompositionen und ihrer symphatischen Art auf der Bühne und Kommunikation mit den Zuschauern auch mich überzeugen, sodass die folgende halbe Stunde, in der SAXORIOR einen abwechslungsreichen Querschnitt ihrer 15-jährigen musikalischen Laufbahn präsentieren, wie im Flug vergeht.

Painful geben große Mühe, besonders Fronter Mike Oßwald performt energisch, engagiert und emotional, dass man fast Mitleid bekommt, dass das Publikum auf seine enthusiastichen Animations-Versuche einfach gar nicht eingeht. Davon lassen sich Painful jedoch wenig beeindrucken und ballern den Anwesenden in der nächsten halben Stunde eine ordentliche Ladung Thrash Death Metal um die Ohren. Ganz nett, aber nicht spektakulär.

Dass die Norwegischen Black Metaller von Urgehal schon so früh auf die Bühne müssen, kann ich mir ehrlich gesagt nicht erklären, denn immerhin kann die Formation aus Bergen auf 18 Jahre Bandbstehen und sechs Studio-Alben zurück blicken. Zudem konnten sich Urgehal in den letzten Jahren einer immer weiter wachsenden Fan-Gemeinde erfreuen und die lässt sich natürlich auch den heutigen Gig nicht entgehen. Musikalisch gibt es nichts auszusetzen, das gelingt den Norwegern aber in jedwedem Zustand, in Sachen Performance allerdings belassen es Urgehal ansonsten dabei, sich in Corpsepaint und Nieten auf die Bühne zu schleifen und schnell ihr Set runter zu zocken. Heute zeigt sich die Band gut gelaunt, Trondr Nefas lässt sich sogar zu dem ein oder anderen lockeren, lustigen Spruch hinreißen und unterhält sich mit dem Publikum. Atmosphäre kann bei einer Black Metal-Show bei Tageslicht zwar bekanntermaßen selten aufkommen, dies tut dem heutigen Auftritt der Norweger allerdings keinen Abbruch.

Kaffestand
Erstaunlich: Der Eisstand öffnete jeden Morgen für wenige Stunden. Kaffee war beliebter!

Im Hangar machten parallel dann auch bekanntere Bands Alarm! Hier wussten besonders Hellish Crossfire und Mystic Prophecy zu gefallen. [tl]

Einmal Thüringer bitte! Serviert wurde die Bestellung in Form Erfurter Death Kapelle Vintera die zu früher Stunde den wenigen Nasen im Hangar ihre solide Darbietung unter die selbige rieben. Kurz gesagt es gab erst mal mächtig uffe omme!
Unter Thors Hammer gebettet sind die Beckumer Hell’s Law. Wer Viking Metal erwartet hat war goldrichtig. Leider fehlt der Band noch die Eigenständigkeit, so dass es leider nicht mehr als eine mäßige Amon Amarth Kopie zu begucken gibt.
r eine 180° Wendung sorgten die Punker der Band Dead System. Ihr fröhlicher, durchschnittlicher Punk, sorgt für etwas Abwechslung an diesem sonst sehr Death, Black und Thrash lastigem Tag.
Schluss mit Lustig, zurück zum Death Metal. Sabiendas waren an der Reihe. Die Recklinghausener zockten reinen US Death Metal, mit wenig Schnörkel, dafür straight und ehrlich.
Nach den ersten Klängen von Morphyn frage ich mich wie Dead System es in den Vormittag geschafft haben. Stilistisch passt das gar nicht. Wie sollte es anders sein, gab es auch zu dieser Zeit mal wieder etwas Deathlastige Mucke, mit dem kleinen i-Tüpfelchen das hier mal deutsche Texte vorgetragen wurden. Bis dato bieten die Schwaben die reifste Darbietung, auch Ihre Musik ist ausgefeilt. Sehr schön! [tr]

Freitagnachmittag, 15:10. Scheiße kalt, trübes Wetter, ekelhaft. Nur gut, das die im Vorfeld mächtig unter Trommelfeuer geratenen Varg nun ihre musikalischen Keulen zückten und den Festivalground zünftig erzittern ließen. Jeglichen Vorwürfen zum Trotz absolvierte die Band einen saustarken Auftritt, der durch die wirklich toll geratene Bühnenoptik noch verstärkt wurde. Kerzenschein, rotes Licht, viel Nebel, das hatte schon was. Selbstverständlich musste Freki auch noch sein Statement zu den erhobenen Vorwürfen vom Stapel lassen, der allerdings in meinen Augen mittlerweile ein Anachronismus ist und nicht mehr sein müssten. Wurscht, die Menge ging gut mit und machte somit den Auftritt von Varg zu einer rundum gelungenen Angelegenheit. Nach dem Gig unterhielten wir uns lange mit den Gitarristen Skalli und Zasch und kamen schnell zum Schluss: Wenn die Jungs rechtsradikales Gedankengut in sich tragen, wachsen mir Schwimmhäute zwischen den Zehen.

Varg auf dem Metal Fest 2010
Streitbare Wikinger: Varg

Nun gab es erneut mächtig eins in die Fresse, denn das Polnische Abrisskommando Vader spielte zum Tanze auf und zementierte erneut eindrucksvoll ihren Ruf, als eine der besten und exzellentesten Death Metal Bands der letzten Jahre. Ohne viel Bühnenschnickschnack ballerten Peter und seine Mannen eine Perle nach der anderen ins Publikum, welches diese enorme Hitdichte mit ständigem taktvollen Kopfnicken gebührend zu huldigen wusste. Einzig der Sound ließ hier wieder etwas zu wünschen übrig, was bei dem Riffstakkato der Osteuropäer einer Sünde gleichkam. Dennoch…wieder ein glanzvoller Sieg für Vader.

Der gemeine Kohlrabe aus der Hauptstadt unseres Landes ist ein Phänomen. Überhaupt nicht im Metal oder Hard Rock verwurzelt schafft es diese famose Truppe immer wieder, auf den großen Metal Festivals das Publikum zu packen und mitzureißen. So auch heuer, als Teufel und seine Spielleute die Sackpfeife bliesen und das Publikum ist eine ekstatische Polonaise verfiel, die die gesamte Spieldauer über anhielt. Der Langhammer blutete schon aus den Ohren, doch Chris fand’s o.k. Ich war wie immer von Corvus Corax begeistert und freue mich schon auf die bald erscheinende neue CD. Die darauffolgenden Epica sah ich nur am Rande und musste feststellen, dass der bei mir jüngst erworbene Status der Band unter dem ziemlich ideenlos dargebotenen Set litt. Was nützen die besten Songs, wenn die Truppe einen Aktionsradius eines Bierdeckels vorzuweisen hat. Leider ein Schuss, der in seiner Gänze nach hinten los ging. [od]

Tja, was danach passierte, geht als eine äußerst dunkle Stunde in meine Festivalerinnerungen ein. Nicht die Tatsache, dass ich mit Teufel von Corvus Corax noch ausgiebig fachsimpelte, sondern ich mich zu einigen Runden Wilthener Goldkrone hinreißen ließ, die mir die Sinne raubten. Das ging leider so weit, dass ich Riger und Van Canto gänzlich verpasste und meine geliebten Testament nach nur 3 Songs aufgrund der sich um mich drehenden Welten verlassen musste. Ich legte mich in Langhammers fahrbaren Untersatz und pennte ein. Wach wurde ich gut 2 Stunden später vor meiner Haustür mit einer der fürchterlichsten Brausebirnen aller Zeiten und einer doppelten Erkenntnis: Nie wieder Weinbrand und ich habe nun (nach Torstis Korn Ausrutscher im Jahr 2008) ebenfalls mein Waterloo auf meiner Visitenkarte. Scheiße… [od]

Hey, wer hätte gedacht das Deicide wirklich in voller Besatzung antreten? Ich hätte nicht drauf gewettet, aber umso prächtiger war der eiserne Durchmarsch der Kalifornier (die kommen ursprünglich aus Florida…tztztz – Olaf / hauptsache warm! - Torsti). Wenigstens wurde einem bei dem Gedanken an den US-Bundesstaat mal ein klein wenig warm. Ansonsten war es Zeit für Propeller-Akrobatik vom ersten bis zum letzten Ton.

Epica auf dem Metal Fest 2010
Voll im Blick: Epica

Nach einer schier nicht enden wollenden Umbau Pause teilten sich Finntroll und Eluveitie die Bühne und spielten im schönen Wechsel Songs der einen und Songs der anderen Band. Alle Beteiligten hatte sichtlich Spaß an der Ausübung ihres Jobs. Ein weiterer positiver Nebeneffekt war die dadurch ausfallende zweite Umbaupause.
Altbekannte Sogs wurden durch den Einfluss weiterer Instrumente durch die jeweilige andere Band aufgepeppt. Der Auftritt Eluveitie/Finntroll ist sicher eines der Festival Highlights.
Für den heutigen Schlussakkord sind Testament verantwortlich. Zwar ist „The formation of damnation“ schon wieder 2 Jahre alt, dafür ist die Band stärker seit ihrer Reunion stärker als je zuvor. Die Power die von der Bühne auf das Publikum überspringt ist unbeschreiblich. Bei jedem Ton den Chuck Billy von sich gibt klebt man förmlich an seinen Lippen, der Herr ist in bestechender Form. All das sorgt für einen gelungenen Tagesabschluss, Horns up! [tr]

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